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Eine Bitte um Fisch des hl. Paul vom Kreuz

Es wird nicht viele Prediger geben, die so viele Bekehrungen geerntet haben wie der hl. Paul vom Kreuz (1694–1775), der Gründer der Passionisten, auch nicht viele, deren Predigt durch so zahlreiche Zeichen unterstützt wurde. Ein solches kleines Zeichen am Rande, eine Aufmerksamkeit der göttlichen Vorsehung, ist der Fischfang, über den aus dem Bischöflichen Prozeß von Corneto (vom 21. 4. 1777 bis 16. 1. 1778) die folgenden Aussagen in die Positio super introductione, Romae 1784, S. 876–877 übernommen sind. Corneto ist das alte etruskische Tarquinia, in der Nähe von Civitavecchia, das von Sarazenen zerstört wurde und, wiederaufgebaut, seinen Namen änderte, aber heute wieder Tarquinia heißt.

Frau Luzia Casciola, 53 Jahre alt, Gattin des Herrn Dominikus Costantini, eine prominente Wohltäterin des Ordens, sagte aus: Wie der P. Paul seine letzte Mission in Corneto hielt, die wahre öffentliche Exerzitien waren[1], hörte ich, als er sie begonnen hatte, daß Dominikus Antonius Sensi, der damals unser Verwalter war, einige kleine Geräte zum Fischefangen habe, die man Reusen nennt und die er manchmal in dem Mignonefluß aufstelle. Er wurde sowohl von uns wie von dem P. Paul gebeten, sie in den Fluß zu lassen. Aber jener sagte, es sei das vergebliche Mühe, denn es sei nicht die Jahreszeit, damit zu fischen. Jedoch, um dem Diener Gottes gefällig zu sein, stellte er sie auf, und am nächsten Morgen brachte er eine schöne Spigola von ungefähr zehn Pfund[2] ins Haus. Er wurde mit dem größten Beifall empfangen, und von da an brachte er zum Staunen aller jeden Morgen eine Spigola von ungefähr demselben Gewicht. P. Paul sagte ihm, er möchte gern, wenn er weiterziehen werde, eine noch größere Spigola bekommen, um sie seinen Ordensbrüdern im Klösterchen von Vetralla mitzubringen. Er sagte das lachend, und auch wir lachten darüber. Die Wahrheit ist aber die Tatsache, daß, als P. Paul Abschied nehmen mußte, fing der genannte Sensi eine sehr viel größere Spigola und brachte sie dem Diener Gottes, der sie mit nach Vetralla nahm. Nach dem Fortgang des Dieners Gottes trieben wir besagten Dominikus Antonius an, mit dem Fischen fortzufahren. Aber er fing nichts mehr. Darum hielten wir das Fangen dieser Spigolas für wunderbar. – –

Herr Antonius Sensi aus Corneto, 45 Jahre alt, sagte aus: Es geschah mir eine Sache, die sehr wunderbar war und mich stark überraschte und den Diener Gottes sehr in meinen Augen wachsen ließ. Als er das letzte Mal nach Corneto kam, um allgemeine Exerzitien zu halten – es werden jetzt etwa sechzehn Jahre sein – wohnte er mit seinen Gefährten im Hause Costantini, und ich stand zu ihren Diensten ihnen zur Verfügung. Wenn die Feldarbeiten in der Nähe des Flusses Mignone verrichtet wurden, pflegte ich, um Fische zu fangen, Reusen aufzustellen, mit denen man gewöhnlich ein paar kleine Fische fängt. Eines Abends sagten mir die Herrschaften Costantini, ich möchte die Reusen in dem Fluß aufstellen und solle mir Mühe geben, daß ich etwas Fisch für die Ordensleute finge, da sie kein Fleisch äßen. Dazu kam, daß die Barken der Fischer, die im Meer fischten, noch nicht gekommen waren, und da es Oktober war, konnte man nicht so leicht anderswo Fische bekommen. Auch der P. Paul bat mich darum, und so stellte ich, indem ich mich den Herrschaften Costantini fügte und auch dem P. Paul zu Gefallen, die Reusen im Flusse auf und erklärte, was auch immer ich fangen würde, wäre für sie. Am andern Morgen fand ich darin, was ungewöhnlich war, eine ungefähr acht Pfund schwere Spigola, und zu meiner größten Freude schickte ich sie sofort zum Hause Costantini. Als ich am Abend nach Hause zurückkehrte, beglückwünschten mich alle zu dem Fang der Spigola. Tatsache ist es nun, daß ich an jedem folgenden Morgen, solange die Mission dauerte, immer wieder eine große Spigola fing und ein paar kleine Fische. Am Samstagabend vor seinem Fortgang sagte mir der Diener Gottes, er möchte gern am nächsten Morgen eine größere Spigola haben, weil er sie gern seinen Ordensbrüdern nach Vetralla mitbringen möchte. Und es gelang mir, ihm diesen Gefallen zu tun, denn ich fing eine Spigola von etwa 20 Pfund, die P. Paul bei seinem Abschied mitnahm. Sobald der Diener Gottes gegangen war, war es aus mit dem Fang großer Spigolas. Denn ich habe weiter die Reusen in den Fluß getan, aber ich habe nichts anderes gefangen als ein paar kleine Fische, so wie auch vor der Mission. Und von da an habe ich fast jedes Jahr diese Fischerei betrieben, aber in all den Jahren gelang es mir nur, zwei große Spigolas zu fangen. Dieses Geschehen haben wir, nämlich ich, die Landarbeiter und die Herrschaften Costantini, für eine wunderbare Sache angesehen, sozusagen als ein Wunder der göttlichen Vorsehung für P. Paul.

[1] Nach Enrico Zoffoli, S. Paolo della Croce, III, 1406 (Roma 1968), fand diese Mission in der zweiten Oktoberhälfte des Jahres 1761 statt.

[2] Die Spigola ist ein Meerfisch, der auf dem Rücken wie eine Ähre gezeichnet ist. Sie wandert zum Laichen in Flüsse, wahrscheinlich im Frühjahr, wohl kaum im Herbst. Es dürfte sich um eine der sehr vielen Lachsarten handeln. – Ein Pfund damals im Kirchenstaat = 340 Gramm.

Aus: Wilhelm Schamoni, Wunder sind Tatsachen. Eine Dokumentation aus Heiligsprechungsakten, 2. Auflage, Würzburg/Stein am Rhein/Linz 1976, S. 232-234.