Tina 13
541

„Der Menschensohn muss vieles erleiden […]; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen“

Juliana von Norwich (1342-nach 1416)

englische Inklusin
Offenbarungen von göttlicher Liebe, Kap. 27 (Le Livre des révélations, coll. Sagesses chrétiennes, Éd. du Cerf 1992, p. 105, rev.; ins Dt. übers. © Evangelizo)

„Der Menschensohn muss vieles erleiden […]; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen“

In meiner Torheit wunderte ich mich darüber, dass Gottes tiefe Weisheit die Sünde nicht gleich am Anfang verhindert hatte; denn wenn er das getan hätte, so schien es mir, wäre alles gut gewesen […] Jesus antwortete mir: „Die Sünde war unvermeidlich, aber alles wird gut ausgehen, alles wird gut ausgehen, alles, was immer es auch ist, wird am Ende gut ausgehen“. In diesem einfachen Wort „Sünde" hat unser Herr meinem Geist alles vorgestellt, was nicht gut ist: die schändliche Verachtung und die überaus schweren Prüfungen, die er für uns während seines Lebens und bei seinem Tod erlitten hat; alle körperlichen und seelischen Leiden und Schmerzen aller seiner Geschöpfe [...] Ich betrachtete alle Leiden, die es je gegeben hat oder geben wird, und ich verstand, dass die Passion Christi das größte, das schmerzhafteste aller Leiden war und sie alle übertraf [...] Aber die Sünde selbst habe ich nicht gesehen. Ich weiß ja durch den Glauben, dass sie weder Substanz noch irgendeine Seinsweise hat; sie kann nur erkannt werden durch das Leid, das sie verursacht. Ich habe erkannt, dass dieses Leid nur eine bestimmte Zeitlang andauert: Es läutert uns, es bringt uns dazu, uns selbst zu erkennen und um Barmherzigkeit zu flehen. Die Passion unseres Herrn stärkt uns gegen Sünde und Leiden: So ist es sein heiliger Wille. In seiner zärtlichen Liebe zu allen, die gerettet werden, tröstet unser guter Herr sie sogleich auf liebevolle Weise, so als ob er ihnen sagen wollte: „Es stimmt, dass die Sünde die Ursache all dieser Schmerzen ist, aber alles wird gut ausgehen: Alles, was auch immer es ist, wird am Ende gut ausgehen.“ Er sagte diese Worte sehr zärtlich zu mir, ohne den geringsten Vorwurf […] In diesen Worten erkannte ich ein tiefes, wunderbares Geheimnis, das in Gott verborgen ist. Dieses Geheimnis wird er uns im Himmel enthüllen und vollständig bekannt machen. Wenn uns diese Erkenntnis zuteilwird, werden wir in Wahrheit begreifen, warum er es zugelassen hat, dass die Sünde in die Welt kam. Und wenn wir das erkennen, dann werden wir uns auf ewig freuen.