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Santiago_
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Fundamentaltheologie Plus - Ep 1.2.7. Probleme der Moderne – 5 Weitere Probleme. Eine Reihe von und mit Kpl Johannes M Schwarz Das moderne Weltbild, das versucht ohne Formursachen und Finalursachen…More
Fundamentaltheologie Plus - Ep 1.2.7. Probleme der Moderne – 5 Weitere Probleme.

Eine Reihe von und mit Kpl Johannes M Schwarz
Das moderne Weltbild, das versucht ohne Formursachen und Finalursachen auszukommen, leidet neben den bisher besprochenen, unter zahlreichen weiteren Problemen,.
Das erste ist das Skeptizismusproblem. Wenn Aristoteles ein Dreieck sah, war er sich als Vertreter des direkten Realismus sicher, dabei die Form oder Essenz eines Dreiecks wirklich mit dem Verstand zu erfassen. Für ihn existierte eine gewisse Union zwischen dem Verstand und dem Objekt. Da die Moderne jedoch bereits die Tatsache von Formursachen; also eine Essenz oder eine Natur der Dinge leugnet, können wir die Dinge selbst natürlich auch nicht wirklich begreifen. Was wir haben, ist eine mentale Repräsentation – ein fotographisches Abbild der Dinge im Verstand. Damit gibt es aber keinen direkten Bezug zum Objekt das draussen. Ein Graben existiert zwischen Realität und dem Verstand. So ist es im letzten auch nicht möglich, auszuschließen, dass ich mich auf einem Stuhl in einem Labor böser Wissenschaftler befinde, die an mir Experimente vornehmen und mir durch einen Cocktail von Drogen und elektrischen Impulsen vorgaukeln, ich würde hier in meiner Einsiedelei sitzen und ein Video machen. Nicht von ungefähr hat es die Matrix-Filmreihe in eine Unzahl von Philosophie-Vorlesungen geschafft. Das Skeptizismusproblem ist also schlicht, dass wir am Ende keine Möglichkeit haben zu wissen, ob die Repräsenationen in unserem Verstand von etwas echtem ausgehen. Und so starren moderne Empiristen in ihre Mikroskope und können sich eigentlich nicht sicher sein, dass da auf den Glasplättchen wirklich das ist, was sie sehen – ja, dass es die Glasplättchen überhaupt gibt. Und am Heimweg von der Uni – umweltfreundlich auf dem Fahrrad – müssen sie sich fragen, ob das Fahrrad, auf dem sie sitzen, wirklich existiert und sie wirklich gerade in die Pedale treten. Dass sie all das im praktischen Leben normalerweise ignorieren und auf Pedalen eher handfeste Aristoteliker sind, ist gut für sie - und den Strassenverkehr -, aber die Theorien hinter ihrem Weltbild zu Ende gedacht, machen aus unserer Welt letztlich ein Konstrukt ohne verifizierbaren Bezug zur Wirklichkeit. Naturwissenschaftler mögen den aus dem Skeptizismus resultierenden Relativismus zwar verurteilen, er ist aber eigentlich nur die Konsequenz der philosophischen Grundannahmen, auf denen sie selbst aufbauen. In der Tat nahm Descartes diesen Skeptizismus zu seinem methodischen Ausgangspunkt. Und sein „cogito ergo sum“ wäre nicht nur Anfang sondern zugleich Ende seiner Überlegungen gewesen, wenn er die mögliche Täuschung nicht nur die Annahme eines Guten Gottes überwunden hätte – eine Lösung, die wohl den wenigsten modernen Zeitgenossen behagt.