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Die Irrtümer des neokatechumenalen Weges (Rom-Kurier)

Rom-Kurier

November - Dezember 2019 Nr. 237

Die Irrtümer des neokatechumenalen Weges

Einleitung

Im Jahre 1964 haben Kiko Arguello und sein Helfer Carmen Hernandez nahe bei Madrid den Weg zum Neokatechumenismus begonnen. Wer verstehen will, wie die wahre Natur des neokatechumenalen Weges aussieht, muß auf die Schriften von drei bestimmten Priestern zurückgreifen, weil sie die dafür grundlegenden Texte studieren konnten; diese Anweisungen sind so geheim, daß nur die vertrauenswürdigsten Katechumenen und Katechisten sie in die Hand bekommen. Wenn wir sie gelesen haben, so verstehen wir leicht, daß dieser neokatechumenale Weg ein doppeltes Gesicht hat; das eine täuscht so gekonnt, daß man meinen könnte, eine gute Bewegung der Kirche liege vor; das andere ist geheimnisvoll und esoterisch, aber wahr. Es repräsentiert nämlich die Wirklichkeit, daß diese Bewegung in geistiger Hinsicht falsch liegt, denn die in ihr dargelegte Auffassung ist völlig anders, als die katholische Kirche sie verlangt.

In diesem Artikel stützen wir uns auf das von Don Elio Marighetto verfaßte Buch Die Geheimnisse des neokatechumenalen Weges / Segreti del Cammino Neocatecumenale, Pro Manuscripto (kann beim Autor bestellt werden unter www.geocities. com/athens/delphi/6919.) Das Werk ist bündig und prägnant, da es den Leser auf alle folgende drei Werke verweist, [nämlich das von Pater Enrico Zoffoli, Die Irrtümer der neokatekumenalen Bewegung (Eresie del Movimento Neocatecumenale) Tavagnacco di Udine, Edizioni Segno, 5. Auflage 1992. Das andere Werk stammt von Don Gino Conti, Die Enthüllung des Geheimnisses (Un segreto svelato) Tavagnacco di Udine, Verl. Segno, 1997. Sie können diese Bücher bestellen bei info@dizionisegno.it oder www.edizionisegno.it. Wir geben Ihnen den guten Rat, mit dem von Don Conti verfaßten Buch zu beginnen, dann lesen Sie das Werk von Pater Zoffoli, weil es schwieriger zu verstehen und umfangreicher ist. Der Text von Don Marighetto faßt die anderen Werke gut zusammen, so daß sie leichter zu verstehen sind. Aus diesem Grunde stützen wir uns hier auf dieses Buch, weil der Autor der einzige der drei Priester noch am Leben ist. Tatsächlich ist Don Gino Conti der erste Autor, welcher etwa im Jahre 1990 die Möglichkeit hatte, den folgenden Text zu lesen und zu besitzen, nämlich Die Orientierung für katechistische Gruppen für den Zeitabschnitt der Bekehrung. Die von uns bei dem Treffen mit Kiko und Carmen im Februar 1972 in Madrid gemachte Aufzeichnungen, dienen dazu, um den Gruppen der Katechisten die richtigen Anweisungen zu geben. (Die Herausgabe fand im März 1982 in Italien statt durch das neokatechumenale Zentrum Der Knecht Jahwes; es hat seinen Sitz in San Salvatore von Rom, Platz San Salvatore in Campo). Diesen Text halten die Katechisten für das hauptsächliche und offizielle Dokument, wenn es gilt die Anhänger des neokatechumenalen Weges zu formen; auch werden nach ihm die Katechesen für die neokatechumenale Gemeinde eingeteilt. Dieses Dokument hat Don Conti vervielfältigt und unter den Neokatechumenalen selbst verbreitet, damit sie begreifen, daß die ihnen beigebrachte Lehre nicht katholisch ist. Darauf sandte er die Dokumente an den italienischen Episkopat und an den Heiligen Stuhl, damit die dort tätigen Theologen disziplinäre Maßnahmen gegen den neokatechumenalen Weg ergreifen. Auf diesen Schritt hin kamen dann die den neokatechumenalen Weg kritisch beurteilenden Verlautbarungen zustande. Die wichtigsten sind die am 1. August 1995 erschienen Interventionen vom Mgr. Bertoldo, Bischof von Foligno, die am 17. Mai herausgegebenen Dekrete von Kardinal Giovanni Saldarini, Erzbischof von Turin; die Intervention von Kardinal Piovanelli, Erzbischof von Florenz (am 25. März 1995), die seelsorgliche Note von der Bischofskonferenz in Pugliese (1. Dezember 1996); der vom 18. Dezember 1996 datierte Brief von Mgr. Nonis, Bischof von Vincenza; die am 22. Februar 1996 herausgegebenen Interventionen von Kardinal Papalardo, Erzbischof von Palermo; die Interventionen von Kardinal Giacomo Biffi, Erzbischof von Bologna (31. März 1996). Nach Pater Enrico Zoffoli hat auch Don Marighetto den von Don Gino photokopierten Text von Kikos und Carmen gelesen; daher konnte er persönlich den Weg und seine Anhänger kennen lernen und die geheimen Texte studieren. In seinem Buch kommentierte er sie und schickte sie auch an die zuständige kirchliche Autorität, damit diese sie begutachten und die darin enthaltenen Irrtümer korrigiere. Aus der Lektüre des grundlegenden Textes von Kiko-Carmen, den die zitierten Autoren angeführt haben, geht klar hervor, daß nicht alles falsch ist, doch viele grobe Fehler gegen den Glauben vorkommen. Dies gilt vor allem, was das kirchliche Lehramt, die Sakramente (speziell die Beichte, das Sakrament und das Opfer der Eucharistie), die Realpräsenz Christi in der konsekrierten Hostie, die erlösende Kraft von Jesu Kreuzestod, den Unterschied zwischen dem besonderen und allgemeinen Priestertum, die Natur der heiligmachenden Gnade, die Freiheit des Menschen und die Sünde betrifft. Daher wollen wir nicht jedem Anhänger des neokatechumenalen Weges dafür die Schuld geben, weil die Möglichkeit besteht, daß die Katechismuslehrer ihn falsch behandelt haben, und der Befürworter damit subjektiv im guten Glauben ist. In den Büchern der drei angeführten Priester finden wir keine Spuren von der Feindseligkeit gegenüber den Neokatechumenalen, sondern nur das apostolische Verlangen Klarheit zu schaffen, wie die Unterweisung des neokatechumenalen Weges den wahren Glauben verletzt.

Die hierarchische Struktur des neokatechumenalen Weges

Kiko Arguello steht an der Spitze der Pyramide des neokatechumenalen Weges; ihm stehen zur Seite Carmen Hernandez und der Priester Mario Pezzi; der Geistliche soll ja für die Kirchlichkeit des Weges garantieren. Unter ihnen rangieren leitende Katechisten an der Spitze der Gemeinschaften verschiedener Regionen und ganzer Nationen; sie verfassen die Katechesen von Kiko, formen die neukatechumenalen Kommunitäten und setzen an die Spitze die verantwortlichen Katechisten.

Die neokatechumenale Kirchenlehre

In den Orientierungen für die Mannschaften der Bekehrungsphase sagen Kiko und Carmen folgendes, wie wir der Vatikanszeitung Osservatore Romano entnehmen können: „Wir wollen in den Pfarreien eine Gemeinschaft formen, auf daß sie ein Zeichen seien. Mit der Zeit soll diese Gemeinschaft die Seelsorge und Struktur der Pfarrei bestimmen“ (O.R. Seite 28). „Die Urkirche wollen wir niemals als die einzige Bühne des Heils ansehen“ (O.R. Seite 81). Der Osservatore Romano stellt auf Seite 88 die Fragen: „Wo ist da die Kirche und wo bleibt da der Heilige Geist?“

Unsere (kritische) Antwort: Diese These bestreitet erstens die Unveränderlichkeit und Unvergänglichkeit der Kirche, obwohl das Erste Vatikanische Konzil (DS 3013), Papst Leo XIII. in dem Rundschreiben Satis cognitum(DS 3303) und der hl. Pius X. diesen Irrtum verurteilt haben, weil er für die Modernisten bezeichnend und typisch ist (DS 4295; 2601; 3453) Zweitens lehnt diese These die Sichtbarkeit der Kirche ab und macht aus ihr eine unsichtbare, rein geistige Gesellschaft, weil nur vom Heiligen Geist erfülle und vorherbestimmte Personen ihre Mitglieder sind. Wiederholt hat das Lehramt der Kirche diese irrige Behauptung verdammt: Vergleiche die Verurteilung von Montano und Begardi (DS 893), von Fraticelli (DS 910-912), Wyclif (DS 1187), Hus (DS 1201-1206), Luther (DS 1465 ff) und der Jansenisten (DS 2615). Schließlich bestreitet die genannte Aufstellung das Dogma, daß „außerhalb der Kirche es kein (ewiges) Heil gibt“. Diesen göttlichen und katholischen Glaubenssatz definiert das Konzil des Laterans (DS 802), das Konzil von Florenz (DS 1351), Papst Bonifaz VIII. (DS 870), Pius IX. (DS 2867), Leo XIII. (DS 3304) und der Papst Pius XII. (DS 38023808).

Die katholische Kirche: vollständig heidnisch

Diese Irrtümer nehmen Kiko und Carmn wieder auf, wenn sie sagen: Heute müssen wir die Kirche wieder so aufbauen, als ob sie von neuem beginnen würde (Orientierung für die katechistischen Gruppen, was die zweite Taufprüfung betrifft / Orientamenti alle équipes di Catechisti per il 2° scrutinio battesimale, S. 75, die Abkürzung heisst 2° SCR). Die Kirche ist voller Abgötterei, die katholische Kirche ist voller Heidentum (Orientierungen für die Gruppen der Katechisten bei der Einführung ins Gebet / Orientamenti alle équipes di Catechesi per l’iniziazione alla preghiera, S. 34 , die Abkürzung heißt „PR“). „Die Kirche ist halb zerstört und muß wieder aufgebaut werden“ (PR S. 34). „Mit Kaiser Konstantin geht die bis in unsere Zeit reichende Klammer auf. ... Heute müssen wir in einer anderen Epoche leben, wann die Völker die Kirche verlassen… Heute existiert die christliche Epoche, in der wir sehr religiöses und magisches Niveau haben. (Für die Anhänger des neuen Katechismus haben die Begriffe Religion und religiöse einen negativen Sinn, ähnlich wie heidnisch / idolatrico; sie stehen im Gegensatz zu dem Begriff Glauben/ fede; er klingt für sie geistlicher und positiver (ähnlich dem neokatechumenalen Weg). Heute beginnen wir eine andere Epoche, denn wir müssen in das Christentum kommen, wo die Menschen nicht in der natürlichen Religion, sondern im Glauben leben. Wir sollen die Religion verlassen, um das Gebiet des Glaubens zu betreten“ (OR, S. 60 f).

Unsere Antwort darauf: Diese These bestreitet die Existenz der Heiligkeit der Kirche; doch die kirchliche Heiligkeit gehört zu den vier Merkmalen des Glaubens, wie dies das apostolische Glaubensbekenntnis und das Credo des nizäischen Konzils definiert haben (DS 12 ff). Das erste Vatikanische Konzil (DS 3013) und das 1943 von Papst Pius XII. verfaßte Rundschreiben Mystici corporishaben diese Note wieder aufgenommen und erneut definiert. Weiterhin müssen wir festhalten, daß Kiko praktisch darlegt, die Werke der Kirche seien fehlbar. Nachdem die Neokatechumenalen diese Art der Katechese gehört haben, verlieren sie den Tabernakel aus ihrem Blickfeld und beginnen zu glauben, dort sei niemand mehr gegenwärtig; tatsächlich unterlassen sie die Kniebeuge, wenn sie da vorübergehen (…) Die Sakramente hören auf, Gnadenquellen zu sein, da sie jedenfalls unfähig bleiben, beständig das Gute zu bewirken. Die Priester werden nicht mehr zu geistigen Führern der Seelen, sondern bleiben gemeine Leute und Laien (dies bezeugt ein ehemaliger Katechist der Neokatechumenalen; zitiert bei E. Marighetto, S. 36). „Kiko läßt die Ansicht zu, daß die Lehre der Kirche tatsächlich fehlbar ist; der einzige Mensch, der die Dinge richtig bezeichnet, ist er selbst (…). An die Unfehlbarkeit des Papstes glaubt er nicht, trotzdem heuchelt er Unterwürfigkeit. (Dies bezeugt ein ehemaliger Katechist, den E. Marighetto auf Seite 36 zitiert).

Die dunklen Zeiten von Kaiser Konstantin bis zum Vatikanum II

Der Leser beachte, wie kurz der von Kiko und Carmen entworfene Exkurs der Kirchengeschichte ausfällt! „Im Jahre nullerschien Jesus Christus, dann traten die christlichen Gemeinden auf. Im Jahre 314 konvertierte Konstantin. 1962 fand das Zweite Vatikanische Konzil statt“ (OR, S. 248). „Wo ist heute der Geist des auferstandenen Christus? Wie können wir erreichen, daß er sichtbar wird? Durch das Mittel des Katechumenats; dies wollen wir in der Pfarrei durchführen“(OR, S. 35).

Unsere Antwort: Derselbe schon längst widerlegte häretische Irrtum liegt vor, wie bei der oben gemachten Behauptung, die Heiligkeit der Kirche würde nicht existieren.

Die Existenz der Kirchenhierarchie ist nicht gegeben, alle Gläubigen sind Priester

Kiko sagt: „Wir haben keine Priester im Sinne von Personen, die wir von allen anderen unterscheiden, daß sie in unserem Namen mit der Gottheit den Kontakt herstellen, denn der Priester, welcher für uns eintritt, ist Christus. Da wir seinen geistigen Leib ausmachen, sind wir allesamt Priester. Wahr ist, daß dieses Priestertum durch seinen Dienst sichtbar wird. Diener und Helfer dieses Priestertums sind einige Brüder“ (OR.S. 56-57).

Unsere Antwort: Das Konzil von Trient definierte unfehlbar den Glaubenssatz, im neuen Gesetz gebe es das sakramentale Priestertum (DS 1764); auch existiere das heilige Sakrament der Priesterweihe und die kirchliche Hierarchie (DS 1767-1770).

Die widerrechtlich beanspruchte Autorität, daß Kiko ein Prophet Gottes sei

Kiko wagt zu behaupten: „Der Katechist ist der Apostel, denn er führt dich beim Katechumenat und muß über den (richtigen) Weg wachen“ (OR, S. 30). „Die einzige Auslegung des Gotteswortes gibt die Kirche; im Namen der Kirche werde ich sie euch heute geben“ (OR S. 216). „Wenn ihr nicht anerkennt, daß wir die Katechismuslehrer des Gottes Jesu Christi sind, so ist das, was wir gerade tun ein kleines Kindertheater“ (Anweisung für Gruppen von Katechisten anläßlich der Erneuerung der ersten Taufprüfung, Seite 102-03, Abkürzung 1° SCR).

Unsere Antwort: Diese These lehnt die hierarchische Verfassung der Kirche ab, wie sie das Konzil von Trient (DS 1776), Papst Pius VI. (DS 2602) und der hl. Pius X. (DS 3454) als Glaubenssatz definiert haben.

Die Beziehungen zu den Pfarrern und Bischöfen

Was die Beziehungen zu den Pfarrern angeht, so verlangt Kiko, weil ihnen die Reife abgeht, das rechte Taktgefühl: „Was die Lage der Pfarrer angeht (…) so muß man zu ihnen mit recht viel Taktgefühl sprechen, weil sie in der kirchlichen Lage sind, in welche sie nicht die Möglichkeit haben auf zudecken, daß sie Sünder sind. Die Freiheit, welche für sie das Heil bedeutet, können sie nicht mehr besitzen. Also dürfen die Katechisten sie nicht öffentlich (4) der Prüfung unterziehen, daß sie in allgemeinen Dingen ausgeforscht werden. “ (1° SCR Seite 2). Dagegen gilt für die Anhänger des neokatechumenalen Weges die Anweisung, keine Abtötung zu tun, sondern in voller Freiheit zu handeln: Das Christentum zeigt an, liebe Brüder, daß ihr euch niemals das Gehirn so waschen läßt, bis ihr zu dem Punkt gelangt seid, die Freiheit verloren zu haben, dann sündigen zu können, wann ihr wollt“ (2 SCR Seite 143). „Einst gab es die Zeit, da man glaubte, um tugendhaft zu sein, müsse man sich aufopfern und sehr viele gute Handlungen verrichten. So etwas ist heute nicht mehr annehmbar. Wir leben in einer anderen Zeit. Lieber Bruder, niemals möchte ich dir raten, eine solche schlimme, stoische Haltung einzunehmen (Orientierung für die Katechistengruppe zum Schema, Seite 97).

Unsere Antwort: Diese Behauptung der Neokatechumenalen lehrt, für den Menschen sei es nicht möglich, moralisch gut zu handeln; doch das Konzil von Orange (DS 380), das Konzil von Trient (DS 1566 und 1572) und Papst Clemens XI. (DS 2448) haben diese These als häretisch verurteilt.

Frömmigkeit und Glaube

Den Unterschied zwischen Religion und christlicher Spiritualität erläutert Kiko auf folgende Weise: „Wenn der Mensch das höhere Wesen entdeckt hat, muß er versuchen, daß es ihm günstig und wohlwollend gesinnt ist. So wird die Religion sichtbar (…) Der Mensch errichtet dann dort, wo ihm Gott Gutes gibt, den Altar. Da bringt er Brotfladen, Tiere und Opfer dar. Dabei denkt er, Gott wird mir statt dessen andere Sachen geben … So stellt man einige Priester auf“ (OR, S. 55). „Alle Menschen der Naturreligion opfern Gott ihre Werke auf, doch dies ist nicht die gute christliche Haltung“ (1° SCR S. 42). „Die christliche Frömmigkeit besteht darin, daß die Christen Gott beständig loben. In der natürlichen Religiosität gibt es dieses Lobpreisen nicht; das Leiden und die Resignation sind gegenwärtig; in diesem Leben muß man leiden, um im anderen Leben die Belohnung dafür zu erhalten. Das Leben ist die Prüfung, um später die Belohnung dafür zu erhalten (…). Diese Auffassung ist irrig und vollständig unchristlich“ (1° SCR S. 43-44). Der andere Unterschied: „In der natürlichen Frömmigkeit hast du den Priester nötig; er trägt seinen gut aussehenden Talar und dient dir bei der Gottesverehrung (…). Im Christentum sieht die Sache anders aus. Die Begegnung mit Christus erhältst du über einen Christen. Dabei geht es nicht um Riten“ (OR, S. 64). Kiko vertritt die Meinung, daß über die christlichen Riten das Heidentum (in die Kirche) eindringt. „Durch die Liturgie kommt eine ganze Reihe von Ideen der natürlichen Religion herein, nämlich Gott Opfer darzubringen, um Ihn zu versöhnen; auf diese Weise kommen in die Liturgie heidnische Riten herein“ (OR, S. 320).

Die Realpräsenz

Danach redet Kiko längere Zeit über die Realpräsenz: „Die wichtigste Sache ist nicht Christi Realpräsenz in der Eucharistie, sondern in der Osterfeier“ (OR, S. 3225). „Niemals hatte die Urkirche Probleme mit der Realpräsenz gehabt (…). Christus ist die lebendige das Osterfest bewirkende Realität, welche die Kirche gleichsam mitnimmt. Nun beginnt die Zwangsvorstellung über die Tatsache, ob Christus im Brot und im Wein gegenwärtig sei (…). Die katholische Kirche wird in Hinsicht auf die wirkliche Gegenwart gequält. Große Aussetzungen des Allerheiligsten Sakraments, aber Brot und Wein sind nicht dafür gemacht, um ausgesetzt zu werden, weil sie verderben. Wenn Jesus gewollt hätte, daß die Eucharistie hier bleibt, so hätte er wohl bewirkt, in einem Stein gegenwärtig zu sein, der verdirbt ja nicht. Die Eucharistie ist fürs Festmahl da, um uns zum Osterfest zu führen. Doch seit dem Konzil von Trient wird die Messe gefeiert, um die Konsekrierung zu vollziehen, Jesus gegenwärtig zu haben und in den Tabernakel zu stellen“ (OR, S. 329-330). „Hat Gott etwa nötig, durch das Blut seines Sohnes sich versöhnen zu lassen? Was aber haben wir da aus Gott gemacht“?(OR, S. 333 f). „Das von Gott gewünschte Opfer ist unser Leib, weil im Christentum keine Tempel existieren. Wenn ihr von der Frömmigkeit wegkommen wollt, müßt ihr den neokatechumenalen Weg benutzen; ihr seid verpflichtet, die Götzendienerei unserer Zeit aufzugeben (…) Die Kirche ist voller Götzendienst, die katholische Kirche ist voller Heidentum“. (Orientierungen für die Gruppe der Katechisten, wenn es gilt, ins Gebet einzuführen, S. 34, Abkürzung: PR).

Unsere Antwort: Diese Aussagen bestreiten zunächst die Existenz der sühnen-den und versöhnenden Kraft des Meßopfers, dann auch die wirkliche Gegenwart Christi unter den eucharistischen Gestalten selbst nach der heiligen Messe; das Konzil von Trient (DS 1513, 1740), das vierte Laterankonzil (DS 802), das Konzil von Konstanz (DS 1151) und noch einmal das Trienter Konzil (DS 1651) haben diese Glaubenswahrheiten endgültig definiert.

Der Glaube ist die durch die persönliche Begegnung mit Christus gemachte Erfahrung

Kiko vertritt die Ansicht, das Christentum sei nicht die Vereinigung von (dogmatischen) Wahrheiten und moralischen Vorschriften: „Wer Christ ist braucht nicht irgendwelchen Wahrheiten anzuhängen. Das Christentum ist nicht die Gesamtheit von Wahrheiten, welche statisch dastehen, als ob Gottes Wesen statisch wäre (…). Tatsächlich ist das Christentum keine Lehre, sondern eine frohe Botschaft, das vor allen anderen religiösen Ereignissen sich unterscheidende Geschehen“ (OR. Seite 127). „Das Christentum ist kein moralisches System. Jesus ist nicht das ideale Leitbild fürs Leben; er kam nicht, um uns ein gutes Beispiel zu geben zur Unterweisung, auf welche Weise wir das Gesetz erfüllen sollen“ (OR, Seite 125).

Unsere Antwort: Diese Aufstellungen nehmen den modernistischen Irrtum über die religiöse Erfahrung wieder auf, obwohl der heilige Papst Pius X. mit seinem Rundschreiben Pascendi von 1907 ihn verurteilt hat.

Es ist nicht notwendig, mit der Gnade zusammenzuarbeiten

Aus diesem Satz folgt, daß „die Kirche nichts verurteilt, nichts verlangt, sondern rettet, sorgt und vergibt“ (OR, Seite 90). „Das Christentum fordert nichts und von niemandem, sondern regelt alle Dinge“ (OR, Seite 223).

Unsere Antwort: Diese These behauptet, es sei unnötig, daß der Mensch bei der Gnadenverleihung durch Gott irgendwie mitwirkt; das Konzil von Trient hat diesen Satz als häretisch verurteilt (DS 1559).

Der völlig verdorbene Mensch besitzt keinen freien Willen mehr

Kiko meint, der Mensch habe keine Verantwortung. Er kann ja nichts böses tun, deshalb trägt er keine Schuld; auch kann er nichts Gutes tun, selbst wenn er es wollte, weil er unter der Herrschaft des Teufels steht: „Der Mensch ist völlig krank, weil er irdisch ausgerichtet ist. Er kann nur stehlen, streiten, eifersüchtig und neidisch sein. Da er nicht anders handeln kann, hat er keine Schuld“(OR, Seite 138). „Christus wurde auferweckt, ich selbst bin auferweckt. Von Gott habe ich die Verzeihung erlangt, bin daher immer lebendig (…) Wenn der Mensch vom (geistigen) Tod auferstanden ist, so will dies heißen, daß Gott ihm die Sünden verziehen hat (…)Nicht du sondern Gott wird dies tun“ (OR, S. 141, 144 und 123). „Die Bekehrung ist nicht die Reue über die Sünde, sondern das Vorwärtsschreiten“ (OR, Seite 167). „Der Mensch will das Gute tun, aber er vermag es nicht. Der Mensch wurde grundlegend unfähig, weil er unter der Herrschaft der Dämonen steht. Er wurde der Sklave des Bösen,der Böse ist sein Herr“(OR S. 130). „Der Mensch muß sündigen, weil er nicht anders handeln kann, ist er ja der Sklave der Sünde“(1° SCR, Seite 93). „Der Grund dafür, daß jemand sündigt ist die Tatsache, daß in ihm der Teufel steckt“ (Anweisungen an die Katechistengruppen für das Schema, S. 14)

Unsere Antwort: Die Kirche hat festgelegt, daß nach dem göttlich-katholischen Glauben die menschliche Natur nicht vollkommen verdorben ist, sondern nur von der Erbsünde verletzt wurde (Erstes Vatikanisches Konzil, DS 3004, 3026); weiterhin gilt, der Mensch habe seinen freien Willen bewahrt und ist deshalb für seine Vergehen verantwortlich, wenn er sündigt (Konzil von Trient DS 1555).

In der Urkirche fehlte das Sakrament der Beichte, es gab nur die Taufe

Der Leser beachte, wie Kiko zuerst das Sakrament der Beichte und darauf die Eucharistie beseitigt! „Die Urkirche hat für das Sakrament der Buße keine andere Erklärung, als daß es die Taufe sei (…). Als dann aber die Kirche immer mehr zur Institution wurde, da erschien auch die Institution der Buße“ (OR, S. 167) „Nicht in der Absolution (von der Sünde) besteht die Kraft des Ritus, weil wir sehen können, wie Christus uns die Vergebung geschenkt hat, sondern darin, den Menschen fähig zu machen, daß er die Vergebung spürt (…).Jemand kann die tiefgehende Verzeihung spüren, wann er bemerkt, wie er in Verbindung mit den Brüdern steht“ (OR Seite 176 f).

Unsere Antwort: Das Konzil von Trient legte dogmatisch fest, die Kirche habe von Christus die Macht erhalten, mittels des persönlichen Bußsakramentes die Sünden zu vergeben (DS 1670).

Die Eucharistie

„Die Eucharistie ist nur das Lobopfer. Andere sehen in der Eucharistie das Kreuzesopfer Jesu Christi(…). In der Eucharistie gibt es keine Opfergabe“ (OR, Seite 322 und 328). „Ohne die Gemeinde findet die Eucharistie nicht statt“ (OR, Seite 317).

Unsere Antwort: Das Konzil von Trient legte fest, es gehöre zum gottgegebenen Glauben, daß (selbst die sogenannte private) hl. Messe das wahre Opfer der Anbetung, des Dankes, der Versöhnung, der Genugtuung und der Bitte sei (DS 938, 940).

Zum Schluß

Wir können klar feststellen, wie die Lehre des neokatechumenalen Weges, objektiv gesehen, sich von vielen geoffenbarten Wahrheiten entfernt; diese Wahrheiten hat die katholische Kirche durch ihr unfehlbares Lehramt dogmatisch endgültig definiert. Aus diesem Grund müssen wir festhalten: Wenn auch der neokatechumenale Weg vorgibt, eine auf die Apostel zurückgehende römisch-katholische Bewegung zu sein, so dürfen wir dies nicht so sehen, das Gegenteil ist der Fall.

30.11.2017-sì sì no no