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G. Pasquali S.S.P 1964: Ich und beichten! Wieso? Vorwort und Kapitel I. Vorwort Vor der Kirche des heiligen Dominikus in Turin begegnete Don Bosco eines Tages einem Maurer, der ausgeglitten war und …More
G. Pasquali S.S.P 1964: Ich und beichten! Wieso? Vorwort und Kapitel I.

Vorwort

Vor der Kirche des heiligen Dominikus in Turin begegnete Don Bosco eines Tages einem Maurer, der ausgeglitten war und Gefahr lief, sich wehzutun. Der Heilige eilte auf ihn zu und konnte ihn gerade noch vor einem Sturz bewahren. Da dankte ihm der alte Mann und sagte: „Wenn Sie nicht gewesen wären, wäre ich hingefallen.“
Don Bosco erwiderte: „Könnte ich Sie doch vor dem Sturz in die Hölle bewahren!“

Diese Worte gingen dem Arbeiter so zu Herzen, dass er erschüttert über seinen Seelenzustand und von der Gnade Gottes angerührt bei ihm beichten wollte.
Ich will mir diesen Ausspruch des Heiligen zu eigen machen, denn er erklärt, warum ich dieses Büchlein schrieb. Könnte ich doch durch diese Zeilen dazu beitragen, viele Sünder aufzurichten, viele Schwankende zu stützen und sie vor dem Abgrund zu bewahren, aus dem sich niemand mehr retten kann.
Das Bußsakrament ist für die große Mehrheit der Christen das Heilmittel. Wer es vernachlässigt, beschwört die Gefahr ewiger Verdammnis herauf, wer es häufig empfängt, sichert sich den Himmel. So ist dieses Büchlein für die Gottfernen vornehmlich eine Mahnung zur Buße. Es kann allen von Nutzen sein, auch den Priestern in Ausübung ihres Amtes.


I DU SOLLST NICHT UNGLÜCKLICH SEIN

Gesegnete Neugier
Im Jahre 1838 kam ein eingefleischter Religions- und Priesterhasser, dem alles Heilige nur Anlass zu Hohn und Lästerung war, nach Ars. Von Neugierde getrieben, betrat er die Kirche und ging in aller Ruhe bis zum Altarraum vor, wo der heilige Pfarrer Johannes Vianney gerade Männerbeichten hörte. Da überkam den Eindringling plötzlich ein Schwindelgefühl, so dass er schleunigst kehrt machte und durch das Portal ins Freie hastete. Draußen atmete er auf.
Aber eine unerklärliche Macht bewog ihn, wieder umzukehren. Nach wenigen Schritten lief ihm ein Schauer über den Rücken und er zitterte an allen Gliedern. Seine Aufregung blieb den Umstehenden nicht verborgen. Ein Herr eilte ihm zu Hilfe. Er fasste ihn freundschaftlich am Arm und führte ihn geradewegs zum Beichtstuhl des Pfarrers, der ihn mit offenen Armen aufnahm. Der Anblick dieser gestrengen und doch so liebenswürdigen Priestergestalt erschütterte den Sünder so, dass er nicht anders konnte als niederknien und eine Generalbeichte ablegen. Als er sich wieder erhob, war er völlig umgewandelt. Von da an sah man ihn oft, ganz in Gott versunken wie ein Mönch, den Rosenkranz beten.

Ein Rat der Vorsehung

Der große deutsche Romantiker Clemens Brentano führte ein unstetes, von Selbstvorwürfen und tiefen Depressionen überschattetes Leben. So kam es, dass die Dichterin Luise Hensel, die Tochter eines protestantischen Pastors, ihm den Rat gab: Sie dürfen nicht so unglücklich sein! Sie sind doch Katholik und haben die Beichte!“ –
Brentano nahm sich das zu Herzen. Am 17. Februar 1817 legte er im Dom zu Berlin eine Generalbeichte ab und verließ die Kirche als ein anderer Mensch. Später schreibt er darüber: Ausgerechnet die Tochter eines Protestanten musste kommen, um mich zum Beichten zu bewegen. – Aus dem einstigen Schwarzseher und Weltschmerzler wurde durch dieses Erlebnis der Herold des heiligen Rosenkranzes, der Biograph der seligen Katharina Emmerick und der Sänger der Leiden Christi.

Der Revolutionär
Im Jahre 1823 hielt der heilige Gaspare Del Bufalo unter Mitwirkung von acht Missionaren in Pontecorvo eine feierliche Mission. Das war für diesen Ort geradezu ein geschichtliches Ereignis, hatten doch vierzehn Tage hindurch die auswärtigen und einheimischen Beichtväter alle Hände voll zu tun, ja zwei Missionare mussten sogar noch acht Tage länger bleiben. Wer in diesen Tagen nicht das Sakrament der Buße empfing, galt als gottlos. Auch die Magnaten, die „großen Tiere“, mussten sich wohl oder übel zum Beichtstuhl bemühen, wollten sie nicht Gefahr laufen, dass die Leute mit den Fingern auf sie wiesen und ihnen die Hölle prophezeiten.
Ob sie dann vor dem Beichtgitter ihre Sache recht machten, steht freilich auf einem anderen Blatt. Aber darum hatten sich die Missionare zu bekümmern, die sicher ihr Handwerk gut verstanden.
Nun gab es aber doch einen unter den Ortsgewaltigen, der sich in seiner rebellischen Gesinnung nicht beugte. Er ignorierte einfach die Missionare und ihre Sendung und stand allen Versuchen, ihn zur Teilnahme an den Predigten zu überreden, feindselig und ablehnend gegenüber.
St. Gaspare wurde davon in Kenntnis gesetzt. Er bat die Vorsehung um Erleuchtung, wie er an den Verstockten herankommen könne. Eines Tages sagte er nach dem Mittagessen unversehens zu Pater Barrera, er solle ihn in den Garten begleiten. Dort angekommen, sehen sie gleich darauf unterhalb der Gartenmauer den erwähnten Herrn ahnungslos vorbeispazieren. Die Gelegenheit ist günstig, denkt Del Bufalo und ersucht Pater Barrera, ihn in den Garten zu bitten. Unterdessen macht er sich heimlich aus dem Staube.
Um nicht unhöflich zu erscheinen, nimmt der Überraschte die Einladung an. Kaum hat er aber den Garten betreten, bemerkt er die Anwesenheit des Missionsoberen. Er kann sich einer unwilligen Geste nicht erwehren und sagt, um sich aus der Affäre zu ziehen: „Hochwürdige Patres, ich will sie in Ihrem Gespräch nicht stören. Gestatten Sie mir, dass ich meinen Geschäften nachgehe!“

Aber der Diener Gottes hat ihn schon freundlich beim Arm genommen und sagt, während er ihn zu einem Sessel führt, mit liebenswürdiger Miene: „Oh nein, Herr X, Sie tun uns einen großen gefallen, wenn Sie einem Minute bei uns bleiben. Bitte, nehmen Sie Platz! Und Sie, Pater, holen Sie gleich eine gute Flasche!“
Barreras Abwesenheit bot dem Heiligen die beste Gelegenheit, seine Seelenfischernetze auszuwerfen. Es genügten wenige Worte, wie nur er sie finden konnte.
Als der Pater mit einer Weinflasche und Gläsern auf dem Tablett zurückkehrte, waren die beiden verschwunden. Sollten sie ihn an der Nase herumgeführt haben? Er stellte den Wein ab und ließ sich seufzend in einen Stuhl fallen. Dort wartete und wartete er, bis es ihm zu dumm wurde.
Schließlich kam er hinter die Lösung des Rätsels: Sie hatten sich um des Bußsakramentes willen in einem Zimmer eingeschlossen. Das musste wirklich eine Beichte sein, wie sie nur ein hartgesottener Meuterer gegen Gottes Gebote ablegen konnte, denn Her X verließ erst nach Stunden das Zimmer des Dieners Gottes, doch völlig verändert und revolutioniert durch Gottes Gnade. Sogenannte Freigeister und Religionsverächter, Hochmütige und religiös Gleichgültige betrachten es als abscheuliche Erniedrigung, wenn sie auf den Knien einem Menschen ihre Schuld bekennen sollen.
Sie haben keine Ahnung, wie tröstlich und herzerhebend eine solche Demütigung vor Gott, als dessen Stellvertreter der Beichtvater seines Amtes waltet, in Wirklichkeit ist.
Heilwasser
Beichten lässt den Rucksack wieder leicht wie eine Feder werden. Wer mit einem Sack von schweren Steinen herumrennen will, ist selber schuld!
Joannes Baptista