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Wenn der Glaube lebendig ist, kommt auch das Gebet von Herzen

Papst: „“

Das wahre Gebet besteht nicht aus Ritualen, sondern erfordert den Mut, dem Herrn unser Herz offenzulegen und im Bitten hartnäckig zu sein. Daran hat Papst Franziskus an diesem Sonntag beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz erinnert.

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24/10/2021

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Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

Bei seinen Überlegungen ging Franziskus vom Tagesevangelium (Mk 10,46-52) aus, in dem der Evangelist Markus von der Heilung des blinden Bartimäus berichtet, der in Jericho bettelnd am Straßenrand saß. Bartimäus ist blind, aber er sieht mit dem Herzen, und deshalb wird er auch hellhörig, als Jesus kommt. Spontan erkennt er, dass Jesus die Finsternis erhellt, dass er Vertrauen, Menschlichkeit und Heil bringt.

„Und als er hörte, dass Jesus vorbeikommen würde, begann er zu laut zu rufen: ,Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!'. Die Jünger und die Menge waren von seinem Geschrei genervt, beschimpften ihn und mahnten, er solle still sein. Aber er schrie nur noch lauter: ,Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!'. Jesus hörte es und blieb stehen.“

„Jesus ist beeindruckt von der Hartnäckigkeit, mit der dieser Bettler auf sich und sein Leid aufmerksam macht“
Denn auch Jesus sieht mit dem Herzen; er erkennt Bartimäus, ist beeindruckt von der Hartnäckigkeit, mit der dieser Bettler auf sich und sein Leid aufmerksam macht und sich von der aufgebrachten Menge nicht zum Schweigen bringen lässt.

Gott hört den Schrei der Armen...
„Gott schenkt dem Schrei der Armen immer Gehör,“ stellte der Papst fest. „Der Schrei des Bartimäus ist ihm nicht lästig; nein, er erkennt, dass er voller Glauben ist: einem Glauben, der sich nicht scheut, hartnäckig zu sein, an die Tür des Herzens Gottes zu klopfen, trotz des Unverständnisses und der Vorwürfe. Und hier liegt die Wurzel des Wunders. Denn Jesus sagt zu ihm: ,Dein Glaube hat dich gerettet'.“

Schon im Mai hatte Franziskus seine Katechesenreihe über das Gebet mit einer Geschichte über seinen Lieblingsbettler Bartimäus begonnen: einem Heiligen, der ihm „besonders sympathisch ist“ und der uns zeige, dass das Gebet „auch mal lästig sein darf“, wie er es bei diesem Anlass formuliert hatte.

Bartimäus habe den Herrn als den Messias anerkannt und ihn vertrauensvoll auch beim Namen genannt: „Jesus“. Er habe keine Angst vor ihm gehabt, ihn nicht um ein paar Münzen gebeten, sondern „von ihm, der alles vermag, alles erbeten“, fuhr Franziskus fort. Und das sollten auch wir uns zum Vorbild nehmen:

Wie steht es um mein Gebet?
„;Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir'. Machen wir uns dieses Gebet heute zueigen! Lasst es uns wiederholen,“ so der Rat des Papstes. „Und fragen wir uns: Wie steht es um mein Gebet? Ist es mutig, hat es die gute Hartnäckigkeit des Bartimäus, die die Aufmerksamkeit des Herrn, der vorbeikommt, zu ,fesseln' versteht – oder begnügt es sich damit, Gott dann und wann einen förmlichen Gruß zu entbieten, wenn wir uns irgendwann seiner erinnern? Hat mein Gebet ,Substanz'? Legt es mein Herz vor dem Herrn offen? Trage ich die Geschichte, die Gesichter meines Lebens vor den Herrn? Oder ist mein Gebet blutleer, oberflächlich, bestehend nur aus Ritualen, ohne Liebe und ohne Herz?“

Diese Fragen müssten wir uns stellen, denn wenn der Glaube lebendig sei, komme auch das Gebet von Herzen, stellte Franziskus abschließend fest und betonte:

„Jesus, der alles vermag, muss um alles gebeten werden. Er kann es kaum erwarten, seine Gnade und Freude in unsere Herzen zu gießen, aber leider sind wir es, die aus Scheu, Trägheit oder Unglauben auf Distanz bleiben. Möge uns Bartimäus mit seinem konkreten, beharrlichen und mutigen Glauben ein Vorbild sein.“

(vaticannews – skr)