Clicks385
M.RAPHAEL
2

Verhängnisvoller Universalismus

Viele mögen meinen, dass die größten Feinde der Kirche die Linken und die Feministen sind. Nein, das sind sie nicht, weil sie offene und offensichtliche Gegner sind. Viel schlimmer sind die konservativen Vat.2 Kleriker. Warum, weil diese durch unendliche aber sinnlose Appelle im Sinne von, „zurück zu den Sakramenten, der Missionierung und dem Glauben“, die wahre Umkehr als eine Überwindung des anthropozentrischen Vat.2 Geistes und damit des NOM verhindern. Sie sind oft herzliche Menschen und meinen es gut. Sie glauben an die Güte der Menschen. Liebevolles Händchenhalten setzen sie gleich mit dem Glauben an die Sakramente. Das ist ein Fehler. Die Liebe Gottes ist keine Menschenfreundlichkeit. Er kennt die Menschen. Wer die Menschen bedient, bekommt von ihnen einen Tritt. Allein die traditionelle theozentrische Liturgie vereint Gott und Mensch in der Wahrheit der gegenseitigen vollkommenen Hingabe.

Die modernen Kirchenfrauen haben völlig Recht, wenn sie Priesterinnen und mehr werden wollen. Sie folgen dem Geist des Konzils. Ähnliches gilt für Homopriester, für hochrangige katholische Politiker, die für Abtreibung, Ehebruch, Homoehe und künstliche Geburtenkontrolle sind, und alle anderen moderne Katholiken, die tun und lassen, was sie wollen, in dem sie ihre Heiligkeit statt über ihren sündhaften Leib über ihre gut meinende Intentionalität definieren. Alle halten sich für unschuldig. Der menschenfreundliche Vat.2 Geist bestätigt sie. Vat.2 Kleriker dürfen nicht die Werte der „alten“ Kirche einklagen und den NOM feiern, denn dieser „ordentliche“ Ritus leitet regelrecht zur menschlichen Selbstvergötzung an. Wenn sie dennoch darauf bestehen, verstehen sie nicht, was im Konzil und nachfolgend tatsächlich passiert ist. Also nochmal:

Mit der Aufklärung kam der Siegeszug der Wissenschaften. Grundlegend für diese ist die Methode des Universalismus, der Verallgemeinerung. Sie setzen voraus, dass z.B. die mathematischen Gesetze überall gelten, im Mikro- und Makrobereich, auch am anderen Ende des Universums. Der aufgeklärte und moderne Mensch denkt in Folge entsprechend. Das Individuelle, das Nicht Identische, das, was jedes Ding einzigartig macht, wird, soweit außerhalb der Theorien, verdrängt, oder, passend gemacht und zurecht geschnitten, in Schubladen des kontrollierbaren Bekannten hineingezwängt. Das Einzelne als solches gibt es für die Moderne nicht. Wenn etwas objektive Existenz beanspruchen will, muss es sich durch quantifizierbare und messbare Funktionalität beschreiben lassen. Qualität und zurückgezogenes Sein, alles, was sich einer kontrollsüchtigen materiellen Überprüfung verweigert, wird direkt negiert oder bestenfalls nicht ernst genommen. Dieses Denken hat sich mit dem Konzil in der Kirche etabliert und macht den „menschenfreundlichen“ weil kontrollfreundlichen Konzilsgeist aus.

Der Glaube an einen der menschlichen Kontrolle entzogenen, objektiven, unsichtbaren und zweckfreien Himmel wird als Aberglaube verachtet. Mönche, die nur beten, taugen deshalb nicht. Sie müssen ihre kontemplative Frömmigkeit durch aktive Pflegedienste körperlich beweisen, sonst können diese faulen Brüder „die Koffer packen“. Damit gibt es die zweck- und funktionsfreie Kontemplation in der Kirche nicht mehr, weil sie sich nicht durch Menschen überprüfen lässt. Gebete zu einer unsichtbaren und nicht verifizierbaren Transzendenz haben keine Berechtigung. Wer nur betet und deshalb nichts „tut“, fliegt raus. Damit haben auch die Sakramente nur noch einen rituell funktionalen Charakter, aber keine Realität mehr. Das ist leider die Wahrheit des Konzils.

Besonders haben wohl die Jesuiten darüber nachgedacht, wie sie die Kirche in der universellen Moderne als Volkskirche retten können? Wie soll die Kirche mit den anderen Religionen umgehen? Wie kann man diese umarmen? Wie kann eine globale Einheitsreligion christlich theologisch konstituiert werden? Entsprechend dem Absolutheitsanspruch der Physik wollten auch die Jesuiten jede Form von Religion und Spiritualität in den Griff bekommen. Es kam Teilhard de Chardin mit seinem hegelschen kosmischen Christus am Ende der Zeit. Es kam Karl Rahner mit seiner Transzendentaltheologie in allen irdischen Phänomenen getragen durch ein unergründliches göttliches Geheimnis. Auf beide werde ich immer wieder zurückkommen. Hier möchte ich nur Kurt Hübner in Bezug auf Rahner zitieren:

Alles bisher über Religion Gesagte dürfte daher unter dem Stichwort „natürliche Religion“ zusammengefasst werden. Könnte sie sich doch darin erschöpfen, dass der eine die Natur als das „Göttliche“ verehrte, der andere die Welt als „Baustelle“ seiner Freiheit verstünde, und schließlich wieder ein anderer, z. B. als Wissenschaftler, die Wirklichkeit in ihrer durchschauten Wahrheit als schön empfände. „All das wäre ja denkbar als das schweigende Woraufhin und Wovonher, das man erzitternd und vor einem letzten Verstummen „Gott“ nennen könnte“ (S. 92, Rahner, Grundkurs des Glaubens, Freiburg 1984).“ Hübner, Kurt, Irrwege und Wege der Theologie in die Moderne, Augsburg 2006, S. 184.

Sich das unergründliche göttliche Geheimnis als inkarnierte universelle Christusenergie in allem Irdischen auch nur vorzustellen, ist natürlich nicht biblisch. Es ist ein Verrat an Gott, an Seinem ersten Gebot. Die Bibel sagt uns, dass wir die anderen Religionen nicht verstehen müssen. Im Gegenteil. Stattdessen müssen wir bescheiden sein. Der Herr hat uns in die Heilige Kirche hineingeboren. In Liebe zu Ihm, zu Ihr und zu unserem partikularen Leben haben wir unser Bestes zu geben und unsere Berufung als Katholiken zu erfüllen. Wenn wir gerettet werden wollen, MÜSSEN wir auf universelle Kontrolle verzichten. Wir sind keine Götter. Wir sind liebende Gotteskinder, die durch ihre persönliche Hingabe in das Sein Gottes integriert werden und dadurch bald wieder in der Herrlichkeit zu Hause sind. Das ist nicht eine Regression in kindischen und lebensfeigen Kitsch, sondern die Einsicht, dass wir dadurch immer noch weit intelligenter sind, als die Chefs, die z.B. den Opernball besuchen. (Unerträglich ist die Meinung der Modernisten, dass der Sündenfall im Paradies die Menschen durch den Eingang in die Dialektik klüger gemacht und deshalb im Wert angehoben habe. Wenn sie auch nur einen Engel kennen würden, wäre Schluss mit solch hochmütigem Schwachsinn.)

Nicht nur wenn uns die Mutter Gottes an unserem Stammtisch besucht, reden wir manchmal durchaus komplexes Zeug. Wittgenstein hätte seine Freude. Aber dann auch wieder nicht, weil wir keine Sprachspiele gebrauchen. Wir sind Liebe. Wir benötigen keine Begriffe. Wir benutzen eine Sprache, in der nicht gelogen werden kann. Es gibt nur eine Bedeutung. Sie liegt im gegenseitigen Blick. Wir schauen uns an. Alles ist klar. Deshalb erfolgt selbst die komplizierteste Kommunikation ohne Zeitverzögerung. Alles ist jenseits von Zeit und Raum. Es ist das Sein der Liebe. Es ist schön im Himmel. (Gutmenschen kommen nicht in den Himmel. Weil sie sich selbst intentional für unschuldig halten, ohne es leiblich zu sein, gehören sie nicht zum Sein der Liebe. Sie könnten sich noch nicht mal ein Glas Wasser bestellen. Niemand würde ihren heimtückischen Blick der verschlagenen Schlauheit verstehen.)

Ich will das mit einem Zitat von Horkheimer und Adorno gegen den Universalismus abschließen, welches dem Konzilsgeist nahe kommt (das Konzil der „machtorientierten“ Buchhalter). Adorno war auch Komponist und im Dunstkreis der Wiener Schule. Immer die Musiker. Jesuiten, ihr solltet euch was schämen:

Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen besteht in der Souveränität übers Dasein, im Blick des Herrn, im Kommando.
Der Mythos geht in die Aufklärung über und die Natur in bloße Objektivität. Die Menschen bezahlen die Vermehrung ihrer Macht mit der Entfremdung von dem, worüber sie die Macht ausüben. Die Aufklärung verhält sich zu den Dingen wie der Diktator zu den Menschen. Er kennt sie, insofern er sie manipulieren kann. Der Mann der Wissenschaft kennt die Dinge, insofern er sie machen kann. Dadurch wird ihr An sich Für ihn. In der Verwandlung enthüllt sich das Wesen der Dinge immer als je dasselbe, als Substrat von Herrschaft. Diese Identität konstituiert die Einheit der Natur.
“ Horkheimer, Max, Adorno, Theodor W., Dialektik der Aufklärung, Frankfurt 2008, S.15.
Salzburger
Wie immer: Schön, wenn Sie so tief&scharf-sinnig sind, die SelbstVerGötzung als die 1 und einzige Sünde (und ihr GegenTeil als die 1 und einzige Wahrheit) zu erkennen. Aber dann sollten wir das auch durchhalten: Alle Wissenschaften (und besonders die vorgeblichen "NaturWissenschaften") neigen in der Tat zu einem Reduktionismus/Aktualismus/Technizismus, der verdummt und zerstört. (Weshalb "Nicht …More
Wie immer: Schön, wenn Sie so tief&scharf-sinnig sind, die SelbstVerGötzung als die 1 und einzige Sünde (und ihr GegenTeil als die 1 und einzige Wahrheit) zu erkennen. Aber dann sollten wir das auch durchhalten: Alle Wissenschaften (und besonders die vorgeblichen "NaturWissenschaften") neigen in der Tat zu einem Reduktionismus/Aktualismus/Technizismus, der verdummt und zerstört. (Weshalb "Nicht jeder Professor ist ein Trottel; aber jeder Trottel ist ein Professor." [GOMEZ DAVILA]) Aber dies ist nur ein Kopf der Hydra des AnthropoTheismus - die heutigen "AntiSzientisten" mit ihrer intendierten RückKehr zum kommunistisch gedachten UrSchleim sind genauso Gnostiker!
Salzburger
"Kommen wir dem Modernen mit dem Glauben, so mimt er den Wissenschaftlichen. Kommen wir ihm mit der Wissenschaft, so gibt er plötzlich den Sentimentalen." "Wundern wir uns nicht, wie schnell die Modernen ihre politischen und intellektuellen Moden ändern: Die modernen Ideologien sind nur Blendwerk, um die Gnostiker vor der Konfrontation mit der Wahrheit zu bewahren." (idem)