Gemeinschaft von Jerusalem verlässt Köln - „Prekäre Situation“ der Gemeinschaft

Hintergründe geben die Brüder und Schwestern der Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem in ihrem Newsletter:

„Köln, den 8. Mai 2022

Liebe Schwestern und Brüder,
seit 13 Jahren sind wir gemeinsam mit Ihnen hier in Groß Sankt Martin unterwegs. Sie waren Zeugen vieler Freuden und Herausforderungen, die unsere Gemeinschaften erlebt haben.

Darum möchten wir Ihnen jetzt gemeinsam die derzeitige Situation und die neuen Perspektiven unserer beiden Gemeinschaften mitteilen:

Seit Januar 2021, am Ende der Amtszeit von Bruder Jean-Tristan als Prior, hat die Gemeinschaft der Brüder einen Prozess der Reflexion und des Unterscheidens begonnen. Sie hat eine neue Form angenommen und sich eine neue Arbeitsweise angeeignet. Uns Brüder hat es beschäftigt, als Gemeinschaft in der Stadt zu wirken und gleichzeitig die Berufung und die Person jedes einzelnen Bruders zu fördern.

Im Laufe der Monate haben sich gemeinschaftsinterne Projekte entwickelt, aber gleichzeitig haben uns Brüder die Realität und unsere persönlichen Grenzen eingeholt. Wir mussten uns mit neuen, manchmal schwierigen Situationen auseinandersetzen. Heute leben zwei Brüder aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen außerhalb der Gemeinschaft. Mit ihnen stehen wir in regelmäßigem und brüderlichem Kontakt. Wir erleben aber zurzeit eine sehr prekäre Gemeinschaftssituation.

Seit mehreren Monaten bleibt eine schmerzhafte Frage offen: Soll das Institut der Brüder von Jerusalem die in Köln anwesenden Brüder abziehen und die Auflösung des Hauses beschließen?

Konfrontiert mit der Prekarität unserer Kölner Brüdergemeinschaft und nach mehreren Monaten der Reflexion und des Dialogs hat unser Generalprior, Bruder Jean-Christophe, die Entscheidung getroffen, ab dem 1. August 2022 die Brüder aus Köln zurückzuziehen. Es ist eine schmerzhafte Entscheidung, bei der er zuallererst die Sorge um jeden einzelnen der drei anwesenden Brüder im Blick hatte.

Konkret bedeutet dies keine Auflösung der Brüdergemeinschaft, sondern eine Zeit des Rückzugs, sodass die Tür für eine mögliche Rückkehr offen bleibt. Es handelt sich um eine vorübergehende Entscheidung, über die alle Brüder des Instituts auf einer Generalversammlung nachdenken werden, auch in Verbindung mit unseren Schwestern.
In der Zwischenzeit bleiben wir im Dialog mit den Verantwortlichen für das Ordensleben in der Diözese und gehen diese neue Weg-Etappe in Gemeinschaft mit unseren Mitschwestern.

Wir Schwestern nehmen diese schwierige, aber auch für uns nachvollziehbare Entscheidung unserer Brüder nicht leichten Herzens zur Kenntnis, aber wir respektieren sie natürlich.

Auch wenn wir, kirchenrechtlich gesehen, zwei voneinander getrennte Institute geweihten Lebens sind, kommt unser Charisma auch durch unseren parallelen Weg als Brüder und Schwestern zum Ausdruck.

Diese Grundüberzeugung werden wir nicht aufgeben, auch wenn nun hier bei uns in Köln das sichtbare Zeichen dafür nicht mehr in der gewohnten Form gegeben sein wird.

Nach einer intensiven Zeit des Nachdenkens und Betens jeder Schwester und des Gesprächs unter uns, dann auch gemeinsam mit den Brüdern, schließlich mit unserer Generalleitung und nicht zuletzt mit dem Erzbistum Köln, in dem Bewusstsein auch, dass damit nicht wenige Veränderungen auf uns zukommen werden, möchten wir Ihnen sagen, dass es uns ein Herzensanliegen ist, auch weiterhin in Köln zu bleiben und als Schwesterngemeinschaft hier in Groß Sankt Martin unsere Berufung zu leben.

Wir möchten uns dieser neuen Situation stellen und uns hier und jetzt für das Wehen des Geistes glaubend, hoffend und gestaltend öffnen!

Für die Ermutigung zu dieser neuen Perspektive, die ja auch einen gewissen „Experimentcharakter“ hat, für den Vertrauensvorschuss und die konkrete Unterstützung, die wir vonseiten des Erzbistums jetzt erfahren, sind wir sehr dankbar.

Wir zählen ebenso auf Ihre Freundschaft, Ihr Gebet und Ihre Unterstützung. Und wenn Sie sich in der Liturgie, die wir gemeinsam feiern werden, weiterhin mit Ihren hohen oder tiefen Stimmen einbringen, dann wird das für uns Schwestern auch eine Bereicherung sein!…

Vielleicht kommen Ihnen im Nachgang noch einige weitere Fragen zu dieser Entscheidung unserer Brüdergemeinschaft oder zu der Perspektive der Schwestern hier in Groß Sankt Martin. Darum möchten wir Ihnen gerne die Gelegenheit zum Nachfragen geben und laden Sie herzlich am Samstag, den 14. Mai 2022, nach der Abendliturgie um 19.15 Uhr ins Foyer An Groß St. Martin zum gemeinsamen Gespräch ein.

Ganz herzlich danken wir Ihnen für Ihr freundschaftliches Mitgehen und vertrauen auch diese neue Weg-Etappe Ihrem Gebet an!
Ihre Brüder und Schwestern von Jerusalem“