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Freiheit: Soll jeder machen wie er meint? Interview mit der Religionsphilosophin Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz: Individuen entscheiden sich tagtäglich wertend für Handlungsalternativen. …More
Freiheit: Soll jeder machen wie er meint?

Interview mit der Religionsphilosophin Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz: Individuen entscheiden sich tagtäglich wertend für Handlungsalternativen. Diese Lebenspraxis widerspricht der Idee des ethischen Relativismus, dass viele Menschen nicht in der Lage sind zu definieren was gut und richtig ist. Auch wenn unterschiedliche Menschen zu unterschiedlichen ethischen Entschlüssen kommen, handeln sie in der Regel erst dann, wenn sie ihre Handlung als gut bezeichnet haben. Auch wenn Menschen gegen ethische Konventionen verstoßen, setzt dies die Existenz dieser Konvention voraus. Dieselbe Dynamik gilt auch in der Ästhetik. Auch in der Vielfalt der Religionen, gibt es bei näherer Betrachtung stets die Bemühung auf Konzentration auf das Eine. Maximen des Relativismus wie "alles ist relativ" oder "es gibt keine Wahrheit" sind insofern widersprüchlich, als sie selbst ja Wahrheitsansprüche darstellen. Es ist bemerkenswert, dass auch zunehmend pluralistische Gesellschaften sich auf gemeinsame Werte wie Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Gerechtigkeit oder faire Einkommen einigen. Auch für angehörige fremder Kulturen, wie z.B. Flüchtlinge, stellen diese Werte eine hohe Anziehungskraft dar.

Univ.-Prof. em. DDr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz ist Philosophin, Sprach- und Politikwissenschaftlerin. Nach ihrer Tätigkeit als Studienleiterin auf Burg Rothenfels/Main, akademische Oberrätin am Seminar für Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie der Universität München, sowie als Privatdozentin in Bayreuth, Tübingen und Eichstätt, folgte eine Professur für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten/Bodensee. Von 1993 bis 2011 war sie Lehrstuhlinhaberin für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft an der Technischen Universität Dresden. Seit 2011 ist sie Leiterin des EUPHRat (Europäisches Institut für Philosophie und Religion) in Heiligenkreuz bei Wien.

Prof. Gerl-Falkovitz ist u.a. Trägerin des Joseph-Pieper Preises, des Edith-Stein-Preises, sowie des Augustin-Bea-Preises. Die Tagespost beschreibt Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz passend als „ein Leuchtfeuer im Nebel der postmodernen Landschaft“ und „eine der wichtigsten katholischen Stimmen in Europa“.