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1000plus-Tag: Es sind immer sehr persönliche Geschichten

(gloria.tv/ 1000plus.de) Am 6. Oktober haben die Mitarbeiter und Projektpartner von 1000plus bereits zum zweiten Mal die Freunde und Unterstützer des Projekts nach Heidelberg eingeladen.

Beim diesjährigen 1000plus-Tag hatten die rund 200 Gäste die Möglichkeit, das besondere Konzept der Schwangerschaftskonfliktberatung, welches die Beraterinnen von 1000plus in ihrer täglichen Arbeit umsetzen, kennenzulernen.

Kein Ermessungsspielraum beim Lebensrecht

Zunächst begrüßte die Schirmherrin des Projekts 1000plus, Johanna Gräfin von Westphalen, die Anwesenden. 1000plus, sagte sie in ihrer Ansprache, stärke in besonderer Weise das bürgerliche Engagement der Menschen. Vor allem die Kampagne „Lebenspotentiale“ begeistere Menschen, die sich früher nicht für das Thema interessiert hätten.

Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, hob in seinem Grußwort an die Gäste hervor, dass sich die Allianz von Anfang an für das Leben engagiert habe und aus diesem Grunde auch die Ziele von 1000plus mittrage. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, erinnerte Steeb an das verfassungsgegebene Menschenrecht. „Wenn es um das menschliche Lebensrecht geht, gibt es keinen Ermessungsspielraum.“ Daher wünsche er sich für die Zukunft ein Projekt „100.000plus“, das in ganz Deutschland ehrliche Beratung und konkrete Hilfe für Schwangere anbiete.

„Wir schürfen pausenlos nach Goldkörnchen“

Cornelia Lassay, Beratungsleiterin der BIRKE, und Brigitte Stelzle, die das Online-Beratungs-Team von Pro Femina leitet, boten bewegende Einblicke in die Beratungspraxis von 1000plus. „Es sind immer sehr persönliche Geschichten, die die schwangeren Frauen uns anvertrauen“, berichtete Cornelia Lassay. „Und sehr oft haben sie eines gemeinsam: Eine Abtreibung wird nie gewünscht, nicht selten aber als die einzige Lösung empfunden.“

Das gemeinsame Erarbeiten von Alternativen, die der Frau ein Leben mit Kind ermöglichen, ist daher das Ziel der Beratung bei 1000plus. Damit dies gelingt, muss man Vertrauen schaffen, zuhören, Ressourcen erkennen und nutzen: „Wir schürfen pausenlos nach Goldkörnchen“, beschreibt Brigitte Stelzle die Suche nach den eigenen Stärken der Frau, die oftmals der Schlüssel zur Lösung des Schwangerschaftskonflikts sind.

Den Schwangeren im Internet beistehen

1000plus ist heute eines der größten Projekte im deutschsprachigen Raum, das echte Beratung und konkrete Hilfe für ungewollt Schwangere leistet. Seit dem Projektstart vor drei Jahren hat 1000plus rund 3.000 Frauen im Schwangerschaftskonflikt beraten und ihnen geholfen, eine Perspektive für ein Leben mit ihrem Kind zu entwerfen. „Trotz aller bisherigen Erfolge stehen wir aber immer noch am Anfang“, sagte Kristijan Aufiero, Projektleiter von 1000plus. „Unser Ziel ist eine flächendeckende Beratung, die es leisten kann, das jede Schwangere im Konflikt die Beratung und Hilfe erhält, die sie benötigt, um sich für ihr Kind entscheiden zu können.“

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Online-Beratung: Mit seinem Forum auf www.vorabtreibung.net, dem ersten Pro-Life-Forum Deutschlands, erlebt 1000plus seit gut eineinhalb Jahren einen stetig wachsenden Zulauf. Mittlerweile sind dort pro Monat im Durchschnitt 5.500 Besuche zu verzeichnen. Damit wird die Seite inzwischen drei Mal so oft aufgerufen wie noch in den Anfangsmonaten.

Bekannt durch Babyflaschen-Aktion

Seine zunehmende Bekanntheit verdankt 1000plus auch seinem Unterstützer Prof. Dr. Claus Hipp, der dem Projekt 5.000 Babyflaschen zur Verfügung gestellt hat. Diese kommen im Rahmen der so genannten „Babyflaschen-Aktionen“ regelmäßig in Kirchengemeinden in ganz Deutschland als Spendensammeldosen zum Einsatz. Für ihn, schrieb Hipp in seinem Grußwort an die Gäste, gebe es „kein höheres Gut als das Wohl von Mutter und Kind“, wofür sich auch 1000plus einsetze: Durch die intensive Beratungsarbeit habe das Projekt „in den vergangenen Jahren einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass viele Babys auf die Welt kommen durften.“

Während der Beratungsbedarf im Schwangerschaftskonfliktfall steigt, hat die Zahl der Geburten in Deutschland mittlerweile einen historischen Tiefstand erreicht: Wie das Statistische Bundesamt berichtete, wurden 2011 in Deutschland nur rund 663.000 Kinder geboren, so wenige wie nie zuvor. Gleichzeitig wurden jedoch offiziell knapp 109.000 Kinder abgetrieben. Angesichts dieser Fakten zeigte Projektleiter Kristijan Aufiero neue Wege auf, die 1000plus für die Schwangerschaftskonfliktberatung ebnen und zukünftig einschlagen will.

Die Schwangeren sind verzweifelt - nicht frei in der Entscheidung

Es gebe ausreichend Studien zur demographischen Krise und zum Thema Kindermangel, so Aufiero. Doch die Möglichkeit, die Gründe für Abtreibungen festzustellen und zu beseitigen und die Hilfe für schwangere Frauen zu verstärken, werde nicht zur Lösung der Probleme in Betracht gezogen. Dies liege unter anderem daran, dass Abtreibung als ein Frauen- und Freiheitsrecht gelte. „Unsere Erfahrung zeigt uns aber etwas ganz anderes“, erklärte der Leiter von 1000plus. „Daher werden wir auch in den kommenden Jahren nicht aufhören, die Geschichten der verzweifelten Schwangeren zu erzählen, die sich in der Mehrheit für ihre Babys entscheiden, wenn sie Hilfe statt Beratungsscheine bekommen.“

Neben dem Ausbau des Beratungs- und Hilfsangebots möchte 1000plus erreichen, dass das Dilemma, in dem sich so viele ungewollt Schwangere befinden, eine breitere Aufmerksamkeit bekommt. Solche „Botschafter für das Leben“ waren auf dem 1000plus- Tag mit Familie Guido aus Quakenbrück vertreten.

Abtreibungs-Überlebender: Er wollte mit aller Kraft ins Leben

Bernhard und Simone Guido haben den heute 15-jährigen Tim, der das Down-Syndrom hat, als Baby aufgenommen. Tim wurde von seiner leiblichen Mutter abgetrieben, überlebte jedoch den Abtreibungsvorgang. Den anderen Gästen präsentierte er sich heute als äußerst lebendiger und fröhlicher Junge. „Von Anfang an haben wir den starken Charakter in ihm erkannt“, erinnert sich Pflegevater Bernhard Guido. „Tim ist jemand, der einen unglaublichen Willen hat und der einfach mit aller Kraft ins Leben wollte.“

Deutschland braucht neue Beratungsstruktur

Aufgrund der Erfahrung, die 1000plus in den vergangenen Jahren gewonnen hat, zieht Kristijan Aufiero den Schluss, dass eine ganz neue Struktur für die Schwangerenkonfliktberatung in Deutschland erforderlich ist: „Kein Beratungsgespräch sollte mehr enden, bevor die Schwangere nicht eine echte, reale und konkrete Alternative zur Abtreibung erhalten hat. Deswegen wollen und müssen wir die Beratungsarbeit von 1000plus in den nächsten Jahren stark ausbauen.“
Latina
sehr gut 👏