michael7
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Hausprophet des Silicon Valley
Der Prophet des WEF:
Durch die Bücher des Bestsellerautors Yuval Noah Harari weht ein eisiger deterministischer Hauch. Kein Wunder, dass man sie im Silicon Valley so gern liest.
Von Thomas Thiel
Yuval Noah Harari Laif
Von Yuval Noah Harari erwartet das Publikum Antworten auf die großen Fragen: Wird uns die Technik befreien oder versklaven? Gibt es eine humane Zukunft …More
Hausprophet des Silicon Valley

Der Prophet des WEF:
Durch die Bücher des Bestsellerautors Yuval Noah Harari weht ein eisiger deterministischer Hauch. Kein Wunder, dass man sie im Silicon Valley so gern liest.
Von Thomas Thiel

Yuval Noah Harari Laif

Von Yuval Noah Harari erwartet das Publikum Antworten auf die großen Fragen: Wird uns die Technik befreien oder versklaven? Gibt es eine humane Zukunft auf diesem Planeten? Mit seinen Büchern und Auftritten hat Harari diese Erwartung selbst genährt. Harari ist ein Historiker und eine Marke. Die Yahav-Harari-Group, aufgebaut von seinem Lebenspartner Itzik Yahaf, ist ein boomender Produktkosmos, der unter Hararis Namen Comics und Kinderbücher und bald auch Filme und Dokus vertreibt. Hararis Bücher haben Verkaufszahlen von mehr als zwanzig Millionen. Er spricht auf dem Wirtschaftsforum in Davos oder vor der Tech-Elite des Silicon Valley. Präsidenten wie Macron und Wirtschaftsführer wie Mark Zuckerberg suchen seinen Rat. Bill Gates ist von seinen Büchern regelrecht berauscht. Bei seinen Auftritten wird er wie ein Popstar gefeiert, obwohl er seinen Zuhörern nur die traurige Botschaft überbringt, dass sie schlechte Algorithmen seien, die bald niemand mehr brauche, weil die Maschinen es besser könnten. Für solche Thesen liebt ihn das Silicon Valley, denn es bedient das Menschenbild, auf dem es sein Geschäftsmodell aufbaut.
Von Fachkollegen ist schon mehrmals der Verdacht geäußert worden, dass die Thesen des an der Hebrew University Jerusalem lehrenden Historikers nicht hieb- und stichfest seien. Harari beackert ein Feld, das eigentlich keine Wissenschaft ist: die Big History. Der in den Neunzigerjahren gewachsene Zweig der Geschichtswissenschaft erklärt die Geschichte vom Urknall bis in die Gegenwart und ist notwendig eine Synthese von anderen Forschungsleistungen, von der Biologie bis zur Astrophysik. Harari verleiht dieser Meistererzählung einen weltanschaulichen Spin. Kulturelle Leistungen sind für ihn flüchtige Fiktionen, ausgenommen ihr „harter“ Kern: die Rechenprozesse oder Algorithmen, denen er geradezu göttliche Potenz zuspricht.

Ist Harari ein Wissenschaftspopulist? Ein gefährlicher Mann? So nennt ihn Darshana Narayanan in der amerikanischen Zeitschrift „Current affairs“. Die Biologin wurde erstmals auf Lücken in seiner Menschheitserzählung aufmerksam, als sie den Satz las: „Alle Tiere haben Sprache.“ Wirklich? Dass dem nicht so ist, meint Narayanan aus ihrer eigenen Forschung über lautliche Kommunikation von Krallenaffen zu wissen. Affen können Informationen weitergeben, verfügen aber nicht über ein symbolisches System, das an Sprache heranreiche. Ein anderes Mal lasse Harari zwei Tierarten aufeinander los, die in ganz verschiedenen Weltregionen leben. Der Mensch ist für ihn eine obsolete Datenverarbeitungsmaschine und gegenüber den Algorithmen nur ein kleines Huhn. Das Huhn, hält Narayan dem entgegen, sei aber ein dem Menschen weit überlegener Datenverarbeiter, was den Sehsinn betreffe. Schlimmer noch als einzelne Faktenfehler, die im Rahmen der Big History verzeihlich wären, sei, dass Harari weltanschauliche Schlüsse aus Wissenschaften zieht, die er nicht richtig verstehe, besonders aus Genetik und Künstlicher Intelligenz.
Das Gehirn als Software
Das ist auch der Eindruck einer Gruppe von Wissenschaftlern an der Universität Wien, die Hararis Schriften unter dem Titel „The Harari Project“ kritisch unter die Lupe nimmt. Ihr Fazit lautet sinngemäß: Harari zimmert aus längst überholten Sichten aus Genetik und KI ein deterministisches Geschichtsbild, das den Menschen einredet, ihre Zeit sei unwiderruflich abgelaufen. Durch seine Schriften wehe ein eisiger positivistischer Hauch.
Beginnen wir von vorn: Harari hat neben seiner militärhistorischen Dissertation drei Bücher geschrieben. „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ beschreibt die Entwicklung des Menschen seit dessen Anfängen. „Homo Deus“ (2017) wirft den Blick in die Zukunft und beschreibt, wie der Mensch von den Maschinen aufs Abstellgleis geschoben wird. Sein jüngstes Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ (2019) ist eine Essaysammlung mit Lebenstipps. Harari wirft sich in die Pose des Weisheitslehrer des Menschengeschlechts. Das erste Buch, das aus einer Reihe von Vorlesungen entstand, erzählt die Geschichte der Menschheit seit der neolithischen Revolution. Was den Menschen nach Harari vom Tier unterscheidet, ist seine Fähigkeit zur Fiktion und zum Storytelling. Menschen erzählen Geschichten. Sie können Abwesendes sprachlich repräsentieren und deshalb arbeitsteilig in großen Gruppen zusammenarbeiten. Das ist keine Neuheit und knüpft an das an, was der Kulturphilosoph Ernst Cassirer „animal symbolicum“ nannte. Anders als Cassirer wirft Harari allerdings alle möglichen kulturellen und geistigen Artefakte in den großen Kessel der Fiktion. Fiktionen sind für ihn Märchen, Formeln, Theorien, Gesetze, Normen, Konventionen oder politische Ordnungen, also Dinge ganz unterschiedlichen Realitätsgehalts und ganz unterschiedlicher sozialer Geltung. Das Geld ist etwa eine solche Fiktion oder der Staat. Es gibt bei Harari aber keine staatlichen Gewaltmittel und keine Realwirtschaft, die diesen Fiktionen Substanz verleihen. Weil für Harari alles nur Einbildung ist, kann es auch im Handstreich weggefegt werden, Staaten, Kulturen, Traditionen, außer, wie gesagt, die Technik.
Eine Art Fiktion ist bei Harari auch der Mensch selbst. Er reduziert ihn auf einen Strom messbarer Datenflüsse, die von ihm unzureichend verarbeitet werden. Die menschlichen Daten können von Algorithmen aufgegriffen werden, die bald besser über seinen Emittenten Bescheid wissen als dieser selbst. Das ist nicht weiter bedauerlich, wenn der Mensch selbst nichts anders als eine schlechte Software ist. Gefühle, Geist, Innenleben, alles, was sich nicht in Daten messen lässt, erklärt Harari zum historischen Irrtum. Das Gehirn ist bei ihm eine Software, die keine biologische Hardware braucht. Er wärmt damit transhumanistische Mythen auf, die von der neurobiologischen Forschung längst widerlegt sind, genau wie die Annahme, das Gehirn funktioniere nach einfachen mathematischen Gesetzen.
Alles nur Mathematik
Wenn der Mensch eine Maschine ist, dann ist auch der freie Wille eine Illusion, ebenso wie die liberalen Staatsordnungen, die auf ihm aufbauen. Wir würden bei Wahlen nicht denken, schreibt Harari an einer Stelle, sondern nur fühlen (sogar ohne Innenleben). Das Silicon Valley hört so etwas gern – ein freier Wille würde ja auch nur stören in den Affektuniversen des Überwachungskapitalismus. Es verwundert dann nicht mehr, dass die politischen Ordnungen, ohnehin nur Fiktionen, in Hararis Zukunftsbuch von einem Maschinenuniversum weggespült werden. An die Stelle der zukunftsoffenen Geschichtsschreibung tritt die Untergangsprophetie: Hier wird ein Gesellschaftsmodell zur alternativlosen Zukunft, ja zur notwendigen nächsten Evolutionsstufe erklärt, das sich aus einem verkürzten Menschenbild und bestimmten Geschäftsinteressen speist.
Der zweite Pfeiler dieser Evolutionsgeschichte ist die Genetik, von der Harari ein ebenso einfältiges Bild hat. So predigt er den Glauben, man könnte Menschen am Reißbrett designen, indem man an ihren Genen herumdoktere. Dahinter steht die überholte Ansicht, für jede menschliche Eigenschaft sei ein einziges Gen verantwortlich, das in keinerlei Wechselwirkung mit seiner Umwelt stehe. Alles nur Mathematik. Sein Publikum tröstet Harari mit der religiösen Botschaft: Nicht so schlimm, wenn es euch nicht mehr gibt, ihr werdet in einer höheren technischen Evolutionsstufe aufgehoben, die euch von der sterblichen Hardware befreit.
Yuval Noah Harari hat kein Handy. Er kann sich den Luxus leisten, sich Informationen von anderen übermitteln zu lassen. Befreit vom Kommunikationsstrom, kann er so in Big-History-Dimensionen denken. Zur mentalen Hygiene praktiziert er außerdem jeden Tag die sogenannte Vipassana-Meditation. Einmal im Jahr zieht er sich für zwei Monate in ein Meditations-Retreat zurück. Dort entdeckt er offenbar all die Fiktionen wieder, die er in seinen vorherigen Büchern in den Orkus geschrieben hat. Das ist seinem jüngsten Buch zu entnehmen, in dem Gefühlswelten und Innenleben auf einmal wieder da sind. Schön für den, der es sich leisten kann. Yuval Noah Harari ist der Autor einer technologischen Elite, die ihr aristokratisches Gesellschaftsbild auslebt.

Hausprophet des Silicon Valley

Yuval Noah Harari Laif Von Yuval Noah Harari erwartet das Publikum Antworten auf die großen Fragen: Wird uns die Technik befreien oder versklaven? Gibt es eine humane …
De Profundis
Wulfram Elendur Magladhur shares this
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Hausprophet des Silicon Valley
Der Prophet des WEF:
Durch die Bücher des Bestsellerautors Yuval Noah Harari weht ein eisiger deterministischer Hauch. Kein Wunder, dass man sie im Silicon Valley so gern liest.
Von Thomas Thiel
Yuval Noah Harari Laif
Von Yuval Noah Harari erwartet das Publikum Antworten auf die großen Fragen: Wird uns die Technik befreien oder versklaven? Gibt es eine humane Zukunft …More
Hausprophet des Silicon Valley

Der Prophet des WEF:
Durch die Bücher des Bestsellerautors Yuval Noah Harari weht ein eisiger deterministischer Hauch. Kein Wunder, dass man sie im Silicon Valley so gern liest.
Von Thomas Thiel

Yuval Noah Harari Laif

Von Yuval Noah Harari erwartet das Publikum Antworten auf die großen Fragen: Wird uns die Technik befreien oder versklaven? Gibt es eine humane Zukunft auf diesem Planeten? Mit seinen Büchern und Auftritten hat Harari diese Erwartung selbst genährt. Harari ist ein Historiker und eine Marke. Die Yahav-Harari-Group, aufgebaut von seinem Lebenspartner Itzik Yahaf, ist ein boomender Produktkosmos, der unter Hararis Namen Comics und Kinderbücher und bald auch Filme und Dokus vertreibt. Hararis Bücher haben Verkaufszahlen von mehr als zwanzig Millionen. Er spricht auf dem Wirtschaftsforum in Davos oder vor der Tech-Elite des Silicon Valley. Präsidenten wie Macron und Wirtschaftsführer wie Mark Zuckerberg suchen seinen Rat. Bill Gates ist von seinen Büchern regelrecht berauscht. Bei seinen Auftritten wird er wie ein Popstar gefeiert, obwohl er seinen Zuhörern nur die traurige Botschaft überbringt, dass sie schlechte Algorithmen seien, die bald niemand mehr brauche, weil die Maschinen es besser könnten. Für solche Thesen liebt ihn das Silicon Valley, denn es bedient das Menschenbild, auf dem es sein Geschäftsmodell aufbaut.
Von Fachkollegen ist schon mehrmals der Verdacht geäußert worden, dass die Thesen des an der Hebrew University Jerusalem lehrenden Historikers nicht hieb- und stichfest seien. Harari beackert ein Feld, das eigentlich keine Wissenschaft ist: die Big History. Der in den Neunzigerjahren gewachsene Zweig der Geschichtswissenschaft erklärt die Geschichte vom Urknall bis in die Gegenwart und ist notwendig eine Synthese von anderen Forschungsleistungen, von der Biologie bis zur Astrophysik. Harari verleiht dieser Meistererzählung einen weltanschaulichen Spin. Kulturelle Leistungen sind für ihn flüchtige Fiktionen, ausgenommen ihr „harter“ Kern: die Rechenprozesse oder Algorithmen, denen er geradezu göttliche Potenz zuspricht.

Ist Harari ein Wissenschaftspopulist? Ein gefährlicher Mann? So nennt ihn Darshana Narayanan in der amerikanischen Zeitschrift „Current affairs“. Die Biologin wurde erstmals auf Lücken in seiner Menschheitserzählung aufmerksam, als sie den Satz las: „Alle Tiere haben Sprache.“ Wirklich? Dass dem nicht so ist, meint Narayanan aus ihrer eigenen Forschung über lautliche Kommunikation von Krallenaffen zu wissen. Affen können Informationen weitergeben, verfügen aber nicht über ein symbolisches System, das an Sprache heranreiche. Ein anderes Mal lasse Harari zwei Tierarten aufeinander los, die in ganz verschiedenen Weltregionen leben. Der Mensch ist für ihn eine obsolete Datenverarbeitungsmaschine und gegenüber den Algorithmen nur ein kleines Huhn. Das Huhn, hält Narayan dem entgegen, sei aber ein dem Menschen weit überlegener Datenverarbeiter, was den Sehsinn betreffe. Schlimmer noch als einzelne Faktenfehler, die im Rahmen der Big History verzeihlich wären, sei, dass Harari weltanschauliche Schlüsse aus Wissenschaften zieht, die er nicht richtig verstehe, besonders aus Genetik und Künstlicher Intelligenz.
Das Gehirn als Software
Das ist auch der Eindruck einer Gruppe von Wissenschaftlern an der Universität Wien, die Hararis Schriften unter dem Titel „The Harari Project“ kritisch unter die Lupe nimmt. Ihr Fazit lautet sinngemäß: Harari zimmert aus längst überholten Sichten aus Genetik und KI ein deterministisches Geschichtsbild, das den Menschen einredet, ihre Zeit sei unwiderruflich abgelaufen. Durch seine Schriften wehe ein eisiger positivistischer Hauch.
Beginnen wir von vorn: Harari hat neben seiner militärhistorischen Dissertation drei Bücher geschrieben. „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ beschreibt die Entwicklung des Menschen seit dessen Anfängen. „Homo Deus“ (2017) wirft den Blick in die Zukunft und beschreibt, wie der Mensch von den Maschinen aufs Abstellgleis geschoben wird. Sein jüngstes Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ (2019) ist eine Essaysammlung mit Lebenstipps. Harari wirft sich in die Pose des Weisheitslehrer des Menschengeschlechts. Das erste Buch, das aus einer Reihe von Vorlesungen entstand, erzählt die Geschichte der Menschheit seit der neolithischen Revolution. Was den Menschen nach Harari vom Tier unterscheidet, ist seine Fähigkeit zur Fiktion und zum Storytelling. Menschen erzählen Geschichten. Sie können Abwesendes sprachlich repräsentieren und deshalb arbeitsteilig in großen Gruppen zusammenarbeiten. Das ist keine Neuheit und knüpft an das an, was der Kulturphilosoph Ernst Cassirer „animal symbolicum“ nannte. Anders als Cassirer wirft Harari allerdings alle möglichen kulturellen und geistigen Artefakte in den großen Kessel der Fiktion. Fiktionen sind für ihn Märchen, Formeln, Theorien, Gesetze, Normen, Konventionen oder politische Ordnungen, also Dinge ganz unterschiedlichen Realitätsgehalts und ganz unterschiedlicher sozialer Geltung. Das Geld ist etwa eine solche Fiktion oder der Staat. Es gibt bei Harari aber keine staatlichen Gewaltmittel und keine Realwirtschaft, die diesen Fiktionen Substanz verleihen. Weil für Harari alles nur Einbildung ist, kann es auch im Handstreich weggefegt werden, Staaten, Kulturen, Traditionen, außer, wie gesagt, die Technik.
Eine Art Fiktion ist bei Harari auch der Mensch selbst. Er reduziert ihn auf einen Strom messbarer Datenflüsse, die von ihm unzureichend verarbeitet werden. Die menschlichen Daten können von Algorithmen aufgegriffen werden, die bald besser über seinen Emittenten Bescheid wissen als dieser selbst. Das ist nicht weiter bedauerlich, wenn der Mensch selbst nichts anders als eine schlechte Software ist. Gefühle, Geist, Innenleben, alles, was sich nicht in Daten messen lässt, erklärt Harari zum historischen Irrtum. Das Gehirn ist bei ihm eine Software, die keine biologische Hardware braucht. Er wärmt damit transhumanistische Mythen auf, die von der neurobiologischen Forschung längst widerlegt sind, genau wie die Annahme, das Gehirn funktioniere nach einfachen mathematischen Gesetzen.
Alles nur Mathematik
Wenn der Mensch eine Maschine ist, dann ist auch der freie Wille eine Illusion, ebenso wie die liberalen Staatsordnungen, die auf ihm aufbauen. Wir würden bei Wahlen nicht denken, schreibt Harari an einer Stelle, sondern nur fühlen (sogar ohne Innenleben). Das Silicon Valley hört so etwas gern – ein freier Wille würde ja auch nur stören in den Affektuniversen des Überwachungskapitalismus. Es verwundert dann nicht mehr, dass die politischen Ordnungen, ohnehin nur Fiktionen, in Hararis Zukunftsbuch von einem Maschinenuniversum weggespült werden. An die Stelle der zukunftsoffenen Geschichtsschreibung tritt die Untergangsprophetie: Hier wird ein Gesellschaftsmodell zur alternativlosen Zukunft, ja zur notwendigen nächsten Evolutionsstufe erklärt, das sich aus einem verkürzten Menschenbild und bestimmten Geschäftsinteressen speist.
Der zweite Pfeiler dieser Evolutionsgeschichte ist die Genetik, von der Harari ein ebenso einfältiges Bild hat. So predigt er den Glauben, man könnte Menschen am Reißbrett designen, indem man an ihren Genen herumdoktere. Dahinter steht die überholte Ansicht, für jede menschliche Eigenschaft sei ein einziges Gen verantwortlich, das in keinerlei Wechselwirkung mit seiner Umwelt stehe. Alles nur Mathematik. Sein Publikum tröstet Harari mit der religiösen Botschaft: Nicht so schlimm, wenn es euch nicht mehr gibt, ihr werdet in einer höheren technischen Evolutionsstufe aufgehoben, die euch von der sterblichen Hardware befreit.
Yuval Noah Harari hat kein Handy. Er kann sich den Luxus leisten, sich Informationen von anderen übermitteln zu lassen. Befreit vom Kommunikationsstrom, kann er so in Big-History-Dimensionen denken. Zur mentalen Hygiene praktiziert er außerdem jeden Tag die sogenannte Vipassana-Meditation. Einmal im Jahr zieht er sich für zwei Monate in ein Meditations-Retreat zurück. Dort entdeckt er offenbar all die Fiktionen wieder, die er in seinen vorherigen Büchern in den Orkus geschrieben hat. Das ist seinem jüngsten Buch zu entnehmen, in dem Gefühlswelten und Innenleben auf einmal wieder da sind. Schön für den, der es sich leisten kann. Yuval Noah Harari ist der Autor einer technologischen Elite, die ihr aristokratisches Gesellschaftsbild auslebt.
Copertino
Endlich wagt jemand eine Fundamentalkritik an der jüngsten Sternschnuppe am Himmel eines zeitgeistig aufgewärmten deterministischen Weltsystems. Eines Systems, das den Menschen zur Maschine entwertet und unsere Willensfreiheit als neuronale Konstanten wegerklärt.
Alles zeitgeistig aufgewärmt, vom Silicon Valley gehyped und übergossen mit einer betörend süssen Sauce aus einem Schuss Genetik und …More
Endlich wagt jemand eine Fundamentalkritik an der jüngsten Sternschnuppe am Himmel eines zeitgeistig aufgewärmten deterministischen Weltsystems. Eines Systems, das den Menschen zur Maschine entwertet und unsere Willensfreiheit als neuronale Konstanten wegerklärt.

Alles zeitgeistig aufgewärmt, vom Silicon Valley gehyped und übergossen mit einer betörend süssen Sauce aus einem Schuss Genetik und künstlicher Intelligenz.

Der FAZ ist die kritische Befragung dieses Pop-Stars von Klaus Schwabs Gnaden zu danken. Vielleicht tue ich ihm Unrecht. Aber wo sich einer als selbsterklärter Weisheits- und Menschheitslehrer erdreistet, den Menschen zu einem Strom messbarer Datenflüsse zu erniedrigen, da gehört ihm mit gleicher Münze heimgezahlt.

Auch wenn Herr Gates ihn göttlich findet.
michael7
Wir brauchen ja niemand was heimzahlen 😂, aber wir sollen trotzdem den Heiligen Geist um die Unterscheidung der Geister bitten!
Wir wissen nicht, wie Harari aufgewachsen ist. Aber leider scheint er von einem Atheismus durchseucht, wie viele andere heute auch! Darum hat er auch so Erfolg!