CrimsonKing
Der Begriff "Freiheit" wird leider immer wieder falsch verstanden. 1953 gab es noch kein Internet oder ähnliches. Wer damals seine Meinung "frei äußerte", der konnte das irgendwo auf der Straße, in der Kneipe oder im Verwandten- und Bekanntenkreis tun. Die Reichweite war also sehr eingeschränkt. Nur wenige Menschen hatten die Möglichkeit, zu einer größeren Gruppe zu sprechen.

2021 ist alles ande…More
Der Begriff "Freiheit" wird leider immer wieder falsch verstanden. 1953 gab es noch kein Internet oder ähnliches. Wer damals seine Meinung "frei äußerte", der konnte das irgendwo auf der Straße, in der Kneipe oder im Verwandten- und Bekanntenkreis tun. Die Reichweite war also sehr eingeschränkt. Nur wenige Menschen hatten die Möglichkeit, zu einer größeren Gruppe zu sprechen.

2021 ist alles anders. Jeder mit Internetzugang kann seine Meinung in die freie Welt rausposaunen. Das ist eine ganz andere Reichweite; ein Kommentar auf Facebook wird manchmal von mehreren Tausen Leuten gelesen und sogar weiterverbreitet. Tatsächlich ist das eine enorme Ausweitung der Meinungsfreiheit. Aber zur neu gewonnen Freiheit, welche die sozialen Medien bieten, gehören auch Konsequenzen. Das ist die Kehrseite der Freiheit: Die Verantwortung für das eigene Tun und Handeln. Ein Kommentar auf Facebook, Twitter & Co. ist schnell geschrieben und mit einem Mausklick in die weite weite Welt des www gechickt. Es kostet wenig Zeit, wenig Mühe, ist praktisch kostenlos. Wer vor 30 Jahren sich z.B. über das TV Programm beschweren wollte, musste einen Brief schreiben, eine Briefmarke opfern und damit zum Briefkasten laufen. Das macht schon erheblich mehr Mühe. Das musste einem schon wirklich wichtig sein. Vielleicht hat eine TV-Zeitschrift das dann veröffentlicht (im Zweifel nicht) oder - wenn man an den Fernsehsender schrieb - ein Programmchef (im Zweifel auch eher nicht). Das Gesagte/Geschriebene hatte selten eine Konsequenz. Heute kann das anders sein. Ein schnell und unbedacht geschriebener Kommentar auf Facebook liest eventuell ja nicht nur derjenige, an den er adressiert war, sondern viele andere auch. Und ja, das kann Konsequenzen haben. In den meisten Fällen vielleicht nur ablehnende Antworten. Es kann sich aber auch etwas Größeres daraus entwickeln, vielleicht auch ein regelrechter "Shitstorm", den dann eventuell auch viele Freunde, Verwandte, aber auch Kollegen und Vorgesetzte mitbekommen. Es ist eben öffentlich. Und nicht nur dahingesagt als Schall und Rauch, sondern schwarz auf weiß geschrieben. Dafür hätte man früher in vielen Straßenzügen an Laternen Flugblätter aufhängen müssen. Und das ist vielen nicht bewusst. Für einen Facebook Kommentar kann man heutzutage seinen Job verlieren oder andere negative Konsequenzen erfahren. Das gab es früher so nicht.

Aber liegt das wirklich daran, dass man heutzutage weniger sagen darf als früher, oder eher an der größeren Reichweite des Gesagten? Den Chef hat es früher nicht interessiert, was man nach 3 bis 5 Bier in der Kneipe für einen Stuss von sich gegeben hat. Es hätte ihn aber womöglich interessiert, wenn man diesen Stuss niedergeschrieben, tausendfach fotokopiert und an Tausende Leute in der Stadt geschickt hätte (was für ein Aufwand, was für Kosten!).
HerzMariae
HerzMariae
Man darf in Deutschland alles sagen…
ew-g
Eine überzeugend gute Darstellung!