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Hl. Eugenius von Karthago (13. Juli)

Heiligenvita aus:
Alban Stolz, Legende. oder: Der christliche Sternenhimmel, Freiburg i. Br. 1867.


13. Juli.

Der heilige Eugen. † 505.
(Sünde gegen den h. Geist.)

Die Theile von Afrika, wo jetzt Algier liegt, gehörten früher zu dem römischen Reich, und blühten im Anfang des fünften Jahrhunderts nicht nur durch Wohlstand, Wissenschaft und Kunst, sondern das Volk war auch allgemein gut katholisch. Da brach das wilde Volk der Vandalen mit ihrem fürchterlichen König Genserich in Afrika ein und eroberte die römischen Provinzen. Die Vandalen waren aber sämmtlich der arianischen Ketzerei ergeben und haßten den katholischen Glauben, und wollten ihn deßhalb mit Gewalt in Afrika ausrotten. Die Kirchen wurden den Katholiken zum Theil genommen oder zerstört, die Bischöfe vertrieben und verschiedenartige Verfolgung und Druck gegen die Rechtgläubigen ausgeübt. Der Bischofssitz in der Hauptstadt Karthago war deßhalb 24 Jahre schon verwaist; endlich erlaubte der König Hunnerich, daß die Katholiken wieder einen Bischof wählten. Man suchte auch wirklich hiezu den würdigsten Mann heraus, den h. Eugen. Selbst die Andersgläubigen mußten Achtung und Ehrfurcht vor ihm haben wegen seiner Demuth, Liebe und Frömmigkeit.

Allein eben diese allgemeine Hochachtung, worin Eugen stand, weckte den Neid der arianischen Bischöfe. Sie beredeten den König, er solle es nicht dulden, daß Vandalen zu Eugen in den katholischen Gottesdienst gehen. Der König ließ Wächter an die Thüren der Kirche stellen, welche jeden Mann oder Frau, die an der Kleidung als Vandalen erkannt wurden und in den katholischen Gottesdienst gingen, grausam mißhandeln mußten als abtrünnig vom arianischen Glauben. Der König wurde überhaupt immer bösartiger und verfolgungssüchtiger gegen die Katholiken; er wollte mit aller Gewalt die Katholiken in Afrika nöthigen, daß sie auch die falsche arianische Religion annähmen, wozu er und seine Vandalen sich bekannten. Beim Beginn der Verfolgung wollte Gott durch ein auffallendes Wunder die Katholiken stärken in ihrem Glauben und im Festhalten an dem h. Bischof Eugen. Es lebte in Karthago ein blinder Mann Namens Felix, welchen die ganze Stadt kannte. Dieser bekam in der Nacht auf den h. Dreikönigstag eine Mahnung, er solle aufstehen und zu dem Diener Gottes Eugen gehen; wenn dieser das Taufwasser weihe, solle der Blinde von ihm die Augen berühren lassen, dadurch werde er sein Gesicht wieder bekommen. Felix meinte, er habe nur einen gewöhnlichen Traum gehabt und fand es nicht der Mühe werth aufzustehen. Zum zweitenmal ermahnt, blieb der Blinde wieder liegen; erst als er zum drittenmal strenger aufgefordert wurde, weckte er den Knaben, welcher ihn gewöhnlich führte, und ließ sich eilig in die Kirche geleiten; nachdem er hier sein Gebet verrichtet hatte, ließ er dem Bischofe melden, er habe ihm etwas Besonderes mitzutheilen. Eugen ließ ihn zu sich kommen; denn wegen des hohen Festes wurden schon in der Nacht heilige Lieder in der Kirche gesungen. Felix erzählte nun dem Bischof, was ihm in der Nacht vorgekommen sei, und begehrte, daß ihm Eugen nach dem Befehl des Herrn zum Augenlicht verhelfe. Eugen antwortete: „Geh’ weg von mir, Bruder, denn ich bin nur ein unwürdiger Sünder.“ Der Blinde aber umfaßte die Kniee des Bischofs und rief unaufhörlich: „Gib mir mein Augenlicht, wie der Herr befohlen hat.“

Da Eugen die Beharrlichkeit dieses Glaubens sah, und die Zeit drängte, ging er mit ihm in Begleitung der übrigen Geistlichkeit zum Taufwasser und verrichtete die Weihung desselben. Als die üblichen Gebete vollendet waren, stand er auf und sprach zu dem Blinden: „Bruder Felix, ich habe dir schon gesagt, daß ich ein sündhafter Mensch bin; aber Der, welcher dich heimgesucht hat, gebe dir nach deinem Glauben und öffne deine Augen“ – zugleich zeichnete Eugen das Kreuz auf die Augen des Blinden; auf der Stelle bekam dieser das Gesicht. Er begleitete nun den Bischof zum Altar, und alsbald wurde das Wunder dem ganzen anwesenden Volke bekannt, und es entstand vor Freude darüber ein ungeheurer Jubel in der Kirche. Das Ereigniß wurde auch dem König Hunnerich hinterbracht. Felix mußte vor ihm erscheinen und Auskunft geben, was mit ihm geschehen und auf welche Weise. Da nun Felix Alles der Ordnung gemäß erzählte, sagten die arianischen Bischöfe: „Eugen hat dieses durch Zauberei bewirkt“; ja sie hätten gern diesen Sehendgewordenen von der Welt geschafft, wie einst die Juden den auferweckten Lazarus, weil ihn die ganze Stadt kannte und er ein lebendiges Zeichen war von dem Wohlgefallen Gottes an Eugen und an dem katholischen Glauben. Auf solche Weise gereichte dieses Wunder den Katholiken zur Befestigung im Glauben und sollte sie stärken in dem, was ihnen bevorstand; den Arianern aber gereichte es zu ärgerer Verbostheit. Bald wurde eine ganz grausame Verfolgung gegen die Katholiken vom König angeordnet auf Anstiften der arianischen Bischöfe. Kaum die Heiden haben solche Unmenschlichkeiten gegen die Christen ausgeübt, als diese vorgeblichen Christen, die Arianer, gegen die Katholiken; ganz besonders wurden solche Vandalen abscheulich verstümmelt, ihnen z. B. Nasen, Ohren, Hände abgeschnitten, welche zur katholischen Kirche übergetreten waren.

Der Bischof Eugen wurde in eine wüste Landschaft verbannt und der Gewalt eines arianischen Bischofes übergeben, der den heiligen Mann boshaft mißhandelte und ihm das Leben zu verkürzen suchte. Eugen hatte ein so väterliches Herz für seine Gemeinde, daß er ungeachtet seines eigenen Elendes sich noch schwere Bußwerke auflegte, damit Gott um so eher sich über die Seinigen erbarme. Er trug ein rauhes Bußkleid, schlief auf dem harten Boden, bedeckte sich nur mit einem Sack, der oft ganz naß war von seinen Thränen. In einem Sendschreiben, welches noch von ihm vorhanden ist, beschwört er seine Heerde „durch den schauderhaften Gerichtstag, den schrecklichen Glanz der Ankunft Jesu, standhaft im Bekenntniß des katholischen Glaubens zu beharren; die nicht zu fürchten, welche nur den Leib tödten können, und durch Beten, Fasten und Almosen die Barmherzigkeit Gottes zu erwecken.“ Der Arianerbischof bemerkte solches mit Freude; und um den Tod des Kranken desto sicherer und schneller herbeizuführen, nöthigte er ihn den schärfsten Essig zu trinken, mit dem Vorgeben, es sei eine heilsame Arznei. Die Krankheit verschlimmerte sich auch wirklich dadurch, später aber schenkte der Herr seinem Diener doch wieder die Gesundheit.

Gott strafte die fürchterliche Grausamkeit, welche der arianische König und seine Anhänger ausübten, durch eine solche Hungersnoth, daß die Straßen, die Gebirge, selbst die Marktplätze der Städte voll Leichname lagen. Ganze bevölkerte Ortschaften starben aus bis auf den letzten Mann. Eine unermeßliche Menschenmenge strömte in der Hauptstadt Karthago zusammen um Hülfe zu suchen; aber statt Brod zu bekommen, ließ sie der König gewaltsam forttreiben, und so verhungerten sie elend auf dem Weg. Während Hunnerich dieses schreckliche Gericht Gottes an seinem Volk sehen mußte, faßte es ihn selber noch schrecklicher. Er wurde bei lebendigem Leibe von Würmern verzehrt und zuletzt fiel ihm das Eingeweide heraus. Sein ganz verfaulter Leichnam zerfiel in Stücke, bevor man ihn nur begraben konnte. –

Des Königs Nachfolger, Guntamund, erlaubte dem h. Eugen aus der Verbannung wieder zurückzukehren. Eugen bewirkte auch bei dem neuen König, obschon derselbe ebenfalls ein Arianer war, daß die katholischen Kirchen wieder geöffnet und Gottesdienst darin gehalten werden durfte, nachdem sie schon seit zehn Jahren gesperrt waren. Aber zwei Jahre später starb Guntamund und sein Bruder Trasimund kam an die Regierung. Dieser hatte wieder ganz feindselige Gesinnungen gegen die Katholiken. Während er abwesend von Karthago war, fingen auf seine Anordnungen die Verfolgungen wieder an. Der h. Eugen wurde gewaltsam wie ein Verbrecher aufgepackt und gefangen fortgeführt an den Ort, wo der König sich aufhielt; denn so hatte es dieser befohlen.

Eugen widerlegte hier gründlich den arianischen Irrthum; ja es kam noch ein Ereigniß hinzu, wodurch Gott selbst der katholischen Wahrheit ein Zeugniß gab. Weil es nämlich eine allbekannte Sache war, daß vor mehreren Jahren ein Blinder sehend geworden war, als Eugen ihm das Kreuz auf die Augen machte, so wollte nun Cyrila seinem falschen Glauben durch ein scheinbares Wunder auch Ansehen verschaffen, und durch Betrug den Irrthum befestigen. Cyrila beredete einen Arianer und bezahlte ihn mit fünfzig Goldstücken, daß er sich blind stellte; sobald ihm dann Cyrila die Hände auflege, solle er thun, als habe er jetzt wieder sein Augenlicht bekommen. Der arianische Bischof ließ nun diesen Menschen herbeibringen, um in Gegenwart von Eugen und der übrigen Versammlung mit demselben die verabredete Komödie aufzuführen; aber es wurde ein fürchterlicher Ernst daraus. Sobald nämlich der arianische Bischof jenem Manne die Hände auflegte, wurde er plötzlich blind und zwar unter so heftigen Schmerzen, daß er meinte die Augen fallen ihm heraus. Indem er auf diese Weise leiblich blind wurde, gingen ihm die Augen des Geistes auf; er erkannte, daß Gott seiner nicht spotten läßt, gestand seinen Betrug und wie ihn Cyrila dazu bestochen habe; er erklärte von nun an dem katholischen Glauben anhängen zu wollen und bat Eugen sich seiner annehmen zu wollen. In Gegenwart der Arianer, welche die Dreieinigkeit läugnen, machte Eugen das Kreuz über den Augen des Blindgewordenen und sprach: „Deine Augen öffnen sich im Namen des Vaters und des Sohnes und des h. Geistes, an welche wir glauben als einigen wahren Gott in drei gleichen Personen von gleicher Allmacht.“ Auf diese Worte folgte sogleich die Wirkung; die Schmerzen hörten ganz auf und er bekam sogleich sein Gesicht wieder. Allein weder der Kaiser Trasimund noch der Betrüger Cyrila dachten daran nun an die katholische Lehre zu glauben, sondern wurden nur noch starrköpfiger in ihrer Verblendung.

Als der Heiland auch einmal ein Wunder verrichtete, um den Juden die Wahrheit seiner Lehre zu beweisen, konnten sie zwar das geschehene Wunder nicht hinwegläugnen, wollten aber auch die Wahrheit nicht annehmen und sagten deßhalb, der oberste Teufel habe ihm geholfen. Da that der Herr den merkwürdigen Ausspruch, daß jede Sünde vergeben werden könne, nur die Sünde gegen den heil. Geist werde weder in dieser noch in der künftigen Welt vergeben. Solche Sünder gegen den heil. Geist waren auch diese verstockten Arianer, welche nicht nur von den klaren Beweisen, welche Eugen in Erleuchtung des heil. Geistes für die Wahrheit der katholischen Lehre vorbrachte, das Auge ihres Geistes verschlossen, sondern auch das offenbare Wunder, den Fingerzeig Gottes, für nichts ansahen. Die Sünde gegen den heil. Geist besteht nämlich hauptsächlich darin, daß der Mensch starrköpfig nicht glauben will und sich selbst absperrt gegen die geoffenbarte Wahrheit, obschon ihm durch Gottes Fügung Alles gesagt und gezeigt ist, was einen vernünftigen Menschen überzeugen kann. Der Glaube ist der Keim und die Wurzel, aus dem das christliche Leben entsprießt und in den Himmel hineinwächst. Der Glaube ist aber eine Gnade des heiligen Geistes und etwas Freiwilliges mit einander. Wer nun freiwillig gerade in Glaubenssachen von der angebotenen Gnade des heil. Geistes und seiner Erleuchtung sich abkehrt, was soll dem noch helfen? – Es gibt nichts mehr, er verschließt und tödtet seine eigene Seele für das sonnige Einstrahlen des heil. Geistes. Hüte dich, o Leser, mehr als vor jedem Uebel, vor der Sünde gegen den heil. Geist, und streite nie gegen eine religiöse Behauptung, weil sie dir nicht angenehm ist, wenn sie geoffenbarte Wahrheit, katholische Glaubenslehre ist.

Trasimund beharrte in seiner Ketzerei; er wollte den h. Eugen schrecken. Er ließ ihn wie einen Verbrecher zur Gerichtsstätte bringen; der Scharfrichter war bereit mit seinem Schwert. Da wurde Eugen gefragt, ob er entschlossen sei, des katholischen Glaubens wegen zu sterben; er antwortete, er sei bereit; denn für die Gerechtigkeit sterben heiße für die Ewigkeit leben. Auf diese Antwort nahm der König seinen Todesbefehl zurück und schickte Eugen nach Frankreich in die Verbannung. Dort nahm der heilige Mann seine Wohnung bei dem Grab des Märtyrers Amarand. Eines Tages warf er sich mit ausgebreiteten Armen auf das Grab des Märtyrers und betete – und stand nicht mehr auf, sondern entschlief im Frieden, selbst ein Märtyrer, obschon gestorben ohne vergossenes Blut.