Clicks544
M.RAPHAEL
1

Ist die Tradition rigide und menschenfeindlich?

Unablässig werfen die Modernisten den Katholiken vor, rigide und menschenfeindlich zu sein. Warum? Haben sie recht?

Die Modernisten haben ein von der Tradition vollkommen verschiedenes Gottes- und Menschenbild. Sie folgen ungefähr Karl Rahner, der eine eher simple Vorstellung komplex ausgedrückt hat, um Verständnis und Kritik zu erschweren. Im Gegensatz zur katholischen Tradition, die den Menschen als ein Kind Gottes unter vielen in der göttlichen und vor allem konkreten Schöpfungsordnung auf der Erde ansieht und von ihm deshalb erwartet, dass er sich entsprechend liebevoll und produktiv in diese einfügt, sieht der Modernist den Menschen als transzendentales Subjekt, dessen Aufgabe es ist, sich unaufhörlich durch die endlichen und oft negativen irdischen Lebensbedingungen hindurch auf das unendliche Geheimnis, das Gott ist, hin zu übersteigen. Christus ist das Gute in ihm, das ihm auf diesem Weg beisteht. Entscheidend ist, dass irdische Bedingungen oder Strukturen niemals selbst heilig sein können. Es gilt, diese immer durch die völlig unbestimmte gute Energie (Christusenergie) zu überwinden, die, gerade weil sie an nichts Konkretes gebunden ist, sich immer wieder neu auf die ganz unterschiedlichen Herausforderungen einstellen und deshalb liebevoll überwinden kann. Um es profan auszudrücken: Heute spielt die Seele des transzendieren Subjektes eine Hure, die Liebe und Mitgefühl in ein Bordell bringt, morgen spielt sie einen Manager, der irgendwie nicht ganz so schäbig und geldgierig ist, übermorgen spielt sie einen Auftragsmörder, der voller sensibler Mitmenschlichkeit die unreflektierte Grausamkeit ein wenig aus seinem Metier herausnimmt. Modell ist auch das Kino. In den meisten Filmen geht es genau um die Frage, was Menschlichkeit in der existentiellen Auseinandersetzung mit dem Bösen bedeutet? Alle lieben den einfühlsamen Verbrecher. Man liebt auch seine Verbrechen, denn ohne diese, würde man den Film nicht schauen.

In letzter Konsequenz ist diese modernistische Vorstellung gnostisch. Die Gnosis wurde nie vollständig besiegt. Das selbsttranszendierende Subjekt ist in gewisser Weise ein freier Geist, der in der Materie gefangen ist. Das Irdische, eben die Materie, ist ja niemals selbst heilig. Es geht um die Überwindung all ihrer Grenzen, Bestimmungen, rigiden Strukturen, Formen und Bedingungen. Das ist der Grund, warum Modernisten keine Probleme mit anderen Konfessionen oder Religionen haben. Für sie geht es immer nur um das Gute dahinter, hinter dem Kreuz, hinter dem Halbmond, hinter dem Judenstern, hinter dem Buddha, usw. Natürlich ist das Leib verachtend. Deshalb können sie nicht verstehen, dass die katholische Kirche ein konkreter Leib mit festen Strukturen ist. All das muss für sie weg, damit sich die freie und ungebundene Liebesenergie in jeder schwierigen Situation optimal entfalten kann, um das Böse, die Fremdbestimmung durch die irdischen Gegebenheiten, effektiv überwinden zu können.

Der freie Geist darf nicht behindert werden, auch nicht durch den Leib des Herrn. Deshalb haben sie kein Problem damit, die Kommunion an Protestanten auszuteilen. Da ungeborene Kinder noch keine denkenden Subjekte sind, sind sie für Modernisten auch keine Menschen. So geben sie die Kommunion auch an Abtreiber. Nur die Liebe und die Güte des Geistes sind heilsrelevant. Der Leib ist das nicht. Aus diesem Grund bejahen sie die Homosexualität. Unzucht gibt es für sie nicht, vorausgesetzt man ist ein guter Mensch. Da alle Menschen frei schwebende Geister der Liebe sind, kann auch die Wiederverheiratung Geschiedener die fremdbestimmende „Bosheit“ der Treue überwinden. Niemand sollte unter einem ungeliebten Ehepartner zu leiden haben. Alle sollen mit allen jederzeit Liebe austauschen. Der sexuelle Körper wird dann genauso zu einem Instrument wie das gebrochene Brot, das man teilt. Das ist nur irdisches Zeug, das die freien Geister/Götter benutzen, um sich gegenseitig eine Freude zu bereiten.

Katholisch ist das alles nicht. Gott ist eben kein unendliches Geheimnis hinter den sieben Bergen/äh Äonen, sondern die ganz konkrete Dreifaltigkeit, wie Sie sich uns offenbart. Der Schöpfer der Erde ist auch kein böser Demiurg, der die Menschen quälen will, sondern der liebende Gott, der die Menschen, seine geliebten Kinder, zu einer ewigen Liebesgemeinschaft beruft. Die irdische Existenz ist dazu da, dem Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in Freiheit für oder gegen die Teilnahme zu entscheiden.

Ganz wichtig ist, dass der Mensch souverän ist und deshalb sein Wille absolut ernst genommen wird. Wenn ein Mann und eine Frau sich in Freiheit für die gegenseitige Treue bis in den Tod entscheiden, dann werden sie dabei gerade nicht unterdrückt. Als starke Menschen wählen sie die Liebe und die bedeutet immer, dass man sich demütig an den anderen bindet und diesen sogar über sich selbst stellt. Das gilt für alle Kinder Gottes. ALS FROMME KATHOLIKEN HABEN SIE KEINE SKLAVENMENTALITÄT. Sie haben auch keinen autoritären Charakter, sondern sie wollen einfach nur frei und entschieden den anderen WAHRHAFT lieben. Das impliziert Demut, Selbsthingabe, Aufopferung, Gehorsam, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit. Sie wollen nicht die verbotene Frucht essen, d.h. die fremde Lebensenergie wie die Eva (der erste Vampir), sondern sie wollen ihre eigene Fruchtbarkeit dem anderen schenken. Alle so Liebenden konstituieren den Leib des Herrn, eine ewige und herrliche Gemeinschaft der Keuschheit, Reinheit, Naivität und Wahrhaftigkeit. Das innere Band dieses Bundes ist das unbedingte Vertrauen in das gegenseitige Einstehen bis in den Tod, ein Fundament des ewigen Lebens.

Weil die Demut, die Hingabe und der Gehorsam so wichtig sind, ist es notwendig, dass die Kinder Gottes Seine Schöpfungsordnung anerkennen und ihren Platz darin einnehmen. Wenn ich ein Mann bin, habe ich ein Mann zu sein. Wenn ich ein Wurm bin, habe ich der beste Wurm zu sein, den es je gegeben hat. Habgier, Neid oder Eifersucht sind lieblos. Sie entspringen dem Bösen. Das Naturrecht, die der Natur eingeschriebenen Ordnung, ist gut. Die ganze Welt ist das Reich Gottes. Es ist ein heiliger Kosmos. In diesem wird zwar die Abkehr von den Fleischtöpfen Ägyptens manchmal beschwerlich aber gerade dadurch zu einem Instrument der liebenden Hingabe. Entsprechendes gilt für die Annahme der eigenen Sündhaftigkeit, der Reue, der Buße und der Sühne.

Ganz falsch ist deshalb die Vorstellungswelt der Modernisten. Die nehmen die Beschwernisse ja gerade nicht an. Sie wollen sich nicht fügen. Hochmütig wollen sie ihre eigenen Lebensregeln setzen. Sie bestimmen selbst, was gut oder schlecht ist. Sie kennen keinen Gehorsam. Wenn das Gute oder die Liebe unbestimmt sind, dann kann man selber darüber entscheiden. Man wird selbst zu Gott und urteilt darüber, was verboten ist oder nicht. Die immer fremdbestimmende verbotene Frucht für einen selbst gibt es so nicht mehr. Aber gerade die entscheidet über das Heil. Nein, die Modernisten sind nicht katholisch. Sie sind hochmütig. Sie wollen Gott nicht gehorchen. Sie wollen Ihn nicht lieben. Sie verdammen sich selbst.
Erich Foltyn
das ist eine Haarspalterei, seitenlange Hirnverrenkungen. Das Moderne ist, ganz einfach gesagt, weg von der Kirche und weg von Gott. Hin zu einem säkularen Geselligkeitsverein mit freiem Sex als Vorstufe zur völligen Auflösung.