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Santiago_
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Fundamentaltheologie Plus - Ep 1.2.3. Vom Voluntarismus zur Reformation zur Moderne. Eine Reihe von und mit Kpl Johannes M Schwarz Nominalismus und Voluntarismus waren, wie wir in der letzten Folge …More
Fundamentaltheologie Plus - Ep 1.2.3. Vom Voluntarismus zur Reformation zur Moderne.

Eine Reihe von und mit Kpl Johannes M Schwarz
Nominalismus und Voluntarismus waren, wie wir in der letzten Folge gesehen haben, Wegbereiter einer neuen Sicht auf die Welt – eine Welt, die zunächst jedoch noch in einen ganz anderen Kosmos eingebettet war. Im 13. Jahrhundert, in dem die Theologie in Verbindung mit der aristotelischen Philosophie, eine hohe Bewertung der Vernunft mit christlichen Reformbewegungen und den hellen, aufstrebenden Formen zur gotischen Kultur verband, galt als höchstes Ideal des Lebens die Kontemplation Gottes. Doch die Existenz des Menschen war nicht bloß etwas jenseitiges, sondern durch das christliche Gottes- und Menschenbild auch im Diesseits stark verankert. Man denke etwa an die Ausformung charitativer Werke in jener Epoche und die technologischen Entwicklungen im Zisterzienserorden. Denn Christentum war nie stoische Weltverachtung, sondern schlicht die klare Ordnung zwischen dem vergänglichen Hüben und dem unvergänglichen Drüben.
Die Rolle der Kirche in jener Zeit war von umfassender Bedeutung im Leben der Menschen. So sehr, dass selbst Dekadenz, Skandale und Sünde im Klerus – die es gab - diese Bedeutung nicht grundsätzlich in Frage stellen konnten. Eine nachhaltige Erschütterung kam erst mit den neuen protestantischen Religionen. Doch ihren Nährboden bildete nicht nur die Renaissance und der Humanismus, welche das Individuum stärker betonten. Nominalismus und Voluntarismus hatten den Boden dafür bereitet, dass man Philosophie nun als unbiblisch ablehnte. In der fideistischen, antirationalistischen Strömung der Reformation misstraute man der Vernunft wegen der vollkommenen Verderbtheit des Menschen. Die „thomistische Synthese“ zwischen griechischem Denken und christlichem Glauben wurde als Korruption des Evangeliums angeprangert. Bibel und persönliches Gewissen spielte man gegen die kirchliche Autorität aus. Dass jedoch die Bibel allein nicht so klar war, wie von den Reformern zur eigenen Rechtfertigung behauptet, offenbarte bald der innerprotestantische Richtungs- und Konfessionsstreit, in dem man sich in entscheidenden Fragen, wie Kindertaufe oder Eucharistieverständnis unversöhnlich widersprach. Auch die von jedem für sich reklamierte Erleuchtung durch den Heiligen Geist konnte nicht vermitteln, sondern nur weiter spalten. Man hatte einen Papst abgeschafft und abertausende Päpste in die Welt gesetzt, die über die folgenden Jahrhunderte in nahezu ebensoviele Denominationen zerfallen sollten. Mittelfristiger waren jedoch die Religionskriege das schwere Erbe der verlorenen Einheit im Christentum. Freilich war hier Religion oft nur ein fadenscheiniger Deckmantel für politische Zwecke. Wenn etwa der französische Kardinal Richlieu in den Schrecken des 30-jährigen Krieges die Ambitionen protestantischer Herrscher unterstützte und das Kriegsgeschehen damit munter weiter trieb, geschah dies nicht im Hinblick auf Glaubensfragen, sondern zur Schwächung der Habsburgischen Dominanz bei gleichzeitiger Förderung französischer Eigeninteressen. Irrationalität, Machtstreben, Soziale Unruhen, Krieg und Seuchen verwandelten Religion von der unverrückbaren Grundfeste der mittelalterlichen Kultur zu einen ungewissen Boden, auf dem man sich unversöhnlich gegenüberstand.