Christmas Campaign: Financial Insights
Clicks762

Die Brüderliche Zurechtweisung

"Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, so nimm ihn beiseite und weise ihn unter vier Augen zurecht."

(Mt 18,15)


Nun zeitigt das Forum hier nun doch eher vereinzelt Querulierereien und Nickligkeiten, dennoch ist es vielleicht gerade an der Zeit, sich mit dem Thema Konfliktmanagement auf gut katholische Art zu beschäftigen.

Correctio fraterna (lat. für Brüderliche Zurechtweisung) heißt in der christlichen Theologie der lateinische Begriff für die Pflicht zur Zurechtweisung Gleichrangiger, also um Mitchristen, Geschwister im Glauben, auf Verfehlungen und Sünden aufmerksam zu machen.

Paulus hat immer wieder die jungen Gemeinden gelehrt und so hat die Kirche aus seinen Weisungen erarbeitet, wie behutsam die Beilegung von Problemen zu eskalieren ist:

1. Gespräch unter vier Augen
2. Gespräch vor Zeugen
3. Gespräch innerhalb der Gemeinde
4. Ausschluss aus der Gemeinde

Auch für das Berufsleben oder sonstige private oder öffentliche Anlässe, ergeben sich entsprechende Eskalationsstufen. So gilt auch hier, dass zum Beispiel vor einem Anschwärzen bei Vorgesetzten, womöglich gar einer formellen Dienstaufsichtsbeschwerde, einer Strafanzeige oder einem Beschwerdebrief an den Verkaufsleiter, erst einmal der Glaubensbruder oder die Glaubensschwester persönlich zu kontaktieren ist.

Die Brüderliche Zurechtweisung ist eine wichtige Verfahrensrichtlinie im Kirchenrecht und als solche Teil des Katholischen Erwachsenenkatechismus. Auch in der protestantischen Theologie ist sie präsent und ebenso in Freikirchen wird die Brüderliche Zurechtweisung nach den biblisch vorgezeichneten Verfahrenszügen praktiziert.

Wir dürfen von Herzen gerne auch in dieser Sache der Kirche und ihrer weisen Lehre, der Bibel und dem Apostelfürsten Paulus folgen, der sogar selbst Petrus, dem Fels der Kirche, einst eine solche Zurechtweisung erteilte.

Hier im Forum stehen einer direkten privaten Ansprache gegebenenfalls Blockierungen entgegen. Hier schlage ich vor, sich dann einen anderen User zu suchen und zu bitten, das Gesprächsersuchen heranzutragen. Mit ein wenig Disziplin und abgekühltem Gemüt, kann zumindest kurzzeitig eine Blockade aufgehoben werden, um dann das private Gespräch zu führen.

Erst danach sollte, und sicher mit Geduld und zeitlich großzügig bemessener Bedenkzeit, eine Eskalation gesucht werden. Auch ein Gespräch vor Zeugen kann per PN erfolgen, so dass ein öffentliches Ansprechen des Problems im Forum dann erst die letzte praktikable Eskalationsstufe ist. Ein Ausschluss kann in einem solchen Forum natürlich nur die betreibende Redaktion vornehmen.

Und wer mag, überlege sich einmal, ob er nicht vor einem Blockieren bereits so vorgehen will, dass er erst eine Brüderliche Zurechtweisung leistet. Wobei es selbstredend Situationen gibt, wie bei Spammern, Missbrauchern, überhitzten Debatten oder deutlich entgleisenden Affekten, in denen allein eine sofortige Sperre deeskalierend wirken kann.

Soweit mein kleines Scherflein zu dieser Sache, der Kommentarbereich ist offen.
Simon Tolon
„Möge die Jungfrau Maria uns helfen“, so der Papst abschließend, „die brüderliche Zurechtweisung zu einer gesunden Gewohnheit zu machen www.kath.net/news/72735
*Isu*
Der Hl. Paulus weist im 1. Korintherbrief auch darauf hin, Rechtsstreitigkeiten nicht vor die weltlichen Behörden zu tragen.
*Isu*
Simon Tolon
Interessant!
Waagerl
Hier im Forum stehen einer direkten privaten Ansprache gegebenenfalls Blockierungen entgegen. Hier schlage ich vor, sich dann einen anderen User zu suchen und zu bitten, das Gesprächsersuchen heranzutragen. Mit ein wenig Disziplin und abgekühltem Gemüt, kann zumindest kurzzeitig eine Blockade aufgehoben werden, um dann das private Gespräch zu führen. Zitatende

Ich bin nicht dafür! Denn jeder …
More
Hier im Forum stehen einer direkten privaten Ansprache gegebenenfalls Blockierungen entgegen. Hier schlage ich vor, sich dann einen anderen User zu suchen und zu bitten, das Gesprächsersuchen heranzutragen. Mit ein wenig Disziplin und abgekühltem Gemüt, kann zumindest kurzzeitig eine Blockade aufgehoben werden, um dann das private Gespräch zu führen. Zitatende

Ich bin nicht dafür! Denn jeder hier im Forum weiß, das es hier Parteiungen gibt!

Ich brauch keinen Schiedsrichter!
Simon Tolon
Oh ja, hier gibt es offenbar Parteiungen, was schade genug ist. Aber es geht nicht um Schiedsrichter. Wenn ich jemanden nicht kontaktieren kann, weil der mich blockiert hat, kann ich jemand anderen bitten, der nicht blockiert ist, den Blockierer zu bitten, die Sperre kurz aufzugeben, damit das persönliche Gespräch stattfinden kann. Darum geht es.
Klingt komplizierter als es ist. Und ist auch nur …More
Oh ja, hier gibt es offenbar Parteiungen, was schade genug ist. Aber es geht nicht um Schiedsrichter. Wenn ich jemanden nicht kontaktieren kann, weil der mich blockiert hat, kann ich jemand anderen bitten, der nicht blockiert ist, den Blockierer zu bitten, die Sperre kurz aufzugeben, damit das persönliche Gespräch stattfinden kann. Darum geht es.
Klingt komplizierter als es ist. Und ist auch nur ein Vorschlag, um trotz Blockade den hier aufgezeigten Weg beschreiten zu können.
der Logos
„Wenn dich einer auf die linke Backe schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“ (Mt 5,39)
Normalerweise wird dieser Spruch supermoralisch verstanden. Der Satz hat aber nicht das Geringste mit Moral zu tun, sondern nur mit der Anerkennung der ganzen Tiefe der Realität, also mit Respekt.
Wenn jemand diesen Satz moralisch versteht und meint, er müsse die „Größe“ haben, jemandem, der ihn auf die …More
„Wenn dich einer auf die linke Backe schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“ (Mt 5,39)
Normalerweise wird dieser Spruch supermoralisch verstanden. Der Satz hat aber nicht das Geringste mit Moral zu tun, sondern nur mit der Anerkennung der ganzen Tiefe der Realität, also mit Respekt.
Wenn jemand diesen Satz moralisch versteht und meint, er müsse die „Größe“ haben, jemandem, der ihn auf die linke Backe schlägt, auch die rechte hinzuhalten, hat er nichts verstanden. Dann will er nur zu einer bestimmten sozialen Gruppe gehören.
Die Bedeutung ist eine ganz andere.
Jesus zeigt die Bedeutung, als er im Hohen Rat vor seiner Verurteilung verhört wird. Da gibt ihm ein Gerichtsdiener eine Ohrfeige (Joh 18,22). Jesus hält ihm nun nicht die andere Backe hin, sondern er fragt ihn, warum er ihn geschlagen habe. Was zeigt er damit? Jesus zeigt, wie er das immer tut, dass es nicht um den Buchstaben geht, sondern um den Geist – oder, wie wir heute sagen würden, um Bewusstheit.
Der Geist ist nicht da, wenn einer seinem Angreifer doof wörtlich die andere Backe hinhält. Der Geist kann nur da sein, wenn einer, wie Jesus es getan hat, bei seiner Wahrheit bleibt – und weiterhin eine Angriffsfläche bietet, wenn er eben weder flieht noch zum Gegenangriff übergeht, sondern nur bei sich bleibt, wenn er sich vom Angreifer nicht beirren lässt, wenn er nicht abrückt von seiner Position. Der Geist ist da, wenn einer in dieser Situation den Respekt bewahrt vor sich selbst und vor seinem Angreifer – eben so wie Jesus es gemacht hat, der zu dem Gerichtsdiener sagte: „Habe ich etwas Unrechtes gesagt, so beweise es mir, habe ich aber recht geredet, warum schlägst du mich?“ (Joh 18,23).
www.salvation.de/Wenn dich einer…
Simon Tolon
Also, ich würde schon zwischen Geist und Bewusstsein unterscheiden. Doch zum Bibelzitat, da hatten wir hier gerade eine heiße Debatte. Normalerweise wird diese unter dem Thema Vergeltung abgehandelt:

Von der Vergeltung

Mt 5,38
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.

Mt 5,39
Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern…More
Also, ich würde schon zwischen Geist und Bewusstsein unterscheiden. Doch zum Bibelzitat, da hatten wir hier gerade eine heiße Debatte. Normalerweise wird diese unter dem Thema Vergeltung abgehandelt:

Von der Vergeltung

Mt 5,38
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.

Mt 5,39
Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.

Mt 5,40
Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.

Mt 5,41
Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.

Mt 5,42
Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

Quelle: www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/mt5.html

Doch wenn man sich das alles durchliest, so drängt sich eigentlich vielmehr eine voluntaristische Deutung auf, geht es doch um den Willen: Jesus respektiert, geradezu selbstverleugnend und selbst bei Gewaltanwendung, den Willen des Angreifers. Er sucht ihn gar zu übertreffen. Da fällt einem "Dein Wille geschehe" ein. Damit zwingt er den Willensträger auch im Anderen einen Willensträger zu sehen. Und zeigt damit die Schranken des eigenen Willens auf.
Oder persifliert Jesus hier den Willen? Verspottet geradezu den Willensträger und verweist ihn so auf Demut und Nächstenliebe.
Vielleicht auch gleich beides, denn es schließt sich gar nicht aus.
Simon Tolon
Die Scham ist sicher etwas Gutes. Der Text ist immerhin aus der Bergpredigt, @Pazzo - das Kapitel endet übrigens mit:
"Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will." und geht dann über zur Feindesliebe, bei der es um die Vollkommenheit geht, "wie euer Vater im Himmel vollkommen ist."
2 more comments from Simon Tolon
Simon Tolon
Ihrer Umdeutung @der Logos entspricht nicht einmal die DBK, diese kennt die Brüderliche Zurechtweisung ganz normal:

4.5. Pflicht zur "brüderlichen Zurechtweisung"
Die Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit kann in Situationen führen, in denen man nicht davor zurückscheuen darf, jemand, der in schwerer Sünde lebt oder in Gefahr ist, eine schwere Sünde zu begehen, zu ermahnen und ihn zur Umkehr zu …More
Ihrer Umdeutung @der Logos entspricht nicht einmal die DBK, diese kennt die Brüderliche Zurechtweisung ganz normal:

4.5. Pflicht zur "brüderlichen Zurechtweisung"
Die Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit kann in Situationen führen, in denen man nicht davor zurückscheuen darf, jemand, der in schwerer Sünde lebt oder in Gefahr ist, eine schwere Sünde zu begehen, zu ermahnen und ihn zur Umkehr zu bewegen. Eine solche "brüderliche Zurechtweisung", von der die Heilige Schrift spricht (Mt 18,15ff; vgl. 1 Tim 5,1f; Gal 2,11-14), gilt in der christlichen Tradition als "Werk der Barmherzigkeit". Damit ist nicht ein liebloses Tadeln gemeint, sondern ein Gespräch, das einem Bruder oder einer Schwester hilft, aus einer Situation umzukehren, aus der sie sich aus eigener Kraft kaum befreien können. Zu solcher Zurechtweisung ist jemand um so mehr verpflichtet, je mehr er für den anderen verantwortlich ist, je näher er ihm steht und je größer die Aussicht auf gegenseitiges Verstehen und auf Umkehr ist. Wenn keinerlei Bereitschaft zur Umkehr zu erzielen, die Sache selbst aber von so großer Bedeutung ist, daß sie weitere Schritte erforderlich macht, muß man um der Liebe zum Mitmenschen wie zur Kirche willen jene Konsequenzen auf sich nehmen, von denen die Heilige Schrift spricht:
"Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muß durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder Zöllner" (Mt 18,15-17).
Es ließe sich viel Peinlichkeit, Ärger und Schaden vermeiden, wenn Konflikte in brüderlichem Gespräch angegangen würden, bevor man sie an die Öffentlichkeit bringt.

Quelle: dbk.de Katechismus, Pflicht zur Brüderlichen Zurechtweisung
Simon Tolon
Und auch der auf vom Vatikan online veröffentlichte Katechismus kennt die Brüderliche Zurechtweisung nicht so sehr im Geiste, sondern vielmehr in der Liebe - Zitat: "sie ist Wohlwollen"!
www.vatican.va/archive/DEU0035/_P4H.HTM
www.vatican.va/archive/DEU0035/4/FK.HTM
www.vatican.va/archive/DEU0035/_P6C.HTM
Magee
Tja, leider funktioniert das auf gloria.tv nur bedingt. Denn wenn einer hier queruliert, versündigt er sich in der Öffentlichkeit. Da muss dann logischer Weise die correctio fraterna auch in der Öffentlichkeit (Punkt 3) erfolgen. 😷
Simon Tolon
Das habe ich ich auch schon einmal angedacht, allerdings ist es doch recht eitel, zu meinen, gleich alles erwidern zu müssen. Man kann auch ein erlittenes Unrecht eine Zeitlang einfach aushalten. Und vor allem wichtig scheint mir: Es geht bei der Vorschrift weniger um die Unversehrtheit der allgemeinen Wahrheit, als um die Einsicht, Reue und Umkehr des Sünders, einmal mehr also um das konkrete …More
Das habe ich ich auch schon einmal angedacht, allerdings ist es doch recht eitel, zu meinen, gleich alles erwidern zu müssen. Man kann auch ein erlittenes Unrecht eine Zeitlang einfach aushalten. Und vor allem wichtig scheint mir: Es geht bei der Vorschrift weniger um die Unversehrtheit der allgemeinen Wahrheit, als um die Einsicht, Reue und Umkehr des Sünders, einmal mehr also um das konkrete einzelne Seelenheil.
Magee
Schon recht, wenn das Unrecht mich betrifft. Aber wie sieht es aus, wenn Dritten in aller Öffentlichkeit Unrecht geschieht, bin ich dann nicht zur öffentlichen correctio fraterna verpflichtet? 🤔
Simon Tolon
Wenn es nicht persönlich ist, ist es eine normale Debatte. Da ringen wir dann um die Wahrheit, die richtige Auslegung des Wortes, die beste Behandlung einer Sache etc. pp.
Bei der Brüderlichen Zurechtweisung geht es ausdrücklich um Personenbezug: "Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, so nimm ihn beiseite und weise ihn unter vier Augen zurecht."
Simon Tolon
Es ist halt ein Problem, da @Magee treffen Sie schon einen Punkt, dass dies hier ein deutlich untermoderiertes Forum ist. Die Redaktion hat natürlich ihre Grenzen, doch der Befund ist zu erheben und dies ist nun einmal problematisch.