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Heilwasser
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Im Lieblingsgedanken von P. Kentenich kann ich mich gut wiederfinden

Im Lieblingsgedanken von P. Kentenich finde ich
mich wieder


P. Kentenich ist in einer sehr strengen Zeit ins Noviziat
gegangen, es war das Noviziat der Pallottiner in Lim-
burg, das er zwischen 1904 und 1910 absolvierte. Da
er schon immer ein eigenständiger Geist war, bemerkte
er einmal:

„Absolute Freiheit und Selbständigkeit – ist immer mein
Lieblingsgedanke. Ich glaube, das kann ich Ihnen auch
sagen. Sie werden wenig Menschen finden, die so die
Freiheit lieben wie ich, auch Freiheit lassen!“

(In: D. M. Schlickmann, Die verborgenen Jahre, S.177.)

Beim Lesen seines Lieblingsgedanken, kam mir in den
Sinn, dass er sicher im Kontext seiner Zeit zu verstehen
ist, da man es damals mit der Strenge gar nicht genug
übertreiben konnte, wobei die Pallottiner durchaus
auch einen herzlichen Zug gehabt haben dürften. Was
er hier mit „absolute Freiheit und Selbständigkeit“ meint,
ist nicht eine falsche Freiheit, sondern die Freiheit, die
katholische Lehre selbst immer wieder neu zu leben,
schließlich ist jeder Mensch ein Unikat und der Herr
legt in jeden ganz eigene Talente und Gnaden hinein.
Freiheit ist hier mit Selbständigkeit verknüpft, was be-
sagt, dass man damals eher in ein System gepresst
wurde, weswegen später sogar zurecht viele Leute
ihre fehlende Selbständigkeit nachholten, leider nicht
selten so, dass sie das Erlernte ganz und gar verwarfen,
obwohl dies natürlich wieder auf der anderen Seite
übers Ziel hinausschießt. Pater Kentenich hat es anders
gemacht: er hat die widrigen Umstände seiner Zeit
ertragen und genutzt, um es selber später besser zu
machen unter Beibehaltung alles Guten, was auch die
damalige Erziehung in sich schloss.
Eine Aussage über seinen damaligen Novizenmeister
macht noch einmal deutlicher, was er mit Freiheit meint.
Er wirft seinem Lehrer und Erzieher im geistlichen
Leben einmal „Enge und übertriebene Ängstlichkeit“
vor, weswegen er sich manchmal lieber gleich an den
damaligen Rektor wandte in besonderen Fragen.

Das erinnert mich ein wenig an meine Ansicht: Gehe
gleich zum Schmied und nicht erst zum Schmiedl
(bayerisches Sprichwort).

Ich muss sagen, dass ich mittlerweile auch bei der
Ansicht von P. Kentenich angekommen bin, weil auch
ich bemerkte, wie sehr man uns Katholiken im Studium
in ein System pressen möchte. Aber ist das nicht genau
das Problem der heutigen Zeit, dass man nicht mehr
selber denken kann und nur noch einem systemischen
Konformismus hinterherläuft? Mir ist es schon oft
passiert, dass ich, wenn ich eigene Gedanken über die
Hl. Schrift oder sonstige Kirchenliteratur geäußert
habe, kritisiert wurde, weil es nicht in ein bestimm-
tes, angeblich vom Katechismus vorgegebenes Denk-
system, hineinpasse oder es zumindest noch nicht in
derselben Weise gehört wurde. Da kann ich nur sagen:
doch, es stand schon oft in mystischen Schriften, die
genauso herabgewürdigt werden, weil man bemerkt,
dass man es mit theologischen Argumenten gar nicht
angreifen kann.

Aber da entgegne ich: haben wir nicht von der Kirche
den Auftrag bekommen, die geistlichen Schriften zu
betrachten und uns vom Heiligen Geist weiterinspirieren
zu lassen? Wenn ja, und das kann doch niemand leugnen,
dann frage ich mich, warum jeder solcher betrachtende,
neu formulierte Gedanke dann immer gleich spöttelnd
herabgewürdigt wird, nur weil man ihn so noch nirgends
gelesen hat?

Wo steht denn, dass ein wahrer Gedanke nicht auch
mit anderen Worten ausgedrückt werden dürfte? Wo
steht, dass man nur das Dogmatikbuch auswendig ge-
lernt wiedergeben muss? Wo steht das bitte? Weswegen
werden denn geistliche Exerzitien veranstaltet, wenn
nicht dafür, um einen im geistlichen Denken, Glauben,
Hoffen und Lieben zu erziehen?

Mir scheint viel eher, anlehnend an Pater Kentenich,
der dies damals schon erkannte, dass die sog. Super-
christen, die bei jeder Gelegenheit den Katechismus
für sich beanspruchen, die Bibel gar nicht lesen, weil
sie wahrscheinlich an der klösterlichen ruminatio noch
gar keinen Geschmack gefunden haben. Sie geben sich
gar keine Mühe, den trockenen Buchstaben in den
süßen Genuss einer inspirierten Betrachtung im Gebet
zum Heiligen Geist zu verwandeln. So meine Vermutung.
Dann ist es natürlich auch kein Zufall, warum die ka-
tholisch prophetischen Schriften immer noch so kritisch
beäugt werden. Dort weht nämlich ein erstaunlich weit-
herziger Geist, der alle Enge des menschlichen Denkens,
Fühlens und Glaubens vertreibt. Ist es doch unser Herr
und Erlöser Jesus Christus selbst oder seine gebenedeite
Mutter, die Er vorzugsweise zu diesem Zwecke schickt,
die da sprechen.

Letztlich ist aus der eigenen Inspiriertheit von P. Kente-
nich das Schönstattwerk entstanden, das trotz seiner
ganz eigenen Prägung doch auch wieder völlig katholisch
ist. Wenn man weiß, dass der heilige Seelenbischof Franz
v. Sales dem Schönstattgründer schon zu Noviziatszeiten
besonders imponierte, so kann man leicht einsehen,
warum sich Pater Kentenich mit verengten aszetischen
Gedankengängen, wie er einmal selber schreibt, nicht
abfinden konnte.

Wie gesagt: das ist alles im Kontext seiner Zeit zu ver-
stehen. Heute ist die Disziplin eher viel zu lasch, von
Aszese hört man ja gar nichts mehr. Darum kann ich
nur den verehrten Pater Kentenich, der sicher ein großer
Heiliger war, empfehlen. Er kann uns auf ganz realistische,
maßvolle und deutsche Weise zur Heiligkeit führen,
obwohl Schönstatt für die ganze Welt da ist.

Wir sagen euch an den lieben Advent,
sehet, die 2. Kerze brennt!“

Mit diesen Schlussworten wünsche ich allen einen
ruhigen und gesegneten 2. Adventssonntag!

Heilwasser
Hände weg vom QR-Code!
miracleworker
Schöner Gedanke zu Ehren des Gründers der Schönstattfamilie!
Zweihundert
Joannes Baptista
"Sie geben sich
gar keine Mühe, den trockenen Buchstaben in den
süßen Genuss einer inspirierten Betrachtung im Gebet
zum Heiligen Geist zu verwandeln." - Das nenne ich Frust und Trauer über so manchen starren Theologen in ungeschmickte Poesie gepackt. Poesie schafft einfach Herzenssätze und macht das traurige Herz wieder leichter.
Ja, der Dämon der Trägheit versucht den Menschen zu ködern, wo …More
"Sie geben sich
gar keine Mühe, den trockenen Buchstaben in den
süßen Genuss einer inspirierten Betrachtung im Gebet
zum Heiligen Geist zu verwandeln." - Das nenne ich Frust und Trauer über so manchen starren Theologen in ungeschmickte Poesie gepackt. Poesie schafft einfach Herzenssätze und macht das traurige Herz wieder leichter.
Ja, der Dämon der Trägheit versucht den Menschen zu ködern, wo er nur kann, gerade auch im geistigen Leben. Einfaches Schubladendenken ist halt bequemer, als die ständige Offenheit gegen Gott.
Doch wie sagt der hl. Grignion von Montfort, selbst der gerechteste Mensch, der sich von Herzen bemüht, fällt des Tages 7x. Als ich den Satz neulich hörte, wurde ich daran erinnert, wie wichtig eine gute tägliche Gewissenserforschung ist. Deshalb gilt es für mich noch, den Dämon der Trägheit gerade am Abend mehr zu attackieren...
Heilwasser
Mei Liawa, ganz schön wortgewaltig und über den letzten Satz musste ich lachen. 😂 (Das kenn ich von mir.)