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Logisch? Ganz im Gegenteil!

Die äußerst fragwürdige Maßnahme der Ordenskongregation, allen Franziskanern der Immakulata (FFI) die Feier des heiligen Messopfers nach den nie abgeschafften liturgischen Büchern, die zuletzt von Papst Johannes XXIII. überarbeitet worden waren (sieht man von einer kleinen Änderung durch Papst Benedikt XVI. ab), hat bekanntlich für Aufruhr in katholischen Kreisen gesorgt. Während neokonservative Kreise versuchen, aus einem Elefanten eine Mücke zu machen, haben Traditionalisten einen realistischeren Blick, auch wenn mitunter vielleicht zu düstere Visionen verbreitet werden.

Inzwischen hat, wie kath.net schreibt, auch ein Sprecher der FFI Stellung bezogen: „P. Alfonso Bruno, der Sprecher der Franziskaner der Immakulata, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur CNA, mehr als 80 Prozent der Brüder würden die Maßnahmen des Vatikans begrüßen. Das Problem sei nicht die Feier der heiligen Messe im außerordentlichen Ritus. Dieses Thema bezeichnete er wörtlich als „Spitze des Eisbergs“. Die eigentliche Ursache sei eine kleine Gruppe, die innerhalb der Franziskanerkongregation viel Macht habe. Sie werde von Mutter Francesca Perillo beeinflusst, die wiederum lefebvristischen Gruppen nahe stehe. Er befürchte, dass Perillo und ihre Anhänger eines Tages in Häresie und Ungehorsam enden könnten, sagte Bruno laut CNA.“

Zwei Dinge springen dem aufmerksamen Leser direkt ins Auge. Erstens sei die eigentliche Ursache nur „eine kleine Gruppe“. Wieso wird dann jedem Priester verboten, die heilige Messe im klassischen römischen Ritus zu zelebrieren? Weil einigen Angehörigen der FFI sowie dem Heiligen Stuhl die Position dieser Gruppe nicht passt – Habe ich schon erwähnt, dass sie klein ist? –, haben alle Ordensmitglieder darunter zu leiden. Das ist doch nur fair und der Situation angemessen, finden Sie nicht?

Der zweite Punkt, mit dem Pater Alfonso als Sprecher der FFI deutlich macht, dass Logik nicht zu den Stärken der für die Entscheidung verantwortlichen Herren im Vatikan zählt, hat mit der angeblichen Nähe zu „lefebvristischen Gruppen“ zu tun. Es zählt sicherlich zu den wichtigsten Charakterzügen der von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Piusbruderschaft (FSSPX), der heiligen Messe aller Zeiten mit großer Liebe und Wertschätzung zu begegnen. Nun ist vielleicht bei Mutter Francesca und anderen schon eine gewisse Grundtendenz hin zur FSSPX gegeben. Wer würde dann auf die Idee kommen, diese gottgeweihten Männer und Frauen gerade jener Messe zu berauben, welche die FSSPX weiterhin anbietet – komme was wolle?

Man stelle sich vor, die Grünen gehen aus der kommenden Bundestagswahl als stärkste Kraft hervor. Sie treten ein in Verhandlungen mit der FDP, da sich aus mathematischen Gründen nur diese als Koalitionspartner anbietet. Die Grünen schlagen gleich zu Beginn vor, den Kommunismus als „wirtschaftliche“ Grundlage in der Bundesrepublik zu etablieren. Wie wahrscheinlich ist es, dass die FDP darauf eingeht? Die Koalitionsverhandlungen wären gescheitert, sobald sie begonnen haben. (Ich gebe zu, dass Politiker für ein bisschen Macht sogar ihre eigenen Kinder an den Teufel verkaufen, aber das sei an dieser Stelle unerheblich.) Wenn aber die Grünen der FDP etwas entgegenkommen, was eine „freie“ Marktwirtschaft betrifft, so würde es nicht zu einem Bruch kommen, sondern zu einer neuen Einheit der beiden Parteien. Nichts anderes gilt, zumindest menschlich gesprochen, für die Situation rund um die Franziskaner der Immakulata!

Quelle: nondeclinavi.wordpress.com/…/logisch-ganz-im…