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Silbernes Priesterjubiläum von P. Michael Weigl (Mitteilungsblatt der FSSPX vom August 2016 - Distrikt Österreich)

Silbernes Priesterjubiläum von P. Michael Weigl

Militärdekan Mag. Siegfried Lochner

Am Sonntag, den 10. Juli 2016, feierte Pater Michael Weigl in seiner Heimatstadt Klagenfurt sein silbernes Priesterjubiläum. Militärdekan Siegfried Lochner hielt die Festtagspredigt, die wir hier im Wortlaut dokumentieren.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Hochwürdiger Jubilar, lieber Mitbruder, lieber Michael! Geliebte anwesende Christgläubige im Herrn! Es ist ein schöner und strahlender Anlass, der uns heute hier in der Kapelle St. Hemma in Klagenfurt zusammengeführt hat, feiern wir doch das silberne Priesterjubiläum eines Sohnes der Heimat, unseres lieben Paters Dr. Michael Weigl. Ein Jubiläum, für das wir zuallererst dem dreifaltigen Gott danken. Wir danken, dass Er Dich berufen, lieber Freund, vor Ihm zu stehen und Ihm als Priester zu dienen. Und wir danken Dir, dass Du Dich diesem Ruf nicht verschlossen hast, als er vor Jahrzehnten an Dich erging. Wenngleich es Dir ähnlich ergangen sein mag wie der begnadeten Dichterin Gertrud von Le Fort, die einmal gesprochen hat: „O Gott, ich bin in den Glauben gefallen wie in ein nacktes Schwert!“ So ergeht es wohl jedem, an den der Ruf des Herrn ergeht, Ihm in der besonderen Nachfolge als Priester, als Ordensmann oder als Ordensfrau in der Ganzhingabe zu dienen. Ich bin in den Glauben, ich bin in meine Berufung hineingefallen wie in ein nacktes Schwert! Wer möchte nicht sagen wie der Apostel: „Herr geh weg, ich bin ein sündiger Mensch! Ich bin dieses Rufes gar nicht würdig!“ Wer möchte nicht nach Ausreden suchen, wie die Propheten des Alten Testamentes, die da sagten: „Ich bin zu jung, ich kann nicht reden! Was werd’ ich diesem Volk, das sich gegen Dich stellt, sagen? Wie soll ich meine Aufgabe erfüllen, wie ihr gerecht werden?“ Du, lieber Freund, hast Ja gesagt, allen Fährnissen zum Trotz, hast Deine Heimat verlassen, bist Christus nachgefolgt und hast vor 25 Jahren dein „Ad sum“ am Weihealtar gesprochen. Und dafür sagen wir Dir Vergelt’s Gott! Für Deine priesterliche Treue, für Dein priesterliches Wirken und Tun, zum Heil und Segen der Seelen. Für das Vorbild der Treue auch in dunklen Zeiten. Denn die Liebe zeigt sich im Leiden, sagte Kardinal Ratzinger einmal. Und das gilt sowohl für die Eheleute als auch für die Priester. Lieber Michael, in schwerer Zeit der Kirche bist Du hinausgefahren auf den See, auf das Meer, um dort Menschenfischer zu werden. Der hl. Apostel Paulus schreibt in der heutigen Sonntags-Lesung: „Wir sind nicht dem Fleische verpflichtet, sodass wir nach dem Fleische leben müssten.“ In der Kirche hat sich in den letzten 50 Jahren der Geist des Fleisches, der Geist dieser Welt in einer geradezu krebsgeschwürartigen Weise metastasiert. Man hat eine Kirche nach dem Geschmack der Menschen gebildet. Man hat ein Konzil einberufen mit der bewussten Absicht, auf diese Weise das Christentum dem modernen Zeitgeist annehmbar zu machen. Alle sogenannten Reformen, die aus diesem Konzil herausgekommen sind, waren letztlich eine Lockerung der Disziplin, eine Lockerung der Moral, eine Lockerung der Sitten. Und in den ersten Jahren versuchte man uns einzureden, es würde ja nur um Beiläufigkeiten gehen – das Wesen des katholischen Glaubens bliebe dabei unangetastet. Wenn wir das skandalöse Schreiben Amoris Laetitiae betrachten und die dazu einhergehenden Kommentierungen etwa des Kardinals von Wien, der da sagt: „Die gesamte christliche Ehelehre muss rückwirkend im Lichte dieses Schreibens interpretiert werden“, dann haben wir den sicheren Beweis dafür, dass man sich von unserem Herrn Jesus Christus, von der Lehre des katholischen Glaubens abgewandt hat, wie es Sankt Paulus an anderer Stelle sagt, um sich Fabeleien zuzuwenden, um sich Lehrer zu suchen, welche den Ohren schmeicheln, welche die Tagesmeinung verkünden, die man gerne hört. „Allein, aus den Werken des Fleisches generiert der Tod! Und darum ist der erwartete neue Frühling, das neue Pfingsten nicht eingetreten, sondern wir sehen und erleben einen allenthalben sich ausbreitenden Niedergang, sei es, was die christlichen Familien anlangt, sei es, was die Früchte dieser christlichen Familien anlangt, nämlich die Berufungen zum Priester- und Ordensstand. Du, lieber Michael, hast Dich damals bewusst dafür entschieden, wenn Du Priester wirst, dann wirst Du es dort, wo man sich nicht dem Fleische verpflichtet, sondern dem Geiste Gottes. Wo man nicht den Tagesmeinungen folgt, sondern der Tradition – gesichert durch das Zeugnis der Apostel, verbürgt durch das Leben der Heiligen. Du wusstest, wenn Du Priester wirst, musst Du es ganz werden. „Willst Du ein Leben, das drückt wie ein Alb, dann werde Priester und werde es halb. Willst Du ein Leben voll Sonnenglanz, dann werde Priester und werde es ganz!“ Und wir wissen, lieber Freund, dass Du Dich den Aufgaben, die Dir gestellt waren, immer ganz gestellt hast, sei es als Distriktoberer von Österreich, als Prior in den verschiedenen Prioraten, sei es auf den Wallfahrten, sei es in Deiner fast unbegreiflichen Energie – Du bist ja auch nicht mehr ganz der Jüngste –, die Dich Gewaltmärsche mit dem Auto oder zu Fuß machen lässt. Ein bisschen weniger vielleicht und achte darauf, dass wir Dich noch länger brauchen. Aber das Entscheidende bei einem Priester ist immer, dass er ganz und gar sich der Aufgabe widmet, zu der er berufen ist. Und, meine Lieben, ein Priester, der letztlich sich dem Fleische verpflichtet fühlt, ist, um ein Wort Erzbischof Lefebvres zu zitieren, ein „prêtre bâtard“, ein Bastard-Priester. Ein Priester, der halb in der Welt stehen will, halb mit dem Zeitgeist jammern und jaulen will und gleichzeitig mit der Liebe Christi vereint sein will. Das geht auf die Dauer nicht! Man kann nicht ein bisschen katholisch und ein bisschen liberal sein. Man kann auch nicht ein bisschen Priester sein. Sondern wenn, dann muss man es ganz sein. Und wenn man dem Priester die Grundlage seiner Existenz raubt, nämlich die Darbringung des heiligen Messopfers, dann ist ihm der Boden unter den Füßen weggezogen. Dann braucht man sich nicht wundern, wenn die Ausbildungsstätten für die Priester zu zeitgeisthörigen Bildungszentren verwahrlosen und verwaisen. Dann braucht man sich nicht wundern, wenn die Seminare leer stehen und die Klöster eines nach dem anderen zusperren. Es gilt für uns das Wort, das vor über 150 Jahren der englische Kardinal Newman gesprochen hat: „O Gott, die Zeit ist voller Bedrängnis, die Sache Christi liegt im Todeskampf! Und doch: nie schritt Christus mächtiger durch die Erdenzeit, nie war sein Kommen deutlicher, nie seine Nähe spürbarer, nie sein Dienst köstlicher als jetzt!“ Wir Priester wissen es, dass wir heute mehr denn je von den Gläubigen gesucht und gebraucht werden. Und es ist jetzt auch das große Hoffnungszeichen, das wir den jungen Mitbrüdern mitgeben: Wir haben es nie bereut, dass wir vor Jahrzehnten Ja! gesagt haben. Bei den Ehepaaren habe ich es im Brautgespräch immer wieder gesagt: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Ihrer Ehe so glücklich werden, wie ich es nach Jahrzehnten als Priester immer noch bin. Das heißt nicht, dass es ein Leben ist ohne Kreuz! Das kann es gar nicht sein! Ein Priester müsste sich schwere Sorgen machen, wenn in seinem Leben das Kreuz nicht aufscheinen würde. Aber es heißt, dass es ein Leben ist, das erfüllt und das froh macht, das glücklich macht! Es heißt, dass wir mitwirken dürfen, am endgültigen Sieg Christi, gerade in einer Zeit, wo es Kampf, wo es Opfer kostet, wo es nicht mehr so einfach ist, sich zur katholischen Kirche zu bekennen, wie es vielleicht noch vor Jahrzehnten der Fall gewesen ist! Aber meine Lieben, geben wir uns keinen falschen Illusionen hin: Sich gegen das Fleisch zu stellen, gegen den Zeitgeist zu stellen, hat zu allen Zeiten Opfer gekostet. Die Opfer unserer Zeit sind andere, was aber nicht sagen will, dass es sie früher nicht gegeben hätte! Lieber Jubilar, liebe andächtige Christgläubige im Herrn! Das, was wir Priester den Menschen geben können, das ist nicht unseres. Wir geben von uns nichts, wir sind, wie es im Lukasevangelium einmal heißt, unnütze Knechte. Und wir können auch an einem Jubeltag wie dem heutigen sagen: Wir haben nur unsere Pflicht erfüllt. Derjenige, der durch uns handelt, ist der ewige Hohepriester selbst! Er ist es, der ruft und beruft! Er ist es, der in der Taufe die Erbsünde tilgt! Er ist es, der uns mit dem Heiligen Geist erfüllt in der Firmung! Er ist es, der uns in Seinem kostbaren Blut Nachlass der Sünden schenkt und uns im heiligen Opfer in die Gemeinschaft mit Ihm ruft, in die Gemeinschaft des Kreuzes, in die Communio des Kreuzes! Er ist es, der durch uns am Kranken- und Sterbebett segnet, salbt, löst, aufrichtet! Er ist es, der die Ehen segnet! Er ist es, dessen Hand sich auf unser Haupt gesenkt hat im heiligen Augenblick der Priesterweihe. Deswegen, liebe Gläubige, betet für eure Priester, betet für uns! Das Gebet, das ihr uns schenkt und das ihr am heutigen Tag dem Jubilar schenkt, kommt euch zugute! Denn durch den Priester will Jesus Christus selbst zu euch kommen! Durch den Priester will Jesus Christus selbst seinen Weg über die Erde fortsetzen, um Menschen zum Himmel zu berufen, um Menschen aus den Ketten Satans zu befreien, um Menschen mit der Gnade zu beschenken. Das Gleichnis vom Verwalter ist uns immer wieder eine Mahnung. Wir verwalten nur einen Schatz. Wir verwalten einen Schatz, den wir in äußerst zerbrechlichen Gefäßen tragen, nämlich unserer menschlichen Schwachheit. Aber der Schatz, den wir verwalten, der kommt vom Herrn. Es ist der Herr! Es ist der göttliche Heiland, der sich an uns erbaut und an unser Tun gebunden hat im heiligen Sakrament der Priesterweihe, sodass Gott es ist, der auf unser Wort auf den Altar herniedersteigt. Gott ist es, der durch uns segnet, heiligt, losspricht und heilt. Angesichts der Verantwortung des Priesters, ist es tatsächlich eine schwere Last auf unserer Seele. Werde ich einmal bestehen können im Gericht? Werde ich die Verantwortung für die Seelen, die mir anvertraut waren, übernehmen? Meine Lieben, macht es euren Priestern nicht schwerer, als es ohnehin ist, für euch die Verantwortung zu übernehmen! Bemüht euch, ihren Weisungen zu folgen, auch wenn sie selbst nicht immer vorbildlich sein können, weil auch wir, wie gesagt, diesen Schatz in zerbrechlichen Gefäßen tragen. Bemüht euch, mit uns in den Himmel zu kommen! Bemüht euch, Schätze zu sammeln für das Himmelreich, von denen das heutige Sonntagsevangelium spricht. Schätze, die Gott schenkt und die durch unser Ja-Wort, durch unser Mittun, durch unsere Bereitschaft, auch zu den unseren werden. Lieber Michael, lieber hochwürdiger Jubilar, lieber Freund, ich weiß, dass Du eine besondere Vorliebe von deiner Mutter ererbt hast, die eine Lehrerin war, für die deutsche Literatur, für die Lyrik. Und so habe ich mir auch einige Gedanken gemacht, ob es denn nicht ein schönes Gedicht gäbe, das ich zum Abschluss meiner Worte heute für Dich hier vortragen könnte, und ich wurde dabei fündig bei Josef Weinheber, einem österreichischen Lyriker und Erzähler, der eines seiner Gedichte uns Priestern gewidmet hat, mit dem ich meine Ausführungen schließen werde: Wir Mittler zwischen Mensch und Gott, verdienen wir der Zweifler Spott? Ach, gegen dieser Welt Begehr zu wappnen euch mit Tat und Lehr, verkünden wir im Lebensstreit des Glaubens Heil und Tröstlichkeit. Wir steh‘n an eurer Wiege Schoß, wir sprechen euch von Sünden los, wir spenden euch den Leib des Herrn und segnen euch, Gott Geist zu Ehr‘n. Der Liebenden vereinte Hand umfah‘n wir mit geweihtem Band und salben in der Sterbestund dem Kämpfer Hand, Fuß, Aug, Ohr, Mund. So binden wir dies Leben ganz an Gottes Milde, Macht und Glanz, denn alles Unsrige ist sein. Erlass er uns die Seelenpein und schütze seine Christenheit von nun an bis in Ewigkeit!

Amen.


Mitteilungsblatt der FSSPX August 2016 - Nr. 451 Distrikt Österreich Seiten 10 – 15

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