Über den Sündenfall, L. C. Businger (Regens)

In diesem Augenblick durchbebte ein Schauer die ganze Schöpfung. Es trauerten die Engel Gottes, Satan aber jubelte in höllischer Freude über den schrecklichen Frevel, zu welchem er den Menschen verleitet. Denn in dieser einzigen Sünde, schreibt der heilige Augustinus, sind alle anderen Sünden enthalten. Da ist Geiz, weil der Mensch sich nach mehr gelüsten ließ als ihm genügen sollte; da ist Diebstahl, weil er eine Frucht sich anmaßte, auf die er kein Recht besaß; da ist Unmäßigkeit, weil der Mensch sich mit der von Gott ihm angewiesenen kostbaren Speise nicht begnügte; da ist Mord, weil der Mensch sich selbst in den Tod stürzte; da ist geistiger Ehebruch, weil die Seele von ihrem rechtmäßigen Gebieter ab- und den Schmeicheleien des Teufels zuwandte; da ist Hoffart, weil der Mensch über seinen Rang hinaussteigen wollte; da ist Undank, weil er dem Willen seines treuesten Wohltäters zuwiderhandelte; da ist Sakrilegium oder Gottesraub, weil das Geschöpf seinem Schöpfer ebenbürtig werden wollte. Da ist aufgehoben der Glaube, da ist zerstört das Vertrauen und die Hoffnung, da ist vernichtet die Liebe. Da ist zerrissen die herrliche und gnadenreiche Verbindung des Kindes mit seinem himmlischen Vater, da ist abgebrochen das Siegel, welches Gott selbst auf das Band seiner Gemeinschaft mit dem Menschen in unendlicher Huld gedrückt hatte. So groß, so furchtbar und todbringend war die Tat Evas und Adams Teilnahme an derselben!