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Meine ungewöhnliche Begegnung mit einem ehemaligen KZ-Häftling und seinem Bestseller

Copertino
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Gestern veröffentlichte ich auf einem sozialen Netzwerk einen Kommentar zu den Angriffen auf historische Denkmäler und nahm dabei Bezug auf die nach dem Zweiten Weltkrieg geplante Einebnung des KZ …More
Gestern veröffentlichte ich auf einem sozialen Netzwerk einen Kommentar zu den Angriffen auf historische Denkmäler und nahm dabei Bezug auf die nach dem Zweiten Weltkrieg geplante Einebnung des KZ Dachau, welche durch den Einsatz eines katholischen Priesters, P. Leonhard Roth verhindert wurde.

Darauf mailte ich den Text auch einem Bekannten, der mir zurückschrieb: Das Beste, was über das KZ Dachau überhaupt je geschrieben worden sei, wäre das Buch "Christus in Dachau" von P. Johannes Maria Lenz, der selber ein Häftling war, dort misshandelt wurde, überlebte und seine Erinnerungen zu Papier gebacht und veröffentlicht habe.

Heute unterhielt ich mich ganz unabhängig davon mit einem Bekannten über die Vandalisierungen von Denkmälern und erzählte ihm ebenfalls von meinem Artikel über das KZ Dachau. Ich war überrascht, als er, ohne dass ich ihn darauf angesprochen hätte, ebenfalls das Buch "Christus in Dachau" von P. Lenz empfahl. Wer es es zu lesen anfange, der gebe es nicht mehr aus der Hand, bis er es zu Ende gelesen habe, es sei so spannend, betonte er.

Ich erinnerte mich, dass ich ein Exemplar dieses Buches zu Hause habe. Bei einer Räumaktion hatte ich es vor einiger Zeit mitgenommen und der dicke Band steht seither in meiner Hausbibliothek, ohne dass ich es je gelesen hatte. Also nahm ich es heute zur Hand und entdeckte darin im Vorsatz eine handschriftliche Widmung, die ich nicht entziffern konnte. Dann kam mir die Idee, die Handschrift mit dem Namen des Autors zu vergleichen, und tatsächlich handelt es sich um eine handschriftliche Widmung des Autors P. Johannes Maria Lenz! Nun wollte ich mehr über diesen Mann wissen und fand diesen Wikipedia-Artikel über ihn:

de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Maria_Lenz

Ich traute meinen Augen kaum: Rechts oben auf der Seite war ein Autograph seiner Handschrift eingefügt, die exakt dem Wortlaut in meinem Buchexemplar entspricht! Gestern also hatte ich das KZ Dachau in einem Artikel erwähnt und über die Geschichte seiner Erhaltung als Gedenkstätte berichtet, und heute, einen Tag später, erreicht mich sozusagen ein später Gruss des Verfassers jenes Buches, welches bis heute als das wichtigste über das KZ Dachau gilt. Das Buch ist heute vergriffen, der Text ist aber online verfügbar:

www.kirchenlehre.com/lenz_001.htm

Die Niederschrift hatte Pater Lenz, der von 1902 bis 1985 lebte, schon 1945 begonnen. Die Drucklegung dauerte aber bis zum Jahre 1956, als das Buch unter dem genannten Namen erstmals erschien. Bis 1974 lagen in deutscher Ausgabe 10 Auflagen mit fast 50.000 Exemplaren vor; zusätzlich wurde das Werk in Englisch, Polnisch und Slowenisch publiziert.

Pater Lenz war viel zur Vorstellung seines Werks und zu Vorträgen über seine KZ-Haft unterwegs, auch bis in die USA. Die Zeit im Konzentrationslager hatte sein priesterliches Leben einschneidend verändert und sollte es bis zum Ende prägen; sein Buch gilt konfessions- und parteiübergreifend als Standardwerk zum Thema.

Fotos:

- Befragung von P. Johannes Maria Lenz als Zeuge durch die Alliierten nach der Befreiung des KZ Dachau.

- Vergleich der Autographen im Buch mit jenem im Wikipedia-Artikel

- Buch "Christus in Dachau" mit eigenhändiger Widmung des Autors
Sunamis 49
das empfohlene buch wuerde icg gerne lesen
Copertino
Sie können es unter dem im Text angegebenen Link im Internet. Das Buch ist auch antiquarisch noch erhältlich.
Waagerl
Habe mir eben das Buch bestellt! Danke für den Buchtipp! @Copertino
Sunamis 49
pater sales hess osb,
kz dachau eine welt ohne gott
er schrieb seine erinnerungen daran
in diesem buch nieder
Copertino
@Sunamis 49 Interessante Zitate mit höchst aktuellem Zeitbezug
Dank aan Sterre der Zee
👍🏻Danke