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Joannes Baptista
G. Pasquali S.S.P 1964: Ich und beichten! Wieso? - Kapitel II. II ZÖGERE NICHT „Er hat mir das Leben gerettet!“ Der Rektor der Franziskuskirche in Turin hatte als Beichtvater einen guten Helfer. …More
G. Pasquali S.S.P 1964: Ich und beichten! Wieso? - Kapitel II.

II ZÖGERE NICHT

„Er hat mir das Leben gerettet!“
Der Rektor der Franziskuskirche in Turin hatte als Beichtvater einen guten Helfer. Dieser war kein Priester. Er war nur ein einfacher Mesner und hieß Giovanni Bargetto. Eines Tages hielt ihm der Rektor folgenden Vortrag:

„Siehst du, es gibt Leute, die in die Kirche kommen, sich bis zur Sakristeitüre vorwagen (Anmerkung: In Italien wird oft in den Sakristeien Beicht gehört!) und dann unentschlossen herumlungern und sich verlegen den Kopf kratzen. Sobald du einen solchen Schwerenöter entdeckst, geh gleich zu ihm hin und sage: „Wollen Sie beichten? Kommen Sie mit mir, ich besorge Ihnen einen passenden Beichtvater!“ – Und dann bringst du ihn zu mir oder zu anderen Priestern.“
Der brave Bargetto, für den ein solch delikater Auftrag eine große Ehre war, ließ sich das nicht zweimal sagen. Eines Morgens sah er, wie der „Hofschuhmacher“, ein wohlbeleibter Mann, sich auf zwei Krücken dahinschleppte und einen raschen Blick in die Sakristei warf, wo Bargetto gerade einem Priester in das Messgewand half. Der heimliche Späher wollte schon Reißaus nehmen, als der Küster ich stellte und sich liebenswürdig erkundigte: „Wollen Sie jemand sprechen?“
Der Schuhmacher maß ihn vom Scheitel bis zur Sohle und sagte dann: „Sie gefallen mir, kommen Sie her!“ In einer versteckten Ecke der Kirche gestand er dann: „Ja, ich will beichten, aber ich aber ich habe so viel auf dem Kerbholz und möchte nicht gerade einen engherzigen Beichtvater erwischen, sonst geht alles schief.“
Bargetto entgegnete: „Machen Sie sich deswegen keine Sorgen und kommen Sie ruhig mit mir.“
Er führte ihn in ein kleines Zimmer. Dann holte er Don Cafasso, der in der Kirche Beicht hörte. Der Heilige ließ nicht lange auf sich warten. Er verschwand hinter der Tür des Sprechzimmers und erst nach einer Stunde kamen die beiden freudestrahlend wieder heraus.
„Er hat mir für die ganze Ewigkeit das Leben gerettet“, rief der Schuhmacher voller Rührung und umarmte Bargetto wie einen irdischen Schutzengel. Er war ihm so dankbar, dass er vier Jahre seine Schuhe umsonst reparierte.

„Die Jakobs beichten alle“
Ein kranker Schuster widersetzte sich allen Ermahnungen Don Cafassos, der ihn zum Beichten bewegen wollte.
„Nein und nochmals nein! Ich tue es nicht.“
„Wie heißen Sie denn?“ fragte der Priester.
„Jakob.“
„Aber die Jakobs beichten alle“, erwiderte Don Cafasso, ohne mit der Wimper zu zucken, „folglich seid Ihr auch an der Reihe.“
Vor so einem gewichtigen Argument kapitulierte der Schuster und bekannte seine Sünden.

Heilige Gewalttätigkeit
Als Don Cafasso in Turin als Gefängnisseelsorger eingesetzt war, behaupteten die Häftlinge von ihm: „Don Cafasso bringt uns zum Beten, muntert uns auf und hört unsere Beichten. Natürlich gibt es auch Widerspenstige, aber er hat sie gleich am Schlafittchen.“
Manchmal freilich gestaltete sich der Seelenfang etwas schwierig, ja er wurde geradezu tragikomisch.
Eine ganze Häftlingsabteilung wollte vom Beichten nichts wissen, oder besser gesagt, keiner wollte den Anfang machen. Da alles Bitten und Drängen vergeblich war, trat der Gottesmann kurzentschlossen an einen baumlangen Kerl und packte ihn beim Bart.
„Ich lasse Euch nicht mehr los, wenn Ihr nicht beichtet!“ drohte er.
Dem Hünen wäre es ein Leichtes gewesen, das schmächtige Pfäfflein durchzuschütteln und an die Wand zu drücken. Aber Verblüffung und ein gewisses Respektgefühl behielten die Oberhand, und so beschränkte er sich auf die Feststellung:
„Ich geh‘ nicht zum Beichten.“
„Und ich lasse Euch nicht los.“
„Ich will einfach nicht.“
„Sagt, was Ihr wollt. Ihr kommt mir nimmer aus und ich halte Euch solange fest, bis Ihr anderen Sinnes seid.“
„Ich bin überhaupt nicht vorbereitet.“
„Das werde ich schon besorgen.“
Der Strolch war einem Temperamentsausbruch nahe, doch schließlich kapitulierte er und ließ sich in eine Ecke des Gemeinschaftsraumes zerren.
Dort begann Don Cafasso mit der Beichtvorbereitung. Er ging dabei so engelsgeduldig und liebevoll vor, dass seinem Beichtkind die hellen Tränen über die Wangen liefen. Der rauhe, widerborstige Bursche empfing in echter Zerknirschung das Sakrament der Buße und forderte hinterher sogar seine Zellengenossen dazu auf, da er, wie er beteuerte, noch nie so glücklich und zufrieden gewesen sei.
Während der Gefangenenbeichte in den Ostertagen des Jahres 1860 kniete ein Häftling nieder, bekreuzte sich, um dann, als habe ihn sein Vorhaben gereut, urplötzlich wieder aufzustehen.
Don Cafasso erwischt ihn gerade noch am Mantelärmel und zieht. Der Mann versucht sich zu befreien und beide purzeln zu Boden. Der Priester richtet, ohne den Griff zu lockern, beruhigende und aufmunternde Worte an seinen Bruder in Christo, und schließlich bekennt der Zuchthäusler seine Sünden und gewinnt den Frieden des Herzens wieder.

Jeder Geistliche, der irgendwie zum Beichten auffordert und sich bemüht, die Sünder zum heiligen Richterstuhl des Bußsakraments zu führen, tut nur seine Pflicht ohne irgendeinen materiellen Vorteil.
Überhöre seine Mahnung nicht, denn das Erbarmen des Herrn ruft dich durch ihn.