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Heilwasser
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Antworte dem Toren (nicht)

Antworte dem Toren (nicht)

In der Bibel gibt es die Sprichwörter, die zu einem Großteil
von König Salomo stammen. Sie gehören zur Weisheits-
literatur und müssen demnach weisheitlich angewendet werden.
Ja, in den Situationen des Lebens liegt oft ein gewisser Er-
messensspielraum zugrunde, wie das folgende Beispiel
zeigen wird. Was ist aber die größte Weisheit? Zweifellos
die Liebe, nämlich die weisheitlich angewandte Liebe.

Sprüche 26,4 und 26,5 bieten einen interessanten Einblick,
wie die Sprüche überhaupt interpretiert werden müssen.

Spr 26,4: „Antworte dem Toren nicht, wie es seine
Dummheit verdient, damit nicht auch du ihm gleich
wirst.“


Ok, denkt sich der Leser, dann werde ich das beachten
müssen, aber sogleich im nächsten Spruch folgt:

Spr 26,5: „Antworte dem Toren, wie es seine Dummheit
verdient, damit er sich nicht einbildet, ein Weiser zu
sein.“


Da kommt jetzt natürlich die Frage auf: was soll ich
denn nun tun, einem Toren Antworten oder nicht?
Und da sehen wir nun, dass jeder einzelner Spruch
nicht eine absolut feststehende Regel ist, sondern von
Fall zu Fall weisheitlich angewendet werden will. Man
muss sozusagen überlegen und erwägen, ob es Sinn
macht, dummen Anwürfen zu entgegnen oder nicht.
Wenn die Gefahr besteht, dass man selber unter die
Räder kommt, sollte man es lieber lassen. D.h. man
ignoriert die Torheit einfach.

Wenn es aber durchaus angebracht scheint, einer
törichten Behauptung zu entgegnen, damit derjenige
nicht noch meint, er habe etwas Weises von sich gegeben
und/oder damit er etwa nicht noch andere in diese Torheit
hineinzieht, dann möge man doch in weisheitlicher
Liebe antworten.

Das heißt, da ist ein gewisser Ermessensspielraum,
wann man den ersten Spruch und wann den zweiten
anwendet. Und da kann jeder seine guten Gründe
haben, warum er mal so, mal wieder anders entschei-
det. Das ist auch der Grund, warum man über das
Handeln anderer eigentlich nicht urteilen sollte, denn
man kann doch nie alle Komponenten für seine Ent-
scheidungsfindung kennen.

Ob eine Tat nicht gut ist, merkt man vielleicht gleich,
aber dennoch kennt man nicht die subjektive
Schuld, die zugrundeliegt. Es könnte ja sein, dass sich
der Schuldige dessen gar nicht bewusst war, was er
tat oder sogar dachte, er tue etwas Gutes.

Seien wir also vorsichtig im Urteilen und überlegen
wir gut, ob wir törichten Behauptungen entgegnen
sollten oder nicht und das macht nur Sinn, wenn wir
uns dabei selber nicht lächerlich machen und dabei
etwas Gutes bewirken können.

Gesegnete Abwägung!

Bild: Eine törichte Maßnahmenwelle rollt auf uns zu

Joannes Baptista
Heilwasser
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