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Es war im Jahre 1974 in Castelnau-de-Guers, in Südfrankreich ... v. Kaplan A. Betschart

Es war der Karfreitag des Jahres 1974. In Castelnau-de-Guers, in Südfrankreich, geschah folgendes Ereignis, das von der Polizei untersucht wurde. Ihr Urteil lautete: “Es hat sich tatsächlich etwas Aussergewöhnliches ereignet.”
In der kleinen Dorfkirche zeigte den etwa vierzig zur Anbetung versammelten Gläubigen Christus Sein Antlitz. Das berichteten die Gläubigen den Reportern der grossen Zeitungen Frankreichs und dem französischen Fernsehen.
Kurz vor 18.00 Uhr kniete der Pfarrer, François Caucanas (59), vor dem im Ziborium ausgesetzten Allerheiligsten. Zusammen mit seiner Gemeinde gedachte er schweigend des Todes des Herrn. Als er sich erhob und auf das Ziborium zugehen wollte, das mit einem weissen Schleier verhüllt war, bemerkte er zunächst zwei Augen, dann die Nase, dann das bärtige Kinn und schliesslich ein ganzes Gesicht. Er rief laut: “ER ist es! Es ist Christus! Kommt, Ihn zu sehen!” Erschrocken drängte sich die Gemeinde um den kleinen Altar. Auch sie sah das Antlitz des sterbenden, andere sagten des bereits toten Christus. Alle Gläubigen aber hätten den Eindruck unsagbaren Leidens gehabt.

Die Heilandsklage

“Mein Volk, was hab' Ich dir getan? Womit nur habe Ich dich betrübt? - Was hätte Ich mehr tun sollen und tat es dir nicht? - Ich habe dich gepflanzt als Meinen auserlesenen Weinberg: du aber, wie bist du Mir bitter geworden! - Du hast Mich in Meinem Durste mit Essig getränkt, hast deinem Heiland die Seite durchbohrt mit der Lanze!”

Dies ist die erschütternde Heilandsklage, die Jesus an jeden Einzelnen von uns richtet. Im Angesichte des am Kreuz unter furchtbaren Qualen sterbenden Heilandes bin ich aufgefordert, Ihm auf Seine Frage “Was hätte Ich mehr tun sollen für dich und tat es dir nicht?” eine Antwort zu geben.
Was Christus getan hat, wissen wir aus den Evangelien. Uns Christen des 21. Jahrhunderts ist aber ein “fünftes Evangelium”, ein Bild-Evangelium, geschenkt worden, das uns mit erschütternder Deutlichkeit vor Augen führt, was Christus für uns gelitten hat. Dieses “fünfte Evangelium” ist das Grabtuch von Turin, in das der Leichnam Jesu bis zur Auferstehung eingehüllt war, und nicht die Leiche eines Mönches aus dem Mittelalter, wie gewisse Fernsehstationen einem mediengläubigen Publikum weis machen wollen. Dieses Grabtuch ist die kostbarste Reliquie der Christenheit, deren Echtheit trotz Carbontest heute durch hervorragende Wissenschaftler bezeugt wird.
Der Bericht der Evangelien über die Kreuzigung Jesu ist von beinahe unbegreiflicher Kürze und Herbheit. Das Grabtuch von Turin zeigt uns deutlich die grauenhafte Wirklichkeit der Kreuzigung. Vor allem aber zeigt es uns die unfassbare Liebe des Heilandes, der alles für uns getan hat.
Das Grabtuch bezeugt, dass der geschundene und gequälte Leib des Herrn mit über sechshundert Wunden und Verletzungen bedeckt war. Ganz deutlich sind die Wunden der Geisselung festzustellen. Fächerförmig verteilen sie sich fast über den ganzen Körper. Die Wunden sind mit der furchtbaren römischen Peitsche, dem flagellum, beigebracht worden, an deren Enden kleine Hanteln aus Blei befestigt waren. Etwa hundertzwanzig Einschläge sind auf dem Grabtuch deutlich sichtbar. Die Geisselung war das Vorspiel zur Kreuzigung, bei der viele bereits starben.
Nach der Geisselung setzten die Soldaten Jesus eine Dornenkrone aufs Haupt. Diese Dornenkrone ist aber viel eher eine Dornenhaube gewesen. Denn das Grabtuch gibt Aufschluss, dass Christus an der Stirn und im Nacken aus zwanzig Wunden geblutet hat, die Ihm durch die Dornen beigebracht worden sind.
Schliesslich trug Jesus das Kreuz selbst zur Hinrichtungsstätte. Man weiss heute, dass damit der Querbalken gemeint ist, den die Henkersknechte Jesus mit Stricken auf die Schultern banden. Wiederum zeigt das Grabtuch starke Schürfwunden an den Schulterpartien des Rückens, und zwar an der rechten Schulter höher als an der linken. Diese deutet an, dass der Querbalken des Kreuzes auf der rechten Schulter lag und an den nach oben ausgestreckten rechten Arm gebunden war, während das nach links herunterhängende Ende des Balkens durch einen Strick an den Fussknöchel gefesselt war.
Des weiteren zeigt das Grabtuch Prellungen an den Knien und im Gesicht, so dass das Niederfallen Jesu auf die Knie, ja selbst auf Sein Antlitz, auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte nicht fromme Legende, sondern brutale Wirklichkeit ist.
Die Wunden der durchbohrten Hände und Füsse, und die Seitenwunde des von einer Lanze durchbohrten Herzens, gibt das Grabtuch in erschütternder Weise wieder.
“Es müsste ... die ganze Christenheit niederknien vor diesem unwiderstehlichen Zeugnis der erbarmenden, unser tiefstes Elend unterfangenden Liebe, vor diesem schrecklich zermarterten Leib und vor diesem von menschlichem Leid und göttlicher Hoheit geprägten Antlitz” (P. Gerhard Hermes).

“Wegen unserer Missetaten...”


Warum hat Christus dieses schreckliche Leiden auf sich genommen? Der Prophet Isaias antwortet:

“Er ist verwundet worden wegen unserer Missetaten; Er ist zerschlagen wegen unserer Sünden; unseres Friedens wegen hat Ihn die Züchtigung getroffen, und durch Seine Wunden wurden wir geheilt. Wir alle sind wie Schafe abgeirrt; ein jeder wich von seinem Wege. Da legte der Herr auf Ihn unser aller Missetaten. Er ward geopfert, weil Er selbst es wollte” (53,5-7).

So furchtbar ernst nimmt Gott unsere Sünde, dass ER Seinen Sohn nicht geschont, sondern Ihn unserer Sünden wegen dieses blutige Opfer bringen liess. Das Kreuzesopfer Christi führt uns die Furchtbarkeit der Sünde drastisch vor Augen. Der hl. Paulus spricht vom “mysterium iniquitatis”, vom “Geheimnis der Bosheit” (2 Thess 2,7). Seit der ersten Sünde im Paradies türmte sich im Verlauf der Geschichte der Menschheit ein Gebirge von Bosheit, Hass und Schlechtigkeit auf, das wir nicht abzutragen vermögen.

“Dieses ‘mysterium’ wirkt in der Welt wie ein unterirdischer Vulkan, in dessen Tiefe wir nicht hinabsteigen können, der aber durch seine furchtbaren Wirkungen hinlänglich zu verstehen gibt, dass er eine gewaltige Zerstörungsmacht und Zerstörungswut in sich birgt” (M. Scheeben).

Vieles, was uns auf dem Gebiet der Sünde begegnet, ist gekennzeichnet durch einen eigentümlichen Charakter hasserfüllter Bosheit. Es ist die dämonische Auflehnung gegen Gott und Sein Reich. Dies zeigt sich vor allem in der planmässigen Bekämpfung des Guten und des Heiligen, auch im abgrundtiefen Hass gegen die Kirche. Diese Auflehnung gegen Gott kommt auch im weltweiten Abfall vom wahren Glauben und in der sittlichen Verdorbenheit unserer Zeit zum Ausdruck, deren Lasterhaftigkeit dem vorchristlichen Heidentum in nichts nachsteht.
Wir alle aber haben Anteil an jenem Reich der Finsternis durch unsere Sünden. Wir lehnen uns auf gegen Gott, wenn wir Seine Gebote übertreten. Durch Verachtung, Lieblosigkeit und Hass gegen den Mitmenschen, durch Lüge, Unkeuschheit, Geiz, Trägheit im Guten und wie alle diese Haupt- und Wurzelsünden heissen, verbünden wir uns mit dem Reich der Finsternis so sehr, dass wir ohne das Opfer Jesu am Kreuze für immer diesem dämonischen und menschenmordenden Reiche angehört hätten.

Das Opfer Christi am Kreuz

Christus hat sich vollkommen freiwillig für uns geopfert, um uns diesem ewigen Unglück zu entreissen. Der Prophet Isaias sagt vom leidenden Gottesknecht:

“Er ward geopfert, weil Er selbst es wollte” (53,7)

Und dieses Opfer am Kreuz ist ein wahres Sühneopfer, das unsere Versöhnung mit Gott bewirkt, sofern wir es annehmen. Dieses die Welt erschütternde Opfer schenkt uns aber noch viel mehr: nämlich

“alle übernatürlichen Güter göttlicher Gnade und Herrlichkeit, ja den Besitz von Gott selbst, worauf wir, selbst ohne Sünde, von Natur keinen Anspruch erheben konnten” (M. Scheeben).

Wir müssen uns aber bewusst sein, dass wir in der Passionszeit jenes Opfers gedenken, das Christus zuallererst wegen der unendlichen Verherrlichung Gottes dargebracht hat. Denn aus eigener Kraft hätten wir die Verletzung der Ehren-Herrlichkeit Gottes nicht wiedergutmachen können. Da Gott gerecht und zugleich barmherzig ist, sandte Er Seinen Sohn, der jenes vollkommene Opfer stellvertretend für uns darbrachte, das die göttliche Gerechtigkeit verlangen musste.
Die göttliche Barmherzigkeit aber liess Gottes Sohn Mensch werden, liess Ihn unsere menschliche Natur annehmen, damit dieses Opfer in wunderbarer und geheimnisvoller Weise auch zu unserem Opfer wurde. Christus, der das Haupt des Menschengeschlechtes ist, hat auch in unserem Namen dieses Opfer dargebracht. So setzt sich das Opfer Christi, das zur Ehre und zur Verherrlichung Gottes, aber auch zur Sühne für unsere Sünden dargebracht wurde, fort in allen Gläubigen, die ihre Leiden in der bewussten Nachfolge Christi tragen.
Das tun vor allem die Märtyrer, die Blutzeugen, die durch ihr Leiden und Sterben ihrem Haupte, Christus, am ähnlichsten werden. Dies meint wohl der hl. Apostel Paulus, wenn er schreibt:

“Ich freue mich nun der Leiden für euch und will an meinem Fleisch ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt für Seinen Leib, die Kirche” (Kol 1,24).

Nehmen Sie sich doch einmal die Zeit, das Antlitz des Turiner Grabtuches still zu betrachten, dieses von Leid gezeichnete und von göttlicher Hoheit erfüllte Antlitz des Herrn, um Christus aus ganzem Herzen für die Erlösung zu danken:

“Ich danke Dir, Herr Jesus Christ,
dass Du für mich am Kreuz gestorben bist.
Ach, lass Dein Blut und Deine Pein
an mir armem Sünder nicht verloren sein!”


Quellenhinweis:

▸ Nigg W./Loose N., Benedikt von Nursia, Freiburg i. Br.-Basel-Wien 1979.

▸ Scheeben M. J., Die Mysterien des Christentums, Freiburg i. Br. 19512.

▸ Wilson I., Eine Spur von Jesus - Herkunft und Echtheit des Turiner Grabtuches, Freiburg i. Br.-Basel-Wien 1980.

▸ Zeitschrift DER FELS 1974/5, S. 134.
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Lisi Sterndorfer
Ich hätte eine theologische Frage off-topic. Sind die Fastengebote der Kirche (z.B. für Aschermittwoch, Karfreitag) bei Todsünde verpflichtend? Gibt es dafür Belege, Argumente? Hat die Kirche eine Vollmacht, Todsünden autoritativ festzulegen, da sie Fastenregeln willkürlich ändern kann?
Eugenia-Sarto
Er tat das alles aus unendlicher Liebe. Und wir? Wir können Ihn nicht genug lieben.
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SvataHora
Die "Heilandsklagen" "Mein Volk, mein Volk, was tat Ich dir? Antworte Mir!" sind aber aus der "neuen Liturgie" völlig verschwunden!
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alfredus
Wir können nicht genug bedenken und die Leiden Jesu betrachten, denn was der Heiland für uns getan hat, kann kein Menschenherz erfassen. Wir haben oft schon einen Hollywood- Film gesehen, der theatralisch Szenen der Kreuzigung Jesu zeigte und wurden mehr oder weniger davon berührt. Drastisch und real ist nur der Film von Mel Gibson " Die Passion Christ " der deutlich und ergreifend zeigt, dass …More
Wir können nicht genug bedenken und die Leiden Jesu betrachten, denn was der Heiland für uns getan hat, kann kein Menschenherz erfassen. Wir haben oft schon einen Hollywood- Film gesehen, der theatralisch Szenen der Kreuzigung Jesu zeigte und wurden mehr oder weniger davon berührt. Drastisch und real ist nur der Film von Mel Gibson " Die Passion Christ " der deutlich und ergreifend zeigt, dass die Kreuzigung alles andere als ein Spaziergang war. Den deutlichen, realen Bildern, die besonders die Geißelung, Dornenkrönung und Kreuzigung mit den Mißhandlungen darstellten, konnten sich die Menschen im Kinosaal nicht entziehen. Viele blieben erstmal still sitzen. Wir Christen sollten öfter als nur in der Fastenzeit, an das große Liebeswerk Christi denken.
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