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Schweizer Fernsehen: "Streitfragen" unter Ausschluss von Streit und Fragen

Copertino
Die Sendung «Sternstunde Religion» des Schweizer Fernsehens beschäftigt sich in den «Streitfragen» mit umstrittenen Themen zu Religion und Gesellschaft. Aktuell geht es um eine Sendung zur Frage, ob …More
Die Sendung «Sternstunde Religion» des Schweizer Fernsehens beschäftigt sich in den «Streitfragen» mit umstrittenen Themen zu Religion und Gesellschaft. Aktuell geht es um eine Sendung zur Frage, ob Homosexuelle in der Schweiz schon bald heiraten dürfen. Die Sendung wird am 3. März 2019 um 10:00 Uhr auf SRF1 ausgestrahlt. Die «Ehe für alle» sei in den christlichen Kirchen sehr umstritten, so die Ankündigung auf SRF. Für viele traditionelle Christen stehe das Modell der Ehe von Mann und Frau auf dem Spiel.

Eigentlich würde es sich von selbst verstehen, dass eine so bezeichnete "Streitfrage" auch mit jenen diskutiert wird, welche diesbezüglich unterschiedliche Ansichten vertreten. Aber Fehlanzeige: Wenn man die www.srf.ch/…/anmeldung-zur-a… ansieht, wird man eines Besseren belehrt. Mit Moderator Norbert Bischofsberger diskutieren:

- die reformierte Pfarrerin Sibylle Forrer
- die Hebamme Eva Kaderli vom Dachverband «Regenbogenfamilien»
- der römisch-katholische Theologe Manfred Belok

Was auffällt: Die traditionell-kirchliche Position dient zwar als Aufhänger der "Streitfrage", wird aber im Diskussionsforum nicht abgebildet und bleibt aussen vor. Theologe Manfred Belok als "römisch-katholischen Theologen" einzuführen, grenzt messerscharf an Manipulation. Es macht eher den Eindruck, dass er eingeladen wurde, weil er gerade nicht die klassische römisch-katholische Theologie vertritt und für Herrn Bischofberger als Feigenblatt herhalten muss, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, unerwünschte Positionen aussen vor zu lassen. Es wird der "Sternstunde"-Redaktion selbstverständlich bekannt sein, dass Herr Belok ein Mitunterzeichner des Aufrufs de.wikipedia.org/wiki/Kirche_2011:_Ei… war, welcher u.a. wörtlich folgende Forderungen stellte:

- eine stärkere Beteiligung der Gläubigen auf allen Ebenen der Kirche, auch bei der Bestellung wichtiger Amtsträger (Bischof, Pfarrer)
- die Förderung des gemeindlichen Lebens, indem der Bildung von Grosspfarreien entgegengewirkt wird, die Gläubigen Mitverantwortung übernehmen und auch verheiratete Priester (Aufhebung der Verpflichtung zum Zölibat für Ordinierte) und Frauen im kirchlichen Amt zugelassen werden
- Respekt vor dem individuellen Gewissen, besonders im Bereich der persönlichen Lebensentscheidungen und individuellen Lebensformen (wiederverheiratete Geschiedene, gleichgeschlechtliche Partnerschaft

Natürlich ist davon auszugehen, dass Belok von Herrn Bischofberger genau deswegen eingeladen wurde. Von einer reformierten Pfarrerin und einer Vertreterin des Dachverbandes "Regenbogenfamilien" kann ebenfalls nicht erwartet werden, dass sie die klassische Sicht der Kirche zur so genannten "Homoehe" einbringen.

Fakt also, dass das Schweizer Fernsehen eine "Streitfrage" zu einem "umstrittenen Thema" mit Vertretern nur einer Partei diskutiert, also gar nicht den Streit der Meinungen abzubilden gedenkt. Solches wirft SRF unter umgekehrten Vorzeichen üblicherweise Staatsmedien in Ländern wie Polen oder Ungarn vor. Man scheint es aber selbst nicht anders halten zu wollen.

Eine solche gelenkte "Positionsoptimierung" unter Ausschluss unerwünschter Meinungen scheint bei "Sternstunden" unter der Leitung von Herrn Bischofberger bereits Tradition zu haben. Kürzlich fand eine SRF-Diskussion über die Sicht auf die Abtreibung in den verschiedenen Religionen statt. Die Vertreterin des Christentums, eine reformierte Pfarrerin, grenzte sich von der klassischen Lebensschutzposition der Kirche deutlich ab. Christliche Lebensschützer waren ausdrücklich nicht eingeladen worden, im Sinn eines "konstruktiven Dialogs", wie die Redaktion betont hatte.