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M.RAPHAEL
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Zwei Reiche in Düsseldorf

Das wohl größte Problem für die Heilige Katholische Kirche besteht darin, dass Religion heute als Privatsache bzw. subjektive Beliebigkeit verstanden wird. Im besten Fall wird sie auf den Besuch des Kirchengebäudes am Sonntagmorgen reduziert. Sonst keine Kirche, sonst kein fremdbestimmender Gott, sonst keine Wahrheit, dann kann man machen, was man will. Der Mensch ist Gott. Er ist letztbestimmend über sein Leben. Glaube wird verstanden als irgendeine Geschichte für wahr halten, weil sie einem gut tut, weil sie nützlich ist. Sollten irgendwelchen Regeln, Gesetze oder Bestimmungen nicht mehr passen, kann man sie deshalb demokratisch oder synodal ganz einfach ändern. Der Mensch kann ändern, was er selbst irgendwann einmal gesetzt hat.

Diese Grundauffassung der Moderne ist falsch. Sie ist eine umfassende Lüge, die leider von fast allen geglaubt wird. Nein, das gesamte Leben des Menschen, 7 Tage in der Woche, rund um die Uhr, wird bestimmt durch die Wahrheit Gottes. Der Mensch ist immer in der Kirche. Die Heilige Messe am Sonntag ist dann die Erfüllung und Zuspitzung des Lebens/Spielens vor Gott, das immer geprägt ist von dem Willen Gottes in Form der göttlichen Schöpfungsordnung.

In fast allen meinen Beiträgen erzähle ich deshalb von meinen Privaterlebnissen, aber nicht als Selbstdarstellung, die einem mangelnden Selbstbewusstsein entspringen könnte, sondern weil ich unablässig Zeugnis von der das ganze Leben durchdringenden Wahrheit des objektiv faktischen, göttlichen Heilswillen Zeugnis geben möchte. Es ist genau nicht wie bei den Charismatikern, die durch persönliche Erfahrungsberichte die anderen Menschen dazu auffordern wollen, sich ebenfalls zum Personal Jesus zu bekehren, so als ob der Mensch durch Bekehrung Gott erschafft. Deren Ziel ist die Ausweitung des protestantischen Machtkollektivs. Eine solche Bekehrung will ich gerade nicht. Nicht der Mensch erschafft Gott, sondern Gott ruft den Menschen durch sein gesamtes Alltagsleben hindurch. Jetzt könnte ein Charismatiker einwenden, dass er das genauso versteht, dann antworte ich: DANN MUSST DU KATHOLISCH WERDEN!!! Wohl nicht. Warum würde ein Mensch sein Gott-sein aufgeben?

Ein Beispiel soll das verdeutlichen. Einige liebe Freunde von Gloria TV kennen es bereits:

Vor vielen Jahren lebte ich in Düsseldorf. Ich arbeitete in der Zentrale einer großen, sehr bekannten deutschen Bank. Ich hatte einen gewissen Draht zur lebendigen Düsseldorfer Kunstszene (Ratinger Hof Besäufnisse, Beuys und Umfeld). Für einige Zeit hatte ich eine professionelle Künstlerin als Freundin. Sie war die stärkste Frau, die ich je kennengelernt habe. Da wird der Feminismus dann schnell irrelevant. Der ist nur was für schwache aber gierige Frauen. Sie hat sich übrigens äußerst negativ über die Abtreibung geäußert (unerträglich und furchtbar). Ich habe sie sehr gerne gehabt. Wir hatten viel Spaß, u.a. in der Öffentlichkeit in einem kanadischen Mall für alle sichtbar Sekt aus Plastikbechern getrunken. Das war pubertär lustig, weil verboten.

Sie war älter als ich und wesentlich erfahrener. Da war nichts mehr von grüner Geschmackslosigkeit. Sie hatte perfekte Form, deutsche Hochkultur und Bildung. Neben unserer Sympathie ging es wohl darum, dass sie einen jüngeren Mann begehrte, während ich von ihr lernen wollte. Das klingt nach Langeweile. In der Praxis war es das nicht. Die Dynamik, die das manchmal annahm, war romanreif.

Sie wollte meinen Körper, ich wollte ihren Geist. Niemals bekam sie, was sie begehrte. Ich bekam alles (mehr oder weniger?), was ich wollte. Wer ist charakterlich stärker? Wessen Willen setzt sich durch? Interessant!

In einer Nacht und nur einmal war es anders. Wieder einmal hatten wir Wagner gehört und Rotwein getrunken. Am Ende schaffte sie es, mich zu verführen. Gott wollte es, damit ich lerne, damit ich das hier schreiben kann:

Es war grauenhaft. Sie machte mich zum Objekt. Ich war kein Mensch mehr. Ich war das Lustobjekt einer Spinne. Wir hatten uns wirklich gerne (irgendwo, nein doch). Aber hier war ich kein Subjekt mehr. Ich war mit einigen Frauen zusammen gewesen, aber das war anders.

Nach dieser „Erfahrung“ fuhr ich mit meinem Motorrad nach Hause. Es war ein schöner sonniger Morgen im Sommer um ca. 6 Uhr. Düsseldorf war vollkommen ausgestorben. Einige Vögel konnte man hören. Dann begann ein merkwürdiges Gefühl, das ich nie vergessen werde. Ich war allein. Ich fuhr mit meiner schweren Maschine durch leere Straßen. Die Sonne war gerade aufgegangen. Aber es war dunkel. Da war Licht, aber es war dunkel. Da war keine Hoffnung mehr, keine Freude, nur noch Dunkel und Einsamkeit. Es war unwirklich. Ich war in einer anderen Welt, die ganz anders war als meine Welt von gestern. Und dann kam der Punkt. Ich kreuzte auf die andere Seite des Rheins. Schließlich erreichte ich meine Schnellstraßenausfahrt und an ihrem Ende warteten ungefähr 15 bis 20 Polizisten. Niemand auf der Straße, nur ich, die Polizei und ihre Fahrzeuge. Sie unterzogen mich einer Alkoholkontrolle. Wer nicht das Gefühl kennt, das ein Motorradfahrer hat, der seinen Helm wegen einer Polizeikontrolle abnehmen muss, morgens nach einer intensiven Nacht, der weiß nicht, was Stress ist. Gott sei Dank, mitten unter all diesen Polizisten, hatte ich null Prozent. Ich durfte weiterfahren. Die Dunkelheit war vorbei. Das Licht von gestern war wieder da.

In diesen Jahren war ich ein Sonntagskatholik. Ich war ein Weltmensch. Aber Gott war dabei. An diesem Sonntagmorgen habe ich eine unglaublich wichtige Erfahrung gemacht, dass es zwei sich überlagernde Reiche gibt: Das Reich Gottes und das Reich des Herrn der Welt. Am Ende sind es immer du und die Polizei/Armee. Du wirst zur Verantwortung gezogen. Im Reich des Herrn der Welt gibt es keinen Gott. Da haben Horrorfilme vollkommen recht, wenn jemand schreit: Hier gibt es keinen Gott!

Ich habe die 2 Reiche erlebt. Ich gebe Zeugnis. Die Polizei war nicht das Produkt meiner Psyche. Sie war kein Zufall. Ich werde immer wieder auf die 2 Reiche zurückkommen. Nur das Reich Gottes hat Substanz, das Reich des Herrn der Welt nicht. Deshalb kennen die atheistischen Wissenschaften keine Ontologie. Nichts was in der Zeit ist, gibt es. Mehr später.
Salzburger
Achweh- wo gibt's denn heute noch "perfekte Form, deutsche Hochkultur und Bildung"! (Und "perfekte Form" und "deutsche Hochkultur und Bildung" widersprechen sich sowieso...)
Daß der Geist des Mannes unter dem Fleische des Weibes steht (und sich nach dessen WeltGeistigkeit sehnt), ist sowieso abscheulich pervers.
pacem
Was Gott will können Sie in der Bibel nachlesen - insbesondere in den 10 Geboten!
micha
Ja, und wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!
pacem
@micha Ich weiß nicht, was Sie da projezieren…. vielleicht sind Sie es, der auf andere Steine wirft - ich habe lediglich darauf hingewiesen, daß Gott sicher nicht will, daß wir sündigen, auch nicht, damit wir in einem Forum darüber schreiben können....