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Hl. Benedikt (11. Juli)

Heiligenvita aus:
Alban Stolz, Legende. oder: Der christliche Sternenhimmel, Freiburg i. Br. 1867.


11. Juli.

Der heilige Benedikt. † 543.
(Wahrsagerei.)

Auf den heutigen Tag feiert der Benediktinerorden schon seit mehr als tausend Jahren das Andenken seines Stifters, obschon dessen eigentlicher Todestag auf den 21. März fällt. Das Leben dieses großen und weltberühmten Heiligen hat auch ein großer weltberühmter Heiliger geschrieben, nämlich Papst Gregor der Große.

Fünfhundert Jahre nach Christi Geburt sollte ein junger Mensch in Rom studieren; allein die Verdorbenheit seiner Mitschüler brachte ihn zu dem Entschluß die Welt zu fliehen; er wollte lieber auf die Wissenschaft verzichten, als auf die Unschuld. Weit weg von Rom suchte er eine Wildniß auf. Ein Mönch war ihm behülflich sein Vorhaben auszuführen und zeigte ihm eine Höhle, worin Benedikt drei Jahre lang verweilte, ohne daß ein Mensch davon wußte, außer jener Mönch, der ihm von Zeit zu Zeit Brod brachte.

So manche Pflanze braucht drei Jahre bis sie tief genug gewurzelt und sich entwickelt hat, um Blüthe und Frucht zu tragen. Deßgleichen brauchte die edelste Pflanze, die Seele des h. Benediktus, drei ungestörte Jahre in der Einöde, um in Gott tief zu wurzeln und in sich selbst recht ausgebildet zu werden. Nachher wollte Gott das Licht auf den Leuchter stellen; der Anfang dazu war folgender: Es war gerade Ostern; da bereitete sich ein Priester sein Mittagsmahl. Auf einmal bekam er eine Erscheinung (Vision), worin der Herr zu ihm sagte: „Du bereitest dir vergnügliche Speise, während dort mein Diener Hunger leidet.“ Der Priester nahm sein zubereitetes Mittagsmahl und suchte den ihm angezeigten Ort und fand die Höhle, wo Benediktus weilte. Vorerst beteten sie mit einander, lobten Gott und führten erbauliche Gespräche; dann sagte der Priester: „Steh’ auf, wir wollen essen, denn heute ist Ostern, da geziemt es sich nicht zu fasten.“ Sie machten ihre Danksagung und hielten eine Mahlzeit, worauf der Priester wieder zu seiner Pfarrkirche zurückkehrte. – Zu derselben Zeit fanden auch Hirten die Höhle, wo sich Benedikt aufhielt; da er mit Thierfellen bekleidet war und sie ihn zwischen dem Gebüsch sahen, meinten sie zuerst, es sei ein wildes Thier; bald aber erkannten sie, daß er ein Diener Gottes sei. Von nun an bekam Benedikt vielen Zulauf aus der Umgegend, und durch seine Ermahnungen wurden nicht Wenige bekehrt.

Eines Tages wurde Benedikt sehr heftig, wie noch nie sonst, von sinnlicher Begierde angefochten. Es kam ihm mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit eine Frauensperson in den Sinn, welche er in frühern Jahren einmal gesehen hatte; und es fachte sich in ihm ein solches außerordentliches Verlangen zu ihr an, daß er schon anfing zu überlegen, ob er nicht die Einöde verlassen wolle. Allein die Gnade zerstreute den schwarzen Nebel der Versuchung; Benedikt kam zur Besinnung, zog sein Gewand ab und stürzte sich nackt in Dorngebüsch und wälzte sich längere Zeit darin, bis er ganz wund war. Auf diese Weise löschte er die innerliche Versuchung zur Wollust durch äußerlichen Schmerz. Für diese tapfere That bekam Benedikt die Gnade, daß er sein Leben lang nie mehr von unreinen Versuchungen angefochten wurde.

Von nun an verließen allmählich Viele die Welt und vertrauten dem h. Benedikt ihre Seele zur Leitung an; und als in einem benachbarten Kloster der Abt gestorben war, so drängten die Mönche den h. Benedikt so lange mit ihren Bitten, bis er die Leitung des Klosters übernahm. Allein die Mönche fanden sich in ihm getäuscht. Er war ihnen zu streng und wollte ihre Unordnung und Ausgelassenheit nicht dulden. Darüber entstand eine große Erbitterung gegen ihn, welche zuletzt so weit ging, daß mehrere den Entschluß faßten, ihn zu vergiften. Sie thaten das Gift in ein Glas Wein, das dem heiligen Mann am Tisch vorgesetzt wurde. Benedikt machte seiner Gewohnheit gemäß das Kreuz darüber; da zersprang es plötzlich, obschon er es nicht berührt hatte, wie wenn statt des Kreuzes ein Stein darauf gefallen wäre. Benediktus erkannte wohl, es müsse dieß ein Todestrank gewesen sein, der das Zeichen des Lebens nicht ertragen konnte. Darum stand der heilige Mann alsbald auf, ließ die Mönche zusammenrufen und sprach mit ruhigem Gemüth und mildem Antlitz zu ihnen: „Brüder, der allmächtige Gott möge sich euer erbarmen; warum habt ihr solches gegen mich verüben wollen? Habe ich euch nicht schon früher gesagt, daß euere Sitten und meine Sitten nicht zu einander passen? Geht und suchet euch einen Vorstand, der eueren Gewohnheiten entspricht; mich werdet ihr von jetzt an nicht mehr bei euch haben.“ Er sprach es, verließ das Kloster und ging wieder in seine geliebte Einöde.

Wie ein Magnet die Eisenspäne anzieht, so fühlten sich mehr und mehr Solche, denen das Reich Gottes am Herzen lag, angezogen von dem heiligen Manne in der Einöde und wollten unter seiner Leitung stehen. Er errichtete deßhalb allmählig zwölf Klöster in der Umgegend seiner Höhle. Aber auch von hier wurde Benedikt wieder fortgetrieben. Dieses ging nämlich so zu: Ein Weltgeistlicher, der an einer benachbarten Pfarrei angestellt war, Namens Florenz, war von Neid und Eifersucht über das große Ansehen des h. Benedikt geplagt. Da aber sein Bemühen Andere von dem heiligen Manne abwendig zu machen nichts ausrichtete, so verfiel er auf einen wahrhaft teuflischen Anschlag. Er sandte nämlich nach damaliger Sitte dem h. Benedikt als Freundschaftszeichen Brod; in dieses Brod hatte er Gift gethan. Nun aber hatte Benedikt in seiner Wildniß einen Raben gewöhnt, daß dieser jedesmal zur Essenszeit herbeiflog und Brod bekam. Auf das Geheiß das Brod zu nehmen, sperrte der Rabe den Schabel auf, spreizte die Flügel, krächzte und lief um das Brod herum, wie wenn er sagen wollte: Ich will dir gehorchen, aber kann nicht. Benedikt, der durch höhere Erleuchtung erkannte, was mit dem Brod sei, befahl dem Raben es an einen Ort zu tragen, wo es Niemand finde. Endlich nahm es der Rabe und trug es fort; nach drei Stunden kam er wieder und holte seine gewöhnliche Nahrung von der Hand des h. Benedikt. Diesen aber schmerzte es weniger, daß ihm nach dem Leben gestellt werde, als vielmehr daß ein Priester eine so boshafte Seele habe. Da Florenz auch noch die Schüler des h. Benedikt zu verführen suchte, so entschloß sich dieser seine geliebte Höhle und diese Gegend zu verlassen, indem er hoffte, daß wenn er seinem Feinde aus den Augen gehe, derselbe seine Schüler eher in Ruhe lassen werde. Nachdem er noch seine Anordnungen in den von ihm errichteten Klöstern gemacht hatte, nahm er einige wenige Brüder mit sich und wanderte fort. Florenz stellte sich in boshafter Freude auf das Dach des Hauses, um seinen Abgang zu sehen – stürzte herab und war todt. Ein Mönch eilte sogleich dem h. Benedikt nach und theilte ihm den Fall wie eine angenehme Neuigkeit mit und hieß ihn wieder umkehren, da sein Feind nun todt sei. Benedikt beklagte mit schwerem Hezenleid den Tod seines Feindes, aber auch die Schadenfreude des Mönches und legte diesem eine Buße auf.

Benedikt mag wohl gefühlt haben, daß Gott ihn durch jenen Feind veranlassen wollte an einem andern Orte zu wirken; er kehrte daher nicht zurück, sondern ließ sich auf einem Berg nieder, Monte Cassino genannt. Hier stand noch ein alter Götzentempel des Apollo und viele Bewohner der Umgegend pflegten dorthin zu gehen, um heidnischen Aberglauben zu treiben. Der Diener Gottes zerstörte nun das Götzenbild, riß den Altar nieder und richtete den Tempel ein zu einer christlichen Kirche; deßgleichen zerstörte er das Heidenthum in den Herzen der Leute und prägte ihnen durch seine Reden und Ermahnungen den christlichen Glauben ein.

Benediktus erbaute nun daselbst mit den Brüdern ein Kloster. Hiebei kamen manche Störungen vor, wodurch der böse Feind den Bau hindern wollte, die aber jedesmal durch das Gebet des Heiligen vereitelt wurden. Benediktus erhielt zum Zeichen seiner Heiligkeit auch die Gabe Wunder zu wirken und zu weissagen. Totila, König der Gothen, wollte ihn auf die Probe setzen; er ließ dem h. Benedikt seinen Besuch ansagen, sandte aber dann einen Diener, Namens Riggo, in königlichem Schmuck nebst einer ansehnlichen Begleitung in’s Kloster voraus, um glauben zu machen, Riggo sei der König. Benedikt sah ihn von weitem kommen, und rief ihm zu: „Mein Sohn, lege ab, was du anhast, es ist nicht dein!“ Riggo mit den übrigen Dienern kehrte erschrocken zu dem König zurück und meldete ihm, wie Verkleidung vergeblich war. Nun ging Totila selbst zu dem heiligen Manne und fiel ehrerbietig vor ihm nieder, so daß ihn dieser aufrichten mußte. Benediktus sprach aber nun zu dem König: „Du thust viel Böses, du hast viel Böses gethan; laß nun endlich ab von deinem schlimmen Weg. Du wirst zwar nach Rom kommen, über das Meer setzen, neun Jahre regieren, im zehnten aber sterben.“ Der König erschrack sehr über diese Worte, bat ihn um sein Gebet, kehrte zurück und war von jener Zeit an nicht mehr so grausam. Was ihm aber Benedikt vorgesagt hatte, ging ganz genau in Erfüllung.

Da Benediktus einst von einem frommen Freunde besucht wurde, fand ihn dieser bitterlich weinen. Auf die Frage, was ihm sei, antwortete Benedikt: „Das ganze Kloster und was ich für die Brüder herbeigeschafft habe, wird durch Rathschluß des Allmächtigen eine Beute der Heiden werden; kaum habe ich noch erlangt, daß die Meinigen mit dem Leben davon kommen werden. So geschah es dann auch. Zu nächtlicher Zeit, da die Mönche schliefen, überfielen die Longobarden das Kloster, raubten und zerstörten Alles; wohl aber retteten alle Brüder ihr Leben.

Da Benediktus eines Abends seine Mahlzeit zu sich nahm, bediente ihn der Ordnung gemäß ein Mönch, der Sohn eines Rechtsgelehrten. Diesem fing der Geist des Hochmuths an in den Kopf zu steigen und er dachte bei sich: „Was ist denn der da, daß ich ihm diene, und wer bin ich dagegen?“ Alsbald wendete sich Benedikt zu ihm und sprach: „Bruder, mache das Kreuz, was sind das für Worte in deiner Seele?“ Dann rief er die übrigen Mönche, hieß den, der die Versuchung hatte, niedersitzen, worauf dieser auf Befragen selbst den übrigen sagte, von welcher Hoffart er versucht worden sei.

Zur Zeit einer Hungersnoth war auch im Kloster großer Mangel eingetreten, so daß einmal zur Essenszeit nicht einmal genug zur Stillung des Hungers vorhanden war. Da Benedikt seine Mönche darüber traurig und kleinmüthig sah, sagte er zu ihnen: „Was seid ihr so verzagt? Heute ist wenig da, morgen aber werdet ihr Ueberfluß haben.“ Den andern Tag fand man Säcke mit zweihundert Scheffel Getreide vor dem Klosterthor stehen, ohne daß man erfahren konnte, wer sie hergebracht habe.

Im nämlichen Jahr in welchem Benedikt starb, bezeichnete er in einem Gespräch mit mehreren Schülern seinen Todestag. Sechs Tage vorher ließ er sich ein Grab machen; bald darauf bekam er ein heftiges Fieber. Am letzten Tag ließ er sich in die Kirche bringen, empfing die h. Wegzehrung, und indem er sich von den Schülern stützen ließ, starb er aufrecht stehend mit zum Gebet erhobenen Händen. Zwei Mönche, welche nicht zugegen waren, sahen zu derselben Stunde einen hellen Streifen, wie mit zahllosen Lichtern besetzt, von der Zelle des h. Benediktus bis zum Himmel sich erstecken.

Der Orden aber, welchen der h. Benedikt gestiftet und der seinen Namen von ihm hat, ist wohl der größte und ausgebreitetste auf der Erde geworden; denn in frühern Zeiten gab es einmal mehr als dreißigtausend Klöster des Benediktinerordens.

Ich habe in dem Leben des h. Benedikt besonders solche Vorfälle erzählt, in welchen seine Gabe der Weissagung sich zeigte. Weil nämlich jeder wahre Heilige mit Gott in viel näherer Verbindung steht, als ein gewöhnlicher Mensch, so hat er zuweilen höhere Erleuchtung durch den allwissenden Gott, so daß er Dinge erkennt und sagt, die man auf natürliche Weise nicht wissen kann. Im Ganzen genommen geschieht aber dieses nur selten. Nicht alle Heiligen hatten diese Gabe; und die sie hatten, wußten das Zukünftige nicht überhaupt, sondern nur in einzelnen wenigen Fällen. Es ist uns nämlich meist heilsamer und die gewöhnliche Ordnung Gottes, daß wir die Zukunft nicht wissen. Daher ist es ein sündhaftes Gelüst, wenn man den Schleier, womit Gottes Weisheit und Güte die Zukunft vor uns verhüllt hat, dennoch wegziehen will; und ist eine schwere Sünde, wenn man durch Wahrsagen, Kartenschlagen und andere abergläubische oder zauberische Mittel die Zukunft aufdecken will. Ganz besonders gehört hieher auch das Tischrücken, welches sich in neuerer Zeit so sehr verbreitet hat und wodurch die Leute zukünftige Dinge aus der andern Welt erfahren wollen. Es mag bei dem Tischrücken und derartigen Versuchen nur Täuschung sein, wie Manche glauben, so daß die eigenen Nerven dabei wirken, oder es mag Wirkung von Geistern sein, wie Andere glauben; so ist es auf jeden Fall Sünde sich damit abzugeben, weil die Sünde darin liegt, daß der Mensch etwas will, was Gott verboten hat. Im alten Testament ist nämlich die Todesstrafe darauf gesetzt, wenn man es versucht Geister zu fragen; und in der katholischen Kirche wurden alle derartigen Versuche (Magie), gegen die Ordnung der Natur Zukünftiges zu erfahren oder mit Geistern zu verkehren, als schwere Sünde verboten. Daher haben die ersten Christen in Ephesus solche Wahrsager-Bücher im Wert von vielen tausend Gulden verbrannt, weil Christi Geist gegen solche Dinge ist. Suche dich über solche zukünftige Dinge zu unterrichten, die zu wissen heilsam ist: Gott läßt sie dir durch seine Kirche offenbaren, es sind namentlich die sogenannten vier letzten Dinge. Was Gott aber verhüllt hat, das begehre nicht vorwitzig durch frevelhafte Künste aufzudecken.
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Gemäß dem Ritus Missale Romanum gedenkt die Kirche auch des Hl. Papst und Märtyrer Pius I. von 140 bis 155, er hatte schwere Kämpfe gegen die Gnostiker zu bestehen (im Gegensatz zu heute, da ist der neue Stuhl Petri mit diesen verbunden). Von ihm kam die Bestimmung, Ostern muss immer an einem Sonntag gefeiert werden.