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Seligsprechungen in Mailand: Drei „Meister der Heiligkeit“

Bild: Pater Clemente im Alter von 86 Jahren

(gloria.tv/ Fidesdienst) Rund 8.000 Gläubige hatten sich am 26. Juni auf dem Mailänder Domplatz versammelt, um an der Seligsprechungszeremonie für Pfarrer Serafino Morazzone, P. Clemente Vismara (Missionar des Päpstlichen Instituts für die Außenmission) und Schwester Enrichetta Alfieri teilzunehmen. Dem feierlichen Gottesdienst stand der Bischof von Mailand, Kardinal Dionigi Tettamanzi vor. Mit ihm konzelebrierten über 3000 Bischöfe und Priester. Den Seligsrpechungsritus leitete der Präfekt der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsverfahren, Kardinal Angelo Amato.

Mit Bezug auf das Fronleichnamsfest, in dessen Mittelpunkt der Leib und das Blut Christi stehen, erinnerte Kardinal Tettamanzi an die Verbindung der drei neuen Seligen mit der Eucharistie: „Auf dem Weg ihrer Heiligkeit leuchtet die Eucharistie mit all ihrer Kraft, denn sie lebten, feierten und erlebten sie jeden Tag. Indem sich mit dem Leib Christi speisten trafen sie die Kraft, mit der sie alle Widerwärtigkeiten überwanden“.

Zur Figur des seligen P. Vismara sagte der Kardinal: „Aus Christus gespeist, scheute der eifrige Missionar keine Mühe, sondern gab sich selbst freudig hin.“ „Unsere drei neuen Seligen spürten zutiefst, dass auf dem Altar das Geheimnis des Leibes Christi liegt, dessen Glieder wir alle sind“, so der Erzbischof von Mailand weiter. „Dies ist die Botschaft, der drei Seligen an uns, die auch heute noch aktuell ist: wir sollen einen einzigen Leib Christi bilden, wir nähren und heiligen uns durch die Eucharistie, damit ‚ein einziger Glaube die Menschheit erleuchte und eine einzige Liebe die Menschen auf der ganzen Erde eint’“.

Kardinal Angelo Amato bezeichnete die drei neuen Seligen in seiner Ansprache als „Meister der Heiligkeit“, „Vorbilder für ein Leben nach dem Evangelium“. Es handle sich aber nicht um „Stillleben, die wir betrachten sollen“, sondern um „lebendige Präsenzen, die wir bewundern und nachahmen sollen“. „Pater Clemente Vismara war ein begeisterter Missionar, engagiert und heilig zugleich“, so Kardinal Amato. „Seine Liebe war immens. Ein Zeuge unter vielen war ein Muslim, der 1971 in seine Mission kam, um dort zu studieren. Er sah, dass viele ihre Kinder zu Pater Vismara brachten, der sie dann Schwester Clementina anvertraute. Wenn die Schwester darüber klagte, dass sie zu wenig Lebensmittel und Geld habe, sagte P. Vismara: ‚Ich habe diese Kinder nicht gesucht, es ist Gott, der sie uns schickt und es wird auch Gott sein, der für sie sorgen wird’. Am Tag danach kam ein Wohltäter mit mehreren Säcken Reis“.

Abschließend betonte der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren mit Bezug auf die drei neuen Seligen: „Aus ihrem Mund ist das Wort Liebe authentischer Ausdruck dessen, der sein Leben dafür hingibt, um Tag für Tag eine bessere und menschlichere Gesellschaft aufzubauen. Unsere drei Seligen tragen ihre Güte dabei nicht offensichtlich zur Schau, sondern übten sie im Finsteren und in Bescheidenheit aus. Das ist eine Lektion für das Leben, die wir alle lernen sollten“.

Auch Papst Benedikt XVI. erinnerte in seiner Ansprache nach dem Angelusgebet mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen an die drei neuen Seligen: „auch heute darf ich mit Freude die Proklamation von neuen Seligen bekannt geben… Pfarrer Serafino Morazzone, war beispielhafter Priester in Lecce im 18. und 19. Jahrhundert; Pater Clemente Vismara war ein heldenhafter Missionar des Päpstlichen Instituts für die Außenmissionen in Birmanien; und Schwester Enrichetta war der „Engel“ des Mailänder Gefängnisses „San Vittore“. Wir Loben den Herrn für diese leuchtenden Zeugen des Evangeliums!“.

Biographisches zu Pater Clemente

Clemente Vismara wurde am 6. September 1897 in Agrate Brianza geboren. Er war Vollwaise, als er 1913 in das Seminar San Pietro in Seveso eintrat, wo sein Beschluss reifte, Missionar zu werden und in das Institut für die Außenmissionen in Mailand (heute Päpstliches Institut für die Außenmissionen) einzutreten.

Am 26. Mai 1923 wurde er im Mailänder Dom zum Priester geweiht und nur wenige Monate später ging Pater Clemente nach Birma (heute Myanmar), wo er sich für den Rest seines Lebens der Verkündigung des Evangeliums widmete und wo er auch begraben wurde. Er gründete 5 Missionsbezirke und führte viele Dörfer zum christlichen Glauben.

Er baute Kapellen, Kirchen, Schulen, Krankenhäuser und kümmerte sich um Waisen aus den von Hungersnöten, Epidemien und Kriegen zerstörten Familien und um behinderte Kinder, die von ihren Familien verstoßen wurden. Er gewährte allen Einlass, die an die Pforte seiner Mission klopften: Witwen, Leprakranke, Diebe, Behinderte…

Er schrieb zahlreiche Briefe, Berichte und Artikel für Missionszeitschriften (nicht nur in Italien), in denen er das Leben in der Mission beschrieb. Im Zusammenhang mit seinem Seligsprechungsverfahren, das 1996 eingeleitet wurde wurden 2.200 Briefe und 700 Artikel gesammelt. Schon kurz nach seinem Tod am 15. Juni 1988 in Mongping wurde er als Heiliger und „Patriarch Birmas“ bezeichnet. An seiner Beisetzung nahmen auch zahlreiche Buddhisten und Muslime teil.