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Hl. Magnerich (25. Juli)

Heiligenvita aus:
Alban Stolz, Legende. oder: Der christliche Sternenhimmel, Freiburg i. Br. 1867.


25. Juli.

Der heilige Magnerich. † 596.
(Treue.)

Die Stadt Trier an der Mosel ist eine der ältesten Städte, die es in Deutschland gibt. Fünfhundert Jahre nach Christi Geburt war der h. Nicetius daselbst Bischof. Dieser fürchtete, wie es recht ist, keine fürstliche Gewalt und selbst den Tod nicht, wenn es sich darum handelte, seine Pflicht zu thun. Weil König Chlothar manche Ungerechtigkeit ausübte, so tadelte ihn Nicetius nicht nur, sondern belegte ihn auch mit der Kirchenstrafe des Bannes. Darüber erbost, vertrieb Chlothar den heiligen Bischof aus dem Lande. In der Welt ist viel die Rede von Freundschaft und festem Charakter und Ehrenhaftigkeit; aber wenn Jemand in’s Unglück kommt, so verlassen ihn meistens seine vormaligen Freunde und Kameraden, wie das vorher anhängliche Ungeziefer den Leib verläßt, sobald er todt ist. Wie oft kann man die Klage hören, daß keine Uneigennützigkeit und Treue in der Welt sei und der Psalmist sagt: „Omnis homo mendax, Jeder Mensch ist trügerisch“; dennoch gibt es einzelne Menschen, welche treu wie Gold sind und auf die man sich auch im Unglück verlassen kann. Solches sind nämlich alle wahren Christen; denn sie sind durchdrungen von Gott und nehmen darum Theil an der Wahrheit, Güte und Treue Gottes. Wenn du deßhalb einen zuverläßigen Freund suchst, der auch in Noth und Elend dich nicht verläßt, so suche Freundschaft mit einem echten Christen; jeder andere Mensch, scheine er sonst noch so gut, ist so unzuverlässig, als die Jünger des Herrn bei seiner Gefangennehmung waren, wo der h. Geist sie noch nicht umgewandelt hatte in höhere, edlere Menschen.

So wurde auch Nicetius von aller Welt verlassen, als er beim König in Ungnade und Strafe fiel; nur Magnerich, ein junger Mann, wollte freiwillig mit seinem Bischofe in die Verbannung. Nicetius sprach zu ihm: „Willst du es nicht lieber mit den andern halten ud dich von mir zurückziehen?“ – Magnerich antwortete: „So wahr Gott lebt, ich werde dich nicht verlassen, so lange noch mein Geist in diesen Gliedern bleibt.“ – Nicetius sprach: „Weil du so redest, so will ich dir auch mittheilen, was mir der Herr geoffenbart hat, nämlich den morgigen Tag schon werde ich wieder in Amt und Würde eingesetzt, und die mich verlassen haben, werden ihre Zuflucht zu mir nehmen. Den andern Tag in aller Frühe kam ein Bote, welcher ein Sendschreiben brachte, worin Sigebert den Tod seines Vaters Chlothar anzeigte, und daß er die Regierung übernehme und mit dem Bischofe Nicetius in Einigkeit leben wolle.

Da der h. Nicetius auf diese Weise wieder seinen bischöflichen Sitz eingenommen und er den Geistlichen verziehen hatte, welche im Unglück von ihm sich abgewandt hatten, so war Magnerich auch jetzt im Glück sein treuester Freund, in sofern er am sorgfältigsten die Lehre, den Wandel und die Einrichtungen des heiliges Bischofes festhielt. Darum wurde Magnerich auch nach dem Tod des h. Nicetius einstimmig zu dessen Nachfolger erwählt. Er war nun länger als zwanzig Jahre Bischof zu Trier und übte daselbst die hohen Pflichten seines Amtes in solcher Vollkommenheit aus, daß auf ihn ganz besonders die Worte der h. Schrift anzuwenden sind: „Sieh’ ein großer Priester, der in seinen Tagen Gott zu gefallen hat und gerecht erfunden worden ist, und zur Versöhnung gereicht hat in der Zeit des Zorns.“

Weil Magnerich Gnade vor dem Herrn gefunden, so verherrlichte ihn Gott auch vor den Augen der Könige, so daß sie vor ihm die größte Ehrerbietung hatten. Ja der König Childebert wählte den heiligen Mann zum Taufpathen, als er seinen Sohn Theodebert taufen ließ. Diese fürstliche Gunst hatte Magnerich nicht gesucht, er wollte sie auch edelmüthig lieber verlieren, als einem in Ungnade gefallenen verfolgten Mann kein Mitleiden zu zeigen. Der fromme Bischof Theodor von Marseille war nämlich verläumderisch des Hochverrathes beschuldigt und wurde gefänglich in die Verbannung geführt. Der König hatte den strengsten Befehl gegeben, daß kein Mensch, nicht einmal der Bischof mit ihm spreche. Magnerich erfuhr, daß Theodor heimlich durchgeführt worden und schon auf ein Schiff gebracht sei. Schnell machte er sich auf und traf den Gefangenen noch am Ufer der Mosel. Magnerich hielt den Wächtern vor, was dieß für eine Unmenschlichkeit sei, daß ein Amtsbruder nicht einmal mit dem andern sprechen solle; dann ließ er sich von Theodor dessen Mißgeschick erzählen, tröstete und küßte ihn unter Thränen des Mitleids, und gab ihm noch einige Kleidungsstücke, während die Wächter zur Abfahrt drängten. Nun ging Magnerich in eine Kirche und betete mit lauter Stimme für den verfolgten Bruder. Ein Weib, die dieß gehört hatte, beschimpfte den h. Magnerich, als er mit thränenfeuchten Augen aus der Kirche ging, daß er für einen Landesverräther gebetet habe.

Dem edlen christlichen Herzen des h. Magnerich ließ es aber keine Ruhe, so lange er nicht alles Mögliche versucht hätte, um dem unglücklichen Bischofe zu helfen. Da sich der König gerade in Koblenz aufhielt, so reiste Magnerich dahin und hielt inständig an, daß Theodor frei gelassen und wieder in sein Amt eingesetzt werde. Der König ließ sich auch wirklich bewegen, dieser Fürbitte zu willfahren.

Wenn aber einmal die Güte eines Mannes bekannt wird, so drängen sich auch Unwürdige auf unwürdige Weise hinzu. Bozo, ein Edelmann, wurde seiner vielen Verbrechen wegen vom königlichen Gericht zum Tod verurtheilt. Als Bozo dieses erfuhr, eilte er zu Magnerich, riegelte die Thüre hinter sich, zog das Schwert und sprach zu ihm: „Ich weiß, daß du viel bei dem König vermagst. Hilf mir, daß ich begnadigt werde. Wenn du dich weigerst, so kostet es uns beiden das Leben, denn ich werde dich vorerst tödten und dann erst dem Tod entgegen gehen.“ Magnerich sagte: „Was kann ich aber thun, wenn du mich hier zurückhältst? Laß mich gehen, ich will den König bitten, vielleicht erbarmt er sich.“ Bozo weigerte sich und begehrte, Magnerich solle von seinen Geistlichen zum König schicken, die in seinem Namen das Anliegen vorbringen. Unterdessen hatte eine Schaar Bewaffneter das Haus umzingelt; einige Priester brachen die Thüre auf und drangen in das Zimmer, um ihren Bischof zu befreien; Bozo aber fiel unter den Streichen der Soldaten. Auf diese Weise zeigte sich auch hier die Bereitwilligkeit und Menschenliebe des h. Magnerich, Gottes Gerechtigkeit wollte aber nicht, daß dem Verbrecher seine Gewaltthätigkeit etwas helfe.

Der Geschichtschreiber des h. Magnerich bemerkt, er könne auch Wunder erzählen, die Magnerich durch sein Gebet gewirkt habe, allein Wunder kämen auch bei Menschen vor, die nicht heilig sind. Der Herr sage ja: „Viele werden an jenem Tage sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen prophezeit und Teufel ausgetrieben und viele Wunderwerke gethan?“ An Magnerich seien viel zuverlässigere Zeichen der Heiligkeit zu finden gewesen, als da sind: Hungrige speisen, Nackte bekleiden, Fremde beherbergen, sich des Armen annehmen, überhaupt all’ die verschiedenen Werke der Barmherzigkeit ausüben. Dazu kommt noch, daß er unablässig dem Gebet ergeben, Seelen zu gewinnen höchst eifrig, in der Lehre vorzüglich war, und als ein wahrhaft guter Hirt über die ihm anvertraute Heerde wachte, so daß er wohl seine verliehenen Talente dem Herrn verdoppelt zurückgeben konnte.

Magnerich starb reich an Tugenden und Verdiensten, wohlgefällig vor Gott und geliebt von allen guten Menschen, in ziemlich hohem Alter. Er wurde beerdigt und verehrt in der Kirche des h. Martin zu Trier.
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