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M.RAPHAEL

Der Dorfgasthof und das Sein

Dieser Artikel ist wieder einmal äußerst Protestantismus kritisch. Aber wir Katholiken wissen, dass die Heilige Katholische Kirche die einzig wahre Kirche Jesu Christi ist. Meine lieben protestantischen Freunde werden verstehen, dass er nicht gegen sie persönlich gerichtet ist. Im Gegenteil, diese Ausführungen mögen ihnen helfen, die Wahrheit als eine ihnen gegenüber stehende objektive Realität zu erkennen. Nur dann können sie Ihr die Ehre geben. Den Menschen die Wahrheit vorzuenthalten entspringt eben nicht der Liebe und dem Respekt, sondern einem falschen Harmoniebedürfnis und einer feigen Ignoranz gegenüber dem Heilswillen des Herrn.

Gestern Morgen habe ich zufällig (?) folgendes Interview mit der hochverehrten Alma von Stockhausen wieder-gefunden:

youtube.com/watch?v=Drrxm3QxxY0

Luther hat aus dem wahren Gott eindeutig einen bösartigen Willkürgott gemacht. Ab Luther muss sich der Mensch selber um sein Heil kümmern. Auf den realen Gott kann er nicht mehr vertrauen. Weil Luthers Gott eine Lüge ist, werden die Menschen am Ende auch nicht mehr an seine objektive Existenz glauben. Zwischenzeitlich kommt es zu merkwürdigen und wilden Antworten seitens der Protestanten. Irgendwie bedeutet Glaube für den Lutheranhänger die evtl. Begnadung durch Gott. Sicherheit gibt es keine. Also muss er sich den Glauben beweisen. Es wird gebetet und gefrömmelt ohne Ende. Bei Calvin wird der persönliche Reichtum zum Zeichen der Begnadung. Sonst setzt man auf Keuschheit. Wie alle Menschen weiß auch der Protestant, dass lustorientierte Sexualität außerhalb der natürlichen Lebensordnung zur Lüge und zum Tod führt. Um sich der Gnade Gottes wenigstens halbwegs zu versichern, braucht er das Gefühl der Unschuld. Da kommen die Werkgerechtigkeit, die Heilsontologie und das göttliche Naturrecht durchs Hinterfenster wieder zurück. Abtreibung, Homosexualität, Ehebruch und Sex vor der Ehe werden deshalb besonders abgelehnt. Da es keine Sündenvergebung durch das Bußsakrament gibt, muss der Protestant höllisch aufpassen, keine Schuld auf sich zu laden. Das hat ihn in der Tradition aus Sicht der Katholiken zu einem ziemlich strengen und lebensfeindlichen Zeitgenossen gemacht. Es ist interessant, wie diese Entwicklung am Ende den Kernintuitionen von Luther genau entgegengesetzt war. Diese ganzen protestantischen Verzwirbelungen sind kein Wunder, wenn die ganze Religion auf einer Willkürlüge aufbaut.

Der Protestant ist der prototypisch neuzeitliche/moderne Mensch. Auf einen liebenden real existierenden Gott kann er nicht mehr vertrauen, denn an den glaubt er nicht mehr. Er muss sich selber um sein Heil kümmern. Ohne Sein oder absolute Wahrheit konstruiert er es mental mit Hilfe der Philosophie. Der kann man noch vertrauen, zumindest mehr als der Religion (das „cogito ergo sum“ von Descartes). Hegel entwirft eine umfassende neue Weltsicht, in der Gott der Weltgeist ist, der durch die Dialektik zu sich kommt. Der Mensch, der nur noch an sich selbst glaubt und deshalb mit Hilfe der Naturwissenschaften alles kontrollieren will, versteht das. Der Gott Hegels ist durch die Vernunft wieder begreif- und vorhersagbar. Der Willkürgott Luthers ist weg. Der neuzeitliche Mensch hilft sich selbst. Auf Hegel folgt Darwin und beide dringen u.a. durch Teilhard de Chardin und Karl Rahner in die katholische Kirche ein.

Das Verhängnis besteht im fordernden Menschen, wie es der neuzeitliche/moderne eben ist. Er will nicht demütig sein. Er will nicht dienen. Er will sich nicht opfern. Anstatt zu lieben, will er Macht und Kontrolle. Deshalb kann er den wahren Gott, der die absolute Liebe ist, nicht mehr erkennen. Weil er Ihn auch nicht hören kann, versteht er den göttlichen Willen nicht. Weil sein höchstes Ziel die Macht ist, wird auch sein Gott zum Gott der Macht, dem Herrn der Welt, Satan. Wie der Teufel will auch die Macht nicht diskutiert oder erkannt werden. Deshalb wird der Machtmensch seine Anbetung der Macht niemals zugeben, sonst würde er sie sofort verlieren. Seine Machtgier und der Willkürgott Luthers schließen sich aus. Machtaneignung, also die Begnadung durch den Gott der Macht, kann man sich durch rücksichtslose Disziplin erarbeiten. Der ängstliche Heilssucher, versteckt ein Machtmensch, wählt, wie oben erwähnt, einen rigiden Lebensstil und exzessive Frömmigkeit. Dann beginnt er die von seinem Gott gewollte Knechtung seiner Mitmenschen.

Irgendwann will der fordernde Mensch, der keinen Kontakt mit dem wahren liebenden Gott mehr hat, nur noch Klarheit und keine Verdrehungen mehr wie eben beschrieben. Also erfindet er am Ende eine neue Gottesvorstellung, den „Personal Jesus“, den lieben Gott, der alles erlaubt. Die modernen Katholiken fahren voll auf ihn ab. Da ist man in Kontrolle. Da bleibt man Elite (Jesuiten?), kann tun und lassen, was man will, und sich dabei einbilden, dass man ein Gutmensch ist.

Im Gegensatz zu den hochmütigen neuzeitlichen/modernen Menschen, die ihre gesamte Realität mit Hilfe ihres Geistes sich selbst mental zusammenbauen, leben fromme Katholiken in einer Welt, die vom Sein Gottes verwandelt und geheiligt wird. Die Sakramente der Heiligen Katholischen Kirche bewirken die immer tiefer gehende Liebesbeziehung mit dem wahren Gott. Der Empfang Seines Fleisches und Blutes führt durch Assimilation in das Sein des ewigen Lebens. Am Ende sind die Katholiken alle eins, obwohl völlig verschieden. Dadurch, dass sie die Liebe empfangen, verstehen sie immer mehr Ihr Wesen und sehnen sich danach, Ihr größtmöglichst durch Selbstaufopferung, Leidübernahme, Hingabe, Selbstverzicht und Demut zu entsprechen. In der Mutter Gottes finden sie ihr Vorbild und den Garant der tiefen persönlichen Beziehung. Die Liebe Gottes ist objektive Faktenrealität. Sie steht den Menschen gegenüber. Sie ist Chef, nicht die Gläubigen. Ihr Wille gilt. Weil die frommen Katholiken NICHT FORDERN, erleben und erfahren sie die übernatürliche Verwandlung durch die Heilige Liebe als reale Tatsache. Sie sind dienende GEBER. Für die modernen herrschenden NEHMER bleiben das böhmische, verrückte und abergläubische Dörfer.

Ein feuchtfröhlicher Besuch in einem Dorfgasthof kann den Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten verdeutlichen. Nehmen wir an, ich wohne mit meiner geliebten katholischen Familie in einem Haus etwas außerhalb von einem Dorf, ungefähr einen Kilometer vom Dorfgasthof entfernt. An einem lauschigen Sommerabend bin ich durstig. Ich verabschiede mich von meiner Familie und laufe zuerst über eine kleine Wiese, an einem Wald vorbei und komme dann zu einem Bach, den ich nur durchwaten kann, weil ich Stiefel der Demut und der Selbstaufopferung trage. Dann quere ich nochmals eine Wiese und bin bald im Gasthof. Dort warten gute Freunde und ein Bier folgt bald auf das nächste. Zwischendurch werfe ich ein paar Münzen in den Sparvereinskasten. Dann geht es weiter. Ein Spezialtoast schmeckt immer gut. Irgendwann weiß ich nicht mehr, wer ich bin oder wo ich wohne. Am nächsten Morgen wache ich auf. Ich frage meine Freunde, „wer bin ich?“ Sie sind Protestanten und antworten, „denk dir was aus, was immer du sein willst, das bist du!“ Dann erinnere ich mich und sage, „ich bin M.Raphael aus der katholischen Familie, die in dem Haus jenseits des Baches der Demut wohnt.“ Sie sagen, „du bist immer noch betrunken, denke dir was anderes aus, weil das abergläubische Spinner sind. Du kannst deine Identität selber bestimmen, warum konstruierst du dir nicht etwas James Bond ähnliches oder Bergoglio Brüderliches in deinem Kopf zusammen.“ Ich antworte, „nein, ich habe mein Sein „M.Raphael“ von Gott erhalten. Ich kann das nicht ändern. Er bestimmt, wer ich bin. Ich gehöre zu dieser katholischen Familie. Selbst wenn ich noch so besoffen bin und während vieler Jahre meines Lebens vergesse, wer ich bin, werde ich immer M.Raphael bleiben. Kommt mit mir nach Hause, meine Familie wird meine Identität bestätigen.“ Sie erwidern, „das können wir nicht, weil wir nicht den Bach der Demut durchqueren können oder wollen.“

Wir verlassen den Dorfgasthof und mit einem letzten, etwas traurigen, Gruß trennen wir uns. Voller Wiedersehensfreude gehe ich im Sonnenschein zu meiner katholischen Familie nach Hause. Wer nach einer durchzechten Nacht mit Sonnenbrille zu seinem wahren Sein zurückkehrt, ist ober cool. Das gilt auch für M.Raphael.