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Die Äußerungen von José Bergoglio [4 / 4] (Rom-Kurier)

Rom-Kurier

Juni - Juli - August 2019 Nr. 235

Die Äußerungen von José Bergoglio

Franziskus ist Papst, Benediktus XVI. ist emeritierter Papst


Schließlich wollen wir in dieses große Durcheinander etwas Klarheit bringen. Der Dichter Shakespeare sagt in seinem Theaterstück Hamlet: „In diesem Blödsinn ist doch noch viel Logik“. Bergoglio erklärt, „es gäbe den Papst und den abgedankten Papst. Benedikt XVI. sei der emeritierte Papst; er habe am 11. Februar 2013 deutlich gesagt, daß er am folgenden 28. Februar zurücktreten werde.… Aber er vergaß am 28. Februar (2013), diese Ankündigung auszuführen; er sagte nur: «Unter euch ist mein Nachfolger: Ich verspreche ihm Gehorsam». Dies tat er wirklich (!) …Ich habe Benedikt öffentlich gedankt, dass er den ehemaligen Päpsten die Tür geöffnet hat. Freilich gibt es nur einen Papst, der andere hat ausgedient. In der Zukunft kann es zwei oder drei Päpste geben, aber sie sind emeritiert“ (Interview auf der Rückreise aus Armenien am 27. Juni 2016).

Unser Kommentar

Viele Personen sind auf den Rücktritt von Benedikt XVI. in Gedanken so fixiert, daß sie sogar behaupten, der Abgang sei nicht gültig … und so weiter und so fort. Das wahre Problem jedoch liegt in der Erfindung des emeritierten Papstes; diesen Begriff hat es noch nie gegeben, wie auch jenen des abgedankten Bischofs von 1966. Schlußfolgerung Die Autorität des Papstes kennt auf dieser Erde keine höhere Autorität. Nicht einmal das im Konzil versammelte oder über die ganze Welt verstreute Episkopat und das Kardinalskollegium können durch ein juristisches Urteil den Papst absetzen. Dennoch begrenzen die Offenbarung und das Gesetz Gottes die päpstliche Gewalt. Deshalb kann nur Gott oder Jesus Christus, dessen Stellvertreter der Papst auf dieser Erde ist, sein Handeln beenden, wenn er der göttlichen

Offenbarung oder dem natürlichen und göttlichen Gesetz widerspricht. Wie Cajetan in seinem Werk Die Apologie des Autoritätsvergleichs vom Papst und Konzil“ schreibt (Apologia de Comparata Auctoritate Papae et Concilii,Roma Angelicum, Verl. Pollet, 1936, S. 112 ff) besteht das Heilmittel für das so schlimme und furchtbare Übel des „verbrecherischen Papstes“ (papa sceleratus) und für die in chaotischen Zeiten wütende Kirchenkrise das Gebet zum allmächtigen Gott und die Zuflucht zu der dem Petrus von Jesus feierlich versprochenen Hilfe des Himmels. Cajetan zitiert aus dem Werk des engelgleichen Lehrers Die Regierung der Fürsten (De regimine principum Buch 1, Kap. V-VI); der als der allgemeine Lehrer angesehene Thomas von Aquin meint, daß lasterhafte Taugenichtse (discoli) gewöhnlich eher bereit sind, gegen den zeitlichen Tyrannen sich zu erheben, während vernünftige Personen fähig sind, die Geduld so lange wie möglich zu bewahren und erst als letzten Ausweg (extrema ratio) den gewalttätigen Aufstand wählen. Daher zieht er den Schluß, man solle mit den zeitlichen Tyrannen viel Geduld aufbringen und nur im Ausnahmefall sei die bewaffnete Revolte und der Tyrannenmord erlaubt; selbst im Falle des unwürdigen und verbrecherischen Papstes sind der Papstmord und der bewaffnete Aufstand immer unerlaubt; verboten ist auch die Absetzung eines solchen Papstes durch ein Konzil. Freilich besteht die Pflicht, seinen Anordnungen keine Folge zu leisten, weil sie rechtswidrig sind.