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Bergoglio: Die gotteslästerliche Verherrlichung des gefühlsbetonten Subjektivismus (Rest 2. und 3. Teil) (Rom-Kurier)

Rom-Kurier

September - Oktober 2019 Nr. 236

Bergoglio: Die gotteslästerliche Verherrlichung des gefühlsbetonten Subjektivismus (Zweiter Teil)

Die lutherische „Rechtfertigung“ und die „neueste Moral“

Da die Philosophie des Nominalismus die nach dem wahren Sein ausgerichteten Gewohnheiten und deren festen Eigenschaften ablehnt (dazu gehören z.B. die natürliche Gesundheit und Krankheit oder die übernatürliche Gnade und der Zustand der Sünde), verwirrt ein solches Denken die Rechtfestigungslehre, die heiligmachende Gnade und öffnet so die Tore zu Luthers falschen Vorstellungen. Tatsächlich ist die heiligmachende Gottesgnade das beständige Geschenk und der seinsgemäße Habitus. Wenn Gott sie auf übernatürliche Weise in die Substanz der menschlichen Seele eingegossen hat, erhält letztere die Heiligkeit und ist in der Gegenwart der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Nun lehrt der Nominalismus, der seinsgemäße Habitus besitze keine wirkliche Realität, sondern sei nur wie der Schall von Worten („flatus vocis“). Da Luther in der philosophischen Ausbildung vom Nominalismus Ockhams geprägt war, lehnte er die katholische Lehre über die heiligmachende Gnade ab und schränkte sie auf die äußere Zuschreibung und Beifügung der Heiligkeit Christi ein, sodaß der Sünder nicht wirklich, sondern nur der Bezeichnung nach heilig wird; diese Attribution tilgt die Sünde nicht in objektiver Weise, verleiht keineswegs das übernatürliche Leben, sondern bedeckt nur die Sünden der Seelen wie der Schleier das Haupt. Deshalb verbleibt die Schuld in der menschlichen Seele, wie der Schmutz unter dem darübergelegten Teppich. (Vgl. den hl. Thomas von Aquin in seiner Theologischen Summe I/II, Frage 110; das Konzil von Trient, 6. Sitzung, Kanon 11, DB 821). Aus demselben Grund bestreiten die Protestanten, daß Christus in der Eucharistie wirklich gegenwärtig ist; tatsächlich meinen sie, das Wort „dies ist mein Leib“ habe die Bedeutung: „dies symbolisiert (bedeutet) meinen Leib“. Für sie gibt es keine realen Substanzen, sondern nur die Worte (für die Substanzen); die Bezeichnungen versinnbildlichen nur die objektiv unerkennbaren Dinge. Ihnen legt die Person, wie sie gerade will, irgendwelche Bezeichnungen bei. Wohlan, das ist der Grund, weshalb Bergoglio entsprechend seiner nominalistischen Auffassung der Dinge meint, zwischen den modernistischen Katholiken und den Protestanten würden, was die Rechtfertigungslehre angeht, keine (großen) Unterschiede bestehen; praktisch bestreitet Bergoglio die Existenz des freien Willens und die moralisch Verantwortung für die eigenen Handlungen.

Die Willensfreiheit und die personengebundene Moral

Die rechte Vernunft und die gesunde Lehre sagen, die besondere Lage der Person verändere nicht das objektiv gegebene Wesen des Menschen. Dies heißt dann, daß in jeder beliebigen Situation alle normal eingestellten Menschen ihre kluge, freie und verantwortliche Natur beibehalten. Mögen daher gewisse außergewöhnliche Fälle und Umstände in der Pathologie den Gebrauch der Vernunft und des freien Willens einschränken, so ist doch jeder Mensch für die eigenen Handlungen verantwortlich,daß sie der objektiven, natürlichen und von Gott geforderten Moral entsprechen. Anderenfalls sind sie ethisch schlecht und sündhaft. Da der protestantisch und modernistisch eingestellte Nominalismus diese Wahrheit leugnet, beherrschen nach dieser philosophischen Anschauung die persönlichen Triebe und Instinkte jeden Menschen; außerdem ist dasselbe moralische Gesetz nicht mehr das allgemeine Gesetz und die universale Ordnung, so daß sie für jeden Menschen wirklich objektive Geltung besäßen. Nicht mehr gilt das objektive Gesetz, daß Gott in den besonderen Situationen festgelegt hat, was der Mensch tun muß oder nicht tun darf, sondern die konkrete Lage dominiert die objektive Moral und das Gesetz. Wie Descartes bestimmt, daß die denkende Person (das denkende Ich) nicht mehr nötig hat, der außerhalb des menschlichen Denkens erscheinenden Wirklichkeit sich anzupassen, sondern das subjektiv orientierte Denken das wirkliche Sein hervorbringt (cogito ergo sum / ich denke, also bin ich), so meint Bergoglio, alles was uns gut erscheint bewirke, daß die Handlung auch gut sei. Tatsächlich behauptet Franziskus I. „jedermann besitze vom Guten und Bösen die eigene Auffassung und habe die Pflicht, dem Guten zu folgen und das Böse zu bekämpfen, wie er eben diese Begriffe erfaßt hat (A.M. Valli, 266, Jorge Mario Bergoglio, Franciscus P.P., Macerata, Liberilibri, 2017,Seite 44; das Buch hat 210 Seiten, kostet 16 € und ist bei Liberilibri bestellbar, Tel. 073-2.23.19.89; fax 0732.23.17.50; mail ama@ liberilibri.it). Auf diese Weise hat die persönliche Situation des einzelnen Menschen den Vorrang und befreit ihn von den allgemeinen Verpflichtungen der wirklich objektiven Moral (diese Lage empfinde ich zu peinlich und unangenehm, daher bin ich, subjektiv gesehen, nicht verpflichtet das objektive Gesetz, komme es positiv von Gott oder von der Natur, zu befolgen und zu erfüllen.).

Der falsche Grundsatz, „allein die Barmherzigkeit“ habe Geltung

Luther glaubte, zur Erlangung des Heils seien die übernatürliche Liebe und die guten Werke, d.h. die Befolgung der Zehn Gebote nicht nötig, da allein der Glaube genüge (sola fides). Dagegen aber hat die Kirche immer gelehrt, der Glaube ohne die Werke sei tot (Jakobusbrief II, 26). Gott ist freilich barmherzig, erscheint aber auch als Richter; das Glaubensbekenntnislehrt uns, daß er kommen wird, die Lebenden und die Toten zu richten. Schon oftmals predigt Bergoglio, die von jeder Gerechtigkeit losgelöste Barmherzigkeit reiche aus, weil er dem Papst Johannes XXIII. folgt; dieser hat ja bekanntlich in der Eröffnungsansprache des Konzils behauptet, die Kirche ziehe es heute vor, anstatt die scharfen Waffen (der Gerechtigkeit) zu gebrauchen, die Arznei der Barmherzigkeit anzuwenden. Dagegen aber steht fest, daß die Kirche, auf der Grundlage der Offenbarung, (das kirchliche Lehramt las und interpretierte die Heilige Schrift und die mündliche Tradition) die Wahrheit lehrte, die Strafe sei die Züchtigung und das Übel, welche die vernunftbegabte Kreatur für die begangene Schuld erleiden müsse. Auf Grund der Offenbarung wissen wir tatsächlich, daß Gott den Menschen im Stande der Glückseligkeit erschaffen hatte; hätte der Mensch nicht gesündigt, dann hätte er keine Strafe erleiden müssen (Gen. 3, 8 ff). Folglich kam das Übel der Erbsünde in der Gestalt der Schuld und der Strafe auf die Welt. Strafe und Züchtigung begleiten die Schuld, wenn sie in natürlicher Weise und unmittelbar auf das Vergehen folgen, z.B. die Gewissensbisse und der Verlust der Gnade und der Ehre; sie werden auch vom Richter (sei er Gott oder Mensch) auferlegt und verhängt, wenn das Vergehen vorausgegangen ist. Weiterhin kann die verhängte Strafe wie gute Medizin wirken, falls der Richter sie dem Schuldigen auferlegt, damit er sie wegen der Missetat als Buße trägt. Die Strafe ist vindikativ, wenn jemand sie für die Wiederherstellung und die weitere Aufrechterhaltung der Ordnung verhängt. (Zum Beispiel muß der Mörder seine gerechte Strafe erhalten, damit wieder Ruhe in die Gesellschaft kommt, und die gestörte moralische und rechtliche Ordnung erneut hergestellt wird. Der rechte theologische Standpunkt hält fest, daß die von Gott verhängte Strafe die Hölle ist, wenn die betreffende Person starrköpfig und stur an der schweren Schule festhält (zur Hölle vergleiche Lk III, 7; V, 29; X, 15; XII, 5; XVIII, 9; XIX, 1; Mt V, 21; XI, 23; XIII, 47; XV, 24; XXII, 1; XXV, 51; XXV, 1. Das Symbol „Quicumque“, DB 40; das vierte Laterankonzil, DB 429; die von Papst Benedikt XII. verfaßte dogmatische Konstitution Benedictus Deus, DB 530; die Theologische Summe vom hl. Thomas von Aquin, Supplementum, q. 97 ff). In der Hölle gibt es die „Strafe der Verdammung“, d.h. den Verlust der Anschauung Gottes und auch die „Strafe der Sinne“; sie besteht hauptsächlich in der positiven, auf den Körper wirkenden Feuersstrafe. Im Alten Testament offenbart Gott die Strafe mit folgenden Worten: …„wenn er (der Mensch) etwas Böses tut, will ich ihn mit der Menschenrute strafen…“ (2. Kön. VII, 14); „denn du, o Gott, schlägst und heilst…“ (Tob. XIII, 2); „Er hat uns um unsere Missetaten willen gezüchtigt…“ (Tob. XIII, 5); „…Um seiner Missetaten willen strafst du den Menschen…“ (Ps XXXVIII, 12 nach der Vulgata); „…du warst ihnen gnädig, und rächtest alle Anschläge wider sie…“ (Ps 98,8); „…(Gott) strafte um ihretwillen Könige“ (Ps 104, 14); „…Daher züchtigst du diejenigen, die fehlen, nicht sofort nach Verdienst…“ (das Buch der Weisheit 12,2); „…(wir) wollen denken und glauben, daß ebendiese Strafen geringer sind als unsere Sünden…“ (Judith 8, 27); „Mit wie großer Sorgfalt richtest du nicht da deine Söhne…!“ (Weisheit 12,24); „…ich will dich nach Recht züchtigen…“ (Jer. 30,11) Im Neuen Testament können wir lesen: „Ich werde ihn züchtigen, wenn er das Böse tut“(1. Kor. XVII, 13). „Ich strafe und züchtige die, welche ich lieb habe…“ (Apk. 3,19). „…Ein jeder Baum also, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen“ (Mt 3,10): „…Hat doch Gott die Engel, welche gesündigt hatten, nicht verschont…“ (2 Petr. II,4); …Und der Teufel … ward in der Feuer- und Schwefelpfuhl geworfen…“ (Apk XX, 9). Der heilige Thomas von Aquin betont vor allem, daß Gott nicht der Urheber des Schuldübels (malum culpæ) ist, sondern nur das Strafübel verursacht (S. Th. I, q 49; a 2, in corpore). Dann lehrt er auch (S. Th. I/II, q. 87, ac 1-8), wie der Begriff des Gesetzes die Notwendigkeit einschließt, daß die Strafe für die Schuld verhängt wird: „Die Sünde bewirkt, daß der Mensch Strafe und Züchtigung verdient.

Der engelgleiche Lehrer zitiert den Dionys von Areopagita (De Divinis Nominibus, Kap IV , Lekt. 18); „Die Engel, welche die Sünder strafen, sind nicht böse (wenn sie die Strafe vollziehen). Deshalb besteht das Böse nicht so sehr darin, bestraft zu werden, als vielmehr darin, der Bestrafung würdig zu sein“. Das ist der Grund, weshalb die direkten Folgen der Sünde nicht die Strafen sind, sondern die Notwendigkeit, die Züchtigung zu erleiden (Artikel 1, ad 2). Der engelgleiche Lehrer faßt das Problem kurz zusammen: Die Verpflichtung, die angemessene Strafe zu empfangen (reatus poenæ) muß notwendigerweise erfüllt werden, weil die göttliche Gerechtigkeit so etwas verlangt. Gott wäre nicht Gott, wenn die von ihm festgelegte Ordnung nicht diesen unfehlbaren Schutz besitzen würde(S. Th I/II, q. 87; a 6 in corpore). Aldo Maria Valli zitiert Sätze und erwähnt Taten, die zeigen wie Bergoglio danach strebt, der Seelsorge den Vorrang über die Lehre zu geben, die Barmherzigkeit über die Gerechtigkeit zu setzen; er will dabei vermeiden, daß die Moral vor der Praxis die Oberhand bekommt und das göttliche und natürliche Gesetz die Norm und das Prinzip werden; auf diese Weise komme man dahin, um die Geschöpfe und die Sünder besorgt zu sein, und ihnen helfen, die Sünde zu überwinden; das ist ja die unerlässliche Bedingung (conditio sine qua non), um von Gott Verzeihung zu erhalten, denn „wo die Gerechtigkeit und die Wahrheit herrschen, da gibt es auch die Liebe („Ubi justitia et veritas ibi caritas“). Die subjektive Einstellung will nur die bedingt richtigen Wahrheiten erkennen.

Diese vom Nominalismus kommende Haltung Bergoglios führt Bergoglio unweigerlich in den Irrtum, daß er die katholische Lehre zurückweist. Nach katholischer Auffassung existieren das allgemein gültige Gesetz und die alle Menschen verpflichtende Norm, nämlich die Zehn Gebote. Valli stellt fest, diese von Bergoglio vertretene geistige Einstellung ist unbestimmt, besitzt keine objektiven Größen, weil die unveränderlich festen Bezugspunkte fehlen (a.a.o. Seite 28). Diese von der Wahrheit und Gerechtigkeit losgelöste Seelsorge widerspricht der von der übernatürlichen Realität wirklich bestimmten Liebe; ihr fehlt der missionarische Charakter, der Mensch muß deshalb den ins Paradies führenden Weg verfehlen. Doch das von der Kirche und dem priesterlich eingestellten Papst (pontifex, sacerdos) vertretene Wesen der wahren Missionstätigkeit besteht notwendigerweise darin, zwischen Gott und Mensch gleichsam als Brücke zu dienen, damit Gottes Gnade den Menschen erreicht, und dann der Mensch mit Hilfe der Gnade in den Himmel kommen kann; weiterhin vermittelt der missionarisch eingestellte Priester („sacra dans“)dem Menschen heilige Dinge; das ist kein Geschwätz, kein Vorbringen von unhaltbaren Normen; ihnen soll ja nach der Auffassung der Nominalisten und Modernisten keine Wirklichkeit entsprechen. Wie Jesus im Markusevangelium II, 17 lehrt, „kommt der Arzt für die Kranken“, doch der Doktor kennt und lehrt („docet“) das entsprechende Wissen, um den Körper zu heilen. Im richtigen Verhältnis und vorgeschriebener Dosis wendet er in den einzelnen Fällen die Arznei an. Manchmal muß der Arzt hineinschneiden oder sogar wegschneiden (amputare), aber er tut alles zum Wohle des Kranken. Wenn aber der Arzt gegenüber dem Wesen und der Gefährlichkeit der Krankheit des Patienten die Augen verschließt, kann er nicht heilen, sondern vergrößert das Übel: Jammert der Arzt zu sehr herum, wird der Zustand nur noch schlimmer. Gleichermaßen gilt: Wer jemanden in den Himmel führen will, muß den Weg, der dorthin führt wirklich kennen und lehren. Dagegen müssen wir festhalten, wer meint mit Hilfe der subjektivistischen und relativistischen Moral der Wahrheit anhängen zu können, ist im Grunde stolz und schwärmerisch überspannt, er schlägt die falsche Richtung ein; da der Weg nicht richtig ist, kann er nicht zu Gott führen, weil er zum eigenen Ich leitet, und Gott geht dabei verloren.

Bergoglios Weg zur Modernität

Die mit dem Nominalismus und dem Humanismus anhebende moderne Zeit strebt auf das Ziel hin, das sog. liebe Ich wieder zurückzugewinnen. Das Christentum hatte ja die Egozentrik abgetötet, um Gott zu gefallen und zu huldigen. Um dieses falsch geliebte von Gott gleichsam getötete Ich wieder zu erhalten, begann der Mensch damit, auf verschiedenen Wegen der angeblichen Befreiung (Emanzipation) in rasender, ja wahnsinniger Weise daher zu rennen. Als Luther und der Protestantismus auftraten, meinte die falsch geliebte eigensinnige Person auf dem Gebiet der religiösen Autorität die Freiheit erhalten zu haben. Hatte Descartes seine berühmt berüchtigte Methode zu philosophieren entwickelt, so markierte dieses Ereignis die angebliche Befreiung des falsch geliebten Ichs von der wertbeständigen Philosophie des Mittelalters (philosophia perennis). Als Rousseau seine sozialrevolutionären Grundsätze verkündete, so wies dies auf die Loslösung von der bürgerlichen Autorität und von dem natürlichen und göttlichen Gesetz hin. Diese vermeintliche Befreiung des „lieben“ Egos der eigensinnigen gewordenen Person ging dauernd so weiter, bis sie ihren Höhepunkt erreichte in der Vergöttlichung des Menschen (Hegel); darauf folgte die schlimme Vermenschlichung oder besser der von Nietzsche propagierte Tod Gottes. Dieser deutsche Philosoph wollte Gott töten, um dem Menschen in falscher Liebe zu huldigen. War Gott gleichsam weggeräumt, sollte auch der Mensch vollkommen erledigt sein, er wurde zum wandelnden Leichnam, die Wiedereroberung schlug in die darauf folgende vernichtende Niederlage um. (Doch bedenken wir, daß) die Wahrheit und die Gerechtigkeit die besten Mittel sind, den modernen Menschen zu retten; diese beiden Größen halten ihn noch auf, wenn er bei seinem verrückten Lauf sich in den Untergang stürzen will. Nicht weniger wirksam treiben sie das falsch geliebte menschliche Ich an, umzukehren und wieder richtig weise zu werden, um Gottes Huld erneut zu erhalten. In seiner Seelsorge verfolgt Bergoglio recht rücksichtslos den modernen Weg und führt so die Menschen in den Untergang. Er vermeidet nämlich den zum Paradies führenden engen und steilen Weg; dagegen führt er sie auf dem weiten breiten Weg in den Untergang (vgl. Mt. VII, 13 f). Recht hat Valli, wenn er festhält: „Das Problem liegt anderswo. Er spricht zu viel von der Barmherzigkeit; diese göttliche Tugend sei für alle wichtig, doch sagt er zu wenig, wie wir Gottes Erbarmen erlangen können. Freilich ist Gott barmherzig, aber wir müssen seine Barmherzigkeit durch unsere mit der Verantwortung verbundene Freiheit wieder gewinnen. Die Buße ist der wahre Weg. Aber mir kommt’s vor, daß im zweiten Teil der Frage etwas fehlt, wenn von der Barmherzigkeit viel die Rede ist. Der Mangel liegt beim Papst und seinen allzu geschäftigen Helfern“ (a.a.o. S. 37). Der heilige Augustinus erinnert uns an folgende Wahrheit: „Wer ohne dich (ohne deine Zustimmung) dich erschaffen hat, wird ohne dich dich nicht erlösen (Qui creavit te sine te, non salvabit te sine te).An diese Weisheit zu erinnern, unterläßt Bergoglio. Kurz gesagt, Bergoglios Pastoral ist zu beweglich und unbestimmt, da kann alles wahr und alles das Gegenteil von wahr sein“ (a.a.o. Seite 87).

Barmherzigkeit den Worten nach, doch Härte nach den Tatsachen

Der Pater Reginald Garrigou Lagrange pflegte zu sagen: „Was die Prinzipien betrifft, gibt der Katholik nicht nach, weil er den Glauben hat; dagegen ist er in der Praxis barmherzig, da er die Liebe besitzt; der Pseudoliberale ist in den Prinzipien allzu nachsichtig, weil er nicht glaubt, dagegen ist er in der Handlungsweise gnadenlos, weil ihm die übernatürliche Liebe fehlt“. Diesen falschen Grundsatz können wir auch bei Bergoglio feststellen. Einerseits predigt er im Plauderton, allein die Barmherzigkeit genüge, andererseits wendet er die Gerechtigkeit so hart an, daß sie in Unmenschlichkeit und Grausamkeit auszuarten droht. Aldo Valli gibt dafür den Beweis: „Im Januar 2013 empfängt Franziskus den transsexuellen Diego Neria Lejarraga im Vatikan (a.a.O., Seite 128). Als aber am 15. April 2014 die allgemeine Audienz auf dem Peterplatz zu Ende ging, da erwartete ihn eine dichtgedrängt stehende Gruppe von Personen; unter ihnen befanden sich der Mann und die Tochter von Asia Bibi; diese christliche Frau aus Pakistan war wegen „Gotteslästerung“ gegen Allah angeklagt, eingesperrt und zu Tode verurteilt worden… Als diese Leute nach Italien gekommen waren, da versuchten sie nun Schritte zu unternehmen, um die Freilassung der Frau zu erlangen. Weil die Presse das Treffen angekündigt hatte, war die Erwartung recht groß. Doch es war eine üble Überraschung, als Franziskus sich ungnädig zeigte und die Verwandten der Asia Bibi nur mit einem flüchtigen, ja sogar verärgerten Blick streifte. Darüber lassen die Fernsehaufnahmen keine Zweifel zu. Dieses Mal unterließ es Bergoglio die anwesenden Personen anzuhören. Er vermied es stehen zu bleiben, mit ihnen zu sprechen und den Segen zu geben. Über dieses frostige Verhalten war die Tochter von Asia Bibi sichtlich überrascht. Weshalb zeigte der sonst für großes Mitgefühl bekannte Papst so große Gleichgültigkeit? Weshalb so großes Zartgefühl mit Diego und so wenig Liebe mit den Verwandten der Asia Bibi? (a.a.O. Seite 119 und 129) In seinem bereits zitierten Werk stellt Aldo Valli auf Seite 129 mit Recht fest, daß diese Härte Bergoglios gegenüber den verfolgten und an den Rand der Gesellschaft gedrückten armen Leuten seine etwas seltsam anmutende Freundschaft mit den übermächtigen „Herren dieser Welt“ wirklich entspricht. Mit großer Herzlichkeit empfing Franziskus Christine Lagarde, die für den internationalen Währungsfond verantwortlich ist, sowie Tim Cook, den delegierten Verwalter von „Apple“, Eric Schmidt, die Nummer eins von „Google, Kevin Systrom, den Gründer von „Instagram und Mark Zuckerberg, den Gründer von „Facebook“. Wenn aber, wie bei Bergoglio die subjektive Einstellung alles andere beherrscht, so bleibt er den Eindrücken, Gefühlen und der blinden Unvernunft ausgeliefert. Der klare Verstand fehlt, auch an der folgerichtigen Logik mangelt es; durch das Übergewicht der Theorie, allein die Barmherzigkeit sei genug, läuft er Gefahr, nach links abzurutschen. Das Wort Erbarmen wird zum nichtssagenden Ton der Stimme; das Abgleiten nach rechts geschieht durch das Übermaß an Gerechtigkeit, weil diese Tugend dann zur Grausamkeit entartet. Falls aber das Maß für jedes Ding das falsch geliebte Ich ist, so verliert der Mensch die Vernunft, welche sich sonst der objektiven Wirklichkeit angleicht; dann erhalten die tierischen Instinkte und die wilden Leidenschaften die Oberhand. Die Personen beginnen, an Allergien zu leiden, sie dulden überhaupt keine logischen Einwände und keine vernünftigen Argumente. Wie Pinocchio es mit der sprechenden Grille tut, zerdrückt er ihn (siehe Asia Bibi, Kardinal Edmund Burke, die Franziskaner der Unbefleckten). Die eigene Person, das falsch geliebte Ich, vor allem das eigensinnig gewordene Ego wird auf hegelsche Weise absolut gesetzt, unkontrollierbare Prinzipien von Gut und Böse, von wahr und falsch kommen auf. Wenn dagegen jemand irgendwelche Einwände erhebt, dann „zeigt er wie krank und teuflisch seine Persönlichkeit ist“… All dies geschieht in abstrakter Weise unter dem Vorwand der Barmherzigkeit (a.a.O. Seite 112). Da haben wir das Nachäffen der wahren Barmherzigkeit und ganz konkrete Lügen vor uns. Was den relativistisch eingestellten Subjektivismus und die Auffassung angeht, allein die Barmherzigkeit reiche aus, haben wir in Bergoglios Denken und Tun studiert. Demnächst wird unser dritter Artikel folgende von ihm betonte Themen behandeln: Die Bereitschaft, wahllos Leute anzunehmen, seine Lehre, die behauptet Gott sei nicht katholisch und die Ausrichtung seines Willens, der Welt gefallen zu wollen.

Dritter Teil

Gott ist nicht katholisch

Folgender Satz gehört zu den Ärgernis erregenden Äußerungen des Papstes Franziskus: „Ich glaube zwar an Gott, aber nicht an den katholischen Gott; den katholischen Gott gibt es eigentlich nicht. Gott aber existiert“. (A.M. Valli, 266, Jorge Mario Bergoglio, Franciscus P.P.,Macerata, Liberlibri, 2017, p. 13, Anmerkung 2). Da nun das Wort „katholisch“ allgemein oder universal bedeutet, ist die Katholizität (Allgemeinheit) das dritte Kennzeichen der katholischen Kirche; diese Wahrheit legte das Glaubensbekenntnis von Nizäa und Konstantinopel fest. Die Kirche Christi (das heißt die Kirche Gottes, denn Christus ist das fleischgewordene Wort, gleichzeitig wahrer Gott und wahrer Mensch) ist die in Christus sozial und übernatürlich organisierte Menschheit; von ihrer Natur aus umfaßt sie alle Einzelpersonen des Menschengeschlechtes (wenn auch nicht aktuell, so doch wenigstens potentiell); damit ist die Kirche universal, allgemein und katholisch. Wenn der allmächtige Gott nicht universal und katholisch wäre, so wäre auch die von Ihm gegründete Kirche nicht katholisch; folglich hätte das nizäisch-konstantinopelische Credo geirrt. Dieser Irrtum ist (vom katholischen Standpunkt aus gesehen) unmöglich, weil der gesamte Glaube der Kirche in dem erwähnten Glaubensbekenntnis zusammengefaßt ist. Die göttliche Offenbarung lehrt uns, die Kirche sei das über die gesamte Erde verbreitete Gottesreich (vgl. die Gottesreichparabeln der Evangelisten Mt XIII, 24; Mk IV, 30; Lk XIII, 18 und 33, 44-47; Lk XVIII 23; Jo XII, 24). Die Kirche dauert bis zum Ende der Welt (Jo XX, 21; Mt XXVIII, 18f). Aus diesem Grunde ist die Kirche universal und katholisch. Folglich stellt die Kirche die auf dieser Erde stattfindende Fortsetzung des inkarnierten Wortes dar, ist also der mystischer Leib Jesu Christi (Röm XII, 4-6; 1. Kor XII, 12-17; Eph IV, 4). Der geheimnisvolle Leib des inkarnierten Wortes verwirklicht in der gesamten Menschheit das Werk der göttlichen Erlösung. Nun umfaßt die Einheit der wenigstens potentiell durch Christus erlösten Menschheit alle Menschen und ist deshalb allgemein und katholisch. Darüber hinaus erkennen wir die wahre Kirche Christi an den genannten vier Kennzeichen (einschließlich der Katholizität), und da diejenigen, die sich den Namen „Christen“ zueigen machen, welche Protestanten, schismatische Orthodoxen und Katholiken genannt werden, ist die wahre Kirche Christi die katholische Kirche. Wer abstreitet, daß Gott katholisch ist, trägt dazu bei, das dritte Merkmal der Kirche Christi abzulehnen, obwohl dies das Evangelium geoffenbart und die Kirche endgültig festgelegt (definiert) hat. (Das nizäisch-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis, das Erste Vatikanische Konzil DB 1794). Der Protestantismus besitzt tatsächlich keine Katholizität und Universalität, weil er in sehr viele Sekten aufgespalten ist; die Sekten aber sind nur auf unklare Weise auf der ganzen Welt gleichzeitig gegenwärtig. Dieselbe Aussage gilt auch für die schismatischen Religionsgemeinschaften der sogenannten Orthodoxie, weil sie auf die östlichen Länder Europas beschränkt sind. Was schließlich die Gotteserkenntnis selbst angeht, sei es daß sie als die erste und allgemeine Ursache vom natürlichen Licht der Vernunft (prima causa) herkommt (vgl. Thomas von Aquin, St. Th. I, q.2), sei es, daß die übernatürliche Offenbarung Gottes das Erkennen vermittelt (vgl. Das Buch der Weisheit XXII, Röm. I), oder das kirchliche Lehramt sie dogmatisch unfehlbar festgelegt hat (vgl. das Erste Vatikanische Konzil, Sitzung drei, Kanon zwei), so müssen wir sagen, daß Gott selbst die erste und die Welt übersteigende Ursache des gesamten Universums darstellt. Daher ist Er allgemein, unbegrenzt, allgegenwärtig und auf der ganzen Welt (katholisch) präsent. Wer deshalb bestreitet, daß Gott katholisch ist, der leugnet einschlußweise, daß die allerheiligste Dreifaltigkeit durch die Fleischwerdung des Wortes die allgemeine Erlösung bewirkt hat. Der Theologe Valli zieht den richtigen Schluß, wenn er sagt: „Die Behauptung von Franziskus (Gott sei nicht katholisch) zeigt weiterhin das schreckliche Achselzucken (den furchtbaren Zweifel) gegenüber der Vorstellung, daß die Kirche, gerade weil sie katholisch ist, die Hüterin der Wahrheit darstellt; offensichtlich schreibt Bergoglio die Wahrheit in die Parteiliste des Relativismus ein“ (a.a.O. S. 172).

Der Empfang

Mit Recht stellt Valli folgendes fest: Der Begriff Empfang ist allzu unbestimmt und allgemein. Was heißt „empfangen“? Wer empfängt und wie geschieht das? Besteht die Lösung darin, die Türen zu öffnen oder etwa zu verhindern daß die Leute weggehen? Begünstigt nicht das dauernde Öffnen der Tore die Flucht? In den Heimatländern der Asylanten kann das Problem so gelöst werden, daß man darauf hinarbeitet, die Lebensbedingungen zu verbessern. Allgemeine Hilferufe zu erheben ist mit der Gefahr verbunden, daß der Empfang mehr Übel als Gutes bewirkt. Außerdem ist Europa berechtigt, seine Kultur und Zivilisation zu verteidigen. „Tatsächlich dürfen wir Christen nicht vergessen, daß die europäische Kultur den richtigen Schutz besaß, weil befestigte Klöster und Abteien die Zivilisation verteidigten. Wenn in gewissen entscheidenden Augenblicken (siehe Poitiers, Lepanto und Wien) unsere Vorfahren nicht mit Gewalt die Feinde abgewehrt hätten, so wären wir heute nicht da, wo wir sind… Mehrmals hat Europa heldenhaft gehandelt, um das Christentum zu verteidigen, als die Gegner versuchten, das damals fromme Land zu erobern.… Mehrmals haben europäische Christen den Islam abgewehrt. Die unterschiedslose Aufnahme, welche der Papst vorschlägt, kann nicht die Lösung des Problems sein …die Aufnahme darf nicht absolut werden“ (a.a.O. Seite 92 f). In seiner theologischen Summe (I/II, q. 105, a.3) erklärt der heilige Thomas von Aquin „gegenüber den Fremden gibt es zwei Arten der Beziehung, die eine ist friedlich, die andere kriegerisch und feindlich“. Der hl. Thomas bringt auch das Beispiel der alttestamentlichen Hebräer, als sie drei (verschiedene) Möglichkeiten hatten, mit den Fremden friedlich zusammenzuleben: Die Fremden durchzogen das gelobte Land als Wanderer; 2.) die fremden Leute kamen ins Heilige Land, um dort als Ausländer zu leben. In diesen beiden Fällen schrieb das Gesetz vor, Milde walten zu lassen. Exodus 22,21: „Den Ankömmling sollst du nicht betrüben, noch ihn drücken (Allioli-Übersetzung); Ex. 23,9: „Dem Fremden sollst du nicht lästig sein…“; 3.) Die Fremden wollten die Gemeinschaft, den Ritus und die Religion der Hebräer voll und ganz annehmen. In diesem dritten Fall ging man nach der Ordnung vor. Vor allem achteten die Hebräer darauf, die Fremden nicht sofort als Landsleute und Religionsbrüder zu betrachten. In seiner Schrift Politica, Buch III, Kapitel I, Abschnitt 1 sagt der griechische Philosoph Aristoteles: „Nur jene Menschen, die begonnen haben, vom Großvater (der 3. Generation) an in der gastgebenden Nation gegenwärtig zu sein, darf man als Mitbürger betrachten“. Dieser Punkt ist für uns sehr interessant. Die Fremden zu akzeptieren, obwohl sie noch nicht zu dem allgemeinen Wohl der gastfreundlichen Nation die feste Liebe und Anhänglichkeit besitzen, kann dem aufnehmenden Land schaden. Deshalb dürfen erst die Fremden der dritten Generation oder die Siedler, deren Großväter schon im Lande waren wirklich als integrierte Bürger angesehen werden. Diese Anschauung gehört zu den aktuellen Teilen des richterlichen Gesetzes die uns Klarheit bringen für die Vorstellungen, auf welche Weise die Muslime aufzunehmen sind; mit vielen Schiffen landen sie in hellen Scharen an der Küste Italiens und lassen sich im Lande nieder. Millionen von Moslems, welche nicht den Willen haben, sich richtig zu integrieren, muß dem Gastvolk schaden. Bereits im Jahre 1999 stellte Kardinal Biffi fest: Wenn Europa nicht wieder christlich wird, dann wird es mohammedanisch werden. In diesem Fall empfehlen uns die Weisungen des engelgleichen Lehrers (Thomas von Aquin), die Immigranten nicht sogleich als Landsleute und vor allem nicht als Mitglieder derselben Religion anzunehmen, weil sie gegenwärtig die Regeln der islamischen Religion noch streng beachten und überhaupt keine Absicht haben – die Ausnahmen bestätigen die Regel – unsere christliche Kultur und Religion wirklich anzunehmen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Moslems verachten das Christentum und wollen die wahre Religion zerstören. Leider denken und handeln die heutigen Kirchenmänner völlig entgegengesetzt zu den Ratschlägen des hl. Thomas. Es ist klar, daß der engelgleiche Lehrer den Fremden erlaubt, wenn sie auf der Durchreise sind, im Volke zu bleiben, falls sie friedfertig sind und die Kultur und die Religion des Gastlandes achten und sich da eingliedern wollen.

Bergoglio und der Islam

Der Islam lehnt die beiden grundlegenden Dogmen des Christentums ab, weil er die Gottheit Christi leugnet und die Dreiheit (Trinität) der Personen in der Einheit des göttlichen Wesens abstreitet. Darüber hinaus hat Mohammed mehr als sechzig Kriege geführt, wie Valli richtig feststellt, indem er den bekannten Islamkenner Pater Khalil Samir zitiert. „ Wenn nun Mohammed das beste Vorbild des Korans ist, dann darf man nicht überrascht sein, dass einige Muslime auch gewalttätig vorgehen, um den Gründer des Islam nachzuahmen. …Die Gewalttätigkeit steckt im Koran. Wenn der Papst argumentiert, dass der wahre Islam und die angemessene Auslegung des Korans jeder Gewalt entgegenstehen, beschreibt er nicht die Wirklichkeit, sondern drückt nur seinen Wunsch aus“. (a.a.O. Seite 103). Wenn Franziskus die Aussendung der Apostel durch Jesus, die ganze Welt zu bekehren, mit Daesch, dem islamischen Staat vergleicht, so ist dieser Vergleich unhaltbar. Darauf gibt Valli die richtige Antwort: „Jede Religion, auch das Christentum gehört dazu, kann man in fanatischer und gewalttätiger Weise gebrauchen. Aber zu behaupten, das Christentum und der Islam seien in diesem Sinn spiegelbildlich, ist nicht korrekt.“ (op. cit. S. 105).

Der Welt gefallen wollen

Die im März 2016 von Gallup im 64 Ländern durchgeführte Meinungsumfrage stellte fest: „Der auf der ganzen Welt populärste Führer ist Papst Franziskus. Die beiden religiösen Gruppen der Katholiken und Hebräer haben die beste Meinung vom Pontifex … Die führende Persönlichkeit ist Papst Franziskus, sein Einfluß geht über den Bereich der eigenen Religion hinaus“ (a.a.O. Seite 141) Vali sagt weiterhin: „Große Volkstümlichkeit ist imstande, dich dahin zu bringen, daß auch du das, was die Welt will, befürwortest und tust. Der Preis ist hoch, vor allem, was den Bereich der Lehre angeht. Fehlt der lehrmäßig richtig handelnde, umsichtige Kapitän, läuft das Boot von Sankt Peter Gefahr zu stranden oder schlimmer an den Klippen der modernen Welt zu zerschellen. Ist es nicht berechtigt, in dem Augenblick, wenn der Papst, wie es bei Franziskus der Fall ist, jenen Personen, die ihre große Distanz und ihre Feindseligkeit gegenüber der Kirche immer klar betont haben, allzu sehr gefallen will, die Frage zu stellen, was der Nachfolger Petri gepredigt hat?“

Das Ergebnis

Am Ende seines Buches faßt Aldo Valli seine Ausführungen zusammen und stellt fest, welche Dinge uns überraschen, wenn wir Bergoglio als Papst ansehen: 1.) Die Gefahr, daß in der Kirche ein so eigenmächtiger Stil entsteht, der die Lehre ersetzt. 2.) Der Mangel an Kenntnissen in der Lehre und der Theologie; noch schlimmer ist die Gleichgültigkeit gegenüber der katholischen Lehre und Theologie, sodaß die Seelsorge, die Ermahnung und die Praxis den Vorzug erhalten. 3.) Das Bestreben, den Verlockungen der Beliebtheit und dem gemeinen weltlichen Geschmack nachzugeben. Eigentlich muß die katholische Dogmatik und Morallehre das Prinzip und die Grundlage der Seelsorge sein. Jesus war in erster Linie Lehrmeister, dann Hirte und Priester. Tatsächlich lehrte Er zuerst die Wahrheit des Evangeliums, dann wies Er auf die zum Himmel führenden Gebete hin, und schließlich gab Er mittels der Sakramente den Menschen (guten Willens) die heiligmachende Gnade, damit sie den ins Paradies führenden Weg finden können und so zum Ziel gelangen. Die Gläubigen brauchen den sicheren Weg, die unfehlbare Lehre und Moral, um den richtigen Weg bis ins himmlische Vaterland (via ad patriam)gehen zu können. Die Katholiken benötigen die Stütze des Felsens; der Fels, der ja die Grundlage bildet, soll ihnen Festigkeit, Einheit und Standhaftigkeit geben. Ist er beseitigt, so bricht alles zusammen, alles stürzt gleichsam ins bodenlose Nichts. Kardinal Sarah erklärte einmal: „Die größte Ungerechtigkeit besteht darin, den Notleidenden nur (irdische) Speise zu geben, obwohl sie den (überirdischen) Gott benötigen“ (a.a.O. Seite 191, Anmerkung 153). Haben wir das Buch von Aldo Valli zu Ende gelesen, so können wir das Pontifikat von Franziskus mit der sehr fragwürdigen Popkultur vergleichen. Vergeblich sucht diese Unkultur den Verstand zu schulen, denn sie denkt, spricht und handelt, ohne die rechten Objekte und ohne genaue Ziele zu haben. Tatsächlich besteht das Kennzeichen der Pop-Unkultur darin, eher zu aktiv zu sein als nachzudenken; um daher mehr Raum für rein spontanes Verhalten zu geben, zieht sie das Nichtwissen vor, weil für sie die Praxis mehr zählt als die Theorie.Obwohl die englische Sprache für die Italiener ein Hindernis bildete, gelang es dem Pop, wie anderswo, auch in Italien Fuß zu fassen. Wahrscheinlich liegt der Grund für den Erfolg in der Tatsache, daß der Sinn der Worte letztlich bedeutungslos ist. Diese Vernachlässigung des Wortsinnes erklärt das in der katholischen Welt gegenwärtig herrschende Verlangen, mit dem Popstar des Augenblicks voll übereinzustimmen; der sehr geliebte Star aber ist heute Jorge Mario Bergoglio. Das Mittel, welches die Verbindung mit diesem großen Hallo schafft, ist ein unbestimmtes, verschwommenes Gefühl; leider wirkt es viel früher als der Glaube, die Lehre und das richtige sittliche Verhalten. Doch die Praxis des Katholizismus hat immer die Ausübung von Intellekt und Willen erfordert. Trotzdem sollen wir den Mut nicht verlieren. Jesus Christus gab ja folgendes feierliche Versprechen: „…und die Pforten der Hölle werden sie (die Kirche) nicht überwältigen (Mt 16,18 nach Allioli). Die Muttergottes erklärte in Fatima: „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren“.

Die Väter der katholischen Kirche sprachen davon, daß im Laufe der Jahrhunderte die Kirche Krisen und Gefahren erleiden muß, aber sie haben uns auch beruhigt. Der hl. Beda venerabilis schrieb folgende Zeilen: „In diesem Abschnitt des Evangeliums von Markus (VI, 47-56) steht genau geschrieben, wie das Schiff (oder die Kirche) sich mitten auf dem See befand, während Jesus allein auf der festen Erde stand; denn die Kirche ist ja in der Welt von so großen Verfolgungen geplagt und bedrückt, manchmal ist sie so beschmutzt und besudelt, sodaß es den äußeren Anschein hat – was möglich sein könnte – ihr Erlöser habe sie in dieser Situation fast vollständig verlassen“. (In Marcum, Kapk. VI, Buch II, Kap. XXVIII, Band 4). Im Buch über Salomon, im Kapitel vier meinte der heilige Ambrosius von Mailand: „Die Kirche gleicht dem vom Sturm und Wellen hin- und hergetriebenen Schiff; aber sie kann niemals Schiffbruch erleiden, weil das Kreuz des Heilandes den Hauptmasten bildet. Ihr Steuermann ist Gottvater, der Hl. Geist der Hüter des Bugs, die Apostel bedienen die Ruder“. Daher scheint mir folgender Schluß völlig klar zu sein: „Das Heilmittel für das so große Übel des frevelhaften Papstes und für die gegenwärtige chaotische Kirchenkrise sind das Gebet und die Zuflucht zur allmächtigen Hilfe Gottes, weil Jesus sie dem Petrus feierlich versprochen hat.“ (GAETANO, Die Verteidigungsschrift für die bereitgestellte Autorität des Papstes und des Konzils / Apologia de Comparata Auctoritate Papae et Concilii,Rom, Angelicum, Verlag Pollet 1936, S. 112 ff). Wenn wir diesen schleichenden Glaubensabfall in den Kirchenkreisen erwägen, dann müssen wir erkennen, daß die vor etwa zwei Jahrhunderten geäußerten Worte von Theodor Ratisbonne immer noch der Wahrheit entsprechen, ja sogar aktueller sind als je zuvor: „In diesen Zeiten fürchte ich mehr die Verführung als die Verfolgung. Heutzutage vertraut man sogar den Kirchenfeinden und meint sie seien Christen, obwohl sie Irrlehren vertreten und die Abspaltung von der Kirche (das Schisma) beschirmen. Was solche Leute sehr gefährlich macht ist die Glaubensschwäche der Katholiken, die wirre Liebe zu den irdischen Vergnügungen und die sehr weit verbreitete Zügellosigkeit des sittlichen Verhaltens. Die übernatürliche Erkenntnis und Liebe zu Christus fehlen. Daher scheint mir folgendes notwendig zu sein: Um eine so schwerkranke Gesellschaft zu heilen, wird Gott harte Strafen verhängen müssen; vergleichsweise aber werden sie immer noch barmherzig sein. Strafend sucht Gott die Welt heim, vor allem will er jetzt noch heilen. (Der hochwürdige Pater Maria-Theodor Ratisbonne, nach seiner Korrespondenz und den zeitgenössischen Dokumenten / Le Très Révérend Père Marie-Théodore Ratisbonne. D’après sa correspondance et les documents contemporains,Paris, Poussielgue, 1903, Band II, S. 188).

Antonius

(Schluß des dritten und letzten Teils)