Betrachtungen vom 22.Mai

Betrachtung am 22. Mai - Von der Mäßigkeit Gib, Herr, die Weisheit mir zur Führerin. Sie leite keusch und mäßig mich durchs Leben; Und lehre mich, mit unbeflecktem Sinn Zu dir, mein Schöpfer, selig …More
Betrachtung am 22. Mai - Von der Mäßigkeit
Gib, Herr, die Weisheit mir zur Führerin.
Sie leite keusch und mäßig mich durchs Leben;
Und lehre mich, mit unbeflecktem Sinn
Zu dir, mein Schöpfer, selig mich erheben.
1. Betrachte die freundlich-ernste Tugend der Mäßigkeit mit Liebe, denn ihre Hände sind voll der Gaben, sowohl zu einer großen Vollkommenheit dich zu erheben, als selbst zu einem gesunden und frohen Lebensalter dich zu führen. Wer die Vorschriften der Mäßigkeit nicht befolgt, der wird sich niemals über sich selbst und zur Betrachtung himmlischer Dinge erheben. Denn gleichwie die Nebel und Dünste der unteren Luft den Anblick der Sonne verwehren, also verwehren die Dünste des Weines und übermäßiger Speisen den Anblick heiliger Wahrheiten. Darum auch waren alle, durch das Licht der Betrachtung erleuchteten Heiligen, der strengsten Mäßigkeit ergeben.
2. Niemals auch wirst du ohne die Hilfe dieser heilsamen Führerin zu wahren Tugenden gelangen. Denn wo liegt der Ursprung und Grund …More
22. Mai

Die heilige Julia, Jungfrau, Sklavin und Martyrin von Korsika,

+ 22.5.625 - Fest: 22. Mai

Genserich, König der Vandalen, ein eifriger Verfechter des Arianischen Irrtums, verfolgte mit unmenschlicher Grausamkeit die katholischen Christen. Das Land um Rom bis an das äußerste Italien wurde von ihm, der keine Barmherzigkeit kannte, in eine Wüste verwandelt. Rom selbst wurde gerettet, weil …More
22. Mai

Die heilige Julia, Jungfrau, Sklavin und Martyrin von Korsika,

+ 22.5.625 - Fest: 22. Mai

Genserich, König der Vandalen, ein eifriger Verfechter des Arianischen Irrtums, verfolgte mit unmenschlicher Grausamkeit die katholischen Christen. Das Land um Rom bis an das äußerste Italien wurde von ihm, der keine Barmherzigkeit kannte, in eine Wüste verwandelt. Rom selbst wurde gerettet, weil Genserich in Papst Leo – der Macht des Höchsten nicht widerstehen konnte, in dessen Hand die Ratschläge und alle Gewalt der Könige ist.

Im Jahr 439 nach Christi gnadenreicher Geburt, zog er in Karthago ein. Mehrere Tage wurde die Stadt geplündert. Die Heiligtümer der Kirche wurden nicht verschont; alle Reichen und Angesehenen dieser Stadt fielen durch die Schärfe des Schwertes, oder wurden vertrieben, oder als Leibeigene auf öffentlichem Markt verkauft.

Unter denen war auch eine sehr schöne und vornehme junge Frau, Julia mit Namen. Sie war ihrer Frömmigkeit und ihres christlichen Eifers wegen in der ganzen Stadt bekannt. Ein syrischer Kaufmann Eusebius erhandelte sie und führte sie mit sich in sein Vaterland. Obwohl von Jugend auf gewohnt sich bedienen zu lassen, befleißigte sie sich in freudigem Gehorsam anderen zu dienen aus Liebe zu Jesus Christus, dem sie ihren Leib und ihre Seele für immer geopfert hatte. „Gott hat es nun so über mich verhängt, ihm will ich mit unerschütterlichem Vertrauen mich überlassen, er wird mich leiten und schützen. Sein heiligster Wille wird alles zum Besten leiten.“ Das waren ihre Tröstungen.

Oft betrachtete Julia ihren gekreuzigten Heiland, seine namenlose Pein und Marter, und brannte vor Begierde, auch zu seiner Ehre leiden und sterben zu können. – Ihre Sittsamkeit, ihre Sanftmut, ihr Fleiß im Dienst ihres Herrn und ihr Verstand gewannen ihr die Zuneigung des Eusebius in kurzer Zeit und in so hohem Grad, dass er oft sagte, er wollte lieber all sein Hab und Gut, als diese seine Sklavin verlieren. Eusebius sprach ihr oft zu, nicht zu streng zu fasten, – sie fastete täglich, den Sonntag ausgenommen – und sich mehrere Vergnügungen zu erlauben. Julia aber sah wohl ein, dass nur durch eine anhaltende Strenge gegen sich selber sie zur Überwindung aller Versuchungen und Gefahren, die ihr in ihrer Umgebung beständig drohten, gelangen könnte. Doch mehr, als ihre ängstliche Behutsamkeit, ihr Stillschweigen und das sorgfältige Vermeiden aller Gefahr, schützte sie ihr Ernst und eine überall feste und sich gleichbleibende Entschlossenheit, vor Verletzung ihrer jungfräulichen Ehre; und diese edlen Gaben verlieh ihr der Himmel in so hohem Maße, dass auch die sittenlosesten und frechsten Menschen sich in ihrer Gegenwart keine unzüchtigen Gebärden, ja nicht einmal ein unanständiges Wort erlaubten.

Alle Zeit, die ihr der mühselige Dienst übrig ließ, brachte Julia mit Lesen einiger geistlicher Bücher zu, die sie insgeheim von Karthago mitgenommen hatte, im Gebet und in der Betrachtung des bitteren Leidens und des schmerzhaften Todes Jesu Christi. Das Bildnis des Gekreuzigten verwahrte sie beständig an ihrer Brust. War sie allein, so nahm sie es hervor, kniete vor ihm, benetzte es mit Tränen, und bat öfters: „Christus, du Sohn Gottes, lass mich doch auch mein Blut für dich vergießen, wie du es unschuldiger Weise für mich arme Sünderin vergossen hast.“ Da betete sie dann auch zu der allerheiligsten Jungfrau: „O heilige Mutter Gottes, deren Seele das Schwert des Schmerzes durchdrang, flehe doch zu deinem allerliebsten Sohn, dass er mich, ihm ähnlich, durch den Martertod in seine Herrlichkeit einzugehen würdige.“ Es wurde aber zunehmend unwahrscheinlicher, dass sie ihres Glaubens wegen den Martertod erleiden sollte. Denn von Tag zu Tag wuchs die Hochachtung ihres Herrn und die Ehrerbietung aller Hausgenossen vor einer Religion, die Julia mit so vielen und so großen Tugenden ausschmückte.

Wahrscheinlich hatte sie in kurzer Zeit viele ihrer Hausgenossen zum christlichen Glauben bekehrt. Da nahm aber Eusebius eine lange Reise in Handelsgeschäften vor. Julia musste ihn nebst anderer Dienerschaft auf der Reise begleiten. Nahe bei Kasto in Korsika ließ Eusebius die Anker werfen; und da er vernahm, dass die Einwohner, die meistens Heiden waren, ein großes Fest halten, wollte er ihm ebenfalls beiwohnen. Eusebius war mit all den heidnischen Schiffsleuten in einen großen heidnischen Tempel gegangen, wo man soeben dem Götzen einen Ochsen zum Opfer schlachtete.

Während, nach vollendetem Opfer, sich alles der ausgelassensten Freude überließ und man aß und trank, während Musik gemacht und Lieder auf das Lob der Götter gesungen wurden, da kamen zufällig Leute des Statthalters an das Meergestade und sahen da im Schiff des Eusebius eine Frau, die am Boden kniend ihre Hände andächtig betend faltete. Darüber sich verwundernd, hinterbrachten sie es ihrem Herrn, dem Statthalter, und da fand es sich, dass es Julia, die christliche Sklavin des Eusebius, war, die den Götzendienst verabscheuend, während des Götzenfestes im Schiff geblieben war und da zum Gott der Christen betete. Felix, der Statthalter der Insel, ein eifriger Anhänger des Götzendienstes, sagte zu Eusebius, den er bereits zu sich an die Tafel geladen hatte: „Warum gestattest du es, dass jemand von deinen Leibeigenen unsere Götter verachtet und den Gott der Christen anbetet?“ Darauf erwiderte Eusebius: „Erlauchter Felix! Glaube ja nicht, dass ich mich nicht schon seit mehreren Jahren eifrigst bemüht habe, diese meine Magd von diesem Glauben abwendig zu machen, aber umsonst. Weil sie aber sonst ein unsträfliches Leben führt, mir sehr treu dient und mit viel Verstand meinem ganzen Hauswesen wohl vorsteht, so habe ich schließlich abgelassen auf sie einzureden, dass sie ihren Aberglauben aufgebe.“

„Das ist aber nicht recht“, versetzte Felix, „du solltest sie entweder entlassen oder zwingen, dass sie den Göttern opfere.“ „Von ihrem Glauben abwendig machen“, sagte Eusebius, „kann ich sie nicht, daneben ist sie mir so lieb geworden, dass ich sie nicht gern entlassen möchte.“ Felix antwortete darauf: „Verkauf sie mir, Eusebius! Und bestimme den Kaufpreis; oder wenn du kein Geld dafür nehmen willst, so magst du dir unter meinen Sklavinnen für sie vier aussuchen, die dir am besten gefallen werden.“ Eusebius spricht: „Dein ganzes Vermögen würde mir nicht ausreichen dafür, was meine Sklavin wert ist, auch würde ich lieber alles, als sie verlieren.“

Felix sah wohl, dass er auf diesem Weg nichts ausrichte und nahm daher seine Zuflucht zu einer List. Während der Mahlzeit setzte er dem Eusebius so sehr und anhaltend mit Wein zu, dass er ihn völlig berauschte und so um alle Besinnung brachte. Darauf ließ er durch seine Sklaven Julia zu sich führen, damit er sie zum Götzendienst verleite oder aber öffentlich beschäme und beschimpfe. Felix redete die Heilige, als sie vor ihm erschien, mit sanften Worten folgendermaßen an: „Bilde dir nicht ein, dass man deiner spotten wolle. Ich habe von deiner Jugend viel rühmen gehört. Du bist eines besseren Glückes wert und sollst nicht länger eine Sklavin bleiben. Zu deinem Glück will ich dir verhelfen, nur musst du dich entschließen, in unserm Tempel den Göttern ein Opfer zu bringen. Willst du dann auf dieser Insel bleiben, so werde ich dich nach deiner adeligen Herkunft und nach deinen ausgezeichneten Geistes- und Leibesgaben vorteilhaft verheiraten; wenn nicht, so will ich dich auf meine Unkosten bringen lassen, wohin du verlangst.“ Julia antwortete mit ehrerbietigen Worten, aber kühn und unerschrocken: „Mir fehlt die wahre Freiheit nicht, da ich das Glück habe, Christus zu dienen; denn nur wo sein Geist ist, da ist Freiheit. Ich verlange keinen anderen Stand und kein anderes Glück hienieden, indem ich die höchste Glückseligkeit, die allein eine Glückseligkeit zu heißen verdient, jenseits im Himmel erwarte. Deine Götzen aber verachte ich und zittere vor dem Gedanken, ihnen Ehre zu erweisen; denn du sollst wissen, ich bin eine Christin und auch bereit für meinen Glauben zu sterben.“ Felix vergaß sich völlig vor Zorn, da er seine Götter im Angesicht aller Leute so sehr beschimpft sah, und befahl daher den Umstehenden, die Slavin ins Angesicht zu schlagen. Julia, blutend aus Nase und Mund, sprach: „Mein Gott und Erlöser ist auch mit Backenstreichen geschlagen worden und wie freue ich mich seiner Schmach teilhaftig zu werden!“ Noch wütender, sich so verhöhnt zu sehen, befiehlt Felix, Julia auf die Folter zu spannen und mit Stricken zu schlagen. Unter den gräulichsten Martern schrie sie laut zu Gott: „Sei ewig gebenedeit, mein Gott, mein Heiland, wegen der großen Barmherzigkeit, die du mir schenktest! O ich Glückselige! Wenn ich doch leiden könnte, wie du gelitten hast. Wie man mir die Haare ausrauft, so hat man dein heiliges Haupt mit Dornen gekrönt; wie man mich mit Stöcken schlägt, hat man deinen heiligen Leib mit Ruten- und Geißelhieben ganz zerrissen! Wie man mich mit Schimpf- und Schmachworten überhäuft, so bist du mit Unbilden gesättigt worden. Preis dir, o Gott, Allmächtiger, der du mir Gnade gibst, zu deiner Ehre zu leiden!“ Während all diesen und anderen Worten, die Julia bei der Marter sprach, war ihr Angesicht fröhlich, ja mit einem himmlischen Glanz verklärt. Felix, ganz außer sich vor Wut, ließ alsdann einen Galgen aufrichten und die Heilige daran aufhängen. Als Julia den Galgen erblickte, rief sie freudig aus: „O Jesus Christus! O Übermaß der Gnade und Erbarmung Gottes! Ich glaubte, du erachtest mich arme Sünderin nicht für würdig, gleich dir und zu deiner Ehre am Galgen zu sterben, wie du am Kreuzesholz für alle gestorben bist; o mein Gott, nimm gnädig auf das Opfer meines Lebens, das ich dir hier darbringe. Erbarme dich aber auch dieser blinden Leute, verzeih ihnen meinen Tod und erleuchte sie durch deinen heiligen Geist!“ Kaum hing sie am Galgen, so gab sie ihren Geist auf. – Die Zeugen ihres Todes wurden nun auf einmal von einer unaussprechlichen, unerklärbaren Angst getrieben und ergriffen in aller Eile die Flucht. Eusebius, vom Rausch erwacht, kam zu spät, um seine teure Sklavin zu retten und weinte neben ihrer Leiche.

Zur selben Zeit wurde den Mönchen eines benachbarten Klosters auf der nahen Insel Gorgona oder St. Margaretha von den heiligen Engeln der Tod der heiligen Julia geoffenbart und ihnen befohlen, den Leichnam zu begraben. Die Mönche begaben sich alsbald auf ein Schiff, landeten in Korsika, und fanden den Leichnam der Heiligen, lösten ihn vom Galgen und führten ihn zurück zu ihrem Kloster. Die Mönche der nahen Insel Kapria oder Kabrera begleiteten mit ihren Palmzweigen in den Händen und unter Psalmengesang den Leichnam in die Kirche des Klosters, wo er in ein kostbares Grab gelegt wurde. Da ruhte er bis im Jahr 763, als der König der Longobarden Desiderius ihn ausgraben und in seinem Gebiet in Meszia in die neue Kirche des von ihm erbauten schönen Frauenklosters übersetzen ließ, wo seine Tochter Angelberga Äbtissin war. Später wurde diese Kirche viel kostbarer und neu erbaut und von da an die Julia-Kirche genannt.

An dem Ort in Korsika, wo die Heilige am 22. Mai den Martertod erlitt, ist eine Quelle. Über diese wurde eine Kapelle erbaut. – In unterschiedlichen Anliegen sprachen die Hilfesuchenden die heilige Julia um ihre Fürbitte bei Gott an; und Gott verherrlichte die Heilige durch wunderbare Gebetserhörungen.

Die heilige Rita, Witwe und Augustinernonne von Cascia in Italien,

+ 22.5.1457 – Fest: 22. Mai

Diese große Wundertäterin des Augustinerordens hat zwar schon vor sechshundert Jahren gelebt und auch gleich nach ihrem Tod sich durch ihre wunderbare Hilfe in Bedrängnissen das Vertrauen des katholischen Volkes erworben, dennoch ist sie eine moderne Heilige, deren Verehrung sowohl wie ihre Wunderkraft gerade in neuerer Zeit immer mehr zuzunehmen scheint. Ist es ja auch erst unserer Zeit vorbehalten gewesen, dieser Seligen, obwohl sie von Anfang an die Liebe und das Vertrauen der Gläubigen aller Länder genoss, durch das kirchenamtliche Zeugnis den Titel und die Krone einer Heiligen zu verleihen. Leo XIII. hat unsere Rita am 24. Mai 1900 heiliggesprochen. Was die Lebensgeschichte dieser „Rose von Cascia“ so wundervoll, was ihr Charakterbild so anziehend für alle macht, ist wohl das ihr besonders eigene Merkmal, dass sie ein Beispiel heroischer Tugend für alle Stände ist, eine leuchtende Frauengestalt im Weltkleid wie im Ordensgewand, ein Spiegelbild für die christlichen Jungfrauen, die Ehefrauen und Mütter, die Ordens- und Krankenschwestern. Und das ist Rita geworden durch treue Nachfolge des leidenden Heilandes auf dem Opfer- und Leidensweg nach Kalvaria.

Umbrien, die gottgesegnete Landschaft Mittelitaliens, ist das Heimatland, Rocca Porena, das durch fast überhängende Berge von der Welt abgesperrte Dörfchen, der Geburtsort, Cascia aber ist das glückliche Städtchen, nach dem die Heilige den Namen führt „Rita von Cascia“. Ihre Geburtszeit fällt um 1381. Ihre Eltern Anton und Amata Mancini standen in einfachen bürgerlichen Verhältnissen und waren durch Tugend und Rechtlichkeit angesehen. Von ihrem Beispiel angezogen, lebte auch Rita still und zufrieden in ihrem Stand, jede Kleiderpracht verabscheuend, gehorsam den Geboten Gottes und jedem Wink der Eltern, mitleidsvoll mit den Armen, musterhaft durch ihre Frömmigkeit und ihr ehrfurchtsvolles Verhalten im Gotteshaus. Ja sogar Fasten und nicht geringe Abtötungen waren dem unschuldigen Kind nichts Unbekanntes. Bald macht es sich eine Einsiedlerklause zurecht, ein abgelegenes Kämmerchen im Haus, um da ganz allein sein zu können mit dem lieben Jesus. Da war es vor allem das bittere Leiden unseres Herrn, um das sich die Gedanken und Herzensempfindungen der heranwachsenden Jungfrau bewegten, da empfand sie unter reichlichen Tränen und dem lebhaftesten Mitgefühl jenen Frieden und jene himmlische Freude, die die Gnade, und nur sie allein selbst aus der Bitterkeit zu ziehen vermag. Unter der Leitung ihres himmlischen Lehrmeisters erkannte Rita immer deutlicher die Täuschung des Irdischen und die Eitelkeit der sinnlichen Freuden und Vergnügungen. So war in ihr der Entschluss zur Reife gelangt, die Welt zu verlassen und zu den Augustinerinnen nach Cascia zu gehen.

Im Plan der Vorsehung war es unserer vorbildlichen Heiligen vorerst anders bestimmt. Sie sollte der Welt zeigen, wie man auch inmitten der Haus- und Familiensorgen sich die christliche Vollkommenheit zum Ziel setzen soll und sie erreichen kann. Die Eltern glaubten ihr einziges Kind, den Trost und die Stütze des Alters nicht verlieren zu können. Von ihren Bitten und Tränen gerührt, verschob Rita aus kindlicher Liebe und Folgsamkeit die Ausführung ihres Plans. Aber, um dem Kind den Weg ins Kloster völlig abzuschneiden, drängten die Eltern auf Verehelichung. Rita flehte und weinte, sie umzustimmen, und rang in inbrünstigem Gebet um Erleuchtung und Hilfe zum Herrn. Gott ließ sie erkennen, dass es sein Wille sei, den Eltern hierin zu gehorchen. Und wie kam es? Bald hätten die Eltern ihr geliebtes Kind wieder lieber hinter den friedlichen Klostermauern gesehen. Der von ihnen selbst auserlesene Schwiegersohn war äußerst zornmütig und aufbrausend und nicht fähig, in der Hitze sich zu beherrschen. Da wurde denn die Geduld und die Selbstbeherrschung der jungen Frau auf eine harte und lange Probe gestellt. Ist sie wohl deswegen schon von Jugend auf mit Vorliebe in die Schule des Gekreuzigten gegangen, um nun den ihr aufgelegten Kreuzweg auch mit Mut und Ausdauer verfolgen zu können? Gekränkt und beschimpft, vergalt sie nicht Gleiches mit Gleichem. Das empörendste Unrecht, die schlimmste Misshandlung brachte sie nicht aus der Fassung. Schimpf- und Drohworte des tobenden Gatten beantwortete sie nicht wieder mit gereizten und nur wieder aufreizenden Reden. Rita stellte dem allen eine unbesiegliche Sanftmut entgegen. Immer wieder suchte sie die schlimme Naturanlage des Mannes richtig zu behandeln und sich in sie zu schicken, soweit die Gefälligkeit gegen ihn mit der christlichen Sitte in Einklang blieb. War das ein schweres Ringen, ein eigenartiger Wettstreit zwischen auffahrendem Zorn und engelgleicher Sanftmut, zwischen Gewalttätigkeit und Gefälligkeit, zwischen Hartem, herrischem Druck und demütigem Dulden! Der Sieg blieb schließlich der Güte und Sanftmut der schwachen Frau. Der Mann begann sein Unrecht einzusehen und tat alles, um sich selbst zu beherrschen. Zum unaussprechlichen Trost Ritas gestaltete sich das erst so stürmische Eheleben ruhiger und friedvoller.

Doch nun kam eine andere harte Heimsuchung, ein furchtbarer Schlag für die schon so viel geprüfte Frau. Achtzehn Jahre waren schon seit Ritas Verheiratung verflossen, da geschah es eines Tages, dass ihr Gatte von feindlicher Hand ermordet wurde. Die schreckliche Nachricht ließ Rita bewusstlos zusammenbrechen. Auch die Heiligen unterliegen den Schwächen der Natur, fühlen wie alle Menschen ihre Eindrücke und Forderungen. Rita sah sich einem Abgrund von Trübsal gegenüber. Aber ihre durch Leiden gestählte Seele suchte und fand in Gott die Kraft, sich aufrecht zu halten. In christlichem Edelmut verzieh sie von Herzen dem Mörder ihres Mannes, ja legte für ihn Fürbitte ein, dass nicht die ganze Strenge der Gerechtigkeit ihn treffe. Das war Heldenkraft; aber selbst sie sollte die „starke Frau“ noch überholen. Frauenleid ist groß, Mutterleid noch größer, weil ja auch Mutterliebe die größte Liebe ist, neben und mit der Gottesliebe. Rita war Mutter von zwei Söhnen, und diese waren ganz dem Vater nach geartet. Sein heißes Blut und schlimmes Beispiel waren in ihnen wirksam. Die Sorgen und Mühen, die Furcht und Angst der frommen Mutter um eine gute Erziehung ihrer Kinder waren so viel und groß als sie eben sein müssen bei einer Mutter, die sich ihrer Pflicht voll bewusst ist, die anvertrauten Kinder für den Himmel zu erziehen. Der gewaltsame Tod ihres Vaters wollte nun mit einem Mal ihr langes mühevolles Erziehungswerk wieder gänzlich erschüttern. Den ohnedies heißblütigen Söhnen des Südens, zumal jener früheren Zeiten, wo die Hand zum Selbstschutz so leicht sich an die Dolchklinge legte, galt vielfach die Blutrache nicht als Untat, eher als Pflicht der Angehörigen eines Ermordeten. Nun erst diese Söhne, denen ein ausnehmend zornmütiger Vater sein Naturell vererbt hatte! Sie schwuren, nicht eher zu ruhen, bis der Mörder ihres Vaters in seinem Blut vor ihnen liege. Wer kann nun die Herzensangst der Mutter erfassen! Sie bat und beschwor die beiden geliebten Söhne, sie stellte ihnen alle Grundsätze des Rechtes und der Religion vor Augen. Umsonst! Mit Schaudern sah sie dem Tag entgegen, der ein neues namenloses Unglück für ihre Familie bringen konnte. Sie, die schon das ungewisse Los ihres so jäh dahingerafften Gatten in der anderen Welt folterte, musste nun vor der gleichen, ihren Schmerzenskindern drohenden Gefahr erzittern. Wer hat größeres Verständnis für eine solche Gefahr als eine Mutter, eine heilige Mutter! Wird ihr ein Opfer zu schwer werden, ein solches Unglück, das einzige Unglück, das es für den Menschen überhaupt gibt, von einem geliebten Kind abzuwenden? Heißestes Gebet aus blutendem Herzen genügt der Mutterangst nicht. Opfer wollte sie bringen, die schwersten; die Söhne selber, ihr irdisches Leben wollte sie opfern, wenn sie nur vor der schrecklichen Sünde, wenn nur ihre Seelen vor der ewigen Verdammnis bewahrt blieben. Und siehe, Gott nahm das heldenhafte Opfer des Mutterherzens an. Jakob und Paul, die beiden, wurden von einer Krankheit befallen und starben nacheinander, nicht befleckt von der blutigen Untat.

Nun stand Rita allein, eine Martyrermutter, die um Gottes und höherer Güter willen ihre Kinder hingegeben hat! Mochte sie nun auch nur für Gott allein leben, mochte ihre Liebe in Werken der Barmherzigkeit, wie sie das ja auch seither schon stets getan hatte, nun noch mehr den armen Mitmenschen schenken, ihr Herz blieb nicht ganz befriedigt. Unwiderstehlich zog sie nun wieder das Ordensleben an. Darum suchte sie demütig im Kloster der Töchter des heiligen Augustin in Cascia um Aufnahme nach. Dass aber die dortigen Nonnen es ablehnten, eine Witwe in ihre jungfräuliche Gemeinschaft aufzunehmen, finden wir begreiflich. Und doch war es gerade das Augustinerinnenkloster von Cascia, dessen religiöses Leben durch die heilige Rita gehoben und dessen Name durch sie in aller Welt bekannt werden sollte. Was nach menschlicher Weise mit natürlichen Mitteln nicht erreichbar scheint, weiß Gott mit seinen Kräften der Übernatur in Wirklichkeit zu setzen. Rita hatte sich auf dem gewöhnlichen Weg der Prüfungen des Menschenlebens so hoch zum Himmlischen emporgerungen, dass nun auch des Himmels Wunderkräfte nach Gottes Gnadenwahl in ihrem Leben zu spielen beginnen. In einer Nacht, wo sie wieder gar innig zu ihren heiligen Patronen, dem heiligen Johannes dem Täufer, dem heiligen Ordensvater Augustin und dem heiligen Nikolaus von Tolentino, dem eifrigen Augustiner-Volksmissionar (gestorben am 10. September 1306), um Hilfe in ihrem hoffnungslosen Anliegen flehte, da erschienen ihr diese und führten sie als himmlische Brautführer ins Kloster zu Cascia ein, ein ganz eigenartiges Ereignis, wie es sonst in der an merkwürdigen Vorgängen so reichen Geschichte der Heiligen kaum mehr zu finden ist.

Als Ordensfrau erfüllte Rita alle Vorschriften des Ordens mit ganzer Hingabe, die ihre Kraft und Ausdauer aus einer vollendeten Gottesliebe schöpfte. Gerühmt wird an der heiligen Rita besonders die Liebe zum Stillschweigen, ohne das ja der Geist der Sammlung und des Gebetes nicht gut bestehen kann. Die Übung des bereitwilligsten Gehorsams war eine ununterbrochene. Die Armut liebte sie so sehr, dass sie während der 44 Jahre ihres Klosterlebens nur ein einziges Ordenskleid brauchte, das freilich oft geflickt werden musste, dessen langes Aushalten aber wohl kaum auf natürlichen Bedingungen allein beruhen konnte. Um das Gelübde der Keuschheit möglichst vollkommen beobachten zu können, nahm die Heilige täglich dreimal die Geißelung vor, fastete viel, an den Ordensfesten bei Wasser und Brot, und mischte noch an Freitagen, des gekreuzigten Erlösers eingedenk, ein sehr bitteres Kraut unter ihre Speisen. Gott ließ es zu, dass seine treue Dienerin gerade um die Tugend der Herzensreinheit die heißesten und langwierigsten Kämpfe und die schwersten Versuchungen auszustehen hatte. Wurden diese gar zu heftig, so hielt die heroische Kämpferin ihre Hand über das Feuer und ermunterte sich selbst mit den Worten: „Rita, wenn du dies Feuer nicht erdulden kannst, wie wirst du dann in den höllischen Flammen aushalten können, die allen denen bereitet sind, die im Leben vom Feuer der Unlauterkeit entzündet sind?“ Solch außerordentliche Mittel, zu denen die Heiligen griffen, brauchen ja nicht nachgeahmt werden. Das Beispiel der heiligen Ordensfrau lehrt uns aber, wie auch die Bestgesinnten und Frömmsten nicht gegen Versuchungen wider diese Engelstugend gefeit sind, dass diese aber mit Gottes Gnade und beharrlichem Ringen in ihrem ungetrübten Glanz bewahrt werden kann.

Ein Gegenstand war es besonders, aus dem die Seele der heiligen Rita zeitlebens ihre Nahrung zog: Das Leiden Christi. Ihr ganzes geistliches Leben war von der liebenden Verehrung des Gekreuzigten beherrscht. Dort floss die Quelle ihrer Gnaden und Heiligkeit. Schon in ihrer Abtötung trug sie Christi Kreuz körperlich an sich. Seelisch gewahrte man eine fortschreitende Umgestaltung in den Gekreuzigten. Rita gehörte aber auch zu den bevorzugten Gnadenkindern, die der Herr zum wirklichen Mitleiden mit sich erhob. Einmal, im Jahr 1443, von tiefem Mitgefühl ergriffen, flehte sie, vor einem Kruzifix in der Klosterkapelle kniend, den Gekreuzigten inständig an, ihr einen einzigen Dorn aus seiner Krone zu senden, damit sie sein Leiden teilen und ihn trösten könne. Da fühlte sie unter einem durchdringenden Schmerz ihre Stirn verwundet werden. Wie ein Dorn drang es ein. Bald sollte die große Dulderin innewerden, was es heißt, Anteil am Leiden Christi zu haben. Immer größer wurde die Wunde und verbreitete überdies einen starken, pestartigen Geruch, selbst Würmer bildeten sich darin. Während sonst die Stigmatisierten die Kreuzigungswundmale des Herrn an sich trugen und mitlitten, wurde die heilige Rita das Abbild des dornengekrönten Heilandes, und was noch vielfach empfindlicher war, das Abbild des mit Schmach bedeckten, von den Menschen ausgestoßenen Erlösers. Gleich Hiob war die Arme geschlagen. Der Geruch der stets eiternden Wunde verscheuchte ihre Umgebung. Wie eine Ausgestoßene musste sie sich in ihre einsame Zelle zurückziehen. Zur leiblichen Qual war die Seelenqual der Verachtung und Schmach gekommen. Die Stirnwunde blieb bis zu Ritas Tod und schloss sich nur einmal vorübergehend, im Jubiläumsjahr 1450, wo die Heilige mit ihren Schwestern die Pilgerfahrt nach Rom mitmachte.

Der treuen Kreuzträgerin gab der Leidensbräutigam noch kurz vor ihrem Scheiden aus der Welt einen besonderen Erweis seiner Liebe. Wie er der heiligen Märtyrin Dorothea Rosen aus dem Himmel sandte, so erfreute er auch die starkmütige Märtyrin der Liebe mit gleicher duftiger Gabe, die aber der kalten Erde entsprosste, die ihre wohltätige Hand in ihrer Jugend bebaut hatte. Es war Mitte Januar, wo sie einer sie besuchenden Verwandten befahl: „Wenn du nach Rocca Porena kommst, dann gehe in den Garten meines Hauses, pflücke dort eine Rose und bringe sie mir.“ Und wirklich! An den vor Winterkälte starrenden Sträuchern fand sich ein grüner Zweig mit frischer, schönfarbiger Rose.

„Der Herr führt den Gerechten auf rechten Wegen, zeigt ihm das Reich Gottes, bereichert ihn bei seinen Mühen und segnet seine Arbeiten.“ (Weisheit 10,10) Die der Herr auf die Wege seiner engsten Nachfolge im Reich Gottes auf Erden geführt hat, ihr erschien er nun mit seiner heiligsten Mutter und zeigte ihr an, dass sie nach drei Tagen in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen werde. Am 22. Mai 1457 erfolgte der selige Hinübergang. Rita zählte 76 Jahre. Hatte Gott seine getreue Dienerin schon im Leben wunderbar bereichert und auch ihrem mächtigen Fürbittgebet gar oft Erhörung zugesprochen, jetzt nach dem Eingang in die ewige Herrlichkeit gewährt der Allgütige der Verklärten, als Erfüllung und Segnung ihrer Lebensarbeit, einen staunenswert reichen Rosenregen wunderbarer Gnadenerweise auf ihre Verehrer herabsenden zu dürfen. Zunächst ist es der Leib der Heiligen selber, das Werkzeug ihrer Buße und ihres Tugendlebens, den Gott verherrlichte. Als unverdächtiger, gewissenhafter Augenzeuge versichert uns der neueste Herausgeber einer Lebensbeschreibung „der Wunderrose von Cascia“, Augustinerpater Hugolin, dass er am 10. Oktober 1913 den ehrwürdigen Leib der heiligen Rita hat schauen können, wie er, der ohne einbalsamiert zu sein, in feuchter Erde ist bestattet worden, nach über 450 Jahren noch gut erhalten ist. Die Gebeine sind von Haut und Muskeln umgeben, das Antlitz etwas blass vom Alter, der Mund ist ein wenig geöffnet. Die Augen sind nicht eingesunken, sondern haben ihre natürliche Wölbung behalten und sind halb geöffnet, so dass die schwarzen Augensterne sichtbar werden. Merkwürdig ist hierbei, dass die Augen 171 Jahre hindurch geschlossen waren. Gelegentlich der Seligsprechungsfeierlichkeiten im Jahr 1628 aber öffneten sie sich zum größten Erstaunen der anwesenden Volksmenge.

Merkwürdig ist auch der Wohlgeruch, den der Leib der Heiligen oft verbreitet. Besonders wird er an ihrem Fest wahrgenommen. Dieser wunderbare Wohlgeruch, der oft auch schon Kranken die Gnade der Heilung andeutete, wurde wiederholt geprüft, wie alle anderen wunderbaren Ereignisse, und erst wieder am 25. Februar 1896 amtlich bestätigt.

Zahlreich und auffallend sind die Wunder, die Krankenheilungen und mannigfachsten Gebetserhörungen, die auf Anrufen der heiligen Rita erfolgten, von ihrem Tod angefangen bis in unsere Tage hinein. In hoffnungsloser Lage, in den verzweifeltsten Fällen nehmen die Gläubigen ihre Zuflucht zu ihr und finden Erhörung, so dass die heilige Rita „die Heilige des Unmöglichen“, die „Helferin in verzweifelten Fällen“ genannt wird. Die vielen unumstößlich beglaubigten Gebetserhörungen geschehen gerne durch Anwendung und andächtigen Gebrauch von geweihten Ritabildchen und Medaillen, von Ritabrot, -Rosen und -Öl (aus der Lampe in ihrem Heiligtum).

Da St. Rita als Frau in der Welt wie als Ordensfrau mit Vorliebe die armen Kranken gepflegt hat, ist sie die “Patronin der Krankenfürsorge“ geworden. Der Dritte Orden des heiligen Augustin in Würzburg nennt seine Krankenschwestern „Ritaschwestern“. Anderen dienen, stets offene Augen für die Not, offenes Herz zur mitleidigen Teilnahme, offene Hände in werktätiger Liebe haben, das ist das Zeichen des wahren Jüngergeistes Jesu Christi. „Alle deine Wege sind Barmherzigkeit.“

Die gottselige Renata, Herzogin von Bayern,

+ 22.5.1602 – Fest: 22. Mai

In der Zeit des allgemeinen kirchlichen Niederganges und politischer Wirrnisse hatte Bayern das Glück, tugendhafte und charakterfeste Fürsten zu besitzen. Herzog Wilhelm V., der 1579 zur Regierung kam, führt mit Recht den Beinamen der Fromme. Von väterlicher Liebe für seine Landeskinder beseelt, bewirtete er täglich zwölf der ärmsten Leute an seiner Tafel, versorgte jedes Jahr 72 Arme mit Kleidern und gab allen Dürftigen Arzneien und Lebensmittel, so viel er konnte. Als er 1598 freiwillig von der Herrschaft zurücktrat, lebte er heilig und abgeschieden wie ein Kartäuser. Von ihm und seinem Sohn, dem Kurfürsten Maximilian, konnte der Erzbischof Antonius von München 1880 beim Wittelsbacher Jubiläum mit vollem Recht sagen, dass sie eine die gewöhnlichen Grade weit überragende Frömmigkeit besaßen.

Die Gemahlin Wilhelms des Frommen, die Mutter des großen Kurfürsten, Renata, geborene Herzogin von Lothringen, führt öfters die Bezeichnung „selig“. Indessen hat die Kirche nicht über sie geurteilt. Wir müssen ihr aber nachrühmen, dass sie ein Muster heiligen Lebens gewesen ist.

Als Kind war Renata immer kränklich, und selbst die Ärzte hatten alle Hoffnung auf eine Wiedergenesung aufgegeben. Da nahm sie ihre Zuflucht zu höherer Hilfe. Sie gelobte eine Wallfahrt nach Loretto in Oberitalien. Darauf verfiel sie in einen todesähnlichen Schlummer. Die ersten Worte, die sie nach ihrem Erwachen sprach, waren „Gloria tibi, Domine!“ (Ehre sei dir, o Herr!) Die Krankheit war vorüber. Sie war und blieb von nun an gesund. Sie beschloss nun das ihr von Gott so wunderbar geschenkte Leben ganz zu seiner Ehre zu verwenden. Nie ließ sie das Ziel aus den Augen und sich stets nur vom Geist Gottes leiten, der in reinen Seelen seine Wohnung hat. Noch Jungfrau, verbreitete sie allenthalben den Glanz ihrer Tugenden und Gottseligkeit.

Im Jahr 1568 vermählte sich Renata, die Würde und Anmut und reiche Talente auszeichneten, mit Herzog Wilhelm von Bayern. Einer der ausgezeichnetsten Kirchenfürsten jener Zeit, Kardinal Otto von Truchseß, Bischof von Augsburg, hatte die Ehe unter großer Feierlichkeit eingesegnet. Die Pracht dieser Feier wurde mehrfach besungen und beschrieben. Sie sollte dem Bayernland zu neuem Segen gereichen. Die gottselige Herzogin wurde Mutter von zehn Kindern, von denen besonders zwei weittragenden und wohltätigen Einfluss auf ihre Zeitgenossen ausübten und die größten Verdienste um den katholischen Glauben sich erwarben: Kurfürst Maximilian und Herzogin Magdalena.

Diese Prinzessin Magdalena, das letzte Geschenk der frommen Ehe Renatens, tat sich vor allen Kindern durch eine besondere Frömmigkeit hervor. Vorzüglich erzogen – ein Verdienst der Eltern – sprach sie nicht nur geläufig Latein, sondern hatte auch Fertigkeit im Italienischen, Spanischen und Französischen. In Gottes Vorsehung war es gelegen, dass diese treu-katholische Fürstin die Gemahlin eines protestantischen Regenten, des Herzogs Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, aus der älteren Wittelsbacher Linie wurde. Vor ihrer Vermählung hatte Magdalena eigenhändig das katholische Glaubensbekenntnis niedergeschrieben und trug es stets als Urkunde ihrer Glaubenstreue bei sich. Unablässiges Gebet um die Rückkehr ihres Gemahls zur Mutterkirche, ihr eigenes musterhaftes religiöses Leben, eifriges Forschen des Herzogs Wolfgang selber, besonders Studium des Katechismus des heiligen Petrus Canisius führten den Herzog zur Wahrheit des katholischen Glaubens. Welche Freude für die fromme, gottselige Magdalena! Als der Herr sie am 25. September 1628 abrief, hatte sie den Trost, neben ihrem Gemahl auch viele ihrer Untertanen zur katholischen Religion zurückgekehrt zu sehen, besonders in Düsseldorf und der Umgebung, das damals zu Pfalz-Bayern gehörte. Ein protestantischer Adeliger tat über Magdalena den Ausspruch: „Diese gottselige Fürstin könnte die Anrufung der Heiligen, wie sie bei den Katholiken gebräuchlich ist, gar wohl rechtfertigen. Zu ihr, die so voll Barmherzigkeit ist, könnte ich meine Zuflucht nehmen, und ich bin gewiss, dass sie mir keine Bitte versagen würde.“

Diese trostvollen Erfolge hatte die Mutter, die edle Renata, nicht mehr erlebt. Nachdem sie ihrem Gemahl Wilhelm so zahlreiche Nachkommenschaft gegeben und ihre mütterlichen Pflichten aufs gewissenhafteste erfüllt hatte, gelobten beide Ehegatten gänzliche Enthaltsamkeit. Dieses Gelöbnis festigte die opferfreudige, sich selbst abgestorbene Frau durch ein noch strengeres Leben, als sie es bisher schon führte. Das Wort des Apostels: „Die Christus angehören, kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierlichkeiten“ hatte sich tief ihrem Herzen eingeprägt, als sicheres Geleitwort ihres heiligen Lebens. Ihren leiblichen Bedürfnissen gönnte sie nur das Notwendigste. Sie genoss so wenig, dass die Ärzte es als ein Wunder erklärten, wie sie mit so wenig Nahrung das Leben fristen könne. Ihre ganze Zeit widmete sie den Arbeiten ihres Berufes, dem Gebet und den Werken der Barmherzigkeit. Die Unterweisung der Ihrigen geschah mit solch zärtlicher Liebe, dass sie jedermann, der sie zu hören das Glück hatte, daran erbauen musste. Im Wohltun war sie eine mitleidige, alle mit weitem Herzen umfassende Mutter der Armen. Als Vorbild hatte sie sich die heilige Elisabeth von Thüringen erwählt, diese lieblichste Erscheinung aus der Zeit des höfischen Lebens in Deutschland. Unter dem Schutz dieser Patronin gründete sie das Elisabethenspital in München, wozu sie aus ihrem eigenem Vermögen 20.000 Dukaten verwendete. Ihren Gemahl unterstützte sie in der Stiftung des Herzogsspitals, des Kranken- und Waisenhauses. Dem Herzog gleich speiste auch sie täglich zwölf arme Frauen an ihrer Tafel, sie voll Liebe und Demut bedienend, und kleidete alljährlich zweiundsiebzig Arme. Sie ging selbst zu den Kranken in die armseligen Hütten, um Zeugin der Not zu sein und um gründlich und in der rechten Art abhelfen zu können. Herzog Wilhelm sagte öfters von seiner liebe- und mitleidsvollen Gemahlin: „Will man die Liebe malen, so muss man das Porträt der Herzogin fertigen, denn in ihr sind alle vom Apostel angegebenen Eigenschaften der Liebe vereint.“

Wie das Leben dieser frommen Frau war auch ihr Sterben. Seit der Thronentsagung ihres Gemahls hatte sich beider Leben zu einem völlig zurückgezogenen in der Maxburg gestaltet. Obwohl die Ärzte den Gesundheitszustand Renatens für gut ansahen, sprach sie selbst von ihrem Tod als nahe bevorstehend. Um sich darauf vorzubereiten, trat sie mit Herzog Wilhelm eine Wallfahrt nach Ebersberg zu Ehren des heiligen Sebastian und dann nach Altötting zur lieben Mutter Gottes an, um Abschied zu nehmen von ihrer treuen Beschützerin im Leben und um ihr das letzte Stündlein anzuempfehlen. Und wirklich hatte die Uhr ihres Lebens schon zum letzten Schlag ausgehoben. Gerade hier, in der heiligen Kapelle, während noch die gottselige, in rührender Beharrlichkeit der Gnadenmutter ergebene Verehrerin den Dank des Herzens der Schutzherrin ihres Lebens und Landes an den Stufen des Gnadenthrones niederlegte, meldete sich ein Fieber an. Niemand hielt es für gefährlich. Die Herzogin aber erkannte den Boten, der ihr den Hingang und die selige Vereinigung mit Gott ankündete. Am 22. Mai 1602 ging sie zur ewigen Belohnung ins andere Leben hinüber. Ihr Leib ruht in der von ihrem Gatten erbauten St. Michaels-Kirche in München. Das Herz der edlen Verstorbenen, die allgemein wie eine Heilige verehrt und wie eine Mutter, die man verloren hat, betrauert wurde, behielt der fromme Herzog Wilhelm als kostbare Reliquie für sich zurück. War dies doch die eine Hälfte seines eigenen Herzens, da beide wirklich nur ein Herz und eine Seele waren.

„Auch bei der größten Geldnot soll man keine Kosten sparen, damit in der Pflege der Kranken nichts versäumt werde. Man darf nicht zu sehr fühlen, dass darum das Vermögen vermindert werde. Es kehrt alles mit Zinsen zurück. Wer den Kranken in heiliger Meinung pflegt, pflegt Gott den Herrn selbst. Wer hier sparsam sät, wird auch sparsam ernten. Die lebendigen Tempel des Heiligen Geistes zu unterstützen, um ihren Einsturz zu verhüten, ist ein größeres Verdienst als Altäre zu erneuern. Stürzen diese, so lassen sich neue errichten; aber das Leben des Kranken kannst du nicht mehr zurückrufen. Es lässt sich nicht sagen, wie sehr unter dem Leiden des Körpers die Schwäche der Seele zunimmt. Tätest du nicht das Möglichste für ihn, so würde ihn ein zweifaches Übel drücken, seine Krankheit und deine Lieblosigkeit.“ (hl. Ignatius v. L.)

Der selige Johannes Bapt. Machado,

Priester und Märtyrer von Japan aus der Gesellschaft Jesu

und seine Gefährten Leo und Matthias,

+ 22.5.1617 – Fest: 22. Mai

Der selige Pater Machado wurde auf einer der Azoreninseln geboren. Noch nicht siebzehn Jahre alt, trat er 1597 in die Gesellschaft Jesu ein. Auf seine Bitten wurde er gleich nach dem Noviziat in die Mission geschickt und machte seine Studien zu Goa und zu Makao. 1609 kam er nach Japan. Zuerst war er tätig an den Höfen von Meako und Fuszima, dann in Cicongo und Bigen. Bei der allgemeinen Verbannung, die damals die Missionare traf, blieb er in Nagasaki und wirkte heimlich auf einigen Inseln. Aber von falschen Freunden verraten, fiel er in die Hände der Häscher. Als er zum Tode verurteilt wurde, sagte er: „Drei Tage rechne ich als die glücklichsten meines Lebens, den meiner Aufnahme in die Gesellschaft Jesu, den meiner Verhaftung und endlich diesen, wo es mir vergönnt ist mein Leben für meinen Heiland dahinzugeben.“ Am Gestade des Meeres bei Nagasaki wurde er am 22. Mai 1617 enthauptet.

Sein Gefährte Leo Tanaka stammte aus einer christlichen japanischen Familie und wurde von seinen frommen Eltern schon als Kind den Missionaren der Gesellschaft Jesu anvertraut. Später als Katechet der Gesellschaft zum Begleiter des Paters Machado bestimmt, folgte er ihm beständig auf allen apostolischen Reisen. Auf der Insel Goto wurde er mit ihm verhaftet. Er hatte Gelegenheit zu fliehen, aber er wollte lieber das Los seines Meisters teilen als den Schein einer Verleugnung des Glaubens auf sich zu laden. Der selige Leo Tanaka erinnert hierin an den heiligen Laurentius, der, als Papst Xystus zum Martertod geführt wurde, unter Tränen ausrief: „Wohin gehst du, Vater, ohne deinen Sohn?“ Er erhielt zur Antwort: „Nach drei Tagen wirst du mir folgen.“ Als Tanaka sah, dass ihm die ersehnte Marterkrone nicht zuteilwerden sollte, hörte er nicht auf unter heißen Tränen sich solcher Ehre für unwürdig zu bekennen. Doch sein Wunsch sollte bald erfüllt werden. Zehn Tage später wurde er auf einer Insel der Provinz Omura verhaftet und verurteilt. Freudig bot er sein Haupt dem Henker dar.

Am 22. Mai starb drei Jahre später der selige Matthias von Arima eines schrecklichen Martertodes. Er war der Gefährte und Katechet des Paters von Couros, der als Provinzial der Gesellschaft Jesu auch die Verwaltung der Diözese besorgte. Während der Verfolgung bediente dieser sich unseres Seligen zu gefahrvollen Sendungen. Einmal fragte er ihn, ob er wohl, wenn er eingefangen würde, die Missionare, deren Zufluchtsstätten er alle kannte, verraten werde. „Lieber lasse ich mir“, antwortete Matthias, „das Fleisch stückweise vom Leibe reißen, als dass ich jemanden verraten würde.“ Es waren keine leeren Worte. Von den Häschern ergriffen und vor den Statthalter geführt, spannte man ihn auf die Folter, um eine Aussage zu erpressen. Er blieb stumm. Da wandten die Henker die schreckliche Wassertortur an, d.h. sie füllten ihm den Leib gewaltsam mit Wasser und kneteten und schlugen ihn dann in entsetzlicher Weise. Mehrmals wiederholten sie diese Marter. Dann gaben sie ihm Faustschläge ins Gesicht, gossen ihm geschmolzenes Blei über den Rücken. Aber der Selige blieb stumm. Ermüdet ließen die Henker ab, um am folgenden Morgen die Marter fortzusetzen. Als sie ihn aber tot fanden, schlugen sie den Kopf vom Leib und stellten ihn aus mit der Inschrift: „Dieser ist hingerichtet, weil er Christ ist und die Missionare nicht hat verraten wollen.

Die seligen Leo und Matthias geben uns das Beispiel von Gefährten und Katecheten, die ihrem Missionar treu waren bis zum Tod, ja durch ihre Treue die Marterkrone erlangten. Sei auch du der Kirche treu, selbst im Kleinsten. Das bringt dir die Krone des Lebens.

Der selige Johann Forest, Franziskaner-Priester und Märtyrer in England,

+ 22.5.1538 – Festtag: 22. Mai

Unter allen Blutzeugen, die unter dem abtrünnigen König Heinrich VIII. in England für den katholischen Glauben starben, erlitt dieser Selige die grausamste Todesart. Vater Forest wurde zusammen mit dreiundfünfzig anderen englischen Märtyrern am 9. Dezember 1886 von Papst Leo XIII. seliggesprochen.

Johannes Forest war mit siebzehn Jahren in den Franziskanerorden getreten, hatte als Mönch in Oxford seine Studien gemacht und erscheint später als angesehener Prediger bei der berühmten Londoner Kirche St. Pauls Kreuz. Eine Zeitlang war er Quardian des Klosters der strengeren Regel zu Greenwich und Beichtvater der Königin Katharina. Auch beim König muss er in hohem Ansehen gestanden haben. Denn als dieser 1532 den Franziskanerobservanten heftig zürnte, weil zwei von ihnen in seiner Gegenwart sich erkühnten gegen die Ratgeber des Königs und seinen unchristlichen Ehehandel zu predigen, da gelang es Forest durch persönliche Einwirkung auf Heinrich die bereits beschlossene Unterdrückung der Observantenklöster noch einmal hintanzuhalten. Doch gab es in seinem eigenen Kloster feindselig Gesinnte, die an den gewissenlosen Ratgeber des Königs Cromwell fleißig über Forest berichteten. So fiel auch er in Ungnade. Als dann Heinrich VIII. 1534 seinen Bruch mit Rom vollendete, da mussten die Franziskanerobservanten, die als der einzige Orden von Anfang an mit Mut und Entschiedenheit für die Rechte des Papstes und der Königin eingetreten waren und deren begeisterter Lobredner früher der König selbst gewesen war, seine Rache kosten. Die Mönche wurden durch königliche Visitatoren auf alle Weise drangsaliert und sämtliche sieben Observantenklöster im August 1534 aufgehoben. Der selige Johann Forest kam in längere Haft, ob in einem Kloster oder staatlichen Gefängnis ist ungewiss. Gefasst sah er dem Äußersten entgegen. In einem Brief ermuntert die Königin Katharina ihren ehemaligen Beichtvater, sich der kurzen Qual mit Mut und Freude zu unterziehen. Der Gefangene drückt in seiner Antwort die Sehnsucht aus, bei Christus sein zu können. Indessen finden wir den seligen Bekenner zu Anfang 1538 wieder in Freiheit und friedlich im Kloster der Minoriten zu London leben, treu seiner Regel und unverdrossen tätig in der Seelsorge. Dass er sich diese Freiheit dadurch erwirkt haben soll, dass er sich, wie so viele andere Ordensleute und Prälaten, zum Eid auf die Erbnachfolge der Elisabeth in der Regierung und auf die geistliche Suprematie (Oberherrschaft) des Königs verstanden habe, ist weder glaubhaft noch erwiesen. Selbst ein anglikanischer Geschichtsschreiber weist auf die Unwahrscheinlichkeit hin, dass er, der einstige Provinzial, eines der hervorragendsten Mitglieder des Klosters von Greenwich, dessen Mönche alle sich 1534 so standhaft erwiesen haben, als der einzige sich dem Eid gefügt hätte. Im Verlauf von 1538 erlagen allein 32 Franziskaner den Leiden des Kerkers. Man wird Johann Forest wohl, nach anfänglich strenger Haft, freie Bewegung im Londoner Minoritenkloster, dessen Vorsteher ganz im Dienst der Regierung stand, unter der Bedingung gegeben haben, dass er sich den äußeren Verhältnissen füge. Diese stillschweigende Anerkennung könnte Forest selbst im Auge gehabt haben, wenn er später beim Verhör ausgesagt haben soll, dass er „den Bischof von Rom in seinem äußeren, nicht aber in seinem inneren Menschen verleugnete“. So schwieg Forest nach außen, aber laut predigte sein heiligmäßiger Wandel im katholischen Geist. Was er nicht offen sagen durfte, das Schrieb er ohne Scheu nieder. Er verfasste eine Schrift: „Über die Autorität der Kirche und des Papstes“, worin er den König scharf tadelte, dass er ohne Beruf sich den Titel: „Oberhaupt der Kirche Englands“ angemaßt habe. Noch war die Schrift nicht gedruckt, aber schon hatte Heinrich VIII. davon erfahren. Indessen gab der kluge und musterhafte Ordensmann keine Handhabe zu einer Anklage. Dazu wollte man nun seine seeleneifrige Tätigkeit im Beichtstuhl benützen. Besondere Spione wurden abgerichtet, ihm Gewissensfragen vorzulegen. Einem gelang es endlich, dem Beichtvater eine bestimmte Erklärung darüber zu entlocken, dass der König nicht das geistliche Haupt der Kirche sein könne. Hierüber bestärkte noch der Selige sein vermeintliches Beichtkind durch viele Stellen aus der Schrift.

Kurz hernach, Ende März 1538, wurde Forest gefänglich eingezogen und angeklagt, „er habe vielen Untertanen des Königs in geheimer Beicht erklärt, der König sei nicht oberstes Haupt der Kirche“. Seine Kerkerhaft war streng. Aber in allen Verhören weigerte er sich festen und unerschütterlichen Sinnes, auch nur um Haaresbreite von der Lehre der römisch-katholischen Kirche abzuweichen. Lieber wollte er den Tod und die furchtbarsten Qualen erdulden. Wiederholt schickte der König an den noch immer sehr angesehenen Gefangenen und ließ ihm Verzeihung und die höchsten Ehrenstellen anbieten, wenn er von seiner Treue gegen den Papst lassen wollte. Umsonst. Der königliche Tyrann wurde dadurch so erzürnt, dass er sich mit der für Hochverrat gewöhnlichen Todesstrafe nicht zufrieden erklärte, sondern wünschte, Forest dem Feuertod, der Strafe für die Ketzer, zu überliefern. Für den charakterlosen anglikanischen Erzbischof Cranmer, dem der Auftrag zufiel, war es keine schwere Aufgabe, den Franziskaner der Irrlehre, in seinem Sinn, als schuldig zu erweisen. Er legte ihm vier Thesen, theologische Behauptungen, vor, die offenbare katholische Wahrheiten enthielten. Nur eine über die Nachlassung der ewigen Strafe durch die Buße war nicht klar gestellt, durfte darum weder einfach angenommen noch auch verworfen werden. Der siebzigjährige Greis, durch wochenlange schwere Kerkerhaft geschwächt, scheint diesen Satz als unrichtig abgewiesen zu haben. Denn die Gegner triumphierten, Forest habe einen katholischen Glaubenssatz geleugnet, also „seine Irrtümer abgeschworen“. Schon bestimmte man den Tag, wo er in aller Form auf öffentlichem Platz Widerruf seines bisherigen Glaubens leisten sollte. Unterdessen aber hatte der Märtyrer, dem man, wie es scheint, durch Erleichterung der Haft entgegenkommen wollte, Gelegenheit gefunden, sich durch die heiligen Sakramente zu stärken. Mitgefangene Priester wussten Wege und Mittel, heimlich das heilige Messopfer zu feiern. Forest verweigerte ganz entschieden die Abschwörung. Nun wurde er des Rückfalls in die Ketzerei schuldig erklärt.

Die Qualen des Scheiterhaufens aber genügten noch nicht. Sie sollten für das arme Opfer noch bitterer, für den gemeinen und vornehmen Pöbel Londons noch würziger gemacht werden. Man stand gerade in der Zeit eines fanatischen Vernichtungswahnes gegen die bisher in England in hoher Verehrung gestandenen Gnadenbilder. Da wurde von einem Kommissär gemeldet, die einfältigen Leute glaubten, ein alter Heiliger von Nordwales, namens David, dessen Bild große volkstümliche Verehrung genoss, besitze die Macht, seine Schützlinge von den Qualen der Hölle zu befreien. Das passte ja vorzüglich zu der Lehre, die man dem verhassten Franziskaner unterschob. Ja von dem großen hölzernen Bildnis des Heiligen ging auch die Prophezeiung, es werde dereinst einen ganzen Wald verbrennen (Wald heißt auf englisch forest). Nur der Weissagung musste man doch zur Erfüllung verhelfen und den Forest mit dem Holz des walesischen Gnadenbildes verbrennen. Ein anglikanischer Kirchengeschichtsschreiber mein sogar, der nichtswürdige Cromwell habe von Anfang an den Prozess des ehrwürdigen Ordensmannes nach dieser Richtung geleitet. Die Gottlosen trieben mit dem Ernstesten und Heiligsten des Menschen, mit seinem Tod und seinem Glauben, ihren Spaß und Spott. Ganz London eilte am 22. Mai 1538 auf das Schmiedfeld hinaus. Cromwell selbst, der Lordmayor (Bürgermeister), Herzöge und Lords waren zugegen. Wie zu einem Faschingsspiel hatte man Vorbereitungen getroffen. Der hohe Galgen war mit Spottversen in großen Buchstaben geziert. Die von ihm herabhängenden Ketten mit Ringen waren bestimmt, das arme Opfer um die Mitte des Leibes und unter den Armen zu umschließen und so über dem Feuer in Schwebe zu halten. Der Abtrünnling Latimer, häretischer Bischof von Worcester, hielt eine Donnerrede gegen den Papst. Am Schluss fragte er den vor ihm stehenden Märtyrer, ob er leben oder sterben wolle. „Ich will sterben,“ antwortete mutig der Selige, „lasst euren Grimm an mir aus! Vor sieben Jahre hättet ihr um euer Leben keine solchen Reden zu predigen gewagt wie jetzt. Und wenn ein Engel vom Himmel herabkäme und mich eine andere Lehre lehrte als jene, die ich als Kind gelernt habe, so würde ich ihm nicht glauben. Nehmt mich, schneidet mich in Stücke, Glied für Glied, brennt mich, hängt mich, tut, was ihr wollt! Ich will von nun an meinem Glauben treu bleiben.“ Weiter ließ man ihn nicht reden. Er wurde in die Ringe geschlossen. Das unter ihm knisternde Feuer wurde mit den Spänen des Heiligenbildes zu heller Glut angefacht. In namenlosem Schmerz bäumte sich der Blutzeuge Christi unwillkürlich auf und suchte, sich an den Ketten emporhebend, dem Feuer zu entrinnen. Aber kein Wort um Gnade an seine Henker, kein Wort der Verleugnung, das man so gern gehört hätte, kam von seinen Lippen. Nur das Gebet: „Im Schatten deiner Fittiche werde ich hoffen, bis die Bosheit vorübergeht“ (Ps 56) hörte man ihn oftmals flüstern. Länger als eine halbe Stunde dauerte die entsetzliche Todesqual. Endlich erlag der Leib im Tod und der Selige schwang sich zu Gott empor, als würdiger Genosse der größten Märtyrer aus den ersten christlichen Zeiten.

Auch die Märtyrer hatten mit der menschlichen Schwäche zu ringen, erlagen ihr sogar bisweilen, auch sie spürten die ganze bittere Qual des Todes. Sie fanden aber die himmlische Kraft der Beharrlichkeit in dem, zu dem sie riefen: „Erbarme dich meiner, o Gott, denn auf dich verlasse ich mich. Auf deiner Flügel Schatten hege ich Zuversicht, bis die Gefahr vorüber ist. Zu Gott, dem Höchsten, rufe ich, zu Gott, meinem Wohltäter. Er sandte mir Hilfe vom Himmel und übergab meine Verfolger der Schmach.“ (Ps 56,2-4)

Gebet am 22. Mai

Meine liebste Mutter, auch ich bin einer, der pilgert im Tal der Tränen und täglich deines Schutzes und Beistands bedarf. Ich nehme also meine Zuflucht zu dir und bitte dich vertrauensvoll du wollest mir stets deinen mütterlichen Schutz angedeihen lassen. Ich gelobe dir, dass ich mich für deine Güte dankbar bezeigen und von den Gütern und Gnaden, die ich durch deine Vermittlung von Gott erhalte, jederzeit einen guten Gebrauch machen werde. Mein unablässiges Streben wird sein, nach deinem Beispiel Gott in guten wie in schlimmen Tagen mit gleicher Treue zu dienen, damit ich nach diesem vergänglichen Leben eingehen darf in die Freuden des ewigen Lebens. Amen.

Zu Gott

Allmächtiger Gott, der du die heilige Julia auf verschiedene Art geprüft und bewährt gefunden hast, verleihe uns die Gnade, dass wir durch die genaue Erfüllung unserer Standespflichten und durch unsere Geduld im Leiden dir gefallen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Andenken an die seligste Jungfrau

Die heilige Julia, deren Leben heute beschrieben wurde, hat in ihrer Sklaverei durch eifriges Gebet sich zur Marter vorbereitet, insbesondere aber zur Fürbitte der seligsten Jungfrau ihre Zuflucht genommen, um sie zu erhalten.