Betrachtungen vom 19.April

Betrachtung am 19. April - Vom barmherzigen Samariter O wie ist das Elend bitter Der gesunkenen Natur: Komm, o milder Samariter, Sieh, es heilt dein Blut sie nur. Komm, denn nur durch dich wird …More
Betrachtung am 19. April - Vom barmherzigen Samariter
O wie ist das Elend bitter
Der gesunkenen Natur:
Komm, o milder Samariter,
Sieh, es heilt dein Blut sie nur.
Komm, denn nur durch dich wird Heil
Den Verlorenen zu Teil.
1. Wer war wohl der Mensch, der von Jerusalem, der Stadt des Friedens, hinabging in das gottlose Jericho, und auf dem Weg durch die Wildnis unter Mörder fiel? Dieser Mensch bin ich, du, die ganze Menschheit. Denn wir alle waren dieser eine Mensch, den Satan, "der Mörder von Anbeginn", so schlug, dass er halbtot liegen blieb. Also lag er und verblutete an seinen Wunden. Denn geht auch der Priester und der Levit vorüber, so haben sie doch keine Arznei. Das Gesetz zeigt bloß die Wunden, die Opfer und die Zeremonien aber können höchstens die Heilung vorbereiten, aber heilen können sie den Halbtoten nimmermehr. 2. Betrachte dieses tiefe Geheimnis. Wir alle lagen tödlich verwundet, und fielen dem ewigen Tod anheim, wofern nicht der barmherzige Samariter kam, uns zu …More
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19. April

Der heilige Papst und Bekenner Leo IX.,

+ 19.4.1054 - Fest: 19. April

Eine schwere Wunde, an der die Kirche des Mittelalters blutete, war die Simonie. Im Laufe der Zeit hatten die Bischöfe und Äbte ansehnlichen Grundbesitz erworben und hatten dadurch Rechte und Pflichten erhalten, die mit ihrem priesterlichen Amt nichts zu tun hatten. Sie waren Lehensherrn des Reiches geworden und …More
19. April

Der heilige Papst und Bekenner Leo IX.,

+ 19.4.1054 - Fest: 19. April

Eine schwere Wunde, an der die Kirche des Mittelalters blutete, war die Simonie. Im Laufe der Zeit hatten die Bischöfe und Äbte ansehnlichen Grundbesitz erworben und hatten dadurch Rechte und Pflichten erhalten, die mit ihrem priesterlichen Amt nichts zu tun hatten. Sie waren Lehensherrn des Reiches geworden und mussten als solche viele Dienste tun gleich weltlichen Fürsten. Wegen dieser Verquickung von geistlichem und weltlichem Amt konnte es dem Kaiser nicht gleichgültig sein, was für Bischöfe und Äbte er als Reichsfürsten erhielt. Er musste das Recht haben, bei der Wahl von Bischöfen und Äbten, die ihm als Reichsfürsten ungeeignet schienen, Einspruch zu erheben. Daraus ergab sich aber der Missstand, dass ehrgeizige Geistliche, die nach einem Bischofsstuhl oder Abtstab strebten, sich dem Kaiser durch Versprechungen aller Art gewogen zu machen suchten; sie boten ihm aus ihrem Familienbesitz Ländereien an oder stellten ihm reiche Geldmittel zur Verfügung. Schließlich artete dieser Missbrauch zu einem förmlichen Handel um kirchliche Würden aus. Die Kaiser und Könige vergaben die Bistümer nicht mehr an die verdienstvollsten und würdigsten Priester, sondern an die Meistbietenden. Dass dieses Unwesen, dieser Schacher mit geistlichen Ämtern (Simonie) für die Kirche von größtem Unheil war, lässt sich denken. Unter den Päpsten, die gegen diesen Unfug entschieden ankämpften und die Priester mehr und mehr von irdischen Gütern und Reichsämtern loszumachen suchten, glänzt in erster Reihe der deutsche Papst Leo IX. Er hat von den acht Päpsten, die das deutsche Volk der katholischen Kirche schenkte, am längsten regiert und ist auch als einziger der Ehre der Altäre teilhaftig geworden.

Leo stammt aus Egisheim im Elsass, wo er am 21. Juni 1002 als Sohn des deutschen Grafen Hugo von Dagsburg geboren und auf den Namen Bruno getauft wurde. Schon früh übergaben die Eltern den Jungen dem Bischof von Toul zur Erziehung, der ein Seminar für junge Edelleute eingerichtet hatte. Bruno lebte sich rasch in die neue Welt und das Seminarleben ein. Die Kameraden hatten den kleinen Elsässer wegen seines freundlichen, heiteren Wesens gern. Die Lehrer schätzten seinen beweglichen Geist, der sich rasch entwickelte und auf Bruno große Hoffnungen setzen ließ. Noch war Bruno nicht zum Priester geweiht, da erhielt er schon nach dem Brauch jener Zeit eine Pfründe am Domstift. Doch im Gegensatz zum Treiben so manch anderer Domherrn jenes Jahrhunderts nahm es Bruno mit seinem kirchlichen Amt ernst und führte ein untadeliges Leben. Mit Eifer gab er sich dem Studium der Gotteswissenschaft hin und erbaute seine Umgebung durch tiefe Frömmigkeit. Die Wahl seines Vetters Konrad II. zum deutschen Kaiser riss ihn, eben zum Diakon geweiht, aus seinem Studium. Dem Wunsch der Eltern und der Einladung des königlichen Vetters folgend zog er an Konrads Hof, wo er mit unumschränktem Vertrauen überschüttet und in die Führung der Staatsgeschäfte eingeweiht wurde. Wie leicht wäre es ihm gewesen, die Gunst des Königs auszunützen und sich hohe kirchliche Würden zu verschaffen! Aber Bruno, der auch mitten im Hofleben das gesammelte, stille Leben eines Mönches und Gelehrten führte, wartete in Demut auf den Ruf Gottes. Dieser erging an ihn, als er 1026 von Klerus und Volk einstimmig zum Bischof von Toul gewählt wurde. Freudig nahm Bruno die Wahl zum Oberhirten dieses unbedeutenden Bistums an, froh, nun ganz ungestört seinen geistlichen Pflichten leben zu können. Unverzüglich machte sich der neue Bischof daran, die religiösen Zustände seines Sprengels zu verbessern. Er versuchte die Wunden zu heilen, die seine zwischen Frankreich, Deutschland und Burgund liegende Diözese durch die verschiedenen Einfälle und Kriege der letzten Jahrzehnte erlitten hatte. Er mühte sich, den Gottesdienst feierlicher zu gestalten, das sittliche Leben und die wissenschaftliche Ausbildung der Geistlichen zu heben. Die kirchliche Erneuerungsbewegung, die vom Kloster Cluny ausging, fand in Bischof Bruno einen begeisterten Anhänger und Förderer.

22 Jahre führte Bruno zielbewusst den Bischofsstab von Toul. Da brachte der am 29. August 1048 erfolgte Tod des Papstes Damasus II. die große Wendung seines Lebens. Auf einem Reichstag zu Worms, der sich mit dem Nachfolger des Papstes zu befassen hatte, richteten sich alle Blicke und Wünsche auf den anwesenden Bruno. Erschrocken bat Bruno um drei Tage Bedenkzeit. Die glänzende Würde konnte ihn nicht verlocken. Vor seinem Auge standen zu klar die großen Schwierigkeiten, mit denen der Papst zu kämpfen hatte: die vielen Gebrechen der Kirche, das unwürdige Leben so vieler Geistlichen, die trotzige Unbotmäßigkeit der Fürsten, die Unwissenheit der Völker. Wie gern hätte er sich dem Wunsch des Reichstags entzogen! Doch es half kein Sträuben. Bruno musste schließlich seine Zustimmung geben unter der Bedingung, dass er in Rom nach den Vorschriften der Kirche rechtmäßig gewählt würde. Begleitet von Prior Hildebrand von Cluny, dem späteren Gregor VII. machte er sich schweren Herzens auf den Weg in die Hauptstadt des Christentums. Jubelnd vom Volk empfangen erklärte er: „Vom Kaiser und von den Fürsten des Reiches bin ich ausersehen, euer Bischof und das Haupt der Kirche zu werden; nun bin ich da um euren Willen zu hören. Wenn ihr die Wahl nicht billigt, so bin ich bereit, in mein Vaterland zurückzukehren.“ Klerus und Volk riefen begeistert: „Dich allein wollen wir, dich wählen wir zum Papst!“ Als Leo IX. wurde er nun am 12. Februar 1049 im Lateran gekrönt.

Es dauerte nicht lange und der neue Geist in der Führung der Kirche machte sich bemerkbar. „Die ganze Kirche fühlte den nordischen Hauch einer neuen Zeit strenger Reform.“ Mit unerbittlicher, unnachgiebiger Strenge rückte Leo den beiden Grundübeln zu Leibe, die am Lebensmark der Kirche zehrten: der Simonie und der Priesterehe. Um überall nach dem Rechten zu sehen, hielt es der Papst für notwendig, persönlich einen großen Teil der Kirche zu bereisen. Er unternahm lange beschwerliche Reisen durch Italien, nach Deutschland und Frankreich. Überall berief er Synoden ein, auf denen er mit heiliger Entschiedenheit gegen Missstände auftrat, kirchliche Streitigkeiten schlichtete, Widerspenstige strafte, Gutwillige aufmunterte, allem zuchtlosen Treiben Schranken setzte. Er stellte Klöster wieder her wie z.B. Hirsau, und weihte Kirchen wie bei uns in Deutschland in Reichenau, Donauwörth, Augsburg, Regensburg. Den unablässigen Bemühungen des Papstes gelang es, in kürzester Zeit die Kirche aus dem drangvollsten Zustand herauszureißen und sie aus tiefer Gesunkenheit auf eine Höhe von Macht und Ansehen emporzuheben, die noch vor wenigen Monaten auch der begeistertste Anhänger göttlicher Verheißungen nicht zu ahnen gewagt hätte.

Unermüdlich setzte Leo seine Bemühungen um das Wohl und Heil der Kirche fort. Hatte er auf seinen apostolischen Reisen reine Zucht und Sitte wieder hergestellt und das Unkraut der Simonie mit Erfolg auszureißen versucht, so galt es nun wieder auftauchenden Irrlehren entgegenzutreten, wie der gefährlichen Lehre Berengars über das Altarsakrament, für die kirchliche Einheit, die der anmaßende Patriarch Caerularius von Konstantinopel bedrohte, zu kämpfen, den deutschen Kaiser mit dem ungarischen König zu versöhnen, Feindseligkeiten in Apulien zwischen den Eingeborenen und den Normannen beizulegen... Riesengroß war die vielgestaltige Aufgabe, die der Papst zu bewältigen hatte. Sein unbegrenztes Gottvertrauen ließ ihn auch in den schwierigsten Lagen den Mut nicht verlieren, seine persönliche Lauterkeit und Heiligkeit entwaffnete seine Gegner. Dass seinem verzehrenden Eifer für das Haus Gottes kein weittragender Erfolg beschieden war, lag in den Umständen seiner Zeit. Er war von Gott dazu ausersehen, das Fundament der Reformarbeit zu legen, auf dem dann spätere Päpste wie Gregor VII. mit Erfolg weiterbauen konnten.

Die ununterbrochenen Mühen der vielen Reisen, die aufreibenden Kämpfe mit den habgierigen Fürsten und widerspenstigen Priestern hatten die Kräfte des Papstes allzu früh aufgezehrt. Am 19. April 1054 entschlief Leo IX. im 52. Jahr seines Lebens, nachdem er etwas mehr als fünf Jahre die Schlüssel des hl. Petrus getragen hatte.

Der heilige Gerold, Edelmann und Einsiedler bei Feldkirch,

+ 19.4.978 – Fest: 19. April

Auf den höchsten Alpengipfeln, wo der ewige Schnee beginnt und wohin sich selten eines Menschen Fuß verirrt hat, blüht eine schöne Blume, Edelweiß genannt, deren zarter Kelch den ersten Sonnenstrahl begrüßt, während tief im Tal noch alles schlummert, und die die scheidende Sonne noch mit ihrem Purpur umkleidet, während schon nächtliche Schatten auf der Tiefe lagern. Die Menschen da unten wissen nichts von dem verborgenen Blümchen an der schroffen Felskante, aber das Auge des alliebenden Schöpfers sieht es und tränkt es mit Himmelstau und verklärt es mit Sonnen- und Sternenschein. Ein solches Edelweiß auf der steilen Höhe christlicher Vollkommenheit, verborgen vor der Welt, aber den Engeln Gottes wohlbekannt, war der heilige Einsiedler Gerold.

Gerold stammte aus dem herzoglichen Geschlecht der Sachsen und wohnte auf der Burg Hohen-Sachs im Schweizer Kanon St. Gallen. Nichts fehlte an seinem irdischen Glück. Hoch angesehen, reich an Gütern, zärtlich geliebt von seiner edlen Gemahlin, umgeben von blühenden, hoffnungsvollen Kindern, genoss er alles, wonach die Menschen unablässig zu trachten pflegen. Desungeachtet fühlte er sich nicht vollkommen befriedigt und sprach mit dem heiligen Augustin: „Mein Herz ist unruhig, bis es ruht in dir, o Gott.“ Unwiderstehlich zog es ihn in die Einsamkeit, um von der Welt geschieden, Gott allein zu dienen. Er ordnete seine irdischen Angelegenheiten, sorgte für seine Gemahlin und Kinder und nahm Abschied von den teuren Angehörigen. Wohl blutete ihm schmerzlich das liebende Vaterherz, aber Gott zuliebe brachte er dieses schwerste Opfer.

Getreu dem Wort des Herrn folgend: „Wer die Hand an den Pflug gelegt hat, schaue nicht rückwärts!“ ging er, ohne mehr nach seiner Burg umzuschauen, mit einem Bündel Bücher und Kleidungsstücken durch den dunkeln Wald. In dem rauen Drusustal fand er eine mächtige hohle Eiche und nahe dabei eine frische Quelle mit saftiger Kresse. Dort beschloss er zu bleiben im alleinigen Verkehr mit Gott. Ungestört brachte Gerold seine Zeit in Gebet und Betrachtung zu, und heiligte sich mit Fasten und strengen Bußübungen. Sein Geist vertiefte sich immer mehr in die Geheimnisse unserer heiligen Religion und schwang sich dann mit den Taubenflügeln des lebendigen Glaubens und der heiligen Gottesliebe zu den seligen Höhen des Himmels empor. Die Natur mit ihren Kräften und Erzeugnissen, der Himmel mit seinem strahlenden Tagesgestirn und seinen unzähligen funkelnden Welten im Dunkel der Nacht, lagen wie ein aufgeschlagenes Buch vor ihm, aus dem er bewundernd die Allmacht, Weisheit und Güte des Schöpfers las, und die Wahrheiten des Christentums verklärten ihm alles mit einem himmlischen Glanz. Öfters erschienen ihm Engel und brachten ihm erquickende Nahrung, auf die er in seinen frommen Verzückungen nur zu oft vergaß.

Jahrelang hatte Gerold bereits in der hohlen Eiche des Drusustales verborgen gelebt. Einst verfolgten die Jäger des Grafen Otto von Jagdberg einen Bären, der von Hunden gehetzt, bei dem Eremiten in dem hohlen Baum Schutz suchte. Der Heilige wehrte den Hunden, die sogleich verstummten und wie gebannt stehen blieben. Die Jäger traten näher, sahen erstaunt die abgehärmte Menschengestalt und berichteten ihre Entdeckung sofort dem Grafen. Der eilte in die Wildnis und war nicht wenig erstaunt, in dem ehrwürdigen Einsiedler den Sachsenherzog Gerold zu erkennen. Voll Ehrfurcht vor dem weltverachtenden Gottesdiener bat er ihn, den Wald als Eigentum anzunehmen und baute ihm eine Wohnung mit einem Kirchlein, zu dem der dankbare Bär Holz und Steine herantrug.

Graf Otto wollte sich der Freude nicht versagen, der Familie des frommen Einsiedlers seinen glücklichen Fund mitzuteilen und lud dessen zwei Söhne zu sich ein, ohne ihnen jedoch den Zweck der Einladung anzudeuten. Die Söhne des Herzogs erschienen auf Jagdberg. Otto nahm sie sehr gastfreundlich auf und lud sie nach dem Essen ein, mit seiner Gemahlin Benedikta einen frommen Einsiedler tief im Wald zu besuchen. Kaum hatten sie die Klause erreicht, da erkannte das Kindesauge die Züge des teuren unvergesslichen Vaters und mit lautem Freudenschrei und Tränen der Liebe stürzten die Söhne an das Herz des geliebten Vaters. Wer könnte den Jubel eines solchen Wiedersehens schildern? Es mochte ein Vorgeschmack des einstigen Wiedersehens im Himmel sein. Alle dankten Gott für dies unverhoffte Glück.

Die beiden Söhne Gerolds, Kuno und Ulrich, wünschten bei ihrem Vater zu bleiben, um gleich ihm, von der Welt geschieden, in Abtötungen und Bußübungen den Himmel zu erobern, doch ihr Vater ermunterte sie, im Kloster Einsiedeln um das Ordenskleid des heiligen Benedikt zu bitten, denn in jener Zeit blühte das Ordensleben unter der Leitung des heiligen Abtes Eberhard frisch auf. Due edlen Sohne befolgten den wohlerwogenen Rat ihres erleuchteten Vaters und zeichneten sich durch unermüdliches Streben aus. Einsiedeln feiert alljährlich das Andenken des seligen Kuno am 8. März, des seligen Ulrich am 29. April.

Als Gerold die Nähe seines Todes fühlte, trug er einen Korb voll Erde nach der Meinradszelle und legte ihn auf den Altar des Gnadenbildes nieder zum Zeichen, dass er all sein Besitztum dem Kloster für ewige Zeiten schenke. Inbrünstig empfahl er sich und seine Kinder der göttlichen Gnade und dem Schutz der Mutter Gottes, dann kehrte er in seine Zelle zurück, wo er am 19. April 978 seine armselige Erdenhütte verließ, um einen strahlenden Thron im Land des ewigen Glückes und Friedens einzunehmen. Durch die Fürbitte des Heiligen geschahen viele Wunder. Seine Schenkung hat die Jahrhunderte überdauert und wird heute noch vom Kloster Einsiedeln gehütet. Zu seiner Ehre wurden Kirchen und Altäre geweiht. So heißt das älteste Heiligtum der Bischofsstadt Paderborn die Geroldskapelle, an die der heilige Bischof Meinwerk um das Jahr 1015 die berühmte Bartholomäuskapelle anbaute.

Die heilige Emma von Niedersachsen, Gräfin, Witwe,

+ 19.4.1040 – Fest: 19. April

Außer der bekannteren heiligen Trägerin des schönen deutschen Namens Emma, der kärntnerischen Gräfin Hemma, kennen wir noch eine französisch-englische Emma sowie eine deutsche, niedersächsische oder westfälische Emma. Freilich ist der Bericht des zeitgenössischen Kanonikus Adam von Bremen, den die Bollandisten, das große Jahrhundertwerk der Heiligengeschichte, als zuverlässig geben, leider sehr kurz. Umso dankbarer möchten wir aber diesen aufnehmen, um unsere liebe Heilige nicht ganz in Vergessenheit zu lassen. Hat sich ja ihr Name in den Kalendern am heutigen Tag so ausdauernd behauptet und in allen, selbst nichtchristlichen Kreisen als recht beliebt erwiesen.

Die wohledle Emma war Gemahlin des sächsischen Grafen Luidger und eine Schwester des heiligen Bischofs Meinwerk von Paderborn. Da sonst als Schwestern Meinwerks nur Glismod, die sich mit einem Adeligen in Bayern vermählte, und Azela genannt werden, die in das Kloster des heiligen Vitus zu Elten eintrat, ist Emma wohl Stiefschwester des edlen Bischofs, vielleicht aus der zweiten Ehe der Mutter Athela stammend, über die sonst recht Unrühmliches berichtet wird. Nach dem frühen Tod ihres Gatten Luidger zog die gottergebene Gräfin vor, die übrigen Lebenstage, die noch volle vierzig Jahre währten, im Witwenstand ausschließlich Gott zu widmen. Sie besaß großen Reichtum, den sie fast ganz an die Armen und die Kirchen vergab. Vielleicht wollte Emma auf solche Weise sühnen, was die Mutter gefehlt hatte. Der Bremer Kirche schenkte sie das Gut Stiplage am Rhein in der Gegend von Utrecht. Hier fand sie auch ihre letzte irdische Ruhestätte, nachdem ihre Seele um das Jahr 1040 zur himmlischen Ruhe eingegangen war. Als man nach vielen Jahren ihr Grab öffnete, fand man den Leib in Staub zerfallen, nur eine Hand wurde unversehrt gefunden. Daneben lag ein Pergamentblättchen mit der Aufschrift ihres Namens „St. Emma“ und ihres Todestages „19. April“. Von da an genoss sie Verehrung als Heilige, wie auch Gott sie durch Wunder verherrlichte.

Die Hand, dieses so überaus wichtige und notwendige Gebrauchsglied des Menschen, findet in der Heiligen Schrift, in der Sprache und im Mund Gottes, eine ganz auffällige Hervorhebung und Wertschätzung. Die göttliche Allmacht und Kraft wird häufig durch die „Hand Gottes“ ausgedrückt und sinnfällig verständlich gemacht. Selbst die ewigen Pläne Gottes unserer Erlösung, die Verurteilung, das Leiden und der Tod Christi durch die Juden und heidnischen Gewalthaber, nennt der heilige Petrus eine Tat, die „Gottes Hand und sein Ratschluss festgesetzt hatte, dass sie geschehen sollte“ (Apostelgeschichte 4,28). Um Heilungen zu bewirken, soll er „seine Hand ausstrecken“ (ebd. 4,30)Tatsächlich war für den auf Erden wandelnden Herrn gar oft die Hand die gnadenvolle Vermittlerin von Wohltaten und Krankenheilungen. Seinen Aposteln gebietet Jesus ausdrücklich und verheißt ihnen: „Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden (Markus 16,18). Wie wird dann die Hand gerühmt, die Gutes tut! Salomo, das Lob der treuen, tugendreichen Hausfrau verkündend (Sprichwörter 31,13 ff), misst es ihren unermüdlich schaffenden Händen zu: „Sie, die Frau, sorgt für Wolle und Flachs und arbeitet mit kunstfertigen Händen . . . Von dem Gewinn ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg . . . Sie umgürtet ihre Lenden mit Kraft und regt rüstig ihre Arme . . . Nicht erlischt ihre Leuchte des Nachts. Sie legt ihre Hand an große Dinge, und ihre Finger erfassen die Spindel. Sie öffnet ihre Hand dem Armen und streckt ihre Hände dem Dürftigen entgegen. Ihren Mund öffnet sie zur Weisheit und liebreiche Weisung ist auf ihrer Zunge. Sie hat Acht auf den Wandel ihres Hauses und isst ihr Brot nicht müssig . . . Trügerisch ist die Anmut und eitel die Schönheit; eine Frau, die den Herrn fürchtet, soll gepriesen werden. Gebt ihr von dem Ertrag ihrer Hände, und in den Torhallen mögen ihre Werke ihr Lob verkünden.“ All diese herrlichen Worte der Ehre und des Lobes dürfen wir auf die selige Witwe Emma anwenden. Keine Schilderung, keine Lebensbeschreibung, und möchten wir eine noch so wort- und inhaltsreiche überkommen haben, könnte uns aber die Tugendhaftigkeit, den Fleiß und die überaus große Wohltätigkeit der heiligen Frau besser und augenscheinlicher beweisen, als diese deutliche und Jahrhunderte hindurch sichtbare Handschrift des Allmächtigen, die sich in der wunderbaren Erhaltung der Hand seiner treuen Nachfolgerin kundgegeben hat. Der Vergelter jeglicher guten Gabe hat damit vor aller Welt die Freigebigkeit der Witwe auszeichnen wollen. Mit der Rechten deutlich hinweisend, gibt er die klare Lehre, dass er „seine Linke dem unter das Haupt legen und mit seiner Rechten ihn umfangen halten wird“ (Hohelied 8,3), der Almosen gibt den Armen und Mitleid zeigt dem Hilfsbedürftigen.

Über diese kostbare Reliquie der heiligen Witwe ist uns nur die kurze Nachricht erhalten geblieben, dass die unversehrte Hand in das Kloster des heiligen Bischofs Luidger nach Werden an der Ruhr gekommen und dort aufbewahrt worden sei. Heute ist davon keine Spur mehr vorhanden. Da auch die pfarrlichen Akten nicht so weit zurückreichen, ist darin über das damalige Vorhandensein und den späteren Verbleib der Reliquie kein Aufschluss zu finden. Tatsache ist aber, dass Werden sehr reich an Reliquien war. Aber bei den verschiedenen Kirchenbränden sind viele zugrunde gegangen. Bei der kirchlichen Umwälzung im sechzehnten Jahrhundert wurden viele beiseite geschafft, manche, um sie zu schützen, vergraben, wieder andere böswillig vernichtet. Bei den vielen Stürmen und Zeiterschütterungen ist es überhaupt verwunderlich und ohne höhere Fügung oft nicht erklärlich, dass so viele der allenthalben noch vorhandenen Überbleibsel der Heiligen alle Wechselfälle von Zeit und Ort überdauert haben. Das Verschwinden von Reliquien kann und darf selbstverständlich der Verehrung der Heiligen keinen Eintrag tun. Die Gebeine der größten Heiligen verfallen ja ohnehin dem allgemeinen Los der Menschen, wieder in Staub zu sinken, von dem sie genommen sind, wenn nicht Gott in besonderen Fällen seine Erhaltermacht und die Tugendgröße seiner Diener zeigen will. Das aber lehrt uns sicher unser Glaube, dass die Leiber der Heiligen am Jüngsten Tag glorreich auferstehen werden, während ihre Seelen jetzt schon des wohlverdienten Lohnes teilhaftig sind und uns ihre mächtige Fürbitte angedeihen lassen.

Das Wort Emma lässt zwei verschiedene Sinneserklärungen zu. Die einen Sprachkundigen nehmen es als deutsches Wort, und als solches ist Emma gleich „Imme“, die Emsige, das schöne altdeutsche Wort für Biene. Andere Gelehrte sind der Ansicht, dass der Name „Emma“ ganz hebräisch sei und nur eine Wandlung des Wortes em = „Mutter“ in emma(h) darstelle, das also soviel wie mutterhaft, mütterlich bedeutet. Bekannt ist auch die gleiche Umwandlung von ab (Vater) in abba(h), welches Wort der heilige Paulus und der liebe Heiland selber gebrauchten: „Ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba (Vater)! (Römer 8,15) Und Jesus rief am Ölberg: „Abba, Vater! Dir ist alles möglich, nimm diesen Kelch von mir!“ (Markus 14,36) Vom Wort Abba, auf griechisch, der Ursprache des Neuen Testamentes, abbas nehmen nun aber die Oberen der alten Klöster ihren Namen „Abt“ her. Folgerichtig könnten sich die Vorsteherinnen der Frauenklöster statt des meist beliebten Titels „Würdige Mutter“ oder „Äbtissin“ – Emma nennen, das ja gerade „Mutter“ bedeutet, wie Abba „Vater“.

Eine andere, nicht geringere Merkwürdigkeit darf angefügt werden. Imme (Biene) ist der vollinhaltliche Sinn des alttestamentlichen Namens Debora. Die erste Trägerin dieses Namens war Amme (Umstellung von Emma) der Rebekka, der Gattin des Patriarchen Isaak (1. Mose 24,59). Ihr Dienst war ein „mütterlicher“, der einer emsigen Mutter. Die zweite Debora übte das Amt einer Richterin aus. Sie berief den Feldherrn Barak zur Befreiung des Volkes von der Knechtschaft des fremden Fürsten Jabin, zog selbst mit in den Kampf und sang hierauf ihr unsterbliches Siegeslied, worin es heißt: „Es schwanden die Starken in Israel und blieben tatenlos, bis Debora sich erhob, aufstand die Mutter in Israel“ (Richter 5,7). Also wieder eine tatenvolle, emsige Mutter! Zwei alttestamentliche Emmas!

Eine „emsige Mutter eclesiis et pauperibus“, für Kirchen und Arme, das wird für immer auch der Ehrentitel unserer heiligen Emma von Niedersachsen (Westfalen) bleiben. Von ihrer freigebigen Mutterhand gilt das Wort: „Das Gut, wovon man gibt, erhält von Gott die wunderbare Eigenschaft, dass es sich stets vermehrt, statt vermindert. Und wenn man durch die rechte Hand gibt, fließt durch die linke wieder der reiche Ersatz zu, ebenso wie ja auch dem Meer alle Gewässer der Erde zufließen, weil es selbst das Seinige ganz dem Himmel wieder gibt.“

Gebet am 19. April

Mächtige Jungfrau Maria, in dir wohnt Fülle und Macht, denn von dir sagt die Heilige Schrift: "Sie ist ein unendlicher Schatz für den Menschen. Wer ihn benützt, wird der Freundschaft Gottes teilhaftig." Ja zeige an mir deine Macht und Stärke, deine Kraft und Gewalt, deinen Reichtum und deine Gnadenfülle. Mache mich teilhaftig der Freundschaft Gottes jetzt, indem du mir die Gnade der Beharrlichkeit mit Gott erwirkst und einst in der Stunde des Todes, indem du mir die Gnade einer wahren Aussöhnung mit Gott dem Herrn erbittest. Amen