Betrachtungen vom 16.Jüni

Betrachtung am 16. Juni - Vom Kampf gegen die innerlichen Feinde Meine Seele, Ruhm und Sieg Glänzet nur im Kampf und Krieg; Und die goldne Siegeskrone Wird dem Tapfern nur zum Lohne. 1. "Ist nicht…More
Betrachtung am 16. Juni - Vom Kampf gegen die innerlichen Feinde
Meine Seele, Ruhm und Sieg
Glänzet nur im Kampf und Krieg;
Und die goldne Siegeskrone
Wird dem Tapfern nur zum Lohne.
1. "Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde?" (Ijob 7,1) Dieser Kriegsdienst beginnt beim Erwachen unserer Vernunft und dauert, bis der Todesengel zum Abzug bläst. Wir, die wir bereits in der Taufe die Rüstung Christi angezogen haben, und als Streiter seines Heeres in seine Rollen eingeschrieben sind, haben uns verpflichtet, gegen seine Feinde zu streiten, die nicht weniger auch unsere sind. Zwischen diesen beiden Heeren gibt es keinen Waffenstillstand. Wer nicht streitet, wird als überwunden betrachtet. Zeugen bei diesem Kampf sind Engel, und nicht selten auch Menschen. Der Kampfrichter aber ist Gott, der, je nach unserer Tapferkeit, ewige Siegeskronen uns reichen wird.
2. Die Feinde, gegen die wir besonders kämpfen müssen, sind, wie unser Feldherr selbst uns lehrt, unsere Hausgenossen,…More
16. Juni

Der heilige Benno, Bischof von Meißen und Apostel der Slaven,

Landespatron in Bayern,

+ 16.6.1106 - Fest: 16. Juni

Der heilige Benno, eine der Hauptzierden des deutschen Mittelalters, war der zweite Sohn des Grafen Friedrich von Bultenburg. Seine Mutter hieß Berzela. Er wurde 1010 in Hildesheim geboren und nach einigen Jahren dem Bischof dieser Stadt, dem heiligen Bernward, seinem …More
16. Juni

Der heilige Benno, Bischof von Meißen und Apostel der Slaven,

Landespatron in Bayern,

+ 16.6.1106 - Fest: 16. Juni

Der heilige Benno, eine der Hauptzierden des deutschen Mittelalters, war der zweite Sohn des Grafen Friedrich von Bultenburg. Seine Mutter hieß Berzela. Er wurde 1010 in Hildesheim geboren und nach einigen Jahren dem Bischof dieser Stadt, dem heiligen Bernward, seinem Verwandten übergeben. Sein eigentlicher Erzieher aber war der Abt Wiger im Benediktinerkloster zum heiligen Michael. Unter der Leitung dieses ebenso gelehrten als frommen Mannes blühte Benno zu den schönsten Hoffnungen auf. Der greise Bischof gewann den verständigen und sittsamen Jungen ungemein lieb und hatte ihn während der fünf letzten Lebensjahre, die er größtenteils auf dem Krankenlager zubrachte, häufig um sich. Dem Ende sich nahe fühlend, ließ er ihn noch einmal rufen und gab ihm weise Ermahnungen und Verhaltensregeln. Hier, am Sterbebett seines Gönners, lernte Benno frühzeitig das Nichtige und Hinfällige aller menschlichen Ehren und Würden durch eigene Anschauung kennen. Groß war sein Schmerz, als der Bischof starb, so dass Wiger ernstlich für die Gesundheit seines Zöglings besorgt wurde und durch alle möglichen Trostgründe ihn aufzurichten sich bemühte.

Als Benno zum jungen Mann herangereift war, sollte er sich nach dem Willen seines Vaters mit einer ebenbürtigen jungen Frau vermählen. Aber er fühlte keine Neigung zum Ehestand und versuchte ihm bis auf weiteres auszuweichen, indem er vorgab viel zu jung zu sein. Inzwischen betete er besonders zu Gott um Erleuchtung, welchen Stand er wählen sollte. Bals wurde ihm klar, dass er zum Mönchsleben berufen sei. Da während der Zeit sein Vater gestorben war und seine Mutter ihm kein Hindernis in den Weg legte, nahm er mit achtzehn Jahren im Kloster zum heiligen Michael das Ordenskleid. Er widmete sich mit allem Eifer dem Studium der heiligen Schrift und der Kirchenväter und wurde bald auch ein Muster strenger Zucht und körperlicher Enthaltsamkeit. Manche behaupten, er sei zu dieser Zeit von seinem Abt auf die Hochschule von Paris geschickt worden, um sich in den theologischen Wissenschaften vollkommen auszubilden, und habe dort die Doktorwürde erlangt. In seinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr wurde er zum Diakon und im dreißigsten zum Priester geweiht. Nach vier Jahren schon wurde er nach dem Tod des Abtes Adalbert vom größten Teil seiner Brüder zum Nachfolger erwählt. Aber seine Demut ließ ihn diese Würde nicht länger als drei Monate ertragen, und er ruhte nicht eher, bis sie ihm wieder abgenommen und dem von der Minderheit gewählten Siegbert übertragen wurde. Jetzt schätzte er sich überglücklich, allen zeitlichen Geschäften und Sorgen, die das Amt eines Vorstehers unausweichlich mit sich bringt, enthoben zu sein und in ungestörter Stille leben zu können. Aber seine Freude sollte nicht lange währen.

Kaiser Heinrich III. hatte mit großem Aufwand in Goslar ein Stift regulierter Chorherren gegründet, dass das Vorbild für alle ähnlichen Anstalten in Deutschland sein und die ausgezeichnetsten und gelehrtesten Männer aufnehmen sollte. Benno wurde vom Kaiser als Probst dahin berufen. Siebzehn Jahre lang wirkte er in dieser Stellung voll von heiligem Eifer und das Stift erhob sich unter seiner Leitung zu einer hohen Stufe kirchlicher Vollkommenheit, und zwar so, dass im Lauf der Zeit nicht weniger als achtundvierzig Bischöfe aus ihm hervorgingen, die insgesamt wahre Zierden ihrer Stühle waren. Zu Goslar schloss der Heilige auch innige Freundschaft mit Hanno, der später Erzbischof in Köln und nach dem Tod Heinrich III. Reichsverweser wurde. Er war es auch, der bei der Erledigung des Bischofssitzes zu Meißen die Wahl auf Benno leitete. Aber ihm musste der Hirtenstab gleichsam aufgezwungen werden und nur widerstrebend ließ er sich im Jahr 1066 vom Erzbischof Wernher von Magdeburg weihen.

Das Bistum Meißen hatte damals eine große Wichtigkeit und erforderte einen Mann von Weisheit und apostolischer Kraft. Im Land diesseits der Elbe selbst war das deutsche Element noch nicht gänzlich befestigt. Jenseits herrschte vollends noch slawisches Heidentum, und im Süden, in Böhmen, war der christliche Glaube kaum erst im Keimen. Der Erfolg rechtfertigte Hannos Wahl vollkommen. Benno sammelte in seinem Kapitel Männer um sich von erprobter Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, bildete einen Klerus, der weit umher als Muster voranleuchtete, und bereiste selbst unermüdlich seinen Sprengel, um überall das Volk zu belehren und den heidnischen Aberglauben zu vertilgen. Als seine Hauptaufgabe aber betrachtete er die Bekehrung der Slawen jenseits der Elbe, die noch immer ihre alten Götzen Swantewit und Radegast anbeteten. Er ließ Missionen halten, gründete Kirchen und Klöster und pflanzte seinen Geistlichen einen Eifer für den apostolischen Beruf ein, der schon zu seiner Zeit, noch mehr aber nach ihm die herrlichsten Früchte trug. Bei diesen anstrengenden Arbeiten hatte er im eigenen Haus mit der Not zu kämpfen, denn das Vermögen der Kirche zu Meißen war durch die Sorglosigkeit der Vorfahren und widerrechtliche Eingriffe der weltlichen Machthaber sehr geschmälert worden. Wenn nun der Heilige die Einkünfte seines Bistums wieder herzustellen versuchte, so geschah dies lediglich zum Besten seiner Herde. Er musste Quellen haben, aus denen die Diener der Kirche besoldet, der Glanz der äußeren Gottesverehrung erhöht, die Schulen erhalten und die Armen unterstützt werden konnten. Er selbst lebte äußerst mäßig, ja man darf sagen ärmlich und behielt beinahe nichts für seine eigenen Bedürfnisse. Im Gegenteil verwendete er zur Aufbesserung des Kirchenvermögens den Rest seines Erbgutes. Und auch seine Mutter vermachte ihre ganze Habe dazu.

Leider wurde Benno in seinem friedlichen und segensreichen Wirken gestört durch die verderblichen politischen Stürme, die unter Heinrich IV. Deutschland verwirrten. Das sächsische Volk und seine Großen spielten in diesen inneren Kämpfen eine Hauptrolle, und so wurde auch der Heilige in sie verwickelt. Die fränkischen Kaiser wollten das Sachsenvolk nicht als ebenbürtigen Stamm im Reich gelten lassen und betrachteten mit Eifersucht seine, durch die Ausdehnung nach Osten, wachsende Macht. Nach absoluter Gewalt strebend, wollten sie die Sachsen zinsbar machen und dadurch ihre Hausmacht zu erhöhen. Dagegen erhob sich einmütig das Sachsenvolk und fand im Papst einen Beschirmer seiner nationalen Rechte. Heinrich IV. wollte das Deutsche Reich zu einer Diktatur machen, in der jegliche Freiheit des Volkes unterdrückt und die Kirche dem Staat dienstbar geworden wäre. Benno stand in dem Streit auf Seite der Sachsen und des Papstes. Als der Kaiser in der Schlacht an der Unstrut gesiegt hatte, überschwemmten seine Kriegsvölker das Bistum Meißen, verwüsteten die Stadt und führten den Bischof gefangen nach Böhmen ab. Statt des milden väterlich gesinnten Benno herrschte nun im Land Graf Burkhard, Heinrichs Feldhauptmann, ein trotziger und blutgieriger Mensch, der die traurigsten Spuren seiner Gewalttätigkeit zurückließ. Das Jahr darauf gab Heinrich dem Bischof die Freiheit wieder. Als Benno nach Meißen zurückkam, fand er seine Kirche zerstört. Tröstend sprach er zu der wehklagenden Geistlichkeit: „Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen; der Herr kann es wieder geben mit noch reichlicherem Zins. Der Name des Herrn sei gepriesen.“ Und nun ging er daran, die Wunden zu heilen, die der Krieg seiner Herde geschlagen hatte. Er erbaute die Kirche von Meißen wieder und half durch reiche Spenden der dringendsten Not des Volkes ab.

Bald aber erfolgte ein neuer Sturm, der noch weit heftiger und für die ganze Christenheit nachteiliger war, wir meinen die Irrung zwischen Gregor VII. und dem Kaiser. Heinrich berief Benno nach Worms, wo er durch seine feilen Bischöfe die Absetzung des Papstes aussprechen ließ. Der Heilige aber erschien nicht, sondern ging, statt an solchem Frevel teilzunehmen, nach Rom, um der Synode beizuwohnen, die zu eben dieser Zeit – im Jahr 1076 – Gregor VII. daselbst hielt. Wohl wusste er, dass er mit einem solchen Schritt den ganzen Zorn des Kaisers auf sich ziehen würde. Aber dies konnte ihn in seiner Treue zu dem Statthalter Christi nicht wanken machen. Bei seiner Abreise von Meißen übergab er die Schlüssel der Domkirche zwei Kanonikern, mit dem Befehl, sie, falls Heinrich vom Konzil exkommuniziert würde, lieber in die Elbe zu werfen, als dem mit dem Bann Beladenen den Eintritt in das Gotteshaus zu gestatten. Wirklich wurde der Kaiser von der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen, und die Domherren sperrten der empfangenen Weisung gemäß die Kirche und übergaben den Schlüssel den Fluten des Stromes. Der Bischof wurde auf dem Heimweg von Rom abermals gefangen genommen, jedoch im Jahr 1085, zur Versöhnung der Gemüter in Sachsen, in seinen Stuhl wieder eingesetzt. Wie die Legende erzählt, kehrte er, um unerkannt zu bleiben und einem prunkvollen Empfang auszuweichen, verkleidet nach Meißen zurück und mietete sich in einer Herberge ein. Zur gleichen Stunde wurde dahin ein großer Fisch gebracht, der in der Elbe gefangen worden war, und als man ihn aufschnitt, um ihn für den Gast zu bereiten, fand man in seinen Eingeweiden die Schlüssel des Domes. Durch dieses wunderbare Ereignis erkannte man in dem Fremden den Bischof und Vater der Stadt, und mit Jubel und Freude wurde er von der Geistlichkeit und den Bürgern in seine Kirche geführt. Deshalb geben die Maler dem Heiligen auf ihren Bildern einen Fisch als Kennzeichen bei.

Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens verwendete Benno, die durch die Wirren gestörte Ordnung in seiner Herde wieder herzustellen und das unterbrochene Werk der Slavenbekehrung zu vollenden. Viele, die früher Christen waren, hatten sich während seiner Abwesenheit wieder dem Heidentum zugekehrt. Einige von ihnen kamen zu dem Heiligen und bekannten reumütig ihren Fall. Mit schonender Liebe nahm er sie auf und verschaffte ihnen die Gnade der Versöhnung. Diese Milde lockte bald andere, auf gleiche Weise ihr Heil zu sichern, und schließlich kamen die Heiden scharenweise nach Meißen und legten ihre Götzenbilder zu den Füßen des Bischofs nieder. Der Zudrang wurde so groß, dass Benno ein Tal außerhalb der Stadt zum Versammlungsplatz bestimmen musste. Hier verkündete er das Wort des Herrn und bekräftigte es durch Wunder. Eines Tages bei glühender Sonnenhitze, wo die seiner Predigt zuhörenden Heiden vor Durst verschmachten wollten, berührte er mit einem Stab die Erde, und eine frische Quelle sprang hervor. Das Tal, in dem das Wunder geschah, heißt jetzt noch „das heilige Tal“, die Quelle „der heilige Brunnen“. So hatte der Heilige die Freude, sein Mühen herrlich gesegnet zu sehen, und ging schließlich am 16. Juni 1106, 96 Jahre alt, reich an Verdiensten zur ewigen Belohnung ein. Seinen Leichnam erhob um das Jahr 1270 der Bischof Witticho und errichtete ihm im Dom zu Meißen ein prachtvolles Denkmal von schwarzem Marmor, an dem viele Wunder geschahen. Papst Hadrian VI. hat ihn 1523 unter die Heiligen versetzt und dadurch sein Andenken im deutschen Volk erneuert. Die Protestanten zerstörten sein Grab und Luther schrieb bei Veranlassung seiner Heiligsprechung eine Schmähschrift unter dem Titel: „Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden.“ Wir aber betrachten den heiligen Benno mit Recht als eine Zierde der Kirche und als einen der größten Männer unseres deutschen Volkes. Um seine ehrwürdigen Reste weiteren Verunglimpfungen zu entziehen, ließ sie Herzog Albert V. von Bayern im Jahr 1576 nach München bringen, wo sie in der Domkirche zu Unserer Lieben Frau ruhen, hoch verehrt von den Gläubigen Altbayerns, die den heiligen Benno als Landespatron anrufen.

Die heilige Julitta mit ihrem Kind Zyrus, Martyrin von Tarsus, Cilicien,

+ 16.6.304 - Fest: 16. Juni

Die heilige Julitta wurde in Ikonien aus einer der angesehensten Familien der Provinz geboren. Noch berühmter aber war sie wegen ihrer seltenen Gottseligkeit und ihres Eifers für die Religion. Sie verheiratete sich in Ikonien und bekam einen Sohn mit Namen Zyrus, oder wie andere schreiben, Quirikus, den sie unmittelbar nach empfangener Taufe Gott opferte, damit er ihn in der Unschuld bewahren möchte, die er ihm in diesem Sakrament erteilt hat. Da die tyrannischen Kaiser Diokletian und Maximian ihr blutdürstiges Edikt wider die Christen öffentlich hatten bekannt machen lassen, ließ der Statthalter der Provinz Ikonien, namens Domitianus, voller Eifer genau darauf achten, dass es nach seinem ganzen Inhalt aufs Strengste befolgt würde. Julitta, die gegen sich selbst wegen ihrer Schwäche sehr misstrauisch war, wollte sich lieber bei Zeiten entfernen, als den Augenblick abwarten, in dem man sie ergreifen würde. Sie verließ daher, von zwei Mägden begleitet, die Stadt und Provinz Ikonien, und nahm ihren Sohn Zyrus, der damals erst drei Jahre alt war, mit sich. Die Verfolger aber entdeckten diese gottselige Frau in ihrem Versteck, verhafteten sie und brachten sie in das Gefängnis. Es dauerte nicht lange, da ließ der Richter sie vorführen. Mit dem dreijährigen Zyrus in den Armen erschien Julitta vor dem Richterstuhl Alexanders. Ihren zwei Mägden, voll des Schreckens, gelang zunächst die Flucht, als sie sich aber ein wenig von ihrer Flucht erholt hatten, kamen sie wieder zurück und mischten sich unter die Volksmenge, um zu erfahren, was mit ihrer Frau und dem kleinen Zyrus geschehen würde.

Als Alexander mit seinen gerichtlichen Fragen den Anfang gemacht hatte, erkundigte er sich bei ihr nach ihrem Namen, ihrem Stand und ihrem Vaterland. Sie aber gab auf alle diese Fragen nur eine einzige Antwort: „Ich bin eine Christin, nie werde ich den Götzen opfern.“ Und weil sie auf alle anderen Fragen des Präfekts allezeit diese Antwort wiederholte, wurde er so zornig und aufgebracht, dass er ihr ihren unschuldigen Sohn aus den Armen reißen ließ, damit sie auf die Folterbank gebracht würde. Sogleich dehnten sie die Henker auf der Folter aus, banden ihre Arme und Beine zusammen, und geißelten sie mit Ochsensehnen so lange, bis ihr Leib ganz zerfleischt wurde. Indessen fing das Kind, das sich von seiner Mutter getrennt sah, zu weinen und erbärmlich zu schreien an; da es noch dazu wahrnahm, wie sehr man seine Mutter misshandelte, bemühte es sich aus allen Kräften, wieder zu ihr zu kommen. Der Richter von der Schönheit des Kindes gereizt, ließ es zu sich bringen, um ihm zu schmeicheln und sein heftiges Geschrei und Weinen zu stillen. Er setzte es auf seine Knie und wollte es küssen. Aber das Kind stieß ihm mit seinen kleinen Händen den Kopf zurück und infolge der Empfindungen, die Kinder in diesem Alter haben, gab es sich alle nur erdenkliche Mühe, sich loszuwinden. Es zerkratzte dem Richter das Gesicht, riss ihn mit den Händen am Bart und stieß mit den Füßen gegen ihn. So sehr man sich auch mühte, ihm den Gedanken an seine Mutter zu nehmen, so warf es doch unaufhörlich seine Augen auf sie und schrie wie sie: „Ich bin ein Christ!“ Da der barbarische Richter sah, dass es sich immer mehr widersetzte und gegen alle seine angewandten Bemühungen nur noch mehr Gewalt brauchte, sich aus seinen Armen loszureißen, geriet er in eine so ungewöhnliche Raserei, dass er den kleinen Zyrus bei einem Fuß ergriff und ihn von der Höhe seines Sitzes auf die Erde hinabschleuderte. Der Kopf dieses unschuldigen Opfers zerschmetterte an der Ecke des Fußtrittes. In einem Augenblick sah man den ganzen Ort mit Blut benetzt und mit dem Gehirn des Kindes bedeckt. Alle Zuschauer verabscheuten diese viehische Grausamkeit. Julitta allein sah diesen Anblick mit trockenen Augen an. Und um den Anwesenden begreiflich zu machen, wie sehr die Gnade desjenigen, für den sie litt, sie über alle Empfindungen der Natur erhoben hätte, rief sie mit voller Stimme laut: „Herr! Ich sage dir Dank, dass es dir gefallen hat, meinem Sohn vor der Mutter die Krone der Unsterblichkeit zu erteilen.“ Der Richter, wie die anwesende Volksmenge, hörten hier ein Gebet, aus dem sie leicht schließen konnten, wie schwer es fallen würde, die Bekennerin Jesu Christi auf andere Gesinnung zu bringen, indem sie eine so großmütige Verachtung gegen das Leben und den Tod äußerte. Alexander fing wirklich an zu verzweifeln, ob es ihm gelingen würde, über den unerhörten Mut einer Frau zu siegen. Indessen, um alles zu wagen, ließ er sie nochmals auf die Folter bringen, mit dem grausamen Befehl, man sollte ihr die Seiten mit eisernen Nägeln zerreißen und auf die Füße siedendes Pech gießen. Dabei ließ er ihr durch einen Gerichtsdiener sagen: „Julitta! Habe Mitleid mit dir selbst und opfere den Göttern, sonst wirst du wie dein Kind eines elenden Todes sterben.“ Die unerschrockene Bekennerin, die gegen alle Drohungen des Richters unempfindlich war, schrie aus vollem Hals: „Ich opfere keinen tauben und stummen Bildsäulen, ich bete aber Jesus Christus an, den einzigen Sohn Gottes, durch den der ewige Vater alles erschaffen hat; und ich eile, mich mit meinem Sohn durch einen rühmlichen Martertod im Himmelreich wieder zu vereinigen.“

Alexander, der durch die Standhaftigkeit und den Heldenmut dieser unerschrockenen Martyrin immer mehr in Zorn geriet, befahl, der Kopf solle ihr abgeschlagen und der Leib ihres Sohnes samt dem ihrigen an den Ort hingeworfen werden, wo die der Übeltäter nach der Hinrichtung gewöhnlich gebracht werden. Auf diesen Befehl wurde Julitta von den Henkern ergriffen und zur Richtstätte geführt. Da sie dort angekommen war, bat sie sich einige Augenblicke aus, ihr Gebet voraus zu schicken. Da man ihr diese Bitte gewährt hatte, warf sie sich auf ihre Knie zur Erde nieder und fing also zu beten an: „Herr, der du meinen Sohn vor mir, deiner Magd, zu dir berufen hast; o Jesus, der du aus einer ganz unverdienten Barmherzigkeit und zur Verherrlichung deines Namens ihn von diesem Elend dieses Lebens hast befreien wollen, um ihn der Anzahl deiner Heiligen bei zugesellen, würdige dich auch, einen gnädigen Blick auf deine Dienerin zu werfen. Ungeachtet meiner Unwürdigkeit, schenke mir einen Platz unter dem Chor jener weisen Jungfrauen, die bestimmt sind, dein Lob zu besingen und dich ewig anzubeten. Möchte doch mein Geist Gott, deinen Vater, den Erschaffer und den Erhalter aller sichtbaren Dinge, mit dem heiligen Geist ewig loben und preisen! Amen.“ Sobald Julitta Amen gesagt hatte, hieb ihr der Scharfrichter das Haupt ab und ihr Leib wurde mit dem Leib ihres Sohnes, wie es der Präfekt befohlen hatte, außerhalb der Stadt auf den Schindacker hingeworfen, im Jahr 305. Am folgenden Tag erhoben die zwei Mägde, von denen vorhin die Rede war, die Leiber der heiligen Märtyrer in der Nacht und beerdigten sie.

Die heilige Lutgardis, Jungfrau und Nonne von Aywieres, Brabant,

+ 16.6.1246 – Fest: 16. Juni

Im Reich Gottes begegnen uns manche Seelen, die in so vertrautem Verhältnis mit Jesus standen, wie ein Kind mit seinem Vater, wie ein Freund mit seinem Freund, wie eine Braut mit ihrem Bräutigam. Eine solche Braut Christi war die heilige Lutgardis, eine der hervorragendsten Erscheinungen auf dem Gebiet der christlichen Mystik. Zu Tongern im Jahr 1182 von angesehenen Eltern entsprossen, wurde sie von ihrem Vater schon früh zum Ehestand bestimmt, aber die Mutter und ihr eigener Antrieb brachten es dahin, dass sie in das Katharinenkloster der Benediktinerinnen bei der Stadt des heiligen Trudo eintrat. Sie war erst etwas über zwölf Jahre alt. Zwei junge Männer, die ihr nachstellten, wies sie standhaft ab, wobei ihr Jesus Christus in himmlischer Schönheit erschien und auf seine blutende Seitenwunde zeigend sprach: „Hier betrachte, was und warum du lieben sollst; hier wirst du die reinsten Wonnen finden.“

Seitdem trat sie in ein inniges Wechselverhältnis mit ihrem Heiland, der ihr unzählig oft erschien, aber fast immer mit der offenen und blutenden Seitenwunde, und sie schöpfte daraus himmlische Kraft und Freude. Auch die Mutter Gottes, die heiligen Engel, der heilige Johannes der Täufer, die heilige Katharina und andere Heilige pflegten mit ihr ein vertrautes Verhältnis. Dann wurde sie von himmlischem Licht verklärt und sie schwebte hoch über der Erde. Manchmal floss sie vor Freude und Seligkeit über ihre Begnadigung über, so dass es wie Öl von ihren Fingern träufelte. Während sie andächtig im Chor betete oder sang, schien es ihr oft, als wenn sich der Herr in Gestalt eines wunderschönen Lammes an ihr Herz legte, und wenn sie zu Ehren der Mutter Gottes die Worte sang: „Die Gnade ist über deine Lippen ausgegossen“, so hatte ihre Stimme etwas so Schönes und Ergreifendes, wie wenn himmlische Töne ihrem Herzen entströmten. Bei all diesen Gnadenerweisen verharrte sie in tiefster Demut und treuer Pflichterfüllung.

Im Jahr 1200 legte Lutgardis die Klosterprofess ab und wurde fünf Jahre später von ihren Mitschwestern zur Priorin gewählt. Um von dem Vorsteheramt befreit zu werden, trat sie auf den Rat der heiligen Christina der Wunderbaren in das Kloster der Zisterzienserinnen zu Aquirik bei Brüssel. Hier setzten sich die himmlischen Gunstbezeugungen fort. Während sie das Leiden Christi betrachtete, erschien sie am ganzen Leib mit Blut übergossen. Einst empfand sie nach der heiligen Kommunion eine solche Fülle himmlischen Trostes, dass die Stunden bis Mittag wie Minuten vergingen. Da sie zu Tisch gerufen wurde und aus Demut und Gehorsam folgte, bat sie Jesus inständig: „Verlasse mich jetzt, o Herr, und kehre unterdessen bei meiner Mitschwester ein!“ Sogleich wurde ihr Gebet erhört.

In übergroßem Verlangen nach dem Martyrium zersprang ihr eine Herzader. Sie verlor viel Blut, aber Jesus gab ihr die Versicherung, er wolle dieses Blut als Marterblut aufnehmen. Einer Menge Kranker und Versuchter verschaffte sie durch ihr Gebet Befreiung von ihren Leiden, und hatte die Gnade, durch liebevolles Zureden, zuweilen schon durch einen einzigen, ernsten, wehmütigen Blick, die größten Sünder zu bekehren. Auf göttliches Geheiß übernahm sie dreimal in ihrem Leben ein strenges, siebenjähriges Fasten, das erste Mal wegen der albigensischen Irrlehre, danach für die Bekehrung der Sünder, und zuletzt zur Abwendung einer großen Kirchenverfolgung. Während sie auf solche Weise den Bedrängten half, kam sie auch den Verstorbenen mit Gebeten und Bußwerken zu Hilfe, und diese erschienen ihr oft bittend, oft dankend, oft errettet und von himmlischer Herrlichkeit umstrahlt.

Lutgardis hatte eine große Sehnsucht nach ewiger Vereinigung mit ihrem himmlischen Bräutigam. Da erschien ihr Jesus, zeigte ihr seine Wunden und sprach: „Betrachte, wie meine Wunden zu dir rufen, dass ich nicht umsonst mein Blut vergossen und den Tod gelitten habe.“ Erstaunt und erschrocken fragte sie: „Was bedeutet das Rufen deiner Wunden?“ Da bekam sie die Antwort: „Durch deine Übungen und Gebete wirst du den Zorn des Vaters besänftigen, dass er die Sünder nicht in den Tod verwerfe, sondern dass sie durch die Barmherzigkeit Gottes bekehrt und gerettet werden.“

Eine alte Klosterfrau hatte das Gehör verloren und weinte einst bitterlich. Lutgarde fragte sie durch ein Zeichen, warum sie weine. Sie antwortete: „Warum soll ich Ärmste nicht weinen, da ich so taub bin, dass ich nicht einmal den feierlichen Gesang, mit dem Gott gedient wird, höre?“ Lutgarde warf sich zum Gebet auf die Knie, stand dann auf, benetzte ihre zwei Finger mit Speichel und legte sie ihr in die tauben Ohren. Die Frau erhielt sogleich den vollständigen Gebrauch ihres Gehöres wieder.

Eine junge Ordensperson geriet durch heftige Versuchungen fast in Verzweiflung und bat Lutgarde um ihre Fürbitte. Lutgarde vertröstete sie auf den Karfreitag. Sobald der Priester das Kreuz zum Ecce lignum crucis erhebe, werde ihr geholfen werden. So geschah es. Das Mädchen wurde von aller Versuchung frei und mit göttlichem Trost erfüllt.

Die Herzogin von Brabant, eine Tochter des Königs Philipp von Frankreich, erkrankte schwer und bat Lutgarde, für die sie eine besondere Verehrung hegte, sie möge für sie beten. Lutgarde tat dies und ließ der Herzogin sagen, sie werde nicht mehr vom Bett aufstehen, sie möge sich durch würdigen Empfang der Sterbesakramente auf die Ankunft des Herrn wohl vorbereiten. Die Herzogin starb bald und Lutgarde erkannte durch eine Erscheinung, dass die Verstorbene etwas viel Besseres, als leibliche Genesung, nämlich die ewige Seligkeit erlangt habe.

So wirkte die gottbegnadete Jungfrau von ihrer armen Klosterzelle aus segensreich für nähere und weitere Kreise. Ihr himmlischer Bräutigam zog ihr reines Herz immer mehr von der Welt ab, und damit ihr Geistesauge umso klarer werde, legte er einen dunklen Schleier über ihre leiblichen Augen. Ihre elf letzten Lebensjahre war sie blind. Ein Jahr vor ihrem Tod hatte sie eine Erscheinung, in der ihr Jesus Christus offenbarte: „Nun kommt bald das Ende deiner Arbeit; du sollst nicht lange mehr von mir getrennt sein! Nur drei Dinge verlange ich von dir in diesem Jahr: Erstens, dass du Dank sagst für die schon empfangenen Gnaden; zweitens, dass du für die Sünder dich ganz im Gebet an meinen Vater wendest; drittens, dass du ohne alle andere Sorge nur noch verlangst, zu mir zu kommen.“

Die Stunde ihrer ewigen Vereinigung mit dem göttlichen Bräutigam schlug am 16. Juni 1246, nachdem sie das 64. Lebensjahr erreicht hatte, von denen sie 40 Jahre im Kloster zu Aquirik verlebte. Ihre wunderbare Lebensgeschichte hat ein Zeitgenosse und vertrauter geistlicher Freund Lutgardens, der Dominikaner Thomas Cantipratanus, der Nachwelt überliefert.

Gebet am 16. Juni

Geliebte Mutter Maria, die du eine Zuflucht der Sünder bist, verlasse mich nicht, habe Mitleid mit mir. Wenn ich auch ehemals deinen göttlichen Sohn beleidigt habe, siehe, jetzt bereue ich es von ganzem Herzen. Jetzt bin ich bereit, lieber tausendmal das Leben zu verlieren, als von Neuem seiner göttlichen Gnade zu entsagen. Bitte ihn, dass er mir vergibt, dass er mir die Gnade der Beharrlichkeit verleiht. Amen.

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Benno

O Gott, der du uns durch das ruhmvolle Bekenntnis des heiligen Bischofs Benno einen Schild und Wall verliehen hast. Gib uns die Gnade, dass wir durch seine Nachahmung an Tugenden wachsen, und uns seiner Fürbitte in allen Anliegen erfreuen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Andenken an die seligste Jungfrau

Zu Nüremonde wurde im Jahr 1211 vom Grafen Gerardus von Geltern und seiner Gemahlin Margarita ein jungfräuliches Zisterzienserkloster zur Ehre der seligsten Jungfrau gestiftet.