Interview mit dem neuen österreichischen Distriktoberen/FSSPX 2.2.2023

Hochwürdiger Herr Pater Regele, mit Anfang Februar sind Sie als Distriktoberer für Österreich verantwortlich – was war Ihr erster Gedanke, als Sie davon gehört haben?

Um ganz ehrlich zu sein, mein erster Gedanke war: „O Herr, warum bekomme ich diese Bürde auch noch auferlegt, könnte das nicht jemand anderer übernehmen?“ Es ging mir einfach alles viel zu schnell. Ich bin sehr glücklich mit meiner Arbeit in der Seelsorge, ich wollte immer nur ein kleiner und einfacher Pfarrer sein, der seinen Dienst leistet für Jesus, für die heilige Kirche, für die Menschen. Durch meine enge Zusammenarbeit mit dem bisherigen Distriktoberen während der letzten Jahre hatte ich einen tiefen Einblick in das immense Aufgabengebiet gewonnen, das mit diesem Amt verbunden ist und so zweifelte ich, ob ich diesem Auftrag gewachsen wäre. Das Gespräch mit unserem Generaloberen hat mich dann ermutigt, hat mir die nötige Zuversicht gegeben. Auch ein Mitbruder, der mich gut kennt, hat mich ermuntert und beide Gespräche waren wichtige Entscheidungshilfen für mich. Nachdem ich die Angelegenheit noch einige Tage im Gebet vor Gott brachte, stimmte ich zu. Mein großer Trost angesichts dieser Aufgabe ist und bleibt das Gebet von sehr vielen Mitbrüdern, Gläubigen und Freunden.

Neben dem zeitintensiven Tagesgeschäft als Distriktoberer, was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre, welche Akzente möchten Sie setzen und was ist Ihnen in der Seelsorge besonders wichtig?

Die Jugend ist die Zukunft der Kirche und daher ist sie mir ein ganz besonders wichtiges Anliegen. Hier gilt es, viel Zeit und Arbeit in eine gut funktionierende, katholische Jugendarbeit zu investieren. Was frühere Generationen von Elternhaus und Schule mitbekommen haben, können wir heute nicht mehr voraussetzen, hier geht es auch um eine menschlich-soziale Prägung. Eine weitere Kernaufgabe für jeden Oberen in der Kirche sind die Berufungen, die enge Zusammenarbeit mit dem Priesterseminar. Und nicht zuletzt sehe ich es als meine Aufgabe, mit Priestern und Ordensleuten in den Diözesen und Klöstern in Kontakt zu stehen, sie zu stärken. Diese Geistlichen wollen nicht länger am Zerstörungswerk der Kirche teilnehmen, an allem, was längst nicht mehr katholisch ist, sie leiden und befinden sich oft in großen Schwierigkeiten und Gewissenskonflikten.

In der Seelsorge müssen wir die aktuellen Probleme der Zeit noch besser studieren; die Seelsorge auch für die kranken und leidenden Menschen, die Probleme der Jugend und der Familien. Ich werde versuchen, die traditionelle „Pietas Austriaca“ (bzw. Bohemica, Hungarica etc. in den anderen Ländern unseres Distrikts) zu fördern, sodass durch eine gute Volksfrömmigkeit das katholische Leben im Alltag wieder sicht- und spürbar wird, nachdem es durch den Modernismus und den Umbrüchen nach dem II. Vatikanum nahezu ausgelöscht wurde. Ein besonderes Herzensanliegen ist es mir, dass der tägliche Messbesuch und der Rosenkranz in der Familie mit allen Kräften gefördert wird. Wir als Katholiken müssen unsere römische Gesinnung immer wieder erneuern, trotz allem, was wir seit so vielen Jahren erleben, und unser Gründer gibt uns da ein wunderbares Beispiel.

Zusammenfassend würde ich sagen: Wir müssen die Schönheit des katholischen Glaubens predigen, die Schönheit der katholischen Kirche, die wahre Größe des katholischen Priestertums. Wir müssen die ewigen Wahrheiten klar und ohne Angst verkünden, auf der Kanzel, aber auch im persönlichen Gespräch, im Beichtstuhl, in der Seelenführung. Die meisten Menschen, auch selbst viele Amtsträger in der Kirche, wissen ja gar nicht mehr, was die katholische Kirche eigentlich ist. Hier gilt es wieder den Weg zu Christus, den Weg zur Kirche zu weisen. Erst vor kurzem haben wir den 400. Todestag des hl. Franz von Sales begangen. Dieser Heilige zeigt gerade auch den Laien so klar, wie ein gutes christliches Leben funktioniert, wie man ganz normal und einfach katholisch ist und seinen Weg zum letzten Ziel geht, ohne irgendwelche schrägen Absonderlichkeiten in die eine oder andere Richtung.

Der hl. Franz von Sales ist deshalb ein großes Vorbild für mich in der Seelsorge so wie auch mein Lieblingsheiliger, der hl. Philipp Neri, weiters der hl. Pius X., und natürlich unser geliebter Gründer unserer Priesterbruderschaft St. Pius X. Erzbischof Marcel Lefebvre. Besonders erwähnen möchte ich noch den großen marianischen Bekennerbischof meiner Heimatdiözese Linz, den ehrwürdigen Diener Gottes Franz Joseph Rudigier, ein wahrer und herzensguter Seelsorger. Sie alle sind gute Vorbilder für jeden Priester.

Mit der Minoritenkirche hat die Tradition eine Heimat im Herzen von Wien bekommen. Welche Entwicklung streben Sie für dieses geistige Zentrum in den nächsten Jahren an?

Die Minoritenkirche soll, wenn Gott will, ein Zentrum der echten katholischen Erneuerung aller Länder unseres Distriktes sein, vor allem natürlich der Stadt Wien. An erster Stelle soll die würdig gefeierte traditionelle römische Liturgie stehen. Wir haben hier auch einige besondere Akzente gesetzt, etwa auch durch die Zelebration des überlieferten Wiener Fünfherrenamtes. Ein großer Wunsch von mir ist, dass die Minoritenkirche wieder eine Beicht- und Seelsorgekirche wird, ganz im Geist des hl. Klemens Maria Hofbauer, der einige Jahre in dieser Kirche wirkte. Für all das brauchen wir dringend mehr Priester in Wien! Ein Priorat mit fünf Priestern, ich sage es einmal kühn, wäre ideal und notwendig für diese wunderbare Kirche. Wir sind der altehrwürdigen Italienischen Kongregation, die noch auf die Jesuiten des 17. Jahrhunderts zurückgeht und eine große Geschichte hat, auf ewig dankbar für die Überlassung der Minoritenkirche. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei der Präfektin Daniela Panella für diesen mutigen und begnadeten Schritt der marianischen Kongregation der Italiener in Wien bedanken. Ganz in der Tradition dieser Kirche wollen wir ein Hauptaugenmerk auf die Seelsorge für die italienischen Gläubigen legen. Im Schrittmaß Gottes gilt es für uns voranzugehen, aus Liebe zur Kirche und zu allen Seelen.

Wie ist ganz allgemein die Entwicklung der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Österreich?

Die Zahl der Gläubigen ist stark gewachsen, besonders in den vergangenen drei Jahren, an manchen Orten hat sie sich verdoppelt. Aktuell besteht der Distrikt aus 6 Ländern und ca. 38 Orten, an denen wir wirken. Das ist eine große Freude für uns, aber wir haben viel zu wenige Priester! Um unsere Arbeit wirklich so durchführen zu können, wie wir das gerne möchten, bräuchten wir – ganz realistisch gesprochen - mindestens noch sechs bis sieben Priester und selbst mit dieser Zahl können wir noch gar nicht an die Gründung einer Schule denken.

In den letzten fünf Jahren haben sieben Männer aus dem Distrikt die Priesterweihe empfangen, von denen drei leider nicht im Distrikt wirken, sondern in anderen Ländern – wo sie ebenfalls dringend benötigt werden. Aktuell gibt es einige Seminaristen aus unseren Ländern. Wir müssen dankbar sein für die wunderbare apostolische Entwicklung, aber wir müssen auch beten für weitere Berufungen und so blicken wir durchaus mit Zuversicht und Freude in die Zukunft.

Sie haben einen interessanten Hintergrund: Sie waren in Ihrem zivilen Beruf erfolgreich als Naturwissenschaftler tätig und standen erfolgreich im Beruf. Wie kam es, dass Sie aus dieser Situation heraus eine Berufung verspürt haben?

Die Berufung zum Priestertum habe ich schon viel früher gespürt, schon als kleines Kind nach der Erstkommunion fühlte ich mich zum Altar, zum Priestertum hingezogen. Als ich 16 Jahre alt war, begann ich, täglich in die Hl. Messe zu gehen und ein geistliches Leben zu führen. In meiner Kindheit konnte ich noch ein echtes katholisches Leben erfahren, hervorragende Priester, eine echte Volksfrömmigkeit, eine gute Katechese. Im Gymnasium hatte ich sehr gute Professoren und einige von den Mitschülern sind Priester geworden. Mein Beichtvater, ein Jesuit, ein älterer, sehr guter Priester, hat mich sehr geprägt, neben einigen andern, sehr guten Priestern. Dieser Beichtvater, P. Kuno Zerlauth SJ, machte mir vor der Matura klar, dass ich besser nicht in ein modernes Seminar oder in einen vom Modernismus krank gewordenen Orden eintreten sollte, das könne nicht gut gehen. Ich solle zuerst meinen vorhandenen Neigungen zur Naturwissenschaft folgen, später wird mir Gott den konkreten Weg zum Priestertum weisen. Am Gymnasium habe ich früh meine Liebe und Begeisterung zur Biochemie, Mikrobiologie aber auch zur Entomologie entdeckt. So folgte ich seinem Rat, aber während all der Studienjahre ließ mich der Wunsch nicht los, Priester zu werden.

Nach dem Militärdienst habe ich mich mit 19 Jahren als Numerarier (zölibatär lebendes Mitglied) der Personalprälatur Opus Dei angeschlossen, der ich 13 Jahre angehörte, wo ich auch die philosophischen und theologischen Studien absolvierte und Direktor von Bildungszentren bzw. Studentenhäusern war. Beruflich war ich auch im Pharmabereich tätig, was mir in vielerlei Hinsicht die Augen über das öffnete, was in der Gesellschaft wirklich vor sich geht. Bald erkannte ich aber durch die Gnade Gottes und gute Priesterfreunde, dass der Zug noch weiterfährt. 2014 kam ich nach Zaitzkofen, trat am 8. Dezember 2015 in die Bruderschaft ein und wurde am 30. Juni 2018 zum Priester geweiht. Zwei Jahre durfte ich als Kaplan im Priorat St. Klemens Maria Hofbauer in Wien dienen, seit 2020 war ich Prior des Katholischen Bildungshauses Jaidhof, sehr gerne auch Pfadfinderkurat, in der Jugendarbeit tätig und Präses des Dritten Ordens der Priesterbruderschaft. Seit Herbst 2018 darf ich am Wochenende die Gläubigen in Kärnten betreuen in meiner geliebten traditionellen Pfarrei St. Hemma in Klagenfurt.

Was wünschen Sie sich für den Distrikt Österreich in den nächsten Jahren?

Zuerst und vor allem: Eine ständige Vertiefung in das Geheimnis der Hl. Messe, unseren größten Schatz auf Erden! Jede gute katholische Seelsorge geht vom Altar aus und führt zum Altar hin. Beten wir für Priesterberufungen, Ordensberufungen und um gute katholische Familien. Bemühen wir uns aber auch, einander wirklich zu helfen, einander wirklich beizustehen, auch in allen menschlichen Problemen. Die Zeiten werden nicht einfacher, es braucht einen festen Zusammenhalt in jederlei Hinsicht, lassen wir niemanden allein! Seien wir auch dankbarer, das vergessen wir leider zu oft!

Schon seit langer Zeit haben verschiedene mit dem Glauben unvereinbare Strömungen Einzug gehalten in die Kirche und oft genug wurde dadurch ihre wahre Aufgabe verwässert. Denn in der Kirche geht es nicht um links oder rechts, in der Kirche muss es um oben und unten gehen, um katholisch oder nicht katholisch. Es geht um die Kirche, es geht um die Wahrheit, es geht um Jesus Christus, um Gott! Wir wollen der katholischen Kirche dienen, der Wahrheit dienen, die dort ist, wo Gott ist!

Bitte beten Sie viel für mich! Ewiges Vergelt´s Gott!

FSSPX.de
Eugenia-Sarto
Er gibt ein schönes Zeugnis von seinem Glauben. Ich wünsche ihm Gottes reichen Segen.
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Ursula Sankt
Talentierter und fleißiger Mann.