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Da schien es mir, als sei die heilige Hostie gleichsam die Öffnung, durch welche ich den Abgrund der unendlichen Größe Gottes schaute, der sich vor mir auftat.“ Ein Vortrag zu Pater Reus‘ Visionen …More
Da schien es mir, als sei die heilige Hostie gleichsam die Öffnung, durch welche ich den Abgrund der unendlichen Größe Gottes schaute, der sich vor mir auftat.“
Ein Vortrag zu Pater Reus‘ Visionen während des Heiligen Messopfers
Wir wollen fortfahren in diesem Vortrag mit der Betrachtung der Kanongebete, die uns ja in den verschiedensten Bildern immer wieder begegnet sind und nun noch weiter begegnen werden.
„Nobis quoque peccatoribus“
Und da kommt nun nach der heiligen Wandlung das Gebet, das uns noch einmal auf die Heiligen verweist. Und zwar in „nobis quoque peccatoribus“, „auch uns Sündern, Deinen Dienern, die auf Deine reiche Barmherzigkeit vertrauen, schenke in Gnaden Anteil und Gemeinschaft mit Deinen heiligen Aposteln und Blutzeugen“. Da gibt es nun das eine Gebet vor der heiligen Wandlung und das Gebet nach der heiligen Wandlung, wo jeweils die heiligen Vertreter von dem endlosen Chor der Heiligen genannt werden.
Und hier schreibt Pater Reus „sah ich die Engel rings um die Allerheiligste Dreifaltigkeit und mich genauso wie gestern. Beim Communicantes sah ich die Heiligen des Canon, den Thron der Allerheiligsten Dreifaltigkeit außerhalb der heiligen Engel umgeben und nach der heiligen Wandlung die in nobis quoque genannten Heiligen einen zweiten Kreis um die Heiligen des ersten Kreises bilden.“ Die Heiligen des ersten Kreises, die kennen Sie aus dem Gebet vor der heiligen Wandlung, wo es heißt: „In heiliger Gemeinschaft ehren wir dabei vor allem das Andenken der glorreichen, allzeit reinen Jungfrau Maria, der Mutter Jesu Christi, unseres Herrn und Gottes, wie auch Deiner heiligen Apostel und Blutzeugen „Petrus und Paulus, Andreas…“ – da werden dann die Apostel genannt, dann die ersten Nachfolger der Apostel, vor allem die ersten Päpste Linus, Kletus… und die Heiligen der ersten Zeit. Und die sieht nun Pater Reuss in zwei Kreisen die Allerheiligste Dreifaltigkeit umgeben. Das soll uns eben hinweisen auf die große Gemeinschaft, in der wir als Glieder der Kirche stehen, und zwar in Gemeinschaft der triumphierenden Kirche im Himmel, der leidenden Kirche im Fegfeuer und eben der streitenden Kirche hier auf Erden. Und das kann uns manches Mal eine große Hilfe sein, dass wir diese umfassende Sicht der heiligen Kirche uns bewahren und dass wir nicht nur auf die streitende Kirche hier auf Erden schauen müssen, die uns weitgehend heut nicht mehr sichtbar ist – zumindest nicht mehr in dem Umfang, wie wir es wünschen und es gewohnt waren, sondern wir uns in diesem umfassenden Sinn als Glieder der Kirche wissen, die eben auch die Heiligen des Himmels umfasst und die Armen Seelen im Fegfeuer.
„Memento“ der Verstorbenen
Und was die Armen Seelen im Fegfeuer betrifft, so mahnt uns das Memento der Verstorbenen nach der heiligen Wandlung auch, immer derer zu gedenken, die an den Früchten des heiligen Messopfers teilhaben wollen. Und da schreibt Pater Reus: „Beim Memento für die Verstorbenen hatte ich die Augen auf das heilige Sakrament gerichtet“ – das sind ja die beiden Stellen, wo der Priester offiziell kurz den Verlauf der Gebete unterbricht und einen Augenblick innehält, um eben, wie ich es eben gesagt habe, in diesen Anliegen zu beten – „und da“ – so schreibt Pater Reus weiter – „schien es mir, als sei die heilige Hostie gleichsam die Öffnung, durch welche ich den Abgrund der unendlichen Größe Gottes schaute, der sich vor mir auftat. Die Tatsache der Gegenwart der unendlichen Gottheit im heiligen Sakrament entspricht auch vollkommen dem, was ich gesehen habe. Der glückliche Priester sieht mehr als andere in den tiefen Abgrund der Liebe Gottes, der Liebe des heiligsten Herzens Jesu.“
„Unde et memores“
„Ein anderes Mal sah ich, ohne dass die heilige Hostie unsichtbar geworden wäre, den heiligen Marterleib des Herrn voll Wunden am Kreuz. Und beim Memento für die Verstorbenen sah und fühlte ich, wie der gekreuzigte Heiland diesmal groß mich mit Seinen Armen umschloss und mich an Seine Brust zog und tief gebeugt über dem Allerheiligsten dastand in Liebesglut. Auf einmal sah ich mich ganz in Flammen und, und so viel ich mich erinnere, auch Flammen hervorbrechen aus der heiligen Hostie. Beide Flammen bildeten eine einzige große Flamme, dann sah ich den lieben Himmlischen Vater, wie Er uns beide in Seine Arme schloss, eine einzige Flamme, ein einziges Opfer. Der Priester ist mit dem göttlichen Heiland in eins verschmolzen.“ Und das gilt ja in besonderer Weise in dem priesterlichen Tun beim heiligen Messopfer. Und denken Sie immer an den wichtigen Satz, den uns Pater Reus hier gibt: „Gesinnung und Gabe gehören immer zusammen, müssen immer eine Einheit bilden.“ „Als ich nach der heiligen Wandlung die Hände erhob zum ‚unde et memores‘, fühlte ich mich an das Kreuz geschlagen, das ich auch für kurze Zeit wahrnahm. Ich bete immer bei der Aufhebung der Heiligen Hostie und des Kelches, dass mir das heiligste Herz Jesu die Gnade gewähre, mit Ihm am Kreuz zu sterben“ - also die Gnade der Vereinigung im Opfer. „Dass der Priester beim Opfertod des Herrn in der Heiligen Messe eins ist mit Ihm am Kreuz, mit Jesus mitopfern und mit Jesus mitsterben.“
Wir kennen ja ein Gebet, das uns die Kirche wärmstens empfiehlt, es zu beten beim Erheben der heiligen Gestalten, vor allem der heiligen Hostie, auch ein Gebet, das uns die Kirche wärmstens empfiehlt, bei der Aussetzung als Stoßgebet zu beten, und das ist das schlichte und einfache „Mein Herr und mein Gott!“ Ich weiß nicht, ob sie es wissen, aber das ist eigentlich eines der Gebete, die im Vergleich zu ihrer Kürze mit den meisten Ablässen versehen sind. Papst Pius X. hat dieses Gebet „Mein Herr und mein Gott!“, das ja vom heiligen Thomas stammt, wie er nun in all seinen Zweifelns sozusagen entwappnet war und nur noch dieses eine hervorbringen konnte angesichts der Gottheit, die sich ihm geoffenbart hat: „Mein Herr und mein Gott!“ Papst Pius X. gewährt allen, die dieses Gebet täglich einmal beten, im Laufe eines Monats einen vollkommenen Ablass und für jedes einzelne Mal beten einen Ablass von 7 Jahren und 7 mal 40 Tagen. Also wir können, wenn wir die Weisungen und Empfehlungen der Päpste ernst nehmen - und sie sind bis heute durch nichts aufgehoben – wir können da viel tun für die Armen Seelen im Fegfeuer nur durch dieses eine Gebet „Mein Herr und mein Gott!“ Und wenn sie es etwas erweitern wollen, ja den Sinn eines Wandlungsgebetes, dann erweitern Sie es einfach im Sinn des heiligen Bruder Klaus, der es dreimal gebetet hat: „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert von Dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu Dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.“ Und damit ist eigentlich das ausgedrückt, was Pater Reus hier uns in anderer Weise bildlich vor Augen führt. Gabe und Gesinnung sollen eins werden. Wir sollen eingehen in das Opfer unseres Herrn und Heilandes.
Bei der Erwähnung der Heiligen da sieht er natürlich auch – wie kann es anders sein – die Muttergottes im großen Glanz gegenwärtig die Hände gefaltet. Und dann bei dem Wort, „dass wir mit allem Segen des Himmels erfüllt werden“, da sieht er, wie die Muttergottes ihre rechte Hand erhebt und selbst mit Ihm dem Priester den Segen gibt – der Priester macht an der Stelledas Kreuzzeichen im Kanon. „Die Erwähnung der Heiligen sah ich zusammen mit der Muttergottes und alle Heiligen den Altar umgeben von denen im Gebet genannten und anderen Heiligen entsprechend den Worten, die da angefügt werden „et omnibus sanctis tuis“, in allen Deinen Heiligen“, heißt es ja hier. So nimm mich auf in ihre Gemeinschaft. „Schenke uns gnädig Verzeihung und nimm uns auf in ihre Gemeinschaft.“ Das ist ja das Ziel, das uns hier gesetzt ist, am Ende unserer Tage in die ewige Gemeinschaft aller Engel und Heiligen aufgenommen zu werden.
„Supplices“
Dann wiederum ein Bild, das er sieht bei dem Altarkuss nach der Heiligen Wandlung. Er vereinigt sich mit ihm bei dem Altarkuss bei den Worten: „ut quotquot ex hac altaris participatione“ und das heißt: „Lasst uns, die wir gemeinsam von diesem Altar das hochheilige Fleisch und Blut Deines Sohnes empfangen, mit allem Gnadensegen des Himmels erfüllt werden.“ Ja deshalb hat er die trostvolle Verheißung bekommen, dass nämlich dieser Altarkuss einmal übergehen soll in die ewige Vereinigung zur innigen Lebens- und Liebesgemeinschaft in der Anschauung Gottes. Einfach immer unter dem Stichwort „gesehen und gebetet auf ewig vereint mit Ihm“. Und das ist nicht nur das Ziel des Priesters, sondern das Ziel jeder gläubigen Seele. „Während dieses Gebetes sah ich mich über dem Altar, wie ich das Heilige Opfer der Majestät Gottes darbrachte, wobei ein Engel an meiner Seite mich unterstützte. Als ich dies betete, sah ich bei den Worten „omni benedictione coelesti“, als ich das Kreuzzeichen mache, den Segen des Allerhöchsten in Gestalt von Feuerflammen auf mich herabsteigen.“ Das sind ja alles Bilder für ein und dieselbe Wirklichkeit, ob nun einmal die Muttergottes ihm den Segen gibt, ob einmal dieser Segen in Gestalt von Feuerflammen herabsteigt…, das sind alles Bilder für ein und dieselbe Wirklichkeit, und zwar Bilder nun, die die Wirkung auch zeigen, also nicht nur irgendwelche Phantasien, wie wir ja wissen, sondern Darstellungen der Wirklichkeit und der Wirkungen jedes einzelnen Wortes.
Wandlung
Ein anderes Mal sieht er nach der Heiligen Wandlung ein großes Auge über ihm, das Auge der Allerheiligsten göttlichen Majestät: „Und bei der Heiligen Kommunion“, so schreibt er, „sah ich dieses heilige Auge der göttlichen Herablassung, Güte und des Wohlgefallens in der heiligen Hostie und nach dem Genuss in meinem Herzen. Gott schaut mit Wohlgefallen auf den Altar, auf uns, auf unser Heiliges Opfer, Er sieht mit Wohlgefallen unsere herzlichste Liebe zum Herzen Jesu im Heiligsten Sakrament. Vom Heiligsten Sakrament aus beobachtet Er dies und ermutigt dazu. Er sieht mit Wohlgefallen auf das Priesterherz.“ Sie können zum Beispiel diese Stelle zur Antwort nehmen auf die Frage, die ja heute selbst in unseren Kreisen manches Mal gestellt wird: Warum gibt es das, was die Modernisten heute als schieren Überfluss betrachten und schon lange vor dem Konzil auch übrigens abgeschafft haben, warum gibt es Messen am Ende vor dem ausgesetzten Allerheiligsten? Da haben Sie die Antwort drauf. Der liebe Gott schaut mit Wohlgefallen auf den Altar auf uns, auf unser Opfer. Er sieht mit Wohlgefallen und mit herzlicher Liebe, sozusagen vom Heiligen Sakrament aus beobachtet Er dies und ermutigt uns dazu. Er sieht mit Wohlgefallen auf jedes gläubige Herz und das eigentlich eine Begründung, die uns vor Augen stehen soll für diese Gewohnheit, die heute weithin außer Übung gekommen ist, aber die katholisch ist und die ja in den Ländern deutscher Zunge – wie wir wissen – weithin verbreitet war bis ins letzte Dorf, die Messen und Ämter zu gewissen Hochfesten, an gewissen Tagen, etwa Rorateamt vor ausgesetztem Allerheiligsten.
„Memento“ der Verstorbenen
Beim Gedächtnis für die Verstorbenen – das nimmt ja immer einen besonderen Stellenwert ein – da schreibt er einmal: „Dann gab ich dem Zug des lieben Heilandes nach, indem Er mich an Sich ziehen wollte. Ich sank immer tiefer und tiefer. Der liebe Heiland schlang seine beiden Arme um mich und ließ mich ziemlich lang an Seinem heiligsten Herzen ruhn. Ich bat den lieben Heiland, indem ich mein Kreuz recht innig küsste, er möge mir doch geben, Ihm immer treu zu sein. Und ein anderes Mal bei derselben Stelle sah ich den lieben Heiland am Kreuz lebend, weil etwas in Bewegung, wie aus Seiner heiligen Seitenwunde, die sich in der Nähe der heiligen Hostie befand, sah ich, wie Sein heiliges Blut herabfloss in das Fegfeuer, und zwar, um die Flammen des Fegfeuers zu löschen. Und bei den Worten des Kanons ‚dass wir von der ewigen Verdammnis errettet werden‘ ‚ab eterna damnatione nos eripi‘, da sah ich, wie die Flammen der Hölle von dem Altar weg auseinanderstoben. Allein der Segen des Altars vertreibt die Flammen der Hölle.“
„Pax Domini sit semper vobiscum“
Dann zum Schluss des Kanons, zu dem wir nun langsam kommen, beim ‚pax Domini sit semper vobiscum‘, da sieht er, „wie aus der heiligen Seitenwunde das Blut herabfloss, auf (ihn) herab gerade in den Mund und das gleiche sah ich, so viel ich mich erinnere, unmittelbar auch nach dem ‚pax Domini sit semper vobiscum‘ – also die Stelle, wo die Heilige Hostie durch einen Partikel wieder sich mit dem Wein vermischt und das ist ja symbolisch gesehen die Auferstehung, die Vereinigung vom Leib und Blut. Und hier ist eben die Auferstehung angedeutet in der Heiligen Messe.
„Omnis honor et gloria“
Bei der Erhebung der heiligen Hostie am Ende des Kanons ‚omnis honor et gloria‘, wo die heilige Hostie mit dem Kelch kurz etwas erhoben wird, da schreibt Pater Reus: „Als ich den Kelch und die heilige Hostie in der Hand hatte und betete: ‚omnis honor et gloria‘ und beim Erheben des Sakramentes, auch mich selbst mit dem lieben Heiland aufopferte, sah ich mich plötzlich oben vor dem Himmlischen Vater, den ich aber nicht klar sah. Die beiden anderen heiligen Personen sah ich gar nicht diesmal. Gleich nachdem ich den Kelch niedergestellt und zugedeckt hatte, trat die Ekstase ein, ein Zeichen dafür, dass die Vision echt war. Der Priester soll ja mit dem geopferten göttlichen Erlöser auch sich selbst zum lebendigen Opfer darbringen, dazu ist aber gerade diese erhabene Zeremonie sehr gut geeignet. Sie führt den Priester von selbst dazu, sich zum Opfer zu bringen, das dem Himmlischen Vater Ehre und Freude bringt.“ Und bei derselben Stelle sieht er ein anderes Mal sich selbst den Kelch und die heilige Hostie in der Hand zum Opfer erhoben vor der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in einer Lilie und zwar von Engeln umgeben. „Der liebe Heiland teilt in der heiligen Kommunion dem Priester Seine Lilienreinheit mit und macht Sein Opfer zu einer unbefleckten Opfergabe.“ Und an dieser Stelle, die ja normalerweise auch durch ein kurzes Glockenzeichen signalisiert wird, sind wir aufgerufen, uns immer mit dem lieben Heiland als Opfer dem Himmlischen Vater darzubringen, so lehrt es uns Pater Reus. Und er schreibt dazu einmal: „Heute sah ich mich von der heiligen Hostie hinaufgehoben der heiligsten Gottheit entgegen. Körperlich aber blieb ich am Altar stehen und es war nur ein Augenblick.“ Und ein anderes Mal sieht er an der Stelle, wie von riesigen Armen dieses Opfer angenommen wird und damit auch er selber.
„Panem nostrum“
Und damit kommen wir dann zum dritten Hauptteil der Heiligen Messe, nämlich der heiligen Kommunion, und der dritte Hauptteil wird eingeleitet mit dem Paternoster. „Dabei“, so schreibt er, „sah ich mich vor der Allerheiligsten Dreifaltigkeit und der liebe Vater umarmte mich. Bei den Worten ‚panem nostrum‘ ‚gib uns heute unser tägliches Brot‘ streckte der Himmlische Vater Seinen Arm aus und deutete auf den lieben Heiland, der zu Seiner Rechten saß: Er ist das Brot des Lebens, ein Übermaß an Liebe. Das Liebste, was Er hat, gibt Er uns zur Speise.“
Vor der heiligen Kommunion
Und dann kommt eine ganz interessante Sichtweise, die er uns in Zusammenhang mit der heiligen Kommunion schildert, ein Bild, das Sie sich auch gut merken können. Er sieht nämlich wiederholt bereits am Anfang die Hölle offen. Als er das das erste Mal sieht, kann er gar nichts damit anfangen, weil er eben diese Vision vom Anfang der Heiligen Messe an vor seinen Augen steht. Er sieht viele Seelen unter entsetzlichem Aufschrei in ihr versinken – denken Sie etwa nur an das, was wir von Fatima her wissen, von den Kindern, wie sie ihre Höllenvision am 13. Juli gehabt haben, und wie sie selber dann schreiben, es war so furchtbar, wenn also die Muttergottes ihnen nicht zuvor den Himmel versprochen hätte, sie wären vor Schreck und vor Angst und vor Qual gestorben beim Anblick der Hölle und der vielen Seelen, die wie Schneeflocken im Winter hineinfallen. Und ähnliches sieht auch Pater Reus und fragt sich, was soll nun die ganze Messe hindurch hier dieser grausame Blick in die Hölle. Und bei den Gebeten vor der heiligen Kommunion, da wird ihm nun sonnenklar, warum, und zwar es heißt hier vor der heiligen Kommunion in dem letzten Gebet: „Der Genuss Deines Leibes, Herr Jesus Christus, den ich Unwürdiger zu empfangen wage, gereiche mir nicht zum Gerichte und zur Verdammnis, sondern durch Deine Güte zum Schutz für Leib und Seele und zu meiner Heilung.“ Und da sieht er nun plötzlich, wie die heilige Hostie einen Damm bildet gegen die offene Hölle und wie sich die heilige Hostie wie ein Platte auf diese Höllenöffnung sozusagen drauflegt und die Hölle zudeckt und „jetzt war mir die ganze Vision klar. Die heilige Kommunion bewahrt vor der schweren Sünde und verschließt die Hölle.“ Und das ist ein Gesichtspunkt, den wir nicht vergessen dürfen, die heilige Kommunion ist, wie uns die Theologen sagen, ein ‚remedium concupiscentiae‘, eine ‚Arznei gegen unsere Begierlichkeit‘. Wir müssen nicht erst Engel sein, um die heilige Kommunion empfangen zu dürfen, wir dürfen sie auch als Schutz, als Heilmittel, als Medizin in unserer Schwachheit empfangen. Es ist der Damm, es ist der Platte sozusagen, die die Hölle verschließt.
Ein anderes schreibt er, wie er das kostbare Blut sich anschickt zu trinken, wie unmittelbar aus der heiligen Seitenwunde er das kostbare Blut trinken darf.
„Domine non sum dignus“
Und dann eine andere Vision im Zusammenhang mit der heiligen Kommunion, die auch eine große Bedeutung hat, und die Sie sich gut merken mögen, und zwar er hat ja vor allem gegen Ende seines Lebens nur immer einen einzigen Ministrant bei sich gehabt. Es war selten, dass Gläubige an seiner Messe teilgenommen haben, weil das dann gar nicht mehr ohne weiteres möglich war, und der Ministrant war meistens ein Student aus dem Orden. Und da schreibt er nun und er sieht dieses Bild in verschiedenen Variationen immer wieder: „Als ich nun dem Ministrierenden Scholastiker, also dem Studenten, mich anschickte, die heilige Kommunion zu reichen, sah ich hinter ihm den Teufel, der bei jedem „Domine non sum dignus“ immer weiter zurückwich, bis er beim dritten Mal schließlich ohnmächtig zu Boden fiel.“ Schauen Sie, wir bekennen vor jeder heiligen Kommunion, selbst wenn wir gestern erst gebeichtet haben, „o Herr, ich bin nicht würdig“ – und nehmen Sie die Worte ganz ernst und denken Sie dran, trotzdem wenn wir das Menschenmögliche getan, indem wir gebeichtet und bereut haben, und trotzdem müssen wir bekennen, „ich bin nicht würdig“ und trotzdem kommt der Heiland zu uns. Und wenn wir das mit Demut tun, dann sind wir auch sicher vor den Angriffen des Teufels. Denn die Demut die schützt uns davor. Und das ist ein Gebet, in dem unsere Demut zum Ausdruck kommen soll. Das dreimalige „Domine non sum dignus“ und wenn im Altertum etwas dreimal gesagt wurde, dann war das so viel wie ein Notarsvertrag. Etwas, das dreimal feierlich bestätigt worden ist, das hat amtliche Wirkung gehabt. Das ist also nicht, wie man das heute oft so sagt, einfach eine beliebige Vermehrung, die man dann, weil‘s ein alter Zopf ist, jetzt einfach abgeschnitten hat nach dem Konzil, sondern das hat alles seine Bedeutung. Das sehen Sie jetzt an solchen Bildern. Das dreimalige „Domine non sum dignus“ macht den Teufel ohnmächtig. Bei derselben Gelegenheit schreibt er: „Als ich nach der Heiligen Messe zur Kapelle ging, sah ich mit von zwei Seraphimen begleitet, die ebenso wie ich selbst ganz in Feuerflammen standen. Wir waren alle drei eine Feuerflamme.“ Er hat das immer gesehen, wenn er von seiner, ich weiß nicht wo er zelebriert hat, jedenfalls wenn er dann in die Kapelle ging zur Danksagung, hat er auch die Gegenwart Gottes in sich noch gespürt, indem er die Engel wahrgenommen hat, die den allerheiligsten Fronleichnam noch anbeten in ihm. Und dann fügt er hinzu „am andern Tag“ in Hinblick auf diese Vision, die er gesehen hat bei dem dreimaligen „Domine non sum“, „dass gestern bei den feierlichen Worten der Teufel schrittweise zurückwich, soll wohl auch hindeuten auf die Kraft der Demut, das Menschenherz zum Empfang der heiligen Kommunion vorzubereiten. Schöner kann das kaum in sichtbarer Weise gezeigt werden.“ Und das muss ja immer unsere innerste Haltung sein beim Empfang der heiligen Kommunion. Ein anderes Mal sieht er beim „Domine non sum“ „aus der heiligen Hostie eine Feuerflamme emporwirbeln, die sich ausbreitete und den ganzen Oberkörper umfasste und einhüllte.“ „Durch die Beweise der Demut“, so fügt er an jetzt, „sieht das heilige Herz Jesu zur Spendung Seiner Gnaden und Mitteilungen Seiner Liebe bestürmen.“ Also wenn wir demütig sind, dann können wir umso wirksamer das heiligste Herz Jesu bestürmen und die Erfüllung unserer Bitten erlangen. „Die heilige Kommunion kam in mein Herz wie glühendes flüssiges Erz. Ich bog mich und seufzte vor Glut. Ich glaube, ich war am äußersten Ende meiner Kraft. Ein Tropfen mehr und ich konnte es nicht mehr tragen. Aber dann kam auf einmal Ruhe, ich hatte buchstäblich eben spüren dürfen dieses Feuer, das brennt und glüht aus Liebe und nicht erlischt und nicht verbrennt. Ich sah, wie der liebe Heiland mit dem rechten Arm vom Kreuzesstamm losgelöst war mich liebend umfasste im Augenblick der heiligen Kommunion. Und diese kam wieder wie brennendes Feuer, das mir einen so großen Schmerz verursachte, dass ich mich zusammenbog und laut seufzte. Dann plötzlich ging es über in reine Liebesglut. Als ich betete, auch bei den Kommuniongebeten – sie kennen das: „Herr Jesus Christus, du hast zu Deinen Aposteln gesagt, den Frieden hinterlasse Ich euch, Meinen Frieden gebe Ich euch“ – da sieht er den Heiligen Geist über ihm schweben als den wahren Friedensspender.
„Quod ego indignus sumere praesumo“
Und dann bei den Worten „quod ego indignus sumere praesumo“, also „dass ich als Unwürdiger zu empfangen wage“, „da sah ich in schwarzer, gut lesbarer Zahl“ – das ist nun diese Begebenheit, auf die ich gestern schon hingewiesen habe, „auf der heiligen Hostie meine Sünden bezeichnet. Auch beim Genuss der heiligen Hostien entschwand mir das Andenken an die Zahl nicht und ich aß diese Zahl sozusagen mit. Aber dann sah ich auf einmal den Heiligen Geist in meiner Brust in Gestalt einer schneeweißen lichten Taube, die die ganze Ausdehnung meiner Brust wahrnahm, sozusagen auch diese sündentilgende Wirkung der heiligen Kommunion. Unmittelbar nach Empfang der heiligen Kommunion sagte ich dem lieben Heiland oft und oft: „Komm in mein Herz.“ Und darauf hörte ich wiederholt die Antwort: „Komm du in Mein Herz.“ Und ich sah mich in Seinem allerheiligsten göttlichen Herzen, das mich ganz umschloss. Dieselbe Gnade, so scheint mir, gibt Er jedem Priester, wenn auch nicht in wahrnehmbarer Weise, dieses Eingehen in Seine Gottheit.“ Das bedeutet ja Kommunion: Teilhabe, Eingehen an Seiner Gottheit. Er gibt uns nicht irgendwas zum Geschenk, sondern Er lässt uns teilnehmen an Seiner Gottheit. „Geliebt und gelobt sei dieses gütigste, barmherzigste, geduldigste Herz unseres liebenswürdigen Gottes und Herrn und Seelenbräutigam. Als ich den Kelch mit dem heiligen Blut trank, gewahrte ich im Kelch eine Lilienblüte von der Größe des Kelchbechers, die ich gleichsam in mich hineintrank. „Vinum germinans virgines“, das heißt eben „der Kelch, das heißt das kostbare Blut“, wie wir es in der Litanei beten als „Lebensquell der jungfräulichen Seelen“. „Ich sah dann mein Herz sozusagen in Gestalt einer Lilie ganz eins mit ihr, aber beides erkennbar. Es ist dies wohl die Gewährung der Bitte, dass ich einst mit der Lilie der Jungfräulichkeit im Himmel erscheinen und mit den jungfräulichen Seelen in Ewigkeit das Lied des Lammes singen werde. Und dann sah ich dies nämliche Herz mit dem Pfeil durchbohrt und mit Feuerflammen ringsum eine Dornenkrone, soll dies wohl bedeuten, dass die Lilie durch Leiden, Abtötung und Teilnahme am Leiden Jesu rein und heilig erhalten werden muss.“
Herzenstausch bei der heiligen Kommunion
Er hat dann oft und oft auch außerhalb der Heiligen Messe, aber gerade im Zusammenhang mit der heiligen Kommunion natürlich eben diese Gnade des Herzenstausches erlebt, wie wir es ja in manchen Gebeten auch als Bitte zum Ausdruck bringen. „Nimm hin mein Herz, gib mir das Dein, lass beide Herzen ein Herz sein.“ „Und das Gleiche“, so schreibt er dann einmal in dem Zusammenhang, „hat Er auch der Schwester Chambon getan und ihr das Herz herausgenommen. Und er hat damals zu der Schwester Chambon“, das führt Pater Reuss hier an, „gesagt: „Ich brauche Dein Herz. Es soll Mich entschädigen und mir Gesellschaft leisten. Mein Herz weiß nicht mehr, wo es ausruhen soll. Ich habe Mir nur ein Schlachtopfer auserwählt, in dessen Herzen ich ausruhen möchte. Ihr sollt mich lieben und alles Mir überlassen. Ihr sollt am Herzen Eures Meisters ruhn wie der heilige Johannes und wenn ihr Ihn so liebt, verschafft ihr Ihm eine große Verherrlichung. Das dürfen wir nicht übersehen, dass das jedes Mal auch ein großer Ehrenerweis an den Dreifaltigen Gott ist. Dann sieht er bei der heiligen Kommunion sein Herz in einem gewaltigen Feuerbrand, im Feuerbrand des heiligsten Herzens Jesu, das an Stelle seines Herzens getreten ist. Und in diesen Brand hinein kam die heilige Hostie mit ihrem Feuer, so dass beide Flammen sich vereinten.“ Und er schildert in seinen verschiedensten Bildern, wie er diesen Herzenstausch erlebt, wie er die Einheit beider Herzen erlebt, seines Herzens, das heiligste Herz Jesu. Einmal zum Beispiel sieht er „beide Herzen nebeneinander, das glühende, brennende, lodernde Herz Jesu und dann daneben sein armseliges, kaltes Herz und die beiden Herzen bewegen sich aufeinander zu und sein eigenes Herz geht in das Herz Jesu ein und wird so vom Feuer erfasst wie das Eisen in der Glut des Schmiedes, so dass es selber ganz Feuer wird und man es gar nicht mehr vom heiligsten Herzen Jesu unterscheiden kann.“ Das sagt er, das ist „das Bild der Vereinigung der Gottheit mit der Menschenseele. Eigentlich ein schönes Bild, wenn wir das uns so vorstellen, wie eben auch unser kaltes Menschenherz so durchglüht werden kann vom Feuer der göttlichen Liebe, dass wir es nicht mehr unterscheiden können, wie wir das glühende Eisen im Feuer des Schmieds nicht mehr unterscheiden können vom Feuer, wenn es ganz durchglüht ist.“ „Ein anderes Mal“, schreibt er, „sah ich mein Herz schlagen in der heiligen Hostie, da ja auch der liebe Heiland mit mir Sein Herz ausgetauscht hat, so ist dies nur eine Bestätigung dessen, was Er getan hat. Ich schreibe dies, weil ich muss. Dank sei dem Göttlichen Herzen, das sich so tief herablässt. Einmal erkannte ich, dass das Herz, das Er in Seiner Brust trug, mein Herz ist. Es ist dies demnach eine Bestätigung des Austausches beider Herzen. Ich fühlte mein Herz an Seinem Allerheiligsten göttlichen Herzen und glaubte die tröstenden Worte zu vernehmen: „Komm an Mein Herz.“ Und beim Trinken des heiligen Blutes bemerkte ich, dass ich es aus der heiligen Seitenwunde trank mit den Lippen an der heiligen Wunde. Und da sah ich, wie in meinem Herzen das anfangs kleine Feuer immer größer wurde und mich ganz einhüllte. Dann sah ich die Allerheiligsten drei göttlichen Personen, jede einzelne wie eine mächtige Feuerflamme“, und dann fügt er bei: „Gott selber ist brennendes Feuer. Nicht bloß der Heilige Geist. Und als brennendes Feuer wandelt er auch den Priester um in brennendes Feuer, gerade durch das heilige Opfer und die heilige Kommunion, um die Ehre der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zu schützen und zu vermehren.“
„Corpus Domini nostri Jesu Christi custodiat animam meam/tuam in vitam aeternam“
Beim Empfang der heiligen Kommunion betet ja der Priester sowohl bei seiner eigenen heiligen Kommunion wie bei jeder heiligen Kommunion des Gläubigen immer die Worte: ‚Corpus Domini nostro Jesu Christi custodiat animam meam in vitam aeternam‘, ‚der Leib unseres Herrn Jesus Christus bewahre meine Seele zum ewigen Leben‘. Und da schreibt er einmal: „Beim Empfang der heiligen Hostie sagte ich dem Heiland ungefähr: ‚Komm in mein Herz‘, und ich sah das Tiefinnerste meines Herzens in brennender Rotglut. Dann glaubte ich zu verstehn: ‚Komm in Mein Herz‘. Ich sah das Herz Gottes, ein klar umschriebenes Herz, in Ihm die Allerheiligste Dreifaltigkeit und mich selbst in ungefähr halber Gestalt. Rings um den Altar mit eingeschlossen eine zahlreiche Engelsschar. Es ist die Ehre, die dem Priester und dem Kind Gottes in der heiligen Kommunion und am Altar zuteilwird, angedeutet. Er wird aufgenommen in Gottes Herz, Gottes Liebling. Ich muss dies zeichnen und schreiben, es ist die sichtbare Darstellung des Gebetes ‚Corpus Domini nostri Jesu Christi custodiat animam meam in vitam aeternam‘ – „…bewahre meine Seele zum ewigen Leben“. Dass die Seele gemeint ist, wird angedeutet durch die halbe Priestergestalt, an welcher die niedere Natur fehlt und in der die Seele ihren Sitz hat. Dieser Umstand ist tröstlich, weil er offenbar nicht von mir kommt. Ich wusste gar nicht, was das bedeuten soll. Die Vision muss also echt sein. Die heiligen Engel freuen sich über die Ehre, welche dem Priester zuteilwird und helfen ihm zu ehren und ihrer Gesellschaft würdig zu machen, also das Bewahren der Seele zum ewigen Leben.“
„Et fac me tuis semper inhaerere mandatis et a te numquam separari permittas“
Und was für Pater Reus das zentrale Gebet bei der heiligen Kommunion war, vor allem bei der Vorbereitung, das war immer die Bitte, die in dem zweiten Kommuniongebet zum Ausdruck kommt:
‚Gib, dass ich Deinen Geboten allzeit treu bleibe und lass nicht zu, dass ich mich von dir jemals trenne‘. ‘Et fac me tuis semper inhaerere mandatis et a te numquam separari permittas’. Das war für ihn die Dauerbitte, kann man eigentlich sagen im Zusammenhang mit jeder heiligen Kommunion, dieser Satz, die Bitte um die Treue, um das Ausharren bis ans Ende und damit eben die Bitte, niemals von Dir getrennt zu werden. Dieses Ausharren bis ans Ende gemäß dem Wort, das wir aus der geheimen Offenbarung kennen: „Sei getreu bis in den Tod, und Ich werde dir die Krone des Lebens geben.“ Das war für Pater Reus immer die zentrale Bitte, die wir uns zu Eigen machen wollen auch als Kommunionbitte, weil wir ja wissen, dass wir auf unserer Pilgerreise durch dieses Jammertal der Erde nichts notwendiger haben als diese Medizin der Unsterblichkeit, diese Medizin gegen unsere Schwachheit, die uns Schutz und Hilfe bieten soll, dass wir den Geboten Gottes allzeit treu bleiben und dass Er es dann nicht zulassen wird, dass wir uns jemals von Ihm trennen. Und dazu soll uns ja die heilige Kommunion eben die entscheidende Hilfe sein und deshalb auch an der Stelle die Bitte in dem zweiten Kommuniongebet des Priesters, die sich Pater Reus hier immer zu Eigen gemacht hat, ganz im Bewusstsein seiner eigenen Schwachheit und aus diesem Bewusstsein seiner Schwachheit hat er ja gelebt und das war für ihn ein ständiger Ansporn, auch in seinem Gebetsleben, wie wir sehen.
(Wir wollen hier nun wieder unterbrechen bis heute Nachmittag, und ich glaube, Sie haben für Ihr Gebet genügend Anregung bis dahin und wollen dann heute Nachmittag Pater Reus weiterhin folgen in der Betrachtung der Geheimnisse des Heiligen Messopfers.)
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Mein Herr und mein Gott!