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Sendschotter Umgang

Monika Schr.
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Am Samstag um das Hochfest Mariä Heimsuchung herum, findet im Kirchspiel Drolshagen seit Jahrhunderten jährlich ein Umgang durch mehrere Ortschaften des Kirchspiels statt. Das Allerheiligste und ein …More
Am Samstag um das Hochfest Mariä Heimsuchung herum, findet im Kirchspiel Drolshagen seit Jahrhunderten jährlich ein Umgang durch mehrere Ortschaften des Kirchspiels statt. Das Allerheiligste und ein Gnadenbild einer Muttergottes mit Kind wird mitgetragen. Eindrücke von 2009.
Klaus
Predigt
von

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann

im Festhochamt beim Diözesan-Katholikentag am 5. Juli 2009

in Homburg - Saar

„Aus Leidenschaft für das Evangelium“

Es gilt das gesprochene Wort

Im zweiten Korintherbrief, der die leidenschaftliche Quintessenz der ganzen Verkündigung des hl. Paulus wiedergibt, findet sich eine eigenartige, längere Passage, die als „Narrenrede“ des Apostels in …More
Predigt
von

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann

im Festhochamt beim Diözesan-Katholikentag am 5. Juli 2009

in Homburg - Saar

„Aus Leidenschaft für das Evangelium“

Es gilt das gesprochene Wort

Im zweiten Korintherbrief, der die leidenschaftliche Quintessenz der ganzen Verkündigung des hl. Paulus wiedergibt, findet sich eine eigenartige, längere Passage, die als „Narrenrede“ des Apostels in die Geschichte eingegangen ist. „Überapostel“, wie Paulus sie nennt, sind in die Gemeinde eingedrungen, glanzvoll geschmeidige Redner, gestylte Sympathen, die sich selbst wärmstens empfehlen. Paulus, der das ganze Spiel durchschaut, fühlt sich darin ohnmächtig und schwach – nicht weil er nicht zu reagieren wüsste, sondern weil er aus Liebe zur Wahrheit nicht mitspielen will, nicht mitspielen kann.

Die Liebe zu seiner Gemeinde bindet ihn an die Wahrheit Christi. Er weiß, dass er diese Liebe zu Christus in den Herzen der Gläubigen geweckt hat – und er fürchtet mit der ganzen verwundbaren Kraft des Herzens, dass diese Schönredner und Schleimer, diese Alleswisser ohne Herz und ohne Bindung, diese „Räuber und Schlächter“ (vgl. Joh 10, 8.10) in das Innere der Menschen eindringen und gewaltigen Schaden anrichten können.

So wirft er sich mit seiner ganzen Leidenschaft hinein und schreibt: „Lasst euch doch ein wenig Unverstand von mir gefallen… Denn ich liebe euch mit der Eifersucht Gottes … Ich fürchte aber, wie die Schlange einst durch die Falschheit Eva täuschte, könntet auch ihr in euren Gedanken von der aufrichtigen und reinen Hingabe an Christus abkommen; ihr nehmt es ja offenbar hin, wenn irgendeiner daherkommt und einen anderen Jesus verkündet, wenn ihr einen anderen Geist empfangt, als ihr empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, als ihr angenommen habt. Ich denke doch, ich stehe den Überaposteln in keiner Weise nach. Im Reden mag ich ein Stümper sein, aber nicht in der Erkenntnis… Oder habe ich einen Fehler gemacht, als ich, um euch zu erhöhen, mich selbst erniedrigte und euch das Evangelium Gottes verkündete, ohne etwas dafür zu nehmen?“ (2 Kor 11, 1-7)

Und Paulus schlüpft um der Liebe und um der Wahrheit willen in das Gewand des Narren und hält seiner Gemeinde auf diese Weise den Spiegel vor. „Da viele Menschen im Sinn dieser Welt prahlen, will auch ich einmal prahlen. Ihr lasst euch die Narren ja gerne gefallen, ihr klugen Leute.“ (2 Kor 11, 18f) Und so gibt uns Paulus tiefe Einblicke in die extremen Leiden, die er für Christus erduldet hat: „Jetzt rede ich ganz unvernünftig… Ich ertrug mehr Mühsal, war häufiger im Gefängnis, wurde mehr geschlagen, war oft in Todesgefahr… durchwachte viele Nächte, ertrug Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße. Um von allem anderen zu schweigen, weise ich noch auf den täglichen Andrang zu mir und die Sorge für alle Gemeinden hin. Wer leidet unter seiner Schwachheit, ohne dass ich mit ihm leide? Wer kommt zu Fall, ohne dass ich von Sorge verzehrt werde? Wenn schon geprahlt sein muss, will ich mit meiner Schwachheit prahlen.“ (2 Kor 11, 28-30)

Und wir werden mit hinein genommen in die inneren Freuden und Leiden eines Mystikers, der etwas erfahren hat von der unsagbaren Größe Gottes, die ihn gleichzeitig verwundet, demütig und schwach gemacht hat, und die ihm zu erkennen gegeben hat: „Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“ „Deswegen“, fährt Paulus fort, „bejahe ich meine Ohnmacht, … denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (2 Kor 12, 9f) Und er stellt abschließend fest: „Jetzt bin ich wirklich zum Narren geworden; ihr habt mich dazu gezwungen.“ (2 Kor 12, 11) Paulus ist ein Verliebter. Für diese Liebe macht er sich zum Narren. Diese Liebe macht ihn schwach – und gerade dadurch so unendlich stark.

Keiner hat Größeres über die Liebe geschrieben als der Völkerapostel, über die Zuversichtskraft und Gewissheit der Liebe Christi, von der uns nichts scheiden kann, keine Ängste und Verluste dieser Welt (Röm 8, 35). Von dem überwältigend Großem, das noch kein Mensch geschaut, noch in kein Ohr gedrungen ist und keinem in den Sinn gekommen ist, das Gott aber denen bereit hat, die ihn lieben (1 Kor 2, 9). Von der Liebe, die alle anderen Wege übersteigt, die langmütig, gütig ist, die sich nicht selbst aufbläht, die sich an der Wahrheit freut, die alles erträgt, alles glaubt, alles hofft, allem standhält und die niemals aufhört. (vgl. 1 Kor 13) So redet nur ein Verliebter, einer, dem die Liebe zu Christus und zu seinem Evangelium und darin die Liebe zu den Menschen zur Leidenschaft geworden ist: „Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen...“ (1 Kor 9,22)

Liebe Schwestern und Brüder, dieser Blick in das Innerste, in das leidenschaftliche Herz des Apostels kann auch uns heute mit großer Kraft ermutigen, die Ängste und Umbrüche unserer Zeit zu bestehen, so dass aus Abbruch und Umbruch Aufbruch werden kann.

Diese Leidenschaft für das Evangelium macht stark – wie beim Apostel Paulus!

Mögen wir auch in den Augen mancher Zeitgenossen wie Narren sein, Narren um Christi willen, wir tragen etwas in uns, das unersetzbar ist, eine Leidenschaft und einen Schatz, zwar in zerbrechlichen Gefäßen, aber gerade deshalb kann sich darin das Übermaß der göttlichen Kraft entfalten (2 Kor 4,7).Wenn wir für Christus und seine Kirche brennen, dann verlieren manche nur vordergründige Fragen und Einwürfe ihre vermeintliche Plausibilität, mögen sie noch so eloquent vorgetragen werden. Dann wird der Glaube wieder wach, dann vermag er wieder die Geister zu unterscheiden, dann schwindet der Kleinmut, dann wächst die Gewissheit der Liebe. In einem solchen Klima können Berufungen wachsen, die nicht äußere Absicherungen suchen und sich nicht scheuen, Narren der Liebe aus Leidenschaft für Christus zu werden.

Liebe Schwestern und Brüder,
unsere Zeit fordert geradezu unsere Leidenschaft für das Evangelium heraus, manchmal geradezu so, wie verwöhnte Kinder die Liebe ihrer Eltern heraus provozieren, eine Liebe, die nicht gleichgültig ist, eine Liebe, die um der Wahrheit willen Grenzen setzt, eine Liebe, die Mut hat zum Zeugnis, eine Liebe, die sich selbst dafür verbürgt und hingibt. Vielleicht ist auch die materielle Krise, in die wir auf Grund der Finanz- und Wirtschaftskrise in unserem Bistum und unseren Gemeinden immer stärker und bedrohlicher hineingezogen werden, eine solche Herausforderung Gottes an uns, eine Herausforderung zur Leidenschaft für das Evangelium, ein neuer Beweis von dessen Kraft gerade in zerbrechlichen Gefäßen, gerade in erlebter Schwachheit und Ohnmacht. Vielleicht verbirgt sich dahinter, die leidenschaftliche Liebe Gottes zu uns, der sich für uns in Christus am Kreuz zum verspotteten Narren der Welt machen ließ, um uns an sich zu ziehen. Aus der Kraft dieser Leidenschaft hat Paulus um seine Gemeinden gekämpft. Sollten da nicht auch wir wieder großmütig einen missionarischen Aufbruch wagen?

Liebe Schwestern und Brüder,
viele Menschen erleben unsere heutige Zeit nicht nur in ihrer Stärke, sondern auch in erbärmlicher Schwäche. Menschen, die heute wieder mitten unter uns in Armut leben, die um ihren Arbeitsplatz und damit um die Sicherung ihrer Existenz und ihrer Familie fürchten, Menschen, die in der schon selbstverständlichen Härte unseres modernen Lebens nicht mehr mitkommen. Sie sehen wie auf obersten Ebenen in atemberaubender Geschwindigkeit Milliarden verschoben werden – und müssen selbst jede Münze dreimal wenden. Sie verspüren die Ohnmacht in einer Welt, die ihre Dimensionen verloren zu haben scheint. Aus Leidenschaft für die Frohe Botschaft Gottes willen müssen wir sprechen von der Stärke Gottes, die sich in der Schwäche der Menschen offenbart, von der solidarischen Liebe und ihrer verwandelnden Kraft. Das Evangelium von der Stärke Gottes in den Schwachen kann uns die Augen öffnen gegen alle Verdrängung des Schwachen in unserer Zeit und uns den wahren Boden für die neue Aussaat zuweisen.

Solche Leidenschaft für das ganze Evangelium können wir von dem Seligen unseres Bistum, vom seligen Paul Josef Nardini, lernen. Er hat in der Phase nach der Neugründung unseres Bistum, einer Zeit bitterer Armut und Ohmacht der Schwachen, gezeigt, wie die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten sich im Evangelium des gekreuzigten Herrn tatkräftig zusammenbinden. Darum sollen wir gerade in dem von unserem Heiligen Vater angekündigten Priesterjahr um Berufungen nach dem Vorbild unseres seligen Priesters beten. Im Oktober werden wir zusammen mit anderen Bistümern ein dreißigtägiges Gebet um Berufungen initiieren, das ich mit einer Gebetsvigil am Vorabend des Domweihfestes, am 3. Oktober, in Speyer eröffnen möchte und das am Allerheiligenfest am Grab des seligen Paul Josef Nardini in Pirmasens seinen Abschluss finden soll. In dieser Zeit soll ein nicht abreißender Gebetsfaden unser Bistum in der Leidenschaft des Evangeliums durchlaufen und uns miteinander verbinden. Mein Dank gilt allen, die in der Leidenschaft für das Evangelium in der Kirche Christi die Flamme des Glaubens lebendig halten, den vielen in unseren Gemeinden, Verbänden, Ordensgemeinschaften und Institutionen. Dieses Brennen für Christus ist unser Schatz.

Ich danke, den saarländischen Katholiken, insbesondere dem Pfarrverband Homburg, für das große Engagement für unseren Katholikentag, der auch in veränderter Gestalt seine stärkende und verbindende Kraft entfaltet. Ich danke dem Kirchenpräsidenten Schad und unseren evangelischen Schwestern und Brüdern für die Verbundenheit im leidenschaftlichen Einsatz für das Evangelium unseres Herrn. „Die Liebe Christi drängt uns“ (2 Kor 5, 14), und es ist gut, dass auch die Umstände unserer Zeit uns zum gemeinsamen Zeugnis in die Sichtbarkeit hinausrufen. Jetzt rede ich als Narr um Christi willen: Wir haben der Welt viel zu bieten, wir brauchen uns nicht zu verstecken.
Amen.
DonPriester
Da wundert sich der Priester, welche Mitbrüder wo auftauchen.
Misericordia
Ein besonders gelungenes Video!
Fast würde man sich wünschen, dass Gott AN JEDEM TAG in dieser innigen, aufwändigen, frommen Art und Weise ge- und verehrt wird. Das wär der Himmel auf Erden...
stclemente
Der Sendschotter Umgang am Samstag nach Mariae Heimsuchung ist immer ein großer Festtag in unserem Kirchspiel.
Mehr zu Drolshagen im Südsauerland und unserer Pfarrei findet man unter: www.kirchspiel-drolshagen.de