Theresia Katharina

In dieser hocheiligen Nacht ist uns das Licht erschienen

Adam und Eva - Adam und Eva | Hl. Tarsilla - | Mehr...

Buch Jesaja 9,1-6.Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.
Du mehrtest die Nation, schenktest ihr große Freude. Man freute sich vor deinem Angesicht, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
Denn sein drückendes Joch und den Stab auf seiner Schulter, den Stock seines Antreibers zerbrachst du wie am Tag von Midian.
Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, im Blut gewälzt, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers.
Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.
Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, um es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird das vollbringen.

Psalmen 96(95),1-2.3.11.12-13a.
Kv: Heute ist uns der Heiland geboren: Christus, der Herr.

Singet dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Lande,
singt dem HERRN, preist seinen Namen! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag!
Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, bei allen Völkern von seinen Wundern!
Der Himmel freue sich, die Erde frohlocke, es brause das Meer und seine Fülle.

Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst. Jubeln sollen alle Bäume des Waldes
vor dem HERRN, denn er kommt, denn er kommt, um die Erde zu richten.

Brief des Apostels Paulus an Titus 2,11-14.
Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten.
Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben,
während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.
Er hat sich für uns hingegeben, damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse und für sich ein auserlesenes Volk schaffe, das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 2,1-14.
Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen.
Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.
Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.
Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte,
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr.
Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.
Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.

Julian von Vézelay (um 1080-um 1160)
Benediktinermönch

1. Predigt zu Weihnachten (ins Dt. übers. © evangelizo)
„In dieser hochheiligen Nacht ist uns das wahre Licht aufgestrahlt“ (Tagesgebet)
„Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht in ihrem Lauf bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab“ (Weish 18,14-15). Diese Schriftstelle weist auf die hochheilige Zeit hin, da das allmächtige Wort Gottes zu uns gekommen ist, um zu uns von unserem Heil zu sprechen. Hervorgegangen aus dem innersten Geheimnis des Vaters stieg es hinab in den Schoß einer Mutter. [...] Das Wort Gottes kommt also von seinem königlichen Thron zu uns. Es erniedrigt sich, um uns zu erhöhen; es wird arm, um uns reich zu machen; es wird Mensch, um uns zu vergöttlichen.
Dieses Wort hatte gesagt: Es werde die Welt, und die Welt wurde; es hatte gesagt: Es werde der Mensch, und der Mensch wurde. Aber was das Wort geschaffen hatte, das schuf es nicht mit der gleichen Leichtigkeit neu. Geschaffen hat es durch seinen Befehl, aber neu geschaffen durch seinen Tod. Geschaffen hat es, in dem es befahl, aber neu geschaffen, indem es litt. „Ihr habt mir viel Mühe bereitet“, sagte es (vgl. Mal 2,17). Das Universum in seiner ganzen Komplexität zu ordnen und zu regieren, das hat mir keine Mühe bereitet, denn „ich entfalte meine Kraft von einem Ende zum anderen und durchwalte voll Güte das All“ (vgl. Weish 8,1). Nur der Mensch, der mein Gesetz brach, hat mir Mühe bereitet mit seinen Sünden. Deshalb bin ich vom himmlischen Thron herabgestiegen und habe mich nicht geweigert, mich in den Schoß einer Jungfrau einzuschließen und mich in einer einzigen Person mit der gefallenen Menschheit zu vereinen. Gleich nach meiner Geburt wurde ich in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt, weil in der Herberge kein Platz war für den Schöpfer der Welt. [...]
Alles war in tiefes Schweigen gehüllt, das heißt zwischen den Propheten, die nicht mehr sprachen, und den Aposteln, die erst später sprechen sollten. [...] Möge doch das Wort des Herrn auch jetzt noch zu denen kommen, die Stillschweigen bewahren! Lasst uns hören, was der Herr in unserem Innersten spricht (vgl. Ps 84,9 Vulg.). Mögen doch die unglückseligen Regungen und Schreie unseres Fleisches verstummen, mögen doch die ungeordneten Bilder unserer inneren Vorstellungen verschwinden, damit unsere aufmerksamen Ohren ungehindert hören können, was der Geist sagt, damit sie die Stimme hören könnten, die über dem Firmament spricht!
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