Pastoraltheologe: Zölibat jetzt nicht abzuschaffen
In dieser Frage müsse man einer Polarisierung und dem oft zu hörenden Ruf nach vermeintlich einfachen Lösungen entgegentreten und stattdessen die mit dem Thema verbundenen Probleme in «intensiven Gesprächen auch auf hochrangiger Ebene» lösen.
Hartmann beschreibt eine Vielzahl von Fragen, die eine erweiterte Zulassung zum Priesteramt aufwerfen würde. So müsse sich die Kirche mit der Frage beschäftigen, was geschehe, wenn die Ehe eines Priesters scheitert. Es sei fraglich, ob eine Gemeinde einen geschiedenen Priester akzeptieren würde. «Dementsprechend wäre eine Zulassung der Priesterehe nur möglich mit einer neuen kirchlichen Verständigung zu den Themen Scheitern, Abweichen von der Norm und Umkehr.»
Auch ist es aus Sicht vieler Katholiken nicht denkbar, schreibt der Theologe weiter, dass einerseits verheiratete, erfahrene Männer («viri probati») zur Priesterweihe zugelassen würden und andererseits Priester, die ihr Zölibatsversprechen nicht mehr leben könnten, ihr Amt aufgeben müssten. «Die Frage der Zulassung der viri probati kann nicht unabhängig von der Frage der Eheschließung geweihter Männer (auch im Diakonat) geregelt werden», so Hartmann.
Nach seiner Einschätzung wäre es zudem falsch, als Reaktion auf einen derzeit beobachteten Priestermangel allein auf die Abschaffung des Zölibats zu setzen, um so mehr Priester zu gewinnen. Vielmehr stehe der Kirche ein «sicher schwerer Lernweg» bevor, auch ohne Pfarrer vor Ort zu neuen Formen des Glaubenslebens zu kommen. Der Theologe geht davon aus, dass der Priestermangel nicht zwangsläufig zu einem Zusammenbrechen von Kirche führt, sondern auch ein «neues, von freiwillig engagierten Christen inspiriertes, selbst ermächtigtes Aufblühen» möglich mache. Ähnliche Erfahrungen gebe es etwa in Basisgemeinden in Lateinamerika und Asien.
Hartmann plädiert daher für eine neue Bestimmung der Kompetenzen aller Katholiken, die die Kirche gemeinsam trügen. Dabei rechnet er damit, dass es künftig «verschiedene Ausprägungsformen des priesterlichen Dienstes» geben wird. So sei denkbar, dass neben Priestern im Hauptberuf mit umfassenden Aufgaben auch Priester im Ehrenamt treten könnten.