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Hl. Aurelius und hl. Natalia (27. Juli)

Heiligenvita aus:
Alban Stolz, Legende. oder: Der christliche Sternenhimmel, Freiburg i. Br. 1867.


27. Juli.

Der heilige Aurelius und die heilige Natalia. † 852.
(Gemischte Ehe.)

Im neunten Jahrhundert hatten die Sarazenen den größten Theil von Spanien in ihrer Gewalt, und die Christen hatten schwere Bedrückung und Verfolgung von ihnen zu dulden. Damals lebte in der Stadt Cordova ein Jüngling Namens Aurelius von vornehmem Geschlechte und bedeutendem Vermögen. Da er schon in der Kindheit seinen mohammedanischen Vater und seine christliche Mutter verloren hatte, so erzog ihn mit großer Sorgfalt eine Tante bis in’s Jünglingsalter und brachte ihm den Glauben an den Sohn Gottes bei, so daß er recht fest im Christenthum wurde. Die übrigen Verwandten bestanden aber darauf, daß er auch die arabischen Wissenschaften studiere, was ihn jedoch glücklicher Weise nicht abwendig machte von seinem Glauben und seiner Liebe zur katholischen Kirche, da er das Trügerische und Nichtige in der mohammedanischen Lehre klar erkannte. Während er damals noch nicht den christlichen Gottesdienst mitmachen konnte, so empfahl er sich doch überall den Priestern, daß sie für ihn beten möchten.

Unterdessen war Aurelius zu einem jungen Manne schön von Ansehen herangewachsen. Die Verwandten drangen darauf, daß er sich verheirathe; bald wurde ihm zugemuthet, er solle die, bald jene nehmen; allein er wendete sich in dieser Angelegenheit an Christus und flehte ihn mit vielem Gebet an ihm eine solche Gemahlin zukommen zu lassen, welche in Betreff der Religion gleicher Gesinnung sei. Sein Gebet wurde auch erhört. Aurelius fand eine Jungfrau, welche alle wünschenswerthe Eigenschaften besaß, insbesondere aber gerade die, woran ihm am meisten gelegen war, sie war nämlich insgeheim eine Christin. Sie stammte auch von Mahammedanern ab; allein da ihr Vater gestorben war, verheirathete sich ihre Mutter mit einem Christen, welcher Mutter und Tochter zum Christenthum bekehrte; das Mädchen bekam in der h. Taufe den Namen Sabigotho (Natalia). Diese nahm Aurelius nun zur Ehe. Sie lebten nun einige Zeit mit einander ihrer Religion getreu, getrauten sich aber der Unsicherheit wegen nicht Jedermann ihren christlichen Glauben zu offenbaren.

Die Verwandten des h. Aurelius scheinen keine Christen gewesen zu sein und riethen ihm deßhalb zur Ehe verschiedene Personen an, welche seinem Glauben nicht angehörten. Obschon er aber unter den damaligen Umständen selber vor Verfolgung sicherer gewesen wäre, wenn er eine Mohammedanerin geheirathet hätte, so blieb er standhaft bei seinem Vorhaben nur eine Christin zu ehelichen. Die Ehe soll nämlich ganz besonders auch im Allerwichtigsten, in der Religion, eine vollkommene Einigung sein. Wenn sich daher zwei Personen ehelichen, wovon jede eines andern Glaubens ist, so ist das wie wenn sie vor der Welt erklärten, daß die Religion mit ihrer Ehe nichts zu schaffen habe. Ist jedes der beiden Ehetheile für seine Religion eingenommen, so ist gerade die Religion für ihr friedliches und freudiges Zusammenleben eine Störung, gleichsam ein nagender Wurm am Band der Ehe. Und wie unnatürlich ist es erst, wenn Kinder da sind, welche im Religionsunterricht lernen, daß Vater oder Mutter einer falschen Religion angehören? Wenn aber insbesondere der katholische Ehetheil einwilligt, daß die Kinder protestantisch erzogen werden, so sagt er damit entweder: „ich glaube nicht mehr an die katholische Kirche, darum verlieren meine Kinder nichts, wenn ihnen die katholische Glaubenslehre und Sakramente und das Meßopfer nicht zu Theil wird“ – oder er sagt: „ich glaube an die katholische Religion, allein ich bekomme diese Frau oder diesen Mann nicht, ohne auf protestantische Kindererziehung einzuwilligen; die Lust oder der irdische Vortheil dieser Ehe gilt mir aber mehr, als die Religion und die Sakramente und das Seelenheil der Kinder.“ Es mag zwar für viele gemische Ehen die Entschuldigung gelten, daß in frühern Jahren durch Nachlässigkeit der Geistlichen Viele nicht gewußt haben, was es auf sich hat katholisch sein und seine Kinder protestantisch erziehen lassen; aber jetzt, da jedem die katholische Trauung verweigert wird wofern die Kinder nicht katholisch erzogen werden, kann Niemand mehr mit Unwissenheit einen solchen Seelenhandel entschuldigen.

Wie viel Aurelius gewonnen hat durch die Wahl einer katholischen frommen Gattin, zeigt der weitere Verlauf dieser Geschichte. Schon waren in glücklicher Ehe einige Jahre verflossen, als Aurelius einmal über den Marktplatz ging, da gerade ein Christ ganz blutig geschlagen, mit Ketten behängt, rückwärts auf einen Esel gesetzt vorbei geführt wurde, während die Sarazenen schrieen, diese Strafe sei zu gering, man solle ihm den schimpflichsten Tod anthun. Es wurde nämlich die Christenverfolgung unter Abderrama, der an die Regierung gekommen war, viel ärger. Bei diesem Anblick wurde Aurelius plötzlich von Liebe zum Märtyrthum erfaßt. Er bewunderte die Standhaftigkeit jenes Christen, der lieber Schmach und Marter trug als seine Religion zu verläugnen. Nicht Schrecken vor gleicher Behandlung brachte das Herz des Aurelius in heftige Bewegung, sondern mächtige Begierde auch solches für die Religion zu dulden.

Als er nach Hause kam, erzählte er seiner frommen Gattin Alles was er gesehen und sagte dann ganz begeistert: „Liebste Frau, du hast mich stets eifrig ermahnt in meiner Lauheit und Gleichgültigkeit gegen Gott; du hast mich täglich vor der Lust dieser Welt gewarnt und ermuntert, die vergänglichen Güter und Alles was am Ende nur die Seele beschwert zu verschmähen. Du hast den Umgang mit den Frommen geliebt und dich gesehnt nach dem Leben der Heiligen. Aber ich bin immer noch nicht recht erweckt gewesen, habe den heilsamen Ermahnungen nur ein halbes Gehör geschenkt und habe zwar manchmal gedacht Ernst zu machen, aber immer wieder die Ausführung verschoben. Jetzt aber ist einmal Zeit, Geliebteste, wir wollen uns jetzt ernstlich anstrengen. Und zwar wollen wir vor Allem eine höhere Reinheit und Enthaltsamkeit uns aneignen, um desto mehr im Gebet und Gottseligkeit vorwärts zu schreiten. Wir wollen von nun an nicht mehr als Ehegatten, sondern als Geschwister zusammen leben, vielleicht daß Gott unser Tugendstreben dann mit dem hohen Lohn des Märtyrthums belohnt.“

Die fromme Frau vernahm solches mit freudiger Ueberraschung; sie sprach: „Das ist die Hand des Allerhöchsten, das ist das Zeichen unserer Auserwählung, das ist schon mein Wunsch von jeher, daß wir dem Fleische absterben, dem Geiste leben, damit wir mit dem leichter vereinigt werden, von dem geschrieben steht: Gott ist Geist und die ihn anbeten, müssen ihn im Geiste und in der Wahrheit anbeten. Darum, mein Herr, wollen wir uns von den Banden und dem Staub des Irdischen losmachen und nach dem ewigen Leben ringen.“

So thaten sie nun auch, sie lebten mit einander ganz enthaltsam, als wären sie nicht verehelicht, fasteten öfters, beteten ohne Unterlaß, besonders die Psalmen, welche sie auswendig wußten, während der Nacht machten sie religiöse Betrachtungen. Sie dienten den Armen und nahmen sich der Dürftigen in jeder Weise an. Hauptsächlich aber besuchten sie fleißig die Christen, welche ihres Glaubens wegen im Kerker saßen theils um sie zu trösten und aufzumuntern, theils um sich ihrem Gebete zu empfehlen. Sie hatten zwei Kinder, ein Mädchen von acht Jahren, das andere von fünf; die Liebe zu denselben war für sie aber kein Abhalt in ihrem Eifer zu Gott. Um sich von der Welt mehr los zu machen, verkauften sie Alles und verwendeten es zu Wohlthaten; nur einen Theil desselben behielten sie für die Kinder in der Ueberzeugung, daß ihnen die guten Werke und das Beispiel der Eltern mehr nützen werde, als irdischer Reichthum.

Einmal ging Aurelius zu dem ausgezeichneten Gottesgelehrten Alvarus um sich mit ihm zu berathen, wie er sich zum Märtyrthum vorbereiten könne. Alvarus sagte ihm, er müsse vor Allem sich selbst prüfen, ob er Standhaftigkeit und Kraft genug dazu habe, und ob er mehr das Verdienst, als den Ruhm des Märtyrthums suche. – Aurelius antwortete, der größte Trost seines Lebens sei Christus, und Sterben ihm Gewinn; er werde sich durch keine Qualen abtrünnig machen lassen, sondern kämpfen bis zum Tod.

Natalia aber saß einmal zu Haus und war gerade im Gebet begriffen, daß Christus sie zum Märtyrthum führen möge: da sah sie plötzlich eine wunderschöne Jungfrau neben sich stehen. Sabigotho fragte, wer sie sei. Die Erscheinung gab ihr zur Antwort, sie sei das Mädchen, welches Natalia vor einiger Zeit besuchen wollte, da es gerade am Sterben war. Gott habe sie im Augenblick des Abscheidens noch ihre Person erkennen lassen und sende sie jetzt, um ihr die Siegespalme anzukündigen. „Die Tage nahen sich, wo ihr den katholischen Glauben öffentlich bekennen sollt. Wenn ihr den Streit überstanden habt, so nimmt euch der Himmel auf zur Krönung und ewigem Frieden.“ Indem nun Natalia noch ihre Gedanken sammelte, so war die Erscheinung schon verschwunden; Natalia aber war über diese Botschaft hoch erfreut, daß jetzt ihr Herzenswunsch in Erfüllung gehen werde.

Einige Tage darauf wurde die Verheißung schon erfüllt. Es wurde eine gehässige Anklage bei dem mohammedanischen Richter gegen Aurelius, seine Frau und einige Freunde vorgebracht. Als diese wußten, wie die Sache stehe, ging Aurelius zunächst zu den Kindern und gab ihnen den Abschiedskuß, dann bat er seine christlichen Freunde, sie möchten für ihn beten, daß er den Kampf standhaft bestehe; diese verehrten ihn aber schon als Märtyrer, begehrten seine Fürbitte für sich und die ganze Kirche und küßten ihm die Hände.

Die Freunde waren bei Aurelius versammelt, als die Soldaten vor dem Haus erschienen; schon an der Thüre riefen sie: „Heraus, ihr Unglückselige, heraus, dießmal müßt ihr sterben. Der Richter wird jetzt die zermalmen, die unsere Religion verachten, er wird die widerspänstigen Hälse abschneiden lassen. Fort jetzt mit euch zum Blutgericht.“ Männer und Frauen gingen nun freudig heraus, wie wenn sie zu einem Gastmahl geladen wären oder der Richter ihnen Belohnungen auszutheilen hätte. Als sie dem Richter vorgeführt waren, redete er sie zuerst mit gelassener Stimme an, warum sie den mohammedanischen Gottesdienst nicht mitmachten, ob sie nicht mehr leben und alle Freude und alles Gut des Lebens wegwerfen wollten? Was sie denn noch hätten, wenn ihnen das Leben genommen werde?

Darauf antworteten sie wie aus einem Munde: „Aller Ueberfluß dieses Lebens ist nicht zu vergleichen mit den ewigen Gütern; ihretwegen verachten wir durch den Glauben an Jesus Christus dieses Leben. Jede Religion aber, welche nicht das Wesen der h. Dreifaltigkeit bekennt, die Taufe verschmäht, die Christen beschimpft, halten wir für ganz verwerflich. Was Christus hingegen denen verspricht, welche ihn lieben, das ist unaussprechlich und währt ewig fort.“ Als nun die Märtyrer Dergleichen erklärten und dann die Nichtigkeit der mohammedanischen Religion aussprachen, gerieth der Richter in die größte Wuth, ließ sie rasch in den Kerker werfen und mit den schwersten Ketten fesseln. Allein die Märtyrer achteten solches gerade für nichts, sondern freuten sich noch und sangen Gott Loblieder und verrichteten Gebete, daß ihnen Gott helfe das Märtyrthum glücklich bis zu End zu führen. So brachten sie gegen fünf Tage im Kerker zu und führten daselbst ein fröhliches Leben in der sicheren Hoffnung bald die Herrlichkeit des Himmels zu gewinnen.

Da sie nun wieder auf den Richtplatz geführt werden sollten, so fing Natalia an ihren Mann mit heiligen Zusprüchen aufzumuntern und zu befestigen. Die versammelten Richter boten ihnen noch einmal die Wahl an zwischen reichen Geschenken oder dem Beil. Allein die Märtyrer blieben standhaft im Bekenntniß ihres Glaubens, darum wurden sie von den Blutrichtern den Henkern zugesprochen, hinausgeführt und hingerichtet am heutigen Tag in oben bezeichneten Jahr. Die Christen sammelten ihre Gebeine, welche später als kostbare Reliquien galten, wobei manche Wunder geschahen.

Der h. Eulogius war persönlich mit diesem heiligen Ehepaar bekannt und befreundet. Als sie das Märtyrthum bestanden hatten, begegnete Eulogius ihrem jüngsten Kinde. Wie wenn es kein Mädchen von erst fünf Jahren, sondern ein ernster Engel gewesen wäre, so ermahnte es den h. Eulogius auf das inständigste, daß er die Thaten der Eltern aufschreibe und ihren herrlichen Märtyrtod bekannt mache. Eulogius fragte nun prüfend das Kind: „Was wirst du mir dafür geben, wenn ich deinen Wunsch erfülle?“ – Da antwortete es: „Ich will dir von Gott das Paradies erbitten.“

Was dieses gute Christenkind in Spanien einst gewünscht und begehrt hat, das geschieht jetzt nach tausend Jahren noch in Deutschland: ich schreibe die Geschichte seiner Eltern und du hast sie vor Augen und liesest sie.