Tina 13
250

Die Arbeiter im Weinberg

Hl. Gregor der Große (um 540-604)

Papst und Kirchenlehrer
Homilien über das Evangelium, 19 (Homélies sur l'Évangile, Éd. Sainte-Madeleine, diff. Téqui 2000; ins Dt. übers. © Evangelizo)

Die Arbeiter im Weinberg

Das Himmelreich wird mit einem Familienvater verglichen, der Arbeiter anwirbt, um seinen Weinberg zu bestellen. Nun, wer kann treffender mit diesem Familienvater verglichen werden als unser Schöpfer, der über seine Geschöpfe regiert und in dieser Welt das Eigentumsrecht über seine Auserwählten ausübt wie ein Herr über die Diener in seinem Haus? Er besitzt einen Weinberg, nämlich die gesamte Kirche, die – um es so auszudrücken – ebenso viele Reben gebildet hat, wie sie Heilige hervorgebracht hat: von Abel, dem Gerechten, bis zum letzten Auserwählten, der am Ende der Welt geboren werden wird. Dieser Familienvater stellt also Arbeiter ein, um seinen Weinberg zu bestellen, und zwar bei Tagesanbruch, in der dritten, sechsten, neunten und elften Stunde; denn vom Anfang der Welt bis zu ihrem Ende beruft er immer wieder Verkünder, um die vielen Gläubigen zu unterweisen. Der Tagesanbruch war für die Welt der Zeitraum von Adam bis Noah; die dritte Stunde von Noah bis Abraham; die sechste Stunde von Abraham bis Mose; die neunte Stunde von Mose bis zur Ankunft des Herrn und die elfte Stunde von der Ankunft des Herrn bis zum Ende der Welt. Die heiligen Apostel wurden ausgesandt, um in dieser letzten Stunde das Wort Gottes zu verkündigen, und obwohl sie so spät kamen, erhielten sie den vollen Lohn. Der Herr hört also zu keiner Zeit auf, Arbeiter auszusenden, um seinen Weinberg zu bestellen, das heißt, um sein Volk zu lehren. Zuerst durch die Patriarchen, dann durch die Gesetzeslehrer und Propheten und schließlich durch die Apostel ließ er die guten Sitten seines Volkes fruchtbar werden; so wirkte er gewissermaßen durch seine Arbeiter an der Pflege seines Weinbergs. Alle, die mit dem rechten Glauben gute Werke verbunden haben, sind Arbeiter in diesem Weinberg gewesen.