"Guten Tag" - Ein Gedanke von P. Pio für jeden Tag - 28. Januar
haben. Es gibt eine Gottesfurcht und eine Ju-
das-Furcht. Zu große Angst lässt uns ohne
Liebe handeln und ein zu großes Vertrauen
lässt uns die Gefahren, die wir meistern müssen,
übersehen und missachten.
Die eine muss der anderen die Hand reichen,
wie zwei Geschwister, die einträchtig nebenei-
nander gehen. So muss es immer sein, und
wenn wir merken, dass wir Angst haben oder
aus Furcht zu sehr zögern, dann müssen wir
unsere Zuflucht zum Vertrauen nehmen.
Wenn wir dagegen in übertriebenem Maße
vertrauen, dann soll ein wenig Furcht uns zü-
geln, denn die Liebe, die sich ganz auf das ge-
liebte Objekt konzentriert, wird blind, je größer
sie wird; sie sieht nicht, deshalb wird die heilige
Furcht sie erleuchten" (AdFP, 548).
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Hierzu eine sehr schöne Auflistung über die Liebe:
Die Liebe zu Jesus Christus - Hl. Alfons Maria von Liguori
Im Bereich der blinden Liebe gibt es eine unvollkommene
Art zu lieben, die sich am Anfang entzündet und stark wird,
dann aber, ohne es zu bemerken, weil sie die Ehrfurcht ver-
nachlässigt, zur Schwärmerei wird, was meines Erachtens
durchaus oft vorkommt am Anfang des geistlichen Lebens.
Die Schwärmerei äußert sich so, dass sie vorgibt, und im
Grunde meint sie es auch ehrlich, das Heilige über alles zu
lieben und sie lobt und liebt und schwärmt, aber sie bemerkt
vor lauter liebkosenden und teils übertriebenen, zur Schau
stellenden Äußerlichkeiten nicht, dass sie die innere Ehrfurcht
und Konsequenz fehlen lässt, die Konsequenz im Kreuztragen,
denn sie redet sich ein, immer das Hochgefühl der Liebe haben
zu müssen und wird dann traurig und verzagt, wenn Trocken-
heit und Prüfungen kommen, wie wenn sie nun vom Herrn
nicht mehr geliebt sei. Sie vergisst gerne ihre Pflichten auszu-
führen, weil sie sich einbildet, sie sei die Spezialgeliebte und
müsse sich gar nicht plagen, sondern könne immer auf dem
Hochgefühl dahingleiten. Sie neigt also zum vermessenen Ver-
trauen, das der heilige Pater Pio oben erwähnt hat. Hier liegt
eine gewisse Täuschung vor. Der Böse versucht immer, jemand
irgendwie von der Ideallinie abzubringen, wie auch immer, er
arbeitet fieberhaft daran, den Ungläubigen noch Ungläubiger
zu machen, den Gläubigen in irgendeiner Schwäche zu treffen
und diese besonders zu fördern, ohne dass es bemerkt wird. Ein-
Bildung spielt hier eine große Rolle. Da wäre eine gute geistliche
Begleitung gefragt oder mindestens eine ehrliche Selbsterforschung.
Jemanden aber der Schwarmgeisterei zuzuordnen, ist nicht Sinn
der Sache, denn diese Leute wollen immerhin sehr liebend sein.
Es fehlt nur an der geistigen Begleitung. Die nächste Stufe ist
die vertrauende und zugleich konsequente Liebe zur Pflichterfüllung,
die Liebe in der rechten Ausgewogenheit von Ehrfurcht und Ver-
trauen, wie Pater Pio oben beschreibt.