Josefa Menendez

DIE HEILIGE FAMILIE ZIEHT IN DIE KRIPPENHÖHLE. - JOSEPH RÄUMT AUF, ZÜNDET DIE LAMPE AN, SORGT FÜR WASSER UND FEUER, BEREITET SPEISE.

ANNA KATHARINA EMMERICH -

DIE HEILIGE FAMILIE ZIEHT IN
DIE KRIPPENHÖHLE. - JOSEPH RÄUMT AUF, ZÜNDET DIE LAMPE AN, SORGT FÜR WASSER UND FEUER, BEREITET SPEISE.


kath-zdw.ch

Freitag, den 23. November.
Die Sonne stand schon tief, als sie vor dem Eingang der Höhle anlangten. Die junge mitlaufende Eselin, welche gleich schon bei Josephs Vaterhaus außerhalb der Stadt herum hierher gelaufen war, kam ihnen gleich bei ihrer Ankunft hier entgegen und sprang und spielte freudig um sie her; da sprach die heilige Jungfrau zu Joseph: „Sieh, es ist gewiss der Wille Gottes, dass wir hier einkehren."

Joseph aber war sehr betrübt und stille beschämt, weil er so oft von der guten Aufnahme in Bethlehem gesprochen hatte. Er stellte das Lasttier unter das Obdach vor dem Eingang der Höhle und bereitete der heiligen Jungfrau einen Ruhesitz daselbst, worauf sie sich niederließ, während er Licht machte, die leichte Flechttüre der Höhle öffnete und in dieselbe hineinging. — Der Eingang zur Höhle war eng, denn es standen viele Bündel Stroh, gleich Binsen an den Wänden, worüber braune Matten hingen. Auch hinten in dem eigentlichen Gewölbe waren mancherlei hindernde Gegenstände. Joseph räumte soviel als nötig heraus, um der heiligen Jungfrau eine bequeme Ruhestelle am östlichen Punkte der Höhle zu bereiten. — Hierauf heftete er eine brennende Lampe an die Wand der düsteren Höhle und führte die heilige Jungfrau hinein, welche sich auf das von Decken und den Reisebündeln bereitete Lager niederließ. Er entschuldigte sich gar demütig wegen der schlechten Herberge; Maria aber war in großer Innigkeit freudig und zufrieden.

Als sie nun ruhte, eilte Joseph mit einem Schlauche von Leder, den er bei sich führte, hinter den Hügel in das Wiesental zu einem sehr schmalen Bächlein und heftete den Schlauch mit zwei Pflöcken so in die Quelle, dass er sich mit Wasser füllen musste, und brachte dieses zur Krippenhöhle zurück. — Hierauf ging er zur Stadt, holte kleine Schüsseln, einige Früchte und Reiserbündelchen.

Der Sabbat nahte, und wegen der vielen Fremden in der Stadt, die mancherlei ganz Unentbehrliches bedurften, waren an den Straßenecken Tische mit den unentbehrlichsten Lebensbedürfnissen aufgerichtet. Der Wert wurde dabei niedergelegt. Ich meine, es standen Knechte dabei oder Leute, die keine Juden waren. Ich weiß es nicht mehr genau.

Joseph kehrte zurück und brachte in einer Art verschlossener Gitterkapsel, woran unten ein Stiel war, glühende Kohlen, die er im Eingang der Höhle an der nördlichen Wand ausgoss und ein Feuerchen machte. Diese Feuerkapsel hatte er wie anderes kleines Geräte auf der Reise bei sich. Das Holzbündelchen bestand aus dünnen Knüppeln, welche mit breiten Binsen schön zusammengebunden waren.

Joseph bereitete nun etwas Speise, die aus einem Mus von gelben Körnern und einer dicken gekochten Frucht bestand, welche zum Essen auseinandergeteilt viele Kerne enthält; auch kleine platte Brote waren dabei. Nachdem sie gegessen und noch gebetet hatten, bereitete Joseph der heiligen Jungfrau ein Lager. Er breitete über eine Streu von Binsen eine solche Decke, wie ich sie oben als in dem Hause der Mutter Anna bereitet beschrieben habe, und legte eine zusammengerollte Decke zu Häupten. — Nachdem er nun den Esel hereingeführt und angebunden hatte, wo er nicht hinderte, verstopfte er die Öffnungen des Gewölbes gegen Zugluft und richtete sich nun seine eigene Ruhestätte im Eingang der Höhle ein.

Da nun der Sabbat eingetreten war, stand er mit der heiligen Jungfrau unter der Lampe und betete die Sabbatgebete mit ihr, und dann nahmen sie ihre kleine Mahlzeit gar auferbaulich zu sich. — Joseph verließ nun die Höhle und ging zur Stadt. Maria aber hüllte sich ein, um sich zur Ruhe zu legen. — Während Josephs Abwesenheit sah ich zum ersten Male die heilige Jungfrau kniend beten. Sie kniete auf ihrem Lager und legte sich hierauf auf die Seite gekehrt auf der Decke nieder. Ihr Haupt ruhte auf ihrem Arme, der auf dem Wulste lag. — Joseph kehrte erst spät zurück. Er war betrübt, ich glaube, er weinte. Er betete noch und legte sich dann demütig auf sein Lager im Eingang der Höhle.

MARIA BRINGT DEN SABBATSCHLUSS IN DER GRABHÖHLE DER MARAHA ZU.
- JOSEPH KAUFT NACH DEM SABBAT GERÄTSCHAFTEN IN BETHLEHEM.
- ER FÜHRT MARIA IN DIE KRIPPENHÖHLE ZURÜCK, TRIFFT MEHRERE ANORDNUNGEN UND WIRFT, DA DIE GEBURT JESU NAHT, SICH IN SEINER ZELLE BETEND AUF DAS ANGESICHT.


Samstag, den 24. November.

Heute war die Erzählerin sehr krank und konnte nur weniges mitteilen, dieses aber ist folgendes:

Die heilige Jungfrau brachte den Sabbat in der Krippenhöhle mit Gebet und Betrachtung in großer Innigkeit zu. Joseph ging verschiedene Male aus, wahrscheinlich zur Synagoge in Bethlehem. Ich sah sie gemeinschaftlich von der am vorigen Tage bereiteten Speise essen und auch zusammen beten.

Nachmittag, um welche Zeit die Juden am Sabbat immer zu lustwandeln pflegen, führte Joseph die heilige Jungfrau durch das Tal hinter der Krippenhöhle in die Grabhöhle Marahas, der Amme Abrahams. — Sie verweilten teils in dieser Höhle, die geräumiger war als die Krippenhöhle und wo ihr Joseph einen Sitz bereitete, teils unter dem bei derselben stehenden heiligen Baum in Gebet und Betrachtung bis einige Zeit nach dem Schlüsse des Sabbats, wo Joseph sie wieder abholte.

Maria hatte dem heiligen Joseph gesagt, dass heute Nacht um Mitternacht die Geburtsstunde ihres Kindes eintrete, denn dann seien die neun Monate erfüllt, vor welchen der Engel Gottes sie begrüßt habe. — Sie hatte ihn gebeten, er möge doch von seiner Seite alles mögliche tun, damit sie das von Gott verheißene, übernatürlich empfangene Kind so gut bei seinem Eintritt in die Welt ehrten, als sie es vermöchten, auch möge er doch sein Gebet mit dem ihrigen für die Hartherzigen vereinigen, die ihnen keine Herberge hätten gewähren wollen. — Joseph bot der heiligen Jungfrau an, er wolle ihr ein paar fromme Frauen, die er in Bethlehem kenne, zum Beistand rufen. Sie lehnte es aber ab und sagte, sie bedürfe keines Menschen Hilfe.
Joseph ging vor Schluss des Sabbats nach Bethlehem, und, sobald die Sonne untergegangen, kaufte er schnell einige Bedürfnisse, einen Schemel, ein kleines niedriges Tischchen, einige Schüsselchen, auch getrocknete Früchte und Trauben und eilte damit zur Krippenhöhle zurück, worauf er zu dem Grabe der Maraha lief und die heilige Jungfrau in die Krippenhöhle zurückführte, wo sie sich in dem morgendlichsten Winkel auf dem Ruheteppich niederließ.

Joseph bereitete noch Speisen, sie aßen und beteten zusammen. Dann aber sonderte er seine Schlafzelle ganz von dem übrigen Raum dadurch ab, dass er sie mit einigen Stangen umgab, welche er mit den Matten überhängte, die er in der Höhle gefunden hatte. — Er fütterte auch noch den Esel, der vom Eingange aus links an der Wand der Krippenhöhle stand. Dann füllte er den Gitterkorb der Krippe mit Binsen und feinen Gräsern oder Moos und breitete eine Decke darüber, die über dem Rand niederhing.

Als nun die heilige Jungfrau zu ihm sprach, es nahe ihre Zeit, er möge sich zum Gebete in seiner Kammer absondern, hängte er noch mehrere brennende Lampen in dem Gewölbe auf und ging, da er Geräusch vor der Höhle vernahm, hinaus. — Hier fand er die junge Eselin, die bis jetzt frei im Tale der Hirten herumgelaufen war. Sie war voll Freude heran gesprungen und und spielte um ihn her. Er band sie unter dem Obdach vor der Höhle an und streute ihr Futter.

Als Joseph nun in die Höhle zurückkehrte und am Eingang seines Schlafraumes nach der heiligen Jungfrau hinblickte, sah er sie mit dem Angesicht gegen Morgen gewendet, ihm den Rücken kehrend, auf ihrem Lager kniend beten. — Er sah sie wie von Flammen umgeben, die ganze Höhle war wie von übernatürlichem Lichte erfüllt. Er sah hin wie Moses, der in den brennenden Dornbusch schaute; da trat er mit heiliger Scheu in seine Zelle und warf sich betend auf sein Angesicht nieder.
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