M.RAPHAEL

Neo-modernistische Vampire

Michael Hichborn vom amerikanischen Lepanto Institute hat mir am Freitag, den 10.01.20, eine standardisierte Email mit dem Betreff: „Your Catholic Week in Review (Neo-Modernist Vampire Edition!!)“ mit einem Text über den Modernismus geschickt. Ich habe diesen übersetzt, weil er für das Verständnis der heutigen Kirche unverzichtbar ist. Er baut auf Pascendi auf und ist deshalb hilfreich für die Annäherung an diese wichtige Enzyklika.

„Die katholiche Woche im Rückblick (Neomodernistische Vampir Ausgabe)

Vampire sind real.

Nein, wirklich! Aber ich meine nicht die eleganten dunklen Vertreter im Bela Lugosi Stil oder die hysterischen Twilight Teenager. Ich spreche über eine weit hinterhältigere Vampirkraft, die nicht so sehr hinter Blut her ist, sondern hinter Wahrheit, Realität und Bedeutung. Diese Vampirkraft ist der Neo-Modernismus.

Der Neo-Modernismus ist nicht wirklich neu. Tatsächlich ist es eine Wiederbelebung des alten Modernismus, von dem man angenommen hat, dass Pius X ihm einen Pfahl durch das Herz gestoßen hatte. Aber er hatte sich nur in die Dunkelheit zurückgezogen, unbemerkt neue Jünger infiziert, nur um zurückzukehren wie eine schreckliche Folge eines schon furchtbaren Films. Natürlich, wie in den meisten Folgen, ist das Monster (jetzt) stärker und trickreicher.

Warum also ist der Neo-Modernismus wie ein Vampir? Der Neo-Modernismus, auf den Wesenskern gebracht, versteht Realität als Produkt des individuellen Bewusstseins und der persönlichen Erfahrung. Für den Neo-Modernisten sind Dogma und Wahrheit nicht feste (eigenständische) Realitäten, sondern eher Gehäuse für so etwas wie Bedeutungsgehalt/-energie. Nach ihr sehnen sich die Neo-Modernisten. Sie saugen sie aus und ersetzen sie mit was immer für neue Ideen sich ihre Verschlagenheit ausgedacht hat.

Als Beispiel soll das neo-modernistische Verständnis von Jesus dienen. Auf der einen Seite halten sie Jesus für eine wahrhaft historische Figur. Aber auf der anderen Seite behaupten sie einen anderen „Christus des Glaubens“. Dieser Christus des Glaubens ist eine Hülle für unterschiedliche Bedeutungen und Gefühle, die sich auf evolutionäre Art und Weise über die Zeit entwickelt haben, als Antwort auf das Bedürfnis unterschiedlicher Menschen. Einige Neo-Modernisten lieben es, eine Art marxistisch-befreienden Kämpfer Christus in diese Hülle zu projizieren, andere bevorzugen einen gewaltfreien und freundlichen Öko-Christus. Das führt dazu, dass, obwohl der neo-modernistische Vampir dieselben Worte und dogmatischen Sätze benutzt, er mit diesen eine vollkommen andere fremde Bedeutung und entsprechendes Verständnis verbindet als die katholische Glaubenstradition.

Den neo-modernistischen Vampiren reicht es nicht, Dogmas zu entleeren. So haben sie im christlichen Leben überall ihre Spuren hinterlassen, einschließlich in der Kultur und Moral. An der ausgestellten Kunst kann man erkennen, ob ein solcher Vampir in der Nähe ist, da die Kunst das Bewusstsein des Künstlers zum Ausdruck bringt. Neo-modernistische Kunst tendiert zu einer geschrumpften, reduzierten und hüllenartigen Qualität, so als ob die ursprüngliche Bedeutung ausgesaugt worden wäre, nur um auf die Injektion neuer Inhalte zu warten.

Auch moralische Wahrheiten werden durch die neo-modernistischen Vampire ihrer Verbindlichkeit entleert und durch das ersetzt, was die evolutionären Träume des kollektiven Individualbewusstseins als Antwort auf die Anpassung an sich verändernde Zeiten zusammenbrauen. Es ist nicht selten zu hören, dass wir uns mittlerweile soweit entwickelt haben, dass Handlungen, die früher einmal als böse gegolten haben, jetzt erlaubt oder sogar erwünscht sind. Der aktive, umtriebige und berüchtigte Homosexualitätsbefürworter James Martin, SJ. ist ein Beispiel für diese ekelhafte Tendenz.

Jüngere Veranstaltungen und Aktionen in der Kirche zeigen, dass der Neo-Modernismus eine beherrschende Position eingenommen hat. Zum Beispiel haben wir darüber berichtet, dass die Vereinigung U.S. katholischer Priester fieberhaft daran arbeitet die Bedeutung des Priestertums zu entleeren und zu verändern. Eine überraschende Anzahl von Bischöfen unterstützt diese abweichende Organisation.

Allerdings täuschen sich die Neo-Modernisten, wenn sie glauben, dass ihre Dominanz bleibenden Wert hat. Wahrheit ist Wahrheit und Realität ist Realität. Das Glaubensgut kann sich entfalten (zu sich selbst kommen), aber es entwickelt (sich verändern) sich nicht. Ebenso wenig verliert es die geoffenbarte Bedeutung. Der Jesus in der Geschichte ist derselbe Christus des Glaubens, der sich für unsere Erlösung hingegeben hat. Wir können Ihn nicht seiner Bedeutung rauben. Seine Wahrheit wird ein für allemal dem Vampir einen Pfahl ins Herz schlagen und uns befreien. Lasst uns beten, dass das bald geschieht.“
117