Bei der Taufe Jesu begegnen sich das Lamm Gottes und Johannes d. Täufer, der Größte vom Weibe Geborene
Bei der Taufe Jesu begegnen sich das Lamm Gottes undJohannes der Täufer, der Größte vom Weibe Geborene
Wie meinte das Jesus, als Er sagte: „Wahrlich, ich sage
euch: Unter den vom Weibe Geborenen ist kein Größerer
aufgestanden als Johannes der Täufer. Doch der Kleinste
im Himmelreich ist größer als er.“ (Mt 11,11)
Das ist eine sehr interessante Stelle, über die zu betrachten
man gezwungen wird, denn es stellt sich natürlich schon
die Frage: gibt es wirklich keinen Größeren als Johannes
unter den vom Weibe Geborenen? Diese Frage kommt
schon deswegen auf, weil es im nächsten Satz heißt, der
Kleinste im Himmelreich ist größer als er.
Konzentrieren wir uns auf die Erde. Es gibt nur zwei
Menschen, die größer gewesen sind als er: das ist zweifel-
los die Allerseligste Jungfrau Maria und der Herr selbst.
Ein Geborener ist männlich, also bleibt nur der Vergleich
mit Jesus. Jesus ist zweifellos größer als Johannes, doch
Er ist weder von einem normalen Weibe geboren worden,
noch ist Er selbst nur Mensch, sondern der Gottmensch.
Somit wird die Aussage schon deutlicher: unter den mit
der Erbsünde belasteten Frauen ist Johannes die größte
Geburt, denn die Muttergottes war nicht mit der Erbsünde
belastet. Sie bildet einen Sonderfall.
Aber Johannes der Täufer selbst, wenn er nun schon der
Größte unter den Normalsterblichen war, muss ja beson-
dere Vorzüge gehabt haben. Ein hervorspringender Vorzug
war die Befreiung vom Erbsündenmakel im Leibe seiner
Mutter Elisabeth, als diese von Maria begrüßt wurde, wel-
che anschließend das Magnificat sprach. Johannes war
also von Geburt an frei von der Erbsünde, weswegen er
der einzige Heilige nach Jesus und der Muttergottes ist,
dessen Geburtsfest in der Tridentinischen Opfermesse n.
Pius V. gefeiert wird.
Wie groß St. Johannes der Täufer im Leben war, zeigen
folgende Vergleiche:
Jesus und Johannes d. Täufer, beide, wurden von den
Propheten angekündigt und vom Volk Israel ersehnt und
erbetet, beide Geburten wurden vom Erzengel Gabriel
verkündet, ihre Namen im Voraus genannt, beide wurden
von der Jungfrau Maria im Arm gehalten, denn sie war
ja Geburtshelferin ihrer Base Elisabeth. Beide erstrahlten
bei der Taufe Jesu im Lichtglanz der Allerheiligsten
Dreifaltigkeit, beide besiegelten ihre Sendung mit dem
Tod. Beide sollten im Auftrag des Königs Herodes
nach der Geburt getötet werden, beide wurden auf
Anweisung der Engel durch die Flucht gerettet. Josef
floh mit Jesus und Maria nach Ägypten, Elisabet ver-
steckte den Johannes in der Wüste.
Johannes wurde ein große Mann Gottes, der Vorläufer,
die Stimme in der Wüste, der erfüllt vom Heiligen Geist
und glühend vor Liebe und Begeisterung für Jesus Christus,
den Erlöser, war, dessen Schuhriemen zu lösen er sich
für unwürdig hielt.
Die Stelle „der Kleinste im Himmelreich ist größer als
er“ könnte vielleicht so gedeutet werden, dass jeder
Heiliger im Himmel größer ist, weil es im Himmel größere
Macht als auf Erden gibt, doch es könnte auch sein, dass
die Übersetzung eher lauten müsste: „der Kleinste ist im
Himmelreich größer als er“, denn so würde der Sinn auf
Christus gelenkt, welcher sich auf Erden ganz klein ge-
macht hat im Stall zu Bethlehem und der auch die größte
Demut hatte. Somit ist der, der sich am größten Erniedrigte,
Christus, der Kleinste, der im Himmelreich natürlich größer
ist als Johannes. Johannes ist nämlich auch im Himmel
ganz groß und übertrifft dort eine riesige Heiligenschar.
Wie dem auch sei …. eines ist klar: die Taufe Jesu macht
sowohl im Eintauchen seine Erniedrigung unter die Gerech-
tigkeit offenbar wie auch die Größe von Johannes d. Täufer,
der aber nach der Taufe Jesu kleiner wird, damit alle auf
Christus schauen.
(Vgl. Maria Cäcilia Baij, OSB, Leben des hl. Johannes
d. Täufers.)