Gespräch zum Thema „Gott ist tot!“ - Nietzsches Antichristentum und das Christentum nach Nietzsche.
Prof. Dr. Andreas Urs Sommer ist Professor für Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Leiter der Forschungsstelle Nietzsche-Kommentar der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Prof. Dr. Olivier Ndjimbi-Tshiende ist Professor am Centre spirituel de Muanda, Kongo, sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum Flucht und Migration an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Der Philosoph Friedrich Nietzsche war überzeugt, mit einem seiner letzten Werke – dem Antichrist – die Umwertung aller Werte vollzogen zu haben: Er forderte das Ende des Christentums und der mit ihm verbundenen Moral der Selbsterniedrigung und des Leidens. Nun existieren anderthalb Jahrhunderte nach dem Antichrist noch immer diverse Christentümer, und viele Menschen glauben nach wie vor, darin ihr Heil zu finden. Ist also Nietzsches radikale Kritik echolos verhallt? Ist seine Diagnose vom Tode Gottes als Fehldiagnose entlarvt? Oder müssen Christen der Gegenwart sich immer noch verunsichern lassen von Nietzsches unerbittlicher Kampfansage? Anlässlich von Nietzsches 175. Geburtstag lud die Katholische Akademie in Bayern den Schweizer Nietzsche-Experten Prof. Dr. Andreas Urs Sommer am Abend des 12. November 2019 nach München ein, um vor zahlreichem Publikum Nietzsches Kritik am Christentum zu rekapitulieren. Im zweiten Teil unseres Nietzsche-Abends diskutierte Prof. Sommer mit dem aus Afrika stammenden Priester und Moralphilosophen Oliver Ndjimbi-Tshiende unter anderem die Frage, ob uns Nietzsche auch außerhalb Deutschlands noch etwas angehe.