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Hl. Willibald (7. Juli)

Heiligenvita aus:
Alban Stolz, Legende. oder: Der christliche Sternenhimmel, Freiburg i. Br. 1867.


7. Juli.

Der heilige Willibald. † 786.
(Palästina.)

Auf den 25. Hornung fällt in der Legende der Tag der h. Waldburg, diese war die Schwester des h. Willibald; in ihrem Leben kannst du auch Einiges über die vornehme Herkunft des h. Willibald finden. Als er drei Jahre alt war, wurde er schwer krank und sah überaus elend aus. Die bekümmerten Eltern trugen das Kind zu dem Kreuz, welches nach damaliger Sitte auf einer Anhöhe im Freien errichtet war, legten es davor nieder und flehten inständig den Herrn an, daß er ihnen doch den Sohn beim Leben erhalten möge, und machten dabei das Gelübde, sie wollten ihn dann dem Dienste Gottes und dem geistlichen Stande widmen. Ihr Gebet wurde erhört und das Kind ganz bald wieder gesund.

Als der Knabe fünf Jahre alt war und sehr viele Anlagen zeigte, übergaben ihn die Eltern dem Abt Egilward im Kloster Waltheim zur Erziehung und Unterricht. Willibald machte hier große Fortschritte in allen Kenntnissen, je mehr er heranwuchs; aber was noch mehr werth war, seine Seele war ganz aufgegangen in der Liebe Gottes; zugleich aber waren ihm auch alle Brüder im Kloster sehr zugethan wegen seiner ausnehmenden Folgsamkeit und Sanftmuth.

Als Willibald ein Jüngling geworden und in der Selbstverläugnung und in der Verläugnung der Welt es schon weit gebracht hatte, so kam ihm doch die Besorgniß, in der Heimath werde er wegen des hohen Ranges seiner Eltern zu sehr geachtet und geehrt. Deßhalb faßte er den Entschluß, unbekannt und arm für Christus in die Welt zu gehen. Er bat seinen Vater inständig um Erlaubniß hiezu, ja noch mehr, er forderte ihn auf mit ihm die Welt und ihre Lust zu verlassen und fern von der bisherigen Umgebung ganz allein Gott zu suchen. Der Vater entgegnete seinem Sohne, es scheine ihm unmenschlich und grausam Frau und Kind zu verlassen. Willibald aber zeigte ihm, es sei nichts der göttlichen Liebe vorzuziehen; diese Grausamkeit um Christi willen sei mehr werth, als alle Familienliebe, und nur die Verächter der Welt seien einst die Miterben Christi. Durch die Gewalt der Vorstellungen und Bitten des h. Willibald ließ sich der Vater und mit ihm noch der andere Sohn Wunibald und sonstige Bekannte bewegen, der Fahne des himmlischen Königs zu folgen.

Als die günstige Jahreszeit eingetreten war, schifften sich die beiden Brüder mit dem Vater ein und gelangten glücklich nach Frankreich. Da das Ziel ihrer Reise zunächst Rom war, so wanderten sie durch Frankreich nach Italien. Als sie hier in der Stadt Lukka angekommen waren, wurde der Vater schwer krank und starb, und erreichte auf diese Weise nach kurzer Mühe den Lohn für den gefaßten Entschluß sich ganz dem Dienste Gottes zu widmen. Nachdem die Söhne den Vater beerdigt hatten, setzten sie ihre Reise unter mannigfaltigen Mühseligkeiten und Gefahren fort und langten endlich in Rom an. Hier besuchten sie nun alle heiligen Stellen und opferten sich täglich im Geiste dem Herrn. Sie blieben daselbst von Martini bis Ostern, wurden aber beide von heftigem Fieber befallen. Gott erleichterte ihnen aber diese Heimsuchung dadurch, daß jede Woche, so lange die Krankheit währte, immer einer um den andern weniger krank war und auf diese Weise abwechselnd ein Bruder dem andern abwarten konnte. Diese Trübsal schreckte aber den h. Willibald nicht ab, auf Größeres und Schwereres zu denken. Er wollte dem strengeren Mönchsleben sich widmen und vorher nach Jerusalm wallfahren.

Willibald fand noch einige Männer, welche bereit waren, diese gefahrvolle Reise mit ihm zu machen. Es traf sich, daß sie nach einiger Zeit ein Schiff aus Aegypten fanden, mit welchem sie abreisten. Ich will die einzelnen Orte, wo sie sich aufhielten und was sie dort sahen, übergehen und unmittelbar erzählen, was ihnen begegnete, als sie nicht mehr weit von Jerusalem entfernt waren. Zu Emesa nämlich, einer Stadt in Syrien, war damals eine große Kirche zu Ehren des h. Johannes, in welcher sein abgeschlagenes Haupt gezeigt wurde. Hier wurde Willibald mit seinen Begleitern von der Sarazenen gefangen genommen, vorgeblich weil sie Spione aus einem fremden Lande seien, und wurden in den Kerker geworfen. Allein Gottes schützende Hand verließ sie nicht; Gott erweckte, wie er oft Menschen als sein Werkzeug braucht, das Herz eines Kaufmanns in der Stadt, daß er Mitleiden mit den fremden gefangenen Männern bekam. Er erbot sich bei der Obrigkeit sie loszukaufen; allein das Anerbot wurde nicht angenommen. Da schickte ihnen nun der Kaufmann täglich Speis und Trank in das Gefängniß und that ihnen jeden Liebesdienst, den er konnte; er bewirkte, daß sie am Sonntag in die Kirche geführt wurden, und wenn er bemerkte, daß ihnen etwas gefiel von den Gegenständen, die in der Stadt zum Verkauf ausgestellt waren, so kaufte er es und machte es ihnen zum Geschenk. Da kam nun einmal ein Spanier und besuchte gleichfalls die Gefangenen. Als ihm diese erzählt hatten, woher sie gekommen und wie es ihnen ergangen sei, bemühte er sich ernstlich, ihnen die Freiheit zu verschaffen. Er hatte nämlich einen Bruder, welcher bei dem Landesfürsten der Sarazenen ein hohes Amt bekleidete; diesen forderte er zur Fürsprache auf und ging mit ihm zu dem Fürsten; sie erzählten ihm, wie es sich mit den Männern aus dem Abendlande verhalte, daß sie ganz harmlose Wallfahrer seien und unschuldig im Kerker sitzen. Der Sarazenenfürst ließ sich bewegen, daß er dem Willibald sammt seinen Begleitern die Freiheit schenkte, ohne daß sie ein Lösegeld bezahlen mußten.

Sie machten sich alsbald auf die Reise und zwar zuerst nach Damaskus, wo Ananias dem bekehrten Paulus die Taufe ertheilt hat; dann besuchten sie in der Nähe von Damaskus die Kirche, welche an der Stelle erbaut wurde, wo der Herr dem ehemaligen Christenverfolger zugerufen hatte: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ – Von hier reisten sie nach Nazareth in Galiläa, wo der Engel der Jungfrau Maria den Gruß und die Verkündigung brachte. Auch über dieser Stelle steht eine Kirche. Etwa eine Stunde weit davon liegt der Ort Kana; dort sahen sie in der Kirche einen Altar, wozu man einen der sechs Krüge verwendet hatte, worin der Herr das Wasser zu Wein verwandelt hat. Nahe bei Kana ist der Berg Tabor, auf welchem der Herr verklärt worden ist; sie bestiegen denselben und fanden hier ein Mönchskloster mit einer Kirche, welche dem Moses und Elias geweiht ist. Nachdem sie hier ihre Andacht verrichtet hatten, wanderten sie an den See Genesareth, wo der Heiland über dem Wasser gegangen und den Seesturm gestillt hat. Der Jordan fließt mitten durch den See. Sie besuchten nun die einzelnen Orte am Gestade, welche durch die biblischen Erzählungen berühmt sind, Tiberias, Magdala, Kapharnaum, Bethsaida, Korozaim.

Wo der Jordan wieder aus dem See herausfließt, wanderten sie dem Flusse entlang und kamen an die Stelle, wo Johannes den Heiland taufte. Sie fanden hier eine Kirche auf Säulen gebaut, und unter der Erde ein Kreuz, wobei man damals zu taufen pflegte. Vom Jordan einige Stunden entfernt ist ein Ort, wo einst Jericho stand, und nahe dabei die Elisäusquelle, die den Namen hat von dem Propheten Elisäus, welcher durch ein Wunder diese einst giftige Quelle zu einer heilsamen süßen umgewandelt; sie fließt jetzt noch und gibt reichlich süßes Wasser und wässert die dürre Landschaft.

In weniger als einem Tag kommt man von Jericho nach Jerusalem. Auf dem Kalvarienberg stand damals eine Kirche und außerhalb der Kirche drei Kreuze von Holz zum Andenken der Kreuze, an welchen der Herr und die zwei Mörder gehangen sind. Nahe dabei ist das Grab Christi, und über demselben war eine schöne Kapelle gebaut, und in derselben brannten Tag und Nacht fünfzehn goldene Lampen. Vor dem Eingang in die Grabhöhle lag ein viereckiger Stein, welchen man für denjenigen hält, den der Engel hinweggewälzt hat. Willibald gelangte dahin am Fest des h. Martin, wurde aber alsbald krank und blieb krank bis kurz vor Weihnacht. Als Willibald wieder hergestellt war, besuchte er auch das Thal Josaphat, welches am Fuße des Berges liegt, auf welchem Jerusalem gebaut ist. In jenem Thal stand auch eine Kirche, wo das Grab Mariä gezeigt wurde; Maria soll dort beerdigt worden, aber ihr Leib von den Engeln hinweggenommen und in das Paradies geführt worden sein. Unmittelbar an der andern Seite des Thales steigt der Oelberg in die Höhe; unten stand eine Kirche an der Stelle, wo der Heiland beim Beginn seines Leidens betete; auf dem Gipfel des Berges, wo der Herr in den Himmel aufgefahren ist, stand auch eine Kirche; in Mitte derselben war ein Viereck von Metall und mitten drin eine brennende Lampe, über welcher ein Glas angebracht war, damit der Regen das Licht nicht lösche; die Kirche war nämlich oben offen, so daß man darin zum Himmel sehen konnte. Auch standen zwei Säulen darin zur Erinnerung an die beiden weißgekleideten Männer, welche zu den Aposteln sprachen: „Ihr Männer aus Galiläa, was schaut ihr zum Himmel?“

Von hier kam nun Willibald in das Thal bei Bethlehem, wo der Engel den Hirten erschienen war; es ist nur zwei Stunden von Jerusalem entfernt; gleich auf der Höhe ober dem Thal liegt Bethlehem. Jener Ort, wo Christus geboren, war zuerst eine Höhle, ist jetzt aber ins Geviert zu einer Kapelle ausgehauen und darüber eine prächtige Kirche in Form eines Kreuzes. Nachdem Willibald und seine Begleiter auch hier ihre Andacht verrichtet hatten, suchten sie das Kloster des h. Sabas auf. Rings um das Kloster steigen schroffe Bergwände auf und in dem Gestein sind eine große Menge kleine Höhlen, worin die Einsiedler und Mönche wohnten. Nachdem sie von hier weiter gereist waren, wurde der h. Willibald schwer von Gott geprüft; er wurde nämlich während der h. Messe blind. Es währte gegen zwei Monate, bis die Gefährten des h. Willibald mit ihm wieder nach Jerusalem kamen; als er sich aber hier in die Kirche führen ließ, welche über dem Ort der Kreuzauffindung stand, bekam er sein Augenlicht wieder.

Von Jerusalem reisten sie an’s Meer nach Joppe, wo Petrus die Wittwe Dorkas von Todten erweckt hatte und ihm zu Ehren nun eine Kirche stand. Sie kamen auch an den Brunnen, wo der Herr von dem Samaritanerweib begehrte Wasser zu trinken; es war eine Kirche damals über dem Brunnen gebaut und nahe dabei eine Burg. Nicht sehr weit davon kamen sie zu dem ehemaligen Samaria, später Sebaste genannt. Dort glaubt man, daß Johannes der Täufer begraben liege und der Prophet Elisäus. Sodann wanderten sie am Meeresufer wieder gegen Norden, bis sie an das Gebirg Libanon kamen, welches so hoch ist, daß seine höchsten Gipfel mit ewigem Schnee bedeckt sind. Sie wollten endlich wieder ihre Rückreise antreten, mußten aber sehr lange abwarten bis sie ein Schiff fanden. Dieses Schiff machte seine Fahrt nach Konstantinopel, welches damals noch nicht in den Händen der Türken war wie jetzt. Bei dieser Reise hätten sie so ungünstiges Wetter, daß sie fast den ganzen Winter dazu brauchten um von der Küste Syriens nach Konstantinopel zu gelangen. Erst nach Ablauf von zwei Jahren bekam Willibald eine sehr günstige Gelegenheit, in das Abendland zurückzukehren. An den griechischen Kaiser zu Konstantinopel war nämlich vom Papst eine Gesandtschaft abgeschickt worden, welche nun wieder nach Italien zurückkehrte und den heiligen Willibald in ihr Schiff aufnahm.

Willibald kam glücklich in Italien an, nachdem schon acht Jahre verflossen waren, seit er seine Wallfahrt von Rom aus begonnen hatte. Was hier von der Reise des h. Willibald in Palästina angegeben ist, wurde nach seiner eigenen Erzählung von einer Genossin des Frauenklosters, worüber seine Schwester Walburg Abtissin war, aufgeschrieben. Es sind aber schon mehr als tausend Jahre (730 n. Chr. Geb.), daß diese Reise gemacht worden ist. Wie ist es unterdessen mit dem Land geworden? Die hl. Orte drin werden noch von den Christen verehrt, aber die Türken sind jetzt noch Herren des Landes und Manches ist noch schlimmer geworden, als damals, wo der h. Willibald seine Wallfahrt gemacht hat. Von der Kirche bei Damaskus, wo dem Saulus der Herr erschienen, ist nichts mehr zu sehen; und die Bewohner von Damaskus sind sehr feindselig gegen das Christenthum. In Nazareth wurde die Kirche auch von den Türken zerstört, aber ist jetzt wieder aufgebaut; in Kana ist nur noch ein Steinhaufe von der ehemaligen Kirche. Auf dem Tabor sieht man an den großen Quadersteinen und den weitläufigen Ruinen, daß hier einst prächtige Bauten gestanden sind – aber Alles ist längst von den Türken zerstört und nicht einmal eine armselige Hütte steht mehr droben. Von Tiberias am See erzählte der h. Willibald, daß viele Kirchen dort seien: sie sind längst alle zerstört und erst vor Kurzem ist eine ganz kleine wieder gebaut worden. Katholiken sind aber keine mehr im Ort außer einem Franziskaner, der mit einem Diener der Kirche beigegeben ist, um dort das h. Meßopfer täglich darzubringen. Wo Kapharnaum stand, ist jetzt ein öder Steinhaufe. Deßgleichen ist die Kirche verschwunden, wo Johannes den Herrn getauft. Auf dem Weg zwischen Jericho und Jerusalem fand der h. Willibald das Kloster des h. Eustach – jetzt weiß man kaum mehr, wo es gestanden ist. In Jerusalem selbst ist zwar jetzt eine größere Kirche, als zur Zeit des h. Willibald, sie ist so groß, daß der Kalvarienberg und das heil. Grab zugleich drin eingeschlossen sind; aber die Türken sind die Herren davon und hüten das Thor und lassen die christlichen Pilger nur gegen Bezahlung hinein. Wo die Himmelfahrtskirche auf dem Oelberg stand, da ist jetzt ein türkisches Bethaus (Moschee) und ein kleines Dorf von Türken bewohnt. Wo Johannes begraben sein soll, ragt hohes Quadergemäuer mit Spitzbogen in die Höhe; es stand ein großer gothischer Dom dort; jetzt ist der größte Theil zerstört und in dem untern Rest haben die Türken eine Moschee zugerichtet und lassen keine Christen hinein. Der Jakobsbrunnen bei Sichem ist noch da, aber von der Kirche keine Spur, als herumliegende Steine. Und wie vor tausend Jahren, so ist jetzt noch über das Land ein Volk Meister, das nicht an den Heiland glaubt, und Christen sind kümmerlich wenig dort zu finden.

Es scheint eben äußerlich und innerlich der Segen von dem Lande hinweggenommen zu sein für immer, weil es die Perle, das Heilige, das Höchste, was Gott geben konnte, seinen Sohn, verschmäht und mit Füßen getreten hat. – In Jerusalem sind Wenige, auf dem Berg Garizim ist Niemand mehr, der Gott in rechter Weise anbetet – er wird mehr angebetet weit hinweg von Palästina.

Ich will nun noch kurz von dem übrigen Lebensverlauf des h. Willibald berichten: In Italien ließ er sich in den Benediktinerorden zu Monte-Cassino aufnehmen, und führte hier ein so auferbauliches Leben, daß Alle im Kloster mit Liebe und Ehrfurcht auf ihn sahen. Nachdem Willibald zehn Jahre hier zugebracht hatte, berief ihn Papst Gregor III. zu sich und sandte ihn auf den Wunsch des h. Bonifazius (siehe 29. Juni) nach Deutschland zu dessen Aushülfe. Hier zeigte der h. Willibald einen solchen Eifer und solches Geschick zur Verbreitung des Christenthums, daß ihn der h. Bonifazius zum Bischof weihte und ihm Eichstädt in Baiern zum Sitz anwies. Allein Eichstädt war vorher von den Hunnen so zerstört und verwüstet, daß nur noch eine kleine Kirche und einige Häuser dastanden. Der h. Willibald sammelte hier Männer um sich, die entschieden und kräftig wie er selbst bereit waren, Gottes Reich zu pflanzen. So geschah es auch; die Wildnisse wurden ausgerodet, der Boden gepflügt und bebaut, Kirchen und Klöster errichtet, Gebet und Gesang hob sich zum Himmel, das Wort Gottes wurde verkündet, und Willibald strahlte über Alle durch Frömmigkeit, Enthaltsamkeit, Geduld, Santfmuth, Bescheidenheit, Freigebigkeit und guten Trost für Jedermann. Nach einem reichlichen Wirken im Weinberg des Herrn starb der h. Willibald im Alter von 77 Jahren. Jetzt steht zu seiner Ehre eine Kirche in Eichstädt, wo auch die Reliquien des Heiligen aufbewahrt werden.
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