01.10.2018, 00:44 Uhr
Dem Scheich ists gleich

Obwohl die meisten Glaubensbrüder und -schwestern sind, nehmen die Länder der arabischen Halbinseln nur wenige Flüchtlinge auf.

Von Guido Felder


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Hauptsache, das Öl fliesst, und der Rubel rollt. Es scheint den finanzstarken Golfstaaten herzlich egal zu sein, was zurzeit in ihren nördlichen Nachbarländern passiert. Von den vier …More
01.10.2018, 00:44 Uhr
Dem Scheich ists gleich

Obwohl die meisten Glaubensbrüder und -schwestern sind, nehmen die Länder der arabischen Halbinseln nur wenige Flüchtlinge auf.

Von Guido Felder


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Hauptsache, das Öl fliesst, und der Rubel rollt. Es scheint den finanzstarken Golfstaaten herzlich egal zu sein, was zurzeit in ihren nördlichen Nachbarländern passiert. Von den vier Millionen Flüchtlingen, die Syrien bisher verlassen haben, nahmen die ölreichen Länder der Arabischen Halbinsel nur einige Dutzend auf (siehe Grafik, die Zahlen von 2014 gelten als heute noch aktuell). Obwohl die meisten Vertriebenen Muslime und somit Glaubensbrüder und schwestern sind.

Kein Herz zeigen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait, Oman und Bahrain. Keiner dieser Staaten hat die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 unterzeichnet, die verfolgten Menschen Recht und Schutz garantiert.

Die Golfstaaten befürchten, dass syrische Flüchtlinge die Sicherheit ihrer Länder bedrohen könnten. Der kuwaitische Sicherheitsexperte Fahad Al-Shelaimi sagte unverblümt im Fernsehen: «Man kann nicht Menschen aus einer anderen Kultur, die auch noch schwer traumatisiert sind, hierher bringen.»

In den Golfstaaten herrscht die Meinung, dass der Westen für den Krieg in Syrien sowie das Chaos im Nahen Osten und Nordafrika verantwortlich sei. Also sei es auch der Westen, der die Flüchtlingskrise lösen müsse. «Wir tun schon genug», lautet der Tenor. Die Golfstaaten verweisen auf Geldspenden, die sie geleistet hätten, etwa zur Finanzierung von Flüchtlingslagern und Lebensmitteln.

Doch das Geld fliesst spärlich. Ein Uno-Appell brachte dieses Jahr aus Saudi-Arabien umgerechnet rund 2,8 Millionen Franken, aus Katar 2,5 Millionen. Zum Vergleich: Norwegen zahlte fast 20 Millionen, aus der Schweiz kamen 2,6 Millionen – und diese Länder nehmen Tausende Migranten auf.

Amnesty International findet das Verhalten der Golfstaaten «beschämend». Mediensprecherin Alexandra Karle zu BLICK: «Wir rufen die reichen Golfstaaten dringend dazu auf, Solidarität zu zeigen und Flüchtlinge aufzunehmen. Vor allem, weil im Gegensatz zu Europa wegen der gemeinsamen Sprache und Religion auch eine kulturelle Nähe gegeben ist.»

Auch viele Flüchtlinge sind tief enttäuscht. Auf Facebook schreibt ein Syrer: «Wie kann es sein, dass wir aus der Region unserer muslimischen Brüder geflohen sind, die mehr Verantwortung für uns übernehmen sollten als ein Land, das sie als ungläubig bezeichnen?» Worauf ein anderer antwortet: «Ich schwöre beim allmächtigen Gott, die Araber sind die Ungläubigen.»

Link: www.blick.ch/…/golfstaaten-las…
Sofia M

Golfstaaten lassen Glaubensbrüder im Stich: Dem Scheich ists gleich

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