Fischl
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Der Tagesheilige und die drei Hände

Das ist die wunderbare Ikone des heiligen Johannes von Damaskus, die ich im Athos-Kloster Hilandar verehren durfte: die Dreihändige, die Τριχαιρουσα (Neugriechisch: Tricherousa).

Als der heilige Johannes Damaszenus seine Stimme gegen die Ikonoklasten (Bilderstürmer) erhob und die Ikonenverehrung verteidigte, klagten ihn seine Gegner verleumderisch eines Verbrechens an. Der Richter, der ihren Lügen Glauben schenkte, ließ dem Johannes als Strafe die rechte Hand abhacken.

Weinend lief Johannes danach mit der abgehackten Hand zu seiner Marien-Ikone und beklagte sich bitter. Die Muttergottes bewirkte sofort, daß die Hand ihres treuen Verteidigers wieder an ihren alten Platz kam. Zum Dank dafür stiftete Johannes der Ikone eine silberne Hand, eben die dritte Hand, die man unterhalb der rechten Hand der Maria bis heute sehen kann.

Daß diese Ikone gerade ins Serbenkloster Hilandar auf dem Heiligen Berg Athos gekommen war, in dem mein treuer, aber inzwischen verstorbener Freund, der Mönch Panteleimon eingetreten war, freut mich ganz besonders.

Panteleimon, ein konvertierter deutscher Protestant, schenkte meiner ebenfalls verstorbenen Frau Maria eine kleine Replik der Ikone geschenkt, die jetzt in meiner Küche die Aufsicht hat.

Noch eine kleine Geschichte, die ich von Pater Panteleimon habe:

Das Kloster Hilandar hatte ursprünglich keinen Abt. Stattdessen fungierte die dreihändige Ikone als Äbtissin. Ihr Bild im Katholikon (der Hauptkirche des Klosters) wurde von den Mönchen nicht nur zu den Gebetszeiten besucht, sondern in allen Anliegen, in denen man seinen Abt aufsucht: vor der Arbeit um den Segen bittend und nach deren Erledigung dankbar berichtend.

Doch die anderen Klöster, die alle von Äbten geleitet wurden, übten Druck aus, dass sich das Kloster Hilandar von seiner Äbtissin verabschieden möchte. Als die Mehrheit der Mönche gegen den Widerstand der getreuen Alten (die im Lauf der Zeit immer weniger wurden) schließlich einen Abt gewählt hatten, brach ein fünfzigstündiges Gewitter los. So kommentierte der Himmel die Beleidigung ihrer Herrin.

(Die Neuerer sind unbelehrbar – mir fallen die dazu die roten Schuhe ein).

Reb Weinreb sagt: Wenn man auch nicht weiß, warum etwas gerade so und genau so immer gehalten wurde, dann soll man es aus Liebe zu den Vorfahren, die es getreulich gehalten haben, ebenso weiter halten.
Bibiana
Ave Maria ... 🙏